Workshop Europa: Gegen Nationalismus

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#1

Im Zuge der Europawahlen sprachen wir (Dib-Tisch Dortmund) gestern über das Thema “Gemeinsame europäische Demokratie/Europa der Regionen”.
Ein zentrales Ergebnis unserer Debatte stellt die Auflösung von Nationalstaaten dar hin zum Postnationalismus. Damit einher geht u.a. auch die Abschaffung von Flaggen, die im Grunde den Nationalismus repräsentieren. Andere Positionen in der gestrigen Diskussion plädieren für die Beibehaltung der Flaggen, allerdings nicht mit einem Symbol, das für die Nation stehen steht, sondern ein Symbol für die jeweilige Region, eingebettet in das Europa-Symbol. Dabei gilt es ebenfalls zu überprüfen in welchen Bereichen und auf welchen Ebenen Nationalismus vermittelt wird. Diese Bereiche sind entsprechend zu identifizieren und dessen Intention hinsichtlich der Vermittlung eines Nationalgefühls zu hinterfragen. Anstatt Grenzen zu ziehen und vermeintliche Unterschiede hervorzuheben, soll der Fokus auf einem solidarischen Europa liegen.
In einer gemeinsamen europäischen Demokratie stehen wir für gleiche Rechte für alle. Jeder Mensch, der sich in Europa aufhält verfügt die gleichen Rechte. An dieser Stelle ist auf die aktuelle Ungleichheit hinzuweisen, die bestimmten Menschen mehr Rechte zu sprechen als anderen. Da die Herkunft eines Menschen eine untergeordnete Rolle spielen soll, ist es für ein gemeinsames Europa völlig irrelevant wo eine Person geboren ist.
Zusätzlich ist zu hinterfragen, welche Sprachen in der Schule gelehrt werden? Ob es weiterhin bei Sprachen von (ehemaligen) Kolonialmächten wie beispielsweise Englisch, Französisch oder Spanisch bleibt, oder ob auch andere Sprachen wie zum Beispiel arabisch in der Schule gelehrt werden soll.
Wer hat noch mehr Ideen für eine Initiative?

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Initiative: Englisch soll Verkehrssprache werden
#2

Zu mindest eine Antwort im Namen des @tk_bildungforschung:

Als sekundäre Fremdsprache nach Englisch, sollen die Sprachen der Nachbar(staaten) gelehrt werden. Bsp. in Brandenburg ist es Polnisch, in Schleswig-Holstein dann Dänisch, in Niedersachsen dann z.b. Holländisch, Baden-Würtemberg kommt Französisch und Bayern ist es Tschechisch usw…

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#3

Das gibt es teilweise schon. Ich wohne am Niederrhein in Nähe der Holländischen Grenze.
Auf der Schule meiner Tochter wurde die Fremdsprache Holländisch angeboten, leider nur in 2 Schuljahren. Das Angebot müsste ausgeweitet werden, warum nicht auch Türkisch oder andere.
++nicht als Moderatorin++

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#4

Ellen ich hab jetzt lange drüber nachdenken müssen, ob ich über migration argumentieren sollte, denn diese Minderheit in Deutschland ist ja nur einer falschen Innen- und Außenpolitik geschuldet.
Aber ich erkenne natürlich dass trotzdessen diese Situation vorhanden ist.
Aber müsste man dann nicht auch Sprachen wie Sorbisch lehren?
Oder auch Dialekte wie Platt-Deutsch die dem Skandinawischen nahe steht.
Denn immerhin ist Theutsch eine Sprache die erst durch Luther, aus vielen theutschen Sprachen entstand, fusioniert wurden zum einen und zum anderen Luther-Theutsch aus dem Wittenbergischen zu Hochdeutsch worde. Wir haben also sogar im eigenen Lande noch eine große Zahl an eigenen Fremdsprachen.

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#5

Da stimme ich Dir zu. Hier auf dem Land wurde früher viel Platt-Deutsch gesprochen, leider geht sie hier langsam verloren. Ich, als “alte Frau” kann es auch nicht, mein Vater konnte es noch. Die Frage ist nur, wie will man das realisieren. Die Kapazitäten sind leider nicht vorhanden. An den Volkshochschulen wird sie teilweise noch angeboten. Man sollte an den Schulen eher alle Sprachen unterrichten, die allgemein auf der Welt gesprochen werden, damit die Schüler unter sich besser verständigen und verstehen können oder ein evtl. angedachtes Auslandsstudium oder Praktikum leichter fällt.
++nicht als Moderatorin++

#6

Es fehlen ja die Kapazitäten gerade weil sie nicht unterrichtet werden und frag mal einen der richtig gut Platt kann der braucht eine skandinavische Sprache nicht wie einer Fremdsprache lernen sondern er hat schon ein Gefühl für diese Sprache durch seine eigene.

#7

@LauraS
Kannst du das bitte erläutern?
Ich möchte das nicht Falsch verstehen.

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#8

Zu dem Überthema und den Details ist es echt lohnend, wenn ihr euch mit Ulrike Guerot und ihrem Buch auseinander setzt.
Die hat das schon sehr ausführlich durchdacht. Das ganze european democracy lab ist sehr nah an den Interessen von Dib.

Liebe Grüße
Colin

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#9

Für das Buch habe ich während der Diskussion in Dortmund heftig Werbung gemacht und Teile auch daraus zitiert :wink:

Unser Ansatz insgesamt sollte vielleicht etwas erklärt werden:

Die Utopie von Frau Guerot ist toll. Aber sie liegt ca. 200 Jahre in der Zukunft. Wenn nicht mehr. Trotzdem sollte man unbedingt darauf hinarbeiten. Vielleicht (hoffentlich!) schaffen wir es schneller. Um das zu tun, muss man sich aber nicht nur über das Ziel einig sein. Man muss konkrete Schritte für die nächsten 12 - 24 Monate vorschlagen. Wenn man dann nach dem Grund für diese Schritte gefragt wird, kann man sie mit dem Streben nach der Utopie erklären.

Die ganzen Inis, die wir in Dortmund entwickelt haben, sind genau Vorschläge für diese ersten Schritte.

Ich sehe und höre Frau Guerot sehr gerne zu. Aber sie überfordert die meisten Menschen. Sie muss konkreter werden, wie man denn zu ihrer Utopie kommt. Und da kommen wir in Spiel :dib_spirit:

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#10

Als erstes ein paar Worte zu den Flaggen, ich denke man kann und sollte sie nicht abschaffen. Zum einen sind sie ein Symbol für ein Land, eine Region oder was auch immer (z.B. Vereine), womit Menschen sich identifizieren.

Diese Identifikation ist wichtig für ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Wann und bei welcher Gelegenheit die Flaggen offiziell gezeigt werden, ist eine ganz andere Frage.

Für mich gilt: Ich bin sehr europafreundlich und sehe die Notwendigkeit die EU zu festigen und die Staaten stärker zu binden, aber ich werde mich immer auch als Deutsche fühlen.

Nun zu den Sprachen: Zunächst einmal werden die nationalen Sprachen erhalten bleiben müssen, schon aus dem Grund weil viele nur diese Sprache können, dann werden wir um Englisch nicht herum kommen, weil viele es zumindest ansatzweise können und es relativ einfach zu lernen ist. Über andere Sprachen muss man von Fall zu Fall entscheiden.

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#11

Harry, welche Initiativen habt Ihr in Dortmund entwickelt?
Die Vorstellung von Frau Guerot, die sie in ihrem Buch darlegt sind zu unterstützen.
Aber für alle die das Buch nicht kennen und aus Zeitgründen nicht lesen können habe ich ein Interview Frau Guerots vom 2.5.2017 mit dem Standard (Österreich) hier beigefügt.
Politologin Ulrike Guérot- -Wir brauchen die Nation nicht mehr- - Interviewserie- Fachdidaktik kontrovers - derStandard.at › Inland.pdf (377,8 KB)

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#12

Liebe alle,

wenn man sich das Gezerre um Flaggen und Sprache hier bei der progressivsten aller Parteien so ansieht, könnte man meinen, es wird nie ein geeintes Europa geben. :joy:

Bitte den Smileiy beachten, damit das nicht in den falschen Hals gerät.

Also:
Es gibt Menschen, denen die nationale Identität wichtig ist. Verstanden. Wir sollten also Europa zu einer Nation machen, deren Identität die Menschen annehmen können.

Oder?

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#13

Liebe Europäer oder Europasympathisanten,
Flaggen sind das nebensächlichste für mich. Sie können Ausdruck für Nationalismus sein, aber auch nur Bekenntnis zur eigenen regionalen kulturellen Entwicklung.
Ich denke, wir sollten den Begriff “Nationalismus” als das verstehen, was aus ihm in der Jetztzeit gemacht wurde.
Es ist ein Ultranationalismus, der voll und ganz abzulehnen ist. Abzulehen ist auch der völkische Nationalismus. Abzulehnen ist auch der von Gott gegebene Nationalismus. Abzulehnen ist jedes Machtstreben, das den Nationalismus als Begündung heranzieht um andere zu erniedrigen, als minderwärtig zu betrachten.

Sprachen bilden ein wichtiges, ein sehr wichtiges Bindeglied zwischen den Regionen. Hier sollten wir die Ausführungen von “mdk” nicht ausser acht lassen.

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#14

Die Logik um ein Europa der Regionen erschließt sich mir nicht.

Deutschland selbst ist und bleibt doch auch eine (große) Region in einem gemeinsamen Europa. Und selbst wenn es irgendwann ein echtes geeintes Europa gibt, so wird Deutschland doch auch immer ein eigener großer “Verwaltungsbezirk” bleiben.

Wenn wir nun wieder ins Kleine gehen und historisch gewachsene Regionen hervorheben (und am besten noch neue Regionsgrenzen bilden!) dann ist das doch konträr zu dem großen Gemeinsamkeits-Denken. Dann verlagern wir den Nationalismus doch nur in die Regionen.

Wenn es denn bald ein Land “Republik Europa” (oder wie auch immer) gibt, dann haben wir eben einen Europa-Nationalismus genüber anderen Nationalismen wie in USA, China usw.

Deswegen: Der Nationalismus ist erst verschwunden, wenn es keine Flaggen mehr braucht.

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#15

Sehe ich ganz genauso.es wäre lediglich eine Verlagerung.

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#16

MIchael, Laura, im Grunde habt Ihr Recht. Ich möchte nur an die verschiedensten regionalen Unabhängigkeitsbestrebungen im 20. Jahrhundert in Europa erinnern (Nordirland - Südtirol).
Deshalb meine Frage im Betrag Nr. 13 nach der Definition von Nationalismus. Es nützt nichts den Nationalstaat als solchen abzuschaffen. Es muß der Nationalstaat als Gedanke, als zusammengehörigkeitsgefühl, eine Änderung erfahren, erweitert werden.
Willy Brandt hat einmal gesagt: “Es wächst zusammen, was zusammen gehört.” Das Europa von Heute ist nach Dahrendorf eine Kopfgeburt und keine Herzenssache.
Solange die Bürger Europas nicht fühlen und erkennen, dass sie zusammengehören wird es kein vereintes Europa, kein “Wir”, geben.
Was kann mensch, können wir als Dib, tun um ein solches “Wirgefühl” zu schaffen? Welche Forderungen und Maßnahmen müssen in die Wege geleitet werden um ein “Europagefühl” zu schaffen?
Hier sind wir gefordert.

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#17

Du spricht mir aus dem Herzen, daher ein paar Extra-Likes :luv: :luv::luv:

Z.B. dies:

https://marktplatz.bewegung.jetzt/t/europaeische-staatsbuergerschaft/21807

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#18

Ein Europa kann nur dann zusammen wachsen wenn vorher alle Beteiligten die Chance hatten zusich selbst zu finden

…Nationalismus.

Und dann sich freiwillig zusammenschließen.
Aber dass fand bisher nicht statt.

Regierungen haben über die Köpfe ihrer Bevölkerung hinweg entschieden.

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#19

Solche Dinge wie Zusammengehörigkeitsgefühl kann man nicht verordnen, das muss wachsen.

Für den Anfang könnte die Erkenntnis helfen, dass es Vorteile hat zusammen zu arbeiten. Das muss man den Menschen vermitteln. Ein Einheitsgefühl wird wohl Jahrzehnte brauchen, bis es entsteht.

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#20

Ich sehe es so, es muss grundsätzlich unterschieden
werden, zwischen Nationalitätsgefühl und Volkszugehörigkeitsgefühl —
und «Nationalismus» - von leicht bis extrem, fanatisch — und «ideologisiertem Volksdenken» bis “völkischem” Denken.

Ersteres - man kann es mögen, oder nicht — ist etwas Gewachsenes. Historisch und menschheitsgeschichtlich Gewachsenes.
Es ist nichts Schlechtes oder Negatives… Menschen haben eine konservative Seite und eine fortschrittliche … vielleicht gehört es zu der “konservativeren Neigung” in Menschen… …
So das Gefühl “Ich bin Deutscher”… “Ich gehöre zu Frankreich… Polen etc” … das ist “unser Land” … “wir” sind Finnen, Dänen, Schweitzer… …
Das ist historisch gewachsen… wie auch die Flaggen dazu, wie @miri auch schreibt… …

Und wenn die Menschen das Gefühl bekommen, dass ihnen etwas “weggenommen” werden soll … ihnen etwas “verloren gehen” könnte, dann halten sie erst recht daran fest.

Wenn Entwicklungen konstruktiv geschehen sollen, dann kann auch etwas Neues nur langsam wachsen —

und über Gewohntes können Menschen langsam hinaus-wachsen… wie ein Mädchen, :girl: die ihre Puppen irgendwann von selber beiseite legt… oder der Jugendliche, der an “bestimmten Jugendspielereien”, die ihm lange was bedeutet haben, plötzlich kein Interesse mehr hat… …
das geht aber nur, dass das von selbst geschieht… …

Nationalitätsgefühl ["Ich bin Schwede… Finne… Pole] und Volkszugehörigkeitsgefühl [“Ich bin Türke, vom Volk her Türke - lebe aber in Deutschland, bin auch Deutscher etc] sind nix Schlechtes oder Negatives; soetwas hat sich in unserer Geschichte entwickelt — und wirds geben, so lange, wie es es eben gibt.
Das Problematische - das was wir als schlecht oder negativ empfinden können — ist das Extreme. Das «Extrem-werden» von Nationalitätsgefühl, wenn es ideologisch aufgeladen wird — dann wird es zum National"ismus”.
Das Extrem-werden eines Volkszugehörigkeitsgefühls — auch im Sinen von “wir” sind “besser, klüger, toller, stärker, mächtiger etc. etc.” als “ihr” … … — dann wird daraus, im schlimmsten Fall “völkisches” Gedankengut.

Auch das finde ich ein wesentlicher Gedanke.
Ich weiss jetzt gerade kein gutes konkretes Beispiel - aber unsere Menschheitsgeschichte ist ja (leider) auch eine Geschichte unrechtmäßiger Eroberungen.
Wenn zB - auch wenn es mehrere hundert Jahre her ist, e g a l — eine kleine Volksschaft, ein kleines Volk von einem großen, mächtigen einfach erobert und gewaltsam einverleibt wurde ——
und wenn das nie aufgearbeitet wurde… die Wunden nie geheilt wurden … …
Dann kann sein, dass die betreffenden Menschen irgendwann sagen: “Wir wollen jetzt ein eigenes Volk, eine eigene Nation sein! Dieses Recht hat man uns genommen! Doch dieses Recht haben wir!!”
Wer wollte ihnen das verwehren? Oder sich anmaßen, das schlicht “reaktionär” zu nennen? Zunächst ist es etwas zutiefst Menschlich-Verständliches.

Vielleicht brauchen wir für die Zukunft auch noch mehr etwas wie Welt-Völkerrecht-Komitees.
Ich weiß im Moment gerade nicht, was es in der Richtung schon gibt.

Ich empfinde ein zusammenwachsendes EUROPA auch eine sympathische Vision :sunny:
ich sehe aber auch die Gefahr, dass die Dinge zu sehr “forciert” werden, wennauch in guter Absicht
und dass Menschen das Gefühl bekommen könnten, man will ihnen “etwas ihnen Wertvolles nehmen” … oder irgendwie “etwas aufzwingen” … eine “abstrakte Idee” aufzwingen etc. etc.

… vielleicht sogar länger als Jahrzehnte … in vielen Einzelprozessen.

Spontan kam mir der Gedanke - Sowohl als Auch - Denken — anstatt Entweder-Oder.
«Entweder-Oder» bedeutet eher: Das Bisherige ist “reaktionär” … muß “weg” … “überwunden” werden … ist sowieso “nur ein Konstrukt” … also: Länder, Völker, Flaggen — “weg” damit!!
Ich denke, dann wird der Schuß nach hinten losgehen.

«Sowohl Als Auch - Denken» könnte bedeuten, das Bisherige - jetzt muß ich innehalten, überlegen… —
also, das Bisherige: Deutschland :de: Schweden :sweden: etc. →→ als "latein: natio, „Volk, Sippschaft, Menschenschlag… Schar" wirds weiterhin geben, das wird niemandem weggenommen… …
nur - eben nicht mehr in der gewohnten Form, der gewohnten Art und Weise… …
vielleicht erst einmal in der Art… mit neuen Begrifflichkeiten, wie Eurovölker, Euroländer, Euronationen
als mir diese Fantasie, diese Idee kam - dachte ich zugleich: bei diesen Begriffen würden AFDler und andere allerdings schäumen… …

Ich bin in eine Art Brainstorming gekommen… … :grinning: und führ es nicht weiter.
aber eben Sowohl als auch, nationische Regionen, Völkerregionen in einem Europa der Vielfalt, das sich zu einem neuen Gemeinwesen entwickelt.
An dem alle aufgefordert sind, mitzuarbeiten.

:pencil2: ich merke, dass auch meine Gedanken dazu noch lange nicht “fertig” sind,
sich dabei sind, zu entwickeln… …

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