Wie wollen wir mit dem Thema Prostitution umgehen?

Original Veröffentlichung: Wie wollen wir mit dem Thema Prostitution umgehen? | DEMOKRATIE IN BEWEGUNG

Das Herz von DEMOKRATIE IN BEWEGUNG sind Basisdemokratie und Mitbestimmung. Jede*r einzelne kann sich über unser Initiativprinzip aktiv ins Parteiprogramm einbringen. Doch dabei sind wir uns nicht immer einig. Das ist aber auch gar nicht schlimm, so entsteht eine lebendige Diskussionskultur. 

Aktuell „konkurrieren“ zwei Initiativen darum, Teil des Parteiprogramms von DiB zu werden. Das Thema: Wie wollen wir mit dem Thema Prostitution umgehen? Legalisieren? Verbieten? Enttabuisieren?  

Initiative 1: Progressiver Umgang mit Sexarbeit & Kampf gegen Zwangsprostitution (Vertreten durch Alina)

„Was machst du eigentlich beruflich so?“, ist eine dieser Standardfragen, wenn sich alte Bekannte, Freunde oder ehemalige Klassenkamerad*innen nach langer Zeit das erste Mal wiedersehen. Dann gibt es – je nach Beruf – gewisse zu erwartende Reaktionen. Ärzte zum Beispiel können sich dann sicher sein, direkt jeden zweiten Partygast durch zu diagnostizieren. Doch welche Reaktionen wären zu erwarten, würde man sagen, man sei Sexarbeiter*in bzw. Prostituierte*r? Die Reaktionen würden wohl vielfältig ausfallen – von ekelerfüllter Abscheu à la “Wie kann man sowas nur machen?”, bis hin zum interessierten Ausfragen über diese Tätigkeit.

Sexarbeit, ein Tabu.

Aber mal ganz ehrlich: Wer würde sich trauen, sich als Sexarbeiter*in zu outen? Denn die Angst vor Zurückweisungen, Ablehnungen und beruflichen wie gesellschaftlichen oder privaten Repressionen ist meist viel zu groß. Welche Chancen bei der Jobsuche hätte etwa eine Studentin, die ihr Studium ganz offen als Escort finanziert hat? Wohl eher schlechtere. 

Doch warum hat dieses Gewerbe einen derart schlechten Ruf? Vielleicht liegt es am Klischee der ungebildeten, drogenabhängigen Straßensticher*in. Oder am Neid, dass Sexarbeiter*innen ohne Qualifikation durchaus ein komfortables Einkommen generieren können.

Das Problem reicht aber tiefer in unserer Gesellschaft hinein, die Sexarbeit als anrüchig, gar schmuddelig stigmatisiert. Wir müssen Menschen dafür sensibilisieren, dass auch Sexarbeiter*innen mit Würde und Respekt zu begegnen und ihre Arbeit nicht abzuwerten ist. Dabei dürfen wir Sexarbeiter*innen nicht entmündigen, indem wir Politik über ihre Köpfe hinweg gestalten. Vielmehr gilt auch hier: Politik mit Menschen machen, anstatt Politik für Menschen zu gestalten. Der Grundsatz “My Body, My Choice” musszwingend gewahrt werden.

Armutsprositution und Menschenhandel verhindern

Natürlich dürfen wir unsere Augen nicht vor den Problemen vieler Sexarbeiter*innen verschließen. So sind Armutsprostitution und Zwangsprostitution in Deutschland stark verbreitet und müssen effektiv bekämpft werden. Niemand darf sich aus finanziellen Nötenheraus gezwungen sehen, sich zu prostituieren. Eine Lösung dazu könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen darstellen. 

Auch müssen unsere Strafverfolgungsbehörden finanziell und personell besser ausgestattet werden, um Zwangsprostitution und Menschenhandel früh zu erkennen und effektiv zu bekämpfen. Auch Finanzämter müssen mehr Kompetenzen zugewiesen bekommen, um Finanzströme von Menschenhändlern trocken zu legen.

Wie bekommen wir alles das unter einem Hut? Verbote verlagern das sichtbare Problem nur in den Untergrund.

Vielmehr müssen wir einen liberalen Weg einschlagen bzw. unseren liberalen Weg fortsetzen und die Debatte um Sexarbeit entmoralisieren. Denn erst, wenn Sexarbeit als völlig legitime Erwerbsquelle erachtet wird, lassen sich Maßnahmen der Transparenz flächendeckend durchsetzen und so illegale Machenschaften aufdecken.

Mehr zu dieser Initiative findest Du hier.

Initiative 2: Ende der Prostitution – Umsetzung des Nordischen Modells (Vertreten durch Matthias)

Wenn ich beschreiben sollte, wie ich mir in Zukunft die Welt vorstelle, dann würde ich anfangen mit friedlich, modern, gerecht und würdevoll. Frei von Krankheiten und Nöten. Und dass alle Menschen gleich sind, gleich vor dem Gesetz, gleich vor der Gesellschaft, gleich für jedermann.  Diese Welt sollte voller Harmonie und Liebe sein, jeder sollte lieben können und jeder soll geliebt sein.

Moderner Sklavenhandel

Aktuell aber haben wir eine ganz andere Welt, die nicht so friedlich ist, nicht so gerecht und schon gar nicht würdevoll. Es gibt Krankheiten, Nöte und viele andere unheilbare Dinge. Menschen betrachten andere als niedere Lebewesen unserer Gesellschaft undbeuten diese aus. Sie betrachten sie als weniger wertvoll, im Kleinen wie auch im Großen. Im Großen ist Menschenhandel, also Sklaverei, noch immer Bestandteil unserer Gesellschaft. Prostitution trägt einen großen Anteil dazu bei. Unter ihr können sich Menschenhandel und Sklaverei vorzüglich verbergen. Der Grauzonenbereich zwischen Menschenhandel und Prostitution ist groß.

Und im Kleinen muss man sich die Frage stellen: Wozu ist Prostitution gut? Menschen, die diese Dienstleistung in Anspruch nehmen, tun was genau? Sie suchen nach einem Ersatz, für etwas, das ihnen ihr Lebenspartner nicht geben kann oder will. Oder sie habenerst gar keinen. Eckart von Hirschhausen hat das mal auf den Punkt gebracht: Männer, vor allem in Deutschland, heiraten meist eine Gesellschaftsstufe tiefer und Frauen suchen nach einem reichen erfolgreichen Mann. 

Im Grunde trifft sich das ja ganz gut aber was bleibt dann übrig? Reiche Frauen und arme Männer. Diese armen Männer werden sich sicherlich keine Prostituierte leisten können, es sei denn es gibt regelrechte Discount-Angebote und das wiederum ist nur mit Menschenhandel abdeckbar. Ein*e Sexarbeiter*in, die freiwillig seine*ihre Dienstleistungen anbietet, wird mit Sicherheit nicht für 20 € oder zum Nulltarif arbeiten. Das funktioniert nur mit Zwangsprostitution. Zum Wohle vieler müssen wenige zurückstecken, soder Ansatz. 

Vorbild Schweden

Aber es geht noch weiter: In Schweden wo der Sexkauf mittlerweile verboten ist, hat ein gesellschaftlicher Wandel eingesetzt. Sexkäufer die bisher zu Prostituierten gingen suchen nun konkrete Hilfe bei Hilfsorganisation, um von ihrer Sexsucht loszukommen. Denn die Prostituierten können nur die Symptome behandeln aber nicht die Ursachen heilen, die in unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind. 

Eine Gesellschaft die voller Liebe ist und in Balance zueinander steht, braucht keine Prostitution.

Mehr zu dieser Initiative findest Du hier:

Welche Initiative soll es ins Parteiprogramm schaffen? 

Du findest Dich in einem der Vorschläge wider und findest, dass dieses Ins ins Parteiprogramm muss? Dann schau hier vorbei und unterstütze den Vorschlag. Du möchtest gerne noch einen Punkt in die Diskussion einbringen, der bisher noch nicht bedacht ist? Dann immer her damit. 

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