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#41

Guten Tag,

ich war bis vor kurzem noch für MUT in Bayern im Landtagswahlkampf beschäftigt und
wir waren eher unzufrieden mit den Plakaten die fast ausschließlich jeweils nur aus einem einzigen
Wort wie “Solidarmut”, “Gesundheitsmut” usw. bestanden.

Ich fand auch die meisten anderen Plakate die man so in den Städten sah ziemlich nichtssagend und hätte
daher die Idee:

Wie wäre es in kleiner Schrift zumindest bei einem Teil unserer Plakate (oder Werbetafelzeiten) eine Art Grundsatzprogramm in ein paar hundert Wörtern zu zeigen? Vielleicht sogar bewusst schlicht in schwarz-weiß gehalten?

Würde das nicht ziemlich viel Aufmerksamkeit erregen im Vergleich zu den Plakaten anderer Parteien die meistens nur aus ein paar Schlagworten bestehen? Vom Auto aus kann man so etwas zwar nicht lesen, aber als Fußgänger schon.


#42

Das hat die FDP doch bei der letzten Bundestagswahl gemacht.

Ich persönlich fand es eher wenig ansprechend, ich bin aber natürlich nicht repräsentativ.


#43

Ich fand es eigentlich ganz apart von der Idee - aber da man es nicht lesen konnte auch irgendwie sinnfrei.

Unser Fazit beim Plakatieren war schlussendlich: Macht nur Sinn mit Kandidat*innen die man/frau schon kennt. Inhalte auf Plakate (haben wir gemacht Vorder-+ Rückseite) führt leider zu nichts.


#44

Es ist zwar keine Wahlkampfmethode , aber meiner Meinung nach trotzdem sinnvoll . Seit einigen Wochen , benutzen einige Mitglieder und Beweger/innen betont >mensch< statt >man< . Einerseits verschandelt dieser Austausch unsere schöne deutsche Sprache und wir machen uns damit nur lächerlich , weil es das geschlechtslose >man< durch das männliche >mensch< ersetzt , also das Gegenteil von Gendern . Außerdem ist es auch noch vollkommen falsch . An anderer Stelle wurde gerade über die Groß-und Kleinschreibung von >Du/du< und >Ihr/ihr< diskutiert . Dabei wurde vehement auf den Duden und seine Regelungen verwiesen .

mensch< ist jedoch immer und total falsch , denn Mensch wird in jedem Fall mit einem großen >M< begonnen , weil es ein Substantiv ist . Etliche Nutzer/innen beschwerten sich bereits über die “Unsitte” der Bergpartei , Alles klein zu schreiben . Dabei ist dies sogar durch die Regeln der Computersprache abgedeckt . Und trotzdem verweigern Einige , so geschrieben Texte zu lesen , empfinden das sogar als Missachtung .

Mindestens ebenso unsinnig und falsch ist das Gendern von >Mitgliedern< zu >Mitglieder*innen< . >Mitglieder< ist die Mehrzahl von Mitglied und somit sächlich oder ohne Geschlechtszuweisung . Wenn schon gegendert werden soll , dann bitte nicht falsch oder unsinnig . Es ist schon schwierig genug , einigermaßen vernünftig zu gendern ; wir sollten unsere Leser/innen und Zuhörer/innen nicht noch zusätzlich mit derartig falschen Wortschöpfungen irritieren . Damit werben wir weder für uns , noch für unsere Sache .

Ich bin kein Germanist (weiß nicht mal , was CI ist) , deshalb sollten sich Andere darum “kümmern” . @Sofian hat , glaube ich jedenfalls , auch schon mal eine Begründung gegen diese falsche Art zu gendern geschrieben . Ich möchte eigentlich nur daran erinnern , dass wir das Gendern mal positiv besetzen wollten - mit offensichtlichen Fehlern wird uns das nicht gelingen , sondern eher das Gegenteil .


#45

Darf ich dann jetzt wieder “man” schreiben - das sollte doch vermieden werden (was ich persönlich auch absurd fand, weil man überhaupt nichts mit Mann zu tun hat., und vermutlich nur der Überspitzung dienen sollte) :hugs:!


#46

Durftest du schon immer. Denn wir bei DiB haben das nicht irgendwo festgeschrieben, dass wir mit “mensch” gendern. Wir haben ja “nur” das Sternchen für repräsentative Kommunikation festgelegt. Was du in nicht-so-repräsentativer Funktion hier auf dem MP machst, ist ja wurscht. Mir nicht, aber so insgesamt schon. :slight_smile:


#47

Und irgendwo stand: “das Wort “man” sollte vermieden werden”.
Kann aber auch in den Öffie- Regel gestanden haben.


#48

Mit dem Wörtchen sollte auch jenseits von Geschlechterperspektiven reflektiert umgegangen werden. Viele benutzen das und denken nicht drüber nach.

“Das macht man so.”
“Man gendert heutzutage mit Sternchen.”

Da sollte man aufpassen, was man eigentlich zum Ausdruck bringen will. Wenn man eigentlich über sich selbst sprechen will, sollte man dann einfach auch “ich” statt “man” sagen. “Man” ist eine Verallgemeinerung. Und was es bedeutet, wenn man dieses Wort benutzt, sollte einem klar sein. Ist aber nicht allen klar.


#49

Auch in unseren Kommunikationsregeln steht (sinngemäß) >man sollte … ; man müsste … sollte vermieden werden< , doch dabei ging es m.M.n. weniger um das Wort “man” , sondern mehr um seine Unpersönlichkeit ; steht ja auch erklärt : besser >ich werde … , ich muss … , ich möchte …<

Übrigens benutzt Du , liebe @claudia , dieses Wort auch dem Sinn nach kaum (meine Wahrnehmung) und wenn (#28) , dann ist´s auch angebracht .


#50

man könnte ja auch schlagworte mit inhalten füllen und dann auf Plakate drucken.


#51

Allerdings bezweifle ich die Effizienz von Plakaten, wenn wir sie so nutzen wie Parteien das so üblicher Weise tun -> An hoch frequentierten Orten aufhängen. Plakate haben das Problem, dass sie an diesen Orten möglichst viele und unterschiedliche Leute ansprechen müssen, da sie im öffentlichen Raum hängen. Um also potentielle Wähler nicht zu verprellen versucht man wenig konkrete Inhalte draufzupacken, sonder statt dessen über Sympathie die Leute zu erreichen -> Lächelnde Politker*innen. Die FDP hat diese Logik perfekt angewendet und sie wurde teilweise gewählt, weil Lindner so “nett/cool” auf den Plakaten ausgeschaut hat :scream:. Sprich Plakate funktionieren auch meiner Meinung nach nicht mit Inhalten sondern nur über Sympathie und Emotionen - Und über Masse, was wir definitiv nicht stemmen können. Außerdem sollten wir beachten, dass immer wieder Leute genervt von den Plakaten sprechen (meist potentielle DiE/DiB-Wähler, so mein Eindruck). Fazit meinerseits: wenn überhaupt Plakate, dann müssten die echt anders angewendet werden und sehr cool sein.

Ich fände es daher viel spannender, wenn wir überlegen würden, ob man den Wahlkampf nicht auch anders aufziehen kann. Naheliegend ist: Mehr gezielt über socialmedia bestimmte Gruppen (alter, etc) ansprechen. weitere Idee: Wenn wir die Kommentarfunktion bei online Zeitungen nutzen um auf unsere Agenda aufmerksam zu machen. Plakate an total ungewöhnlichen Orten aufhängen um dann auf die Verbreitung durch instagram und twitter (und vielleicht sogar Presse) zu hoffen, e.g. vor Björn/Bernd Höckes Haus mit zig Plakaten und bunter Straßenmalkreide für Vielfalt und geeintes Europa werben. Im hambacher forst (oder generell im Wald) für Klimaschutz, etc. Mittels Fotomontagen unsere Vision/Utopie greifbar & vorstellbar machen (lässt sich dann auch wieder vielfach verwenden)


#52

Wir müssen aber auch Offline sichtbar werden!


#53

Stimme dir zu, bin mir nur nicht sicher, ob das über die Strategie der etablierten Parteien kosten-effizient möglich ist. :wink: Noch eine Idee, statt Reden in der Öffentlichkeit zu schwingen könnte man auch immer ein offenes Mikrophon anbieten - oder lokale Talkrunden mit den anderen Politikern des nachbarstandes anbieten, … Sprich ich denke wir sollten versuchen aus den klassischen Wahlkampf-mustern auszubrechen, weil diese ein größeres Buget verlangen um wirksam zu sein.


#54

Solche merkwürdigen Sprachideen wie “mensch” statt “man” sollten wir wirklich lieber noch mal überdenken. So etwas wird immer gerne vom konservativen und rechten Lager als Steilauflage genommen um die Verwender solcher Begriffe ins lächerliche zu ziehen.

Das ist denke ich im allgemeinen eine Gefahr mit der progressive Parteien konfrontiert sind, das rechtsgerichtete Gruppen es schaffen sie auf Themen wie “gendergerechte Sprache”, “Feminismus”, “LGTB” zu reduzieren, ein paar merkwürdige Positionen oder Ideen von ein paar Leuten herausgreifen und dann zu einer angeblich gefährlichen Ideologie aufblasen. Sie schaffen es so auch den Eindruck zu erwecken dass die “progressive Linke” sich nur für diese Themen interessieren würde, während sie mit ihren Themen “Sicherheit durch Abschottung”, “Islam bekämpfen” usw. leider viele Menschen erreichen können. Darauf die richtige Antwort zu finden, ist denke ich nicht leicht.


#55

Genau, und genau auf diese Themen müssen wir eine Antwort geben, und zwar die richtige und keinesfalls die falsche! Damit meine ich: Es darf nicht rüberkommen, dass wir für Zuwanderung, Multikulti etc. sind. Bevor alle aufschreien lasst mich erklären, was ich damit meine:

-Natürlich sind wir nicht für ausufernde, steigende Zuwanderung. Wir sehen nur keine Lösung darin, die Flüchtenden an den Grenzen aufzuhalten und den hier lebenden Migranten das Leben schwer zu machen. Wir sehen die Lösung in einer menschenfreundlichen Welt, in einem menschlichen globalen Wirtschaftssystem, dass keine Flucht mehr erzwingt. Wir sind nicht für Flüchtlinge, denn das hieße ja, Flucht und damit ihre Ursachen gut zu heißen. Migration befürworten wir nur, solange sie freiwillig ist und wir setzen uns entscheiden dafür ein, dass niemand meint, sein Land verlassen zu müssen. Das ist natürlich ein schwieriger, langer Weg, aber ein nachhaltiger und menschlicher. Fazit: Wir müssen die Ursachen der Migration in den Fokus rücken.

-Die Globalisierung macht den Menschen Angst. Jetzt im Wahlkampf Weltoffenheit etc. zu betonen wäre also kontraproduktiv. Denn wir wollen doch keinen globalisierten Finanzkapitalismus, wir wollen nicht die neoliberale Doktrin nach der die Schwachen selbst Schuld sind und jeder sich selbst der nächste ist. Wir müssen klar machen, dass wir nicht für den Abbau sämtlicher Hindernisse sind, die das globale Kapital noch daran hindern, Mensch und Natur vollkommen zu unterwerfen sondern im Gegenteil die einfachen Menschen wieder in den Mittelpunkt der Politik rücken wollen.

-Wirtschaft ist ein heißes Thema. Wir sind nicht gegen Wirtschaft. Wir stellen aber die Frage, wem die Wirtschaft dienen soll. Wir müssen klar machen, dass wir die Wirtschaft in den Dienst der Allgemeinheit stellen wollen. Es ist eben falsch, dass alles was gut für Deutschlands Wirtschaft ist gut für Deutschland ist. Mit diesem Irrtum müssen wir aufräumen. Friedrich Merz punktet mit seiner “Wirtschaftskompetenz” weil keiner hinterfragt, was das denn bedeutet: Alles für die Wirtschaft und nichts für die Menschen.

Mein Vorschlag wäre:

  1. Eine Liste der wichtigsten Probleme aufstellen
  2. Die Ursachen zu Punkt 1 kurz benennen
  3. Mögliche Lösungsansätze benennen
  4. Versuchen, diesen Zusammenhang in einem prägnanten Bild oder einer prägnanten Aktion darzustellen. Alle Probleme, wo dies nicht möglich ist taugen nicht für den Wahlkampf.

#56

Auch wenn das jetzt ein wenig aus dem Kontext gerissen ist, muss ich kurz anmerken, dass mir der Satz nicht gefällt und ich ihn so auf keinen Fall stehen lassen möchte!

Weltoffenheit ist IMMER zu betonen! Auch wenn ich einiges von deinen Ausführungen richtig finde.

Also nicht falsch verstehen - aber auf Weltoffenheit zu pochen finde ich extrem wichtig, wenn man erklärt was man darunter versteht ist es sehr wohl ein gutes Wahlkampfarhument. Insbesondere im Gegensatz zu denjen die auf Abschottung plädieren.


#57

Ja, aber nur dann. Für sich allein stehend führt es sehr leicht zu Missverständnissen. In der herrschenden neoliberalen Ideologie werden leider sehr viele eigentlich positiv besetzte Begriffe in einen Zusammenhang gebracht, in dem sie nichts zu suchen haben und damit zu Euphemismen, mit denen negative Folgen verklärt werden sollen. In diese Falle zu tappen ist sehr leicht, und davor muss man sich hüten.


#58

Ich habe in den letzten Tagen viel über das Thema nachgedacht und finde “Weltoffenheit” ist überhaupt kein gutes Wahlkampfthema. Es geht nicht darum, diese Haltung zu verschleiern, aber Weltoffenheit (gemeint als Offenheit gegenüber fremden Kulturen, anderen Menschen etc.) ist als Wahlkampfthema ähnlich wertvoll wie Merkels “Wir schaffen das”.

Ich meine: Die Welt gerät aus den Fugen, die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich, soziale Kälte breitet sich aus, Umweltzerstörung nimmt zu, Schulen verfallen, Straßen zerbröseln, Überwachung nimmt zu etc. Wenn ich jetzt sage: Schaut her, wir sind weltoffen, wählt uns, wirkt das dann nicht reichlich naiv?
Ich denke, damit ist man dann ein träumerisch idealistischer Gutmensch, und zwar zu recht. Weltoffenheit ist eine noble Geisteshaltung, aber keine Lösung für handfeste Probleme.

Die Rechten geben Abschottung und Fremdenfeindlichkeit als Antwort auf die Probleme, und darauf antworten wir dann mit Weltoffenheit? Hey, wir sollten nicht den Rechten antworten sondern den Menschen, wir sollten bessere Antworten auf die Probleme geben und uns nicht hinter Floskeln wie “Weltoffenheit” verstecken, als hätten wir nicht ein basisdemokratisches Politikkonzept und eine Menge Inis für eine bessere Zukunft.

Außerdem bin ich durchaus für Abschottung, ja. Ich bin gegen den schrankenlosen Kapitalmarkt, gegen globalisierten Wettbewerb, gegen Standortkonkurrenz um maximale Deregulierung. Ich bin der Meinung, dass Märkte nur sinnvoll im Sinne der Menschen reguliert werden können, wenn sie eine gewisse Abschottung gegeneinander aufweisen. Abschottung gegen Menschen finde ich schrecklich, aber Abschottung gegen Kapitalmärkte überhaupt nicht. Derzeit wird demnach an der falschen Seite abgeschottet und an der falschen geöffnet, klar, aber Abschottung ist nicht in allen Bereichen schlecht.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde es nur besser, wenn wir selbst den Finger in die Wunde legen bevor der Wähler und die Medien es tun.


#59

Nenne Ross und Reitter. Oberste Devise.
Globale Probleme, Lösungansätze für solche erarbeiten, anbieten… und dies ohne das Wort ´global´ in Mund zu nehmen wäre…
Falsche Scham ;- )


#60

Mir schwebt gerade so ein Wahlplakat vor dem inneren Auge rum:

Eine klassizistische Fassade, etwa von einem öffentlichen Theater. Am Giebel ist ja oft so ein Dreieck, in dem ein Schriftzug (z.B. Theater) steht.
Hier steht dann aber “Demokratie”, aber die Fassade ist bröckelig, und hinter dem Wort Demokratie kann man schon ohne viel Fantasie das Euro-Zeichen erkennen.
Darunter dann ein Spruch wie: “Politik darf nicht käuflich sein”

Dafür muss man natürlich richtig gut zeichnen können…