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Vorsorge für psychische Erkrankungen

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#21

Genauso ist noch ein anderer Mißstand —

vor Jahren erzählte eine Freundin mir, die mit etwa 40 noch ein Studium als Lehrerin machte, und die häufiger in Selbsthilfegruppen ging - EA Emotions Anonymous, vergleichbar den AA, mit dem Thema emotionale Gesundheit
sie müßte verheimlichen, dass sie in eine Selbsthilfegruppe dieserart geht… auch, dass sie eine zeitlang Psychotherapie gemacht hat … sonst könnte sie Schwierigkeiten bekommen, Lehrerin zu werden.

Sie war ein großartiger Mensch, es war nicht so, dass sie nicht zurecht kam… sie hat halt an Themen von sich gearbeitet, gerade dadurch war sie wahrscheinlich mehr innerlich auch gereift, wie viele Andere die nie tiefer über sich nachdenken… sich mit sich auseinandersetzen.

Gerade dadurch kann sie, für mein Empfinden eine gute Lehrerin sein, durch gerade auch dadurch sich mehr in andere hineinfühlen können …
Und sie muss das verheimlichen — weil sie sonst vielleicht nicht hätte Lehrerin werden können.

In diesen Bereichen ist noch viel im Argen, braucht aber auch noch viel Entwicklung im Denken, im Bewusstsein der Menschen.
Wer mit körperlichen Beschwernissen zu tun hat, kann das überall erzählen, wird immer auf Verständnis stoßen.
Wer mit emotionalen bzw. psychischen Beschwernissen zu tun hat, spricht häufig nicht oder nur mit nahen Menschen darüber, um keine merkwürdigen Bemerkungen zu erleben… …
Wir kommen ja aus Zeiten, wo gravierendere psychischen Beschwerden mit Begriffen, wie “verrückt” und “Irrenanstalt” tituliert wurden… … und auch weniger gravierende Beschwerden, und einfach eine Psychotherapie, mit Begriffen wie “Psycho”… “Psychodoktor” … und anderer Art geringschätziger Ausdrücke.

Es hat sich viel auch in eine gute Richtung verändert, in den letzten Jahrzehnten… aber anderes — als Relikt dieser hinter uns liegenden Zeit(en) wirkt, in subtilerer Weise, noch weiter.


#22

Dann wäre sie aber in einer Selbst"hilfe"gruppe auch nicht gut aufgehoben, sondern eher bei einem Supervisor o.ä.
Wenn jemand Sportler ist, lässt er sich von Profis coachen, welche seine Stärken verstärken. Er umgibt sich mit anderen Sportlern um besser zu werden.
Wenn jemand einen Hinkefuss hat, lässt er sich von einem Orthopäden “coachen” um so sein Handicap zu verringern.

Es mag sein, dass es bei deiner Bekannten anders war, sie also eine Ausnahme war. Aber wenn dem so war, dann muss sie sich halt auch außergewöhnliche Massnahmen bei ihrer Bewerbung einfallen lassen. Sei merkwürdig! (Es ist würdig sich zu merken.)

Ich finde, Ihr seid hier nicht ganz fair und vergleicht Dinge, die man so nicht vergleichen darf.
Ich will dabei ausdrücklich betonen, dass auch ich bei DiB bin, weil ich die Missstände in unsere Gesellschaft nicht gut heisse.
Wenn ich jedoch als Personalchef*in in einer Bewerbung lese, Frau Heilewelt war 18 Monate in psychosozialer Behandlung, dann möchte ich sie spontan nicht mit Kindern arbeiten lassen.

Es gibt immer und überall Ausnahmen. Aber ich rede hier die ganze Zeit von der Regel. Die Regel muss in meinen Augen sein, dass alle gleich viele Opfer bringen (in Sozialkassen für KV, BU, Rente, etc.) einzahlen und alle eine Grundversorgung (z.B. BGE) erhalten.
Alle haben aber nicht die gleiche Chance, eine bestimmte Arbeitsstelle zu erhalten oder eine private Vorsorge abzuschliessen. Das wäre Gleichmacherei und wo das hinführt, haben wir in der DDR erlebt.

+++ nicht als Moderator +++


#23

ich bin mir nicht sicher , ob Du medizinische Vorsorge meinst , aber wenn … , dann muss ich widersprechen , denn darum geht es ja . Med. Vorsorge und Prophylaxe sollte unbedingt Teil der Grundversorgung werden und zwar für jedes Krankheitsbild . denn erstens steht es Jeder/m zu und zweitens lassen sich damit die Kosten für die Solidargemeinschaft senken und viele Krankheiten verhindern bzw in Verlauf und Schwere positiv beeinflussen lassen .

In Sachen Versicherungen bin ich ja bei Dir und erst recht , wenn es um die Gemeinwohlorientierung geht . Solange die Priorität auf Gewinn liegt , sind das natürlich alles Risikofaktoren . Aber es sind eben nicht Faktoren oder Zahlen , sondern Menschen und potentielle Patienten .

Witzigerweise war >burnout< ja mal die typische Managerkrankheit und wurde deshalb von den PKV abgesichert . Doch inzwischen ist es aber eine der weit-verbreitetsten psychischen Krankheiten in sehr vielen Berufen und unerkannt/unbehandelt führt es eben häufig zu Depressionen . Aber wem sage ich das (?) - das weißt Du alles besser als ich - genau weil Du die andere Seite so gut kennst , ist Deine Sichtweise so wichtig für diese Initiative .


#24

Hallo zusammen, erstmal vielen lieben Dank für diesen Thread und Deine Gedanken zu diesem Thema. Ich werde mal versuchen ein bisschen was beizutragen.

Du schreibst:

Hierzu muss man wissen, dass psychische Störungen eben keine Krankheiten sondern Störungen sind. Dies ist sowohl in ICD10 und DSM V so definiert. Während Krankheiten auf einen “körperlichen Defekt” zurück zu führen sind, ist das bei psychischen Störungen nicht der Fall. Die Ursachen sind meist vielfältig und liegen nicht nur in der Person selbst.
Im Gegensatz zu Krankheiten kann man Störungen nicht verlässlich prognostizieren. Ja, es gibt Risikofaktoren, aber nicht jeder der diese Risikofaktoren hat, bekommt die Störung. Viele bekommen es eben einfach nicht (man nennt das Resilienz). Ich glaube, es gibt nicht viele Mediziner, die seriös vorhersagen können und wollen, dass man “irgendwann mal” eine Depression bekommt. Weiterhin ist man bei vielen psychischen Störungen noch gar nicht wo weit in der Ätiologie (= Ursachenforschung), wie man es oft annimmt. Es gibt viele Vermutungen aber kaum Beweise für die Entstehung psychischer Störungen.

Trotzdem bin ich völlig bei Dir. In Deutschland kümmerst man sich nicht prophylaktisch um psychische Störungen, obwohl dass dringend geboten wäre.
Depressionen sind die dritthäufigste (!!) Einzeldiagnose nach Infektionen und Rückenschmerzen, (Quelle: BKK Report 2016). Zwar sind da mit Sicherheit auch Fehldiagnosen dabei, aber eben auch ganz viele,die sich nicht diagnostizieren lassen.
Es muss endlich ein Umdenken im Umgang mit Depressionen geben. Ich möchte auch nochmal anmerken, dass man für eine Depression genauso viel kann für einen Infekt, nämlich nix!
Man bekommt es nicht weil man zuviel arbeitet, zu wenig arbeitet, faul ist, sich nicht um seine Gesundheit kümmert oder was weiß ich. Es ist immer ein Bündel an Ursachen. Genau das macht aber eine “Vorsorge” schwierig.

Trotzdem müssen wir endlich aufwachen!! So stellt die BELLA Studie fest: _“Insgesamt zeigen 21,9 % (95 % KI: 19,9–24,0) aller Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Als spezifische psychische Auffälligkeiten treten Ängste bei 10,0 % (95 % KI: 8,7– 11,6), Störungen des Sozialverhaltens bei 7,6 % (95 % KI: 6,5–8,7) und Depressionen bei 5,4 % (95 % KI: 4,3–6,6) der Kinder und Jugendlichen auf. Unter den untersuchten Risikofaktoren erweisen sich vor allem ein ungünstiges Familienklima sowie ein niedriger sozioökonomischer Status als bedeutsam.” (Quelle: https://edoc.rki.de/handle/176904/436).

Wo kann man also ansetzen? Deine Vorschläge

finde ich gut. Aber gehen sie weit genug? Was könnte man noch tun?
Auch wenn oft kritisiert wird, dass es zu wenig Holfe und Vorsorge im Berech psychischer Störungen gibt (z.b. hier: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/95691/WHO-sieht-weltweit-zu-wenig-Hilfe-bei-psychischen-Krankheiten), Konzepte was man besser machen kann, sind mir leider nicht bekannt.
Ich denke, wenn jeder offen sagen könnt, ich habe eine psychische Störung und keine Konsequenzen fürchtne müsste, würden die Menschen sich öfter helfen lassen.
Aber für genauso wichtig halte ich Präventions- und Interventionsangebote!

Last but not least: Lieber @Gerald, du weißt ich schätze dich sehr und du meinst es total gut. Trotzdem muss ich dich jetzt als Beispiel “missbrauchen”, um zu zeigen, wie stigmatisiert psychische Störungen sind. Wenn hier geschrieben wurden wäre, ich hab manchmal ganz merkwürdige Rückenschmerzen und jemand hat mir empfohlen damit mal zu Arzt zu gehen…Hättest du dann geschrieben: ach, wart erst mal lieber ab und mach eventuell erst mal n paar Rückenübungen, weil wenn bei Dir n Bandscheibenvorfall diagnostiziert wird hast du später Probleme ne Versicherung abzuschließen?

@Dat : falls Du das Gefühl hast, dass da irgendwas nicht so glatt läuft: Geh zu Deinem Hausarzt (ich hoffe du hast einen guten!) und berichte über Deine Ängste und Probleme. Der “diagnostiziert” erstmal gar nichts und kann dir aber sagen, ob eine weitere Abklärung (z:B. durch einen Psychologen) notwendig ist.

Liebe Grüße

Jacqueline


#25

Lieben Dank für diese aufschlussreichen Studien, liebe @Jacqueline.

Beim Folgenden Absatz muss ich jedoch erneut dazwischen grätschen. Denn mir scheint, dass auch Du entweder meine Posts nicht ganz gelesen hast oder, was mindestens genauso wahrscheinlich ist, ich mich einfach zu doof und missverständlich ausdrücke.

Für den ersten Satz von Dir, ein :heart: von mir.
Wenn jemand Rückenschmerzen hat, soll er zum Arzt gehen. Wenn jemand stetig oder wiederholt oft Stimmungsschwankungen hat ebenfalls.

Was ich schrieb ist:
Wenn Du mal Rückenbeschwerden hast, dann überlege zunächst, wo die herkommen könnten. Hast Du gestern deinem Nachbarn geholfen Pflastersteine abzuladen oder bist halbbesoffen nach Hause gekrabbelt, oder, oder? Hast Du das erste Mal Rückenschmerzen oder öfter?

So wie @Dat seinen Fall geschildert hat, kam es mir vor, er wolle nur mal rein vorsorglich einen Therapeuten aufsuchen. Natürlich ist das nicht schlimm, aber evtl. unklug. Da wäre eine Beratungsstelle, wie oben bereits erwähnt, sinnvoller.

Was ich nun schon mehrfach schrieb, ist, dass die meisten Menschen sich der Tragweite nicht bewusst sind. Das ist ja auch normal, weil man nicht im Thema steckt.
Ich erlebe es nur zigfach, dass die Leute erst bei Abschluss eines Vorsorgevertrages erfahren welche Krankheiten sie (angeblich) haben. Und einige von denen haben gar keine Krankheit oder Störung, es steht aber in ihrer Akte.
Persönlich lasse ich mir alles genau und mehrfach (ohne Latein) erklären, was ich für Zimperlein habe. Das nervt die anderen Patienten im Wartezimmer und evtl. auch den Arzt - mir egal.

Nochmal in kurz:
Wer Selbstmordgedanken hat, soll sofort zum Therapeuten, wer Rückenleiden hat zum Arzt!
Wer mal einen Plausch über Gesundheit und Vorsorge halten möchte, sollte sich lediglich darüber bewusst werden, dass WENN dabei eine negative Diagnose herauskommt, das in anderen Bereichen Auswirkungen haben kann.

Weiterhin:
Mein Rat betrifft nur die zusätzliche private Vorsorge, ob nun BU, Rente oder KV.
Bei der gesetzlichen Absicherung sehe ich seit Jahrzehnten Verschlechterung und Missbrauch des Sozialsystems seitens des Staates. Diese Missstände gilt es abzubauen.

Und nun weiss ich langsam wirklich nicht mehr, wie ich es noch erklären könnte :exploding_head:

Ganz wichtig:
Was @Jacqueline Dir, lieber @Dat, im letzten Absatz rät, stimmt nur zur Hälfte. Bitte gehe unbedingt zum Arzt oder Therapeuten oder einer Beratungsstelle wenn Du das Bedürfnis danach hast!
Aber der Arzt wird es trotzdem (weil er es muss und auch abrechnen will) in deiner Akte vermerken (Pat. hat Angstzustände, Überweisung an … oder ähnliches).

+++ nicht als Moderator +++


#26

Ich finde sonst alles gut, was du schreibst. Hier nur eine kurze Anmerkung.

Ich hatte in Rahmen einer Vorbereitung zu einer öffentlichen Veranstaltung mal einen Arzt sinngemäß sagen hören: Wenn man mal nicht weiß, was für eine Krankheit oder Störung vorliegt - psychisch geht immer. Das bezog sich auf die Diagnose und deren Abrechnung bei der Krankenkasse. Er war der Meinung, dass es einfach ist, eine psychische Störungen abzurechnen, auch wenn man eigentlich nicht weiß was los ist.

Das richtete sich, durchaus auch selbstkritisch, wohl vor allem an Hausärzt*innen.

Wenn er recht hat, muss man mit den Zahlen zu den Diagnosen von psychischen Störungen vorsichtig sein.


#27

Momentan gehe ich hier nicht ein… schaue nur kurz herein …
und möchte einige Gedanken hereinbringen, die durch das Thema in mir nachgehen.

Das ist natürlich ein Thema, was über eine Partei-Arbeit hinausgeht —
die Gesellschaft braucht - und als weltweiten Prozess — schon lange eine Psychiatrie-Reform.
Nicht nur Reform, eine g r u n d l e g e n d e N e u e r u n g. :sun_behind_small_cloud:

Dazu mal drei Punkte.
Es gibt inzwischen schon verschiedenste Psychosomatische Kliniken
zB die Hochgrat Klinik - Wolfsried, die Adula Klinik und die Heiligenfeld-Kliniken, von denen ich es weiß, aber sicher auch andere ——
die Orte sind, in die Menschen denen es nicht gut geht, gern gehen… die ein großartiges zwischenmenschliches Umfeld haben, mit kompetenten Psychologen und Therapeuten … wo die Betreffenden nicht nur ihre eben leidvollen Themen bearbeiten — sondern auch an einem Ort sind, wo sie an die Zeit dort auch später gern zurückdenken.
Das weiß ich von nicht wenigen, aus den Kliniken, die ich genannt habe.

Für die Zukunft braucht es auch p s y c h i a t r i s c h e Kliniken,
die auch in dieser Weise organisiert sind.
_Laing Neuerer wie z B Ronald D. Laing haben schon immer in so eine Richtung gedacht.


Ein Aspekt von der Themantik ist, dass in vielen Köpfen immernoch
der “Gedanke von Unheilbarkeit” von verschiedensten sog. “psychiatrischen” Erkrankungen bzw. Störungen steckt —
der längst überholt ist.
Ich erwähne nur das neuere Buch von Michaela Amering und Margit Schmolke
csm_csm_csm_9783884147832_74488cf790_2ea176c_7e3053f9c6_591b6bafce RECOVERY - Das Ende der Unheilbarkeit.


Wenn ich sagen sollte, was das bislang mir Wertvollste war,
was ich in meinem Leben tun durfte, wär die Antwort, einer Frau beizustehen, über 3 Monate,
die meinem Herzen sehr nah war, das war 2010… die eine Psychose hatte.
Es war auch unsagbar schwer, es brachte mich selbst ständig an meine Grenzen… nicht “den Boden unter den Füßen zu verlieren” … ich hab ihn nicht verloren… …

das als eine Art Hinführung zu dem dritten Punkt ——
es gibt u.a. inzwischen auch SOTERIA-Projekte,
wo Menschen, die diese schwere, umfassende Krise und leidvolle Erfahrung einer Psychose machen,
nicht in irgendwas reingezwungen werden… ihnen schwere Medikamente aufgezwungen werden …
sondern der Grundgedanke ist, dass sie einfach an einem guten Ort sein können, :sun_behind_small_cloud:
an einem guten Ort in schwerer Zeit, wo sie einfach sein können… und sich sicher fühlen
wo sie in Ruhe gelassen werden … wo eine verstehende liebevolle zwischenmenschliche Atmosphäre herrscht… …
wo mit ihnen gemeinsam über Medikamente gesprochen wird, statt dass sie “gezwungen werden”…
wo es verschiedenste Angebote gibt, die jedoch freiwillig sind … …
Ein Ort, wie eine große Wohngemeinschaft… wo es - trotz allem —— möglich wird,
sich auch wohlzufühlen… …

Das zum Beispiel weist in die Zukunft, in die wir gehen sollten, wie ichs empfinde
http://soteria-netzwerk.de/


Soweit ich weiß, gibt es in ganz Deutschland allerdings bislang nur zwei solcher Soteria-Projekte.


Zu Selbsthilfegruppen kurz, ich weiß von vielen, die sehr gute Erfahungen gemacht haben,
persönliche Themen zu bearbeiten… auch in Verbindung mit dem Thema Arbeit dann… …


#28

Dann bin ich auf dem Holzweg und bitte sowohl Dich als auch alle Leser um Entschuldigung für die verschwendete Zeit.


#29

Hallo! Hier ist es schon lange sehr ruhig. Hier gibt es noch ein Thema zum Diskutieren. @Dat ?
Liebe Grüße Ellen vom Moderationsteam


#30

Meiner Meinung nach schon, mir fehlt nur leider die Zeit und vor allem die Expertise, um tatsächlich ein Konzept und eine Initiative auszuarbeiten… Du kannst das Thema aber auch gerne schließen.


#31

Lass Dir Zeit und lasse Dich nicht unter Druck setzen. Der Thread bleibt dann noch geöffnet.
Liebe Grüße Ellen vom Moderationsteam


#32

Ich halte Vorsorgemaßnahmen und -Einrichtungen bei psychischen Auffälligkeiten und/oder Störungen für wichtig.
Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus treffe ich immer wieder auf gesundheitliche Einschränkungen, die bei einer früheren Wahrnehmung und Behandlung von ersten Symptomen (damit meine ich bereits erste psychische Auffälligkeiten) sehr wahrscheinlich weniger gravierend ausgefallen wären.
Es ist für viele Menschen sicher nicht leicht, so achtsam mit sich umzugehen, diese Dinge erstens wahrzunehmen und zweitens passend einzuschätzen. Die meisten von uns sind es auch nicht gewohnt, sehr achtsam mit sich selbst umzugehen (auch ein Schwachpunkt des Themas Gesundheit in unserer Gesellschaft).
Dennoch halte ich eine Angebotsstruktur, die im Rahmen der GKV vorgehalten werden sollte, für notwendig.
Um die Gefahren der von @Gerald beschrieben Situationen zu reduzieren, müssten dazu passende Datenschutzkriterien entwickelt werden, die gewährleisten, aus einem präventiven Besuch eines Arztes oder Beratungseinrichtung keine Diagnose entstehen zu lassen, die dem nicht gerecht wird. Weiter oben wurde ja schon auf merkwürdige Abrechnungsgebaren von Ärzten hingewiesen (alá Psyche geht immer…).
Wobei ich dieses Problem für nachrangig halte, da es aus meiner Sicht erst einmal um eine Prophylaxe-Versorgung gehen sollte, die den Menschen viele gesundheitliche Einschränkungen und Beschwerden schon im Vorfeld abnehmen könnte.
Dies könnten sein:

  • mehr Aufklärungsarbeit zu psychischen Themen
  • mehr Beratungseinrichtungen und Förderung von (Selbsthilfe-) Netzwerken
  • (bessere) Abrechnungsmöglichkeiten für Ärzte als Beratungsdienstleistung
  • (bezahlte) Ausweitung des Leistungsspektrums von Therapeuten auf Beratung und Prophylaxe
    -…