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Vorsorge für psychische Erkrankungen

idee-zur-initiative

#1

Aufruf: Ich suche Mitstreiter*innen, Expert*innen und Prüfer*innen
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag
Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Eine Initiative von: we’ll see
Bearbeitungsstatus: Idee
Redaktionsschluss: offen (wahrscheinlich Anfang Oktober)

Anmerkung: Ich kann das Gesundheitssystem als junger Erwachsener kaum überblicken, daher kann es sein, dass ich inhaltliche Fehlschlüsse habe, jedoch versuche ich, meine Überlegungen durch Quellen zu stützen. Da jedoch die Idee schon sehr konkret ist, habe ich direkt eine Initiative gestartet. Bin aber leider nicht so gut, in Texten verfassen, ich probiere mich kurz zu halten.

Einleitung:
Storytime, ansonsten direkt zu Problembeschreibung springen
In den letzten Wochen hat sich sehr viel in meinem jungen Kopf und meinem sozialen Umfeld abgespielt. Dazu beigetragen hat wahrscheinlich auch, dass ich mit dem Abitur fertig geworden bin und sehr (gar schrecklich) viel Zeit habe, da meine Fußverletzung mir verhindert, in den Skatepark zu gehen. Ich war viel auf Twitter und Discord unterwegs und bin im Internet einer Menge (hauptsächlich) junger Menschen begegnet, die alle sehr verschieden waren und viele davon hatten sehr viele persönliche Probleme (der Discord war eine Art Selbsthilfegruppe, weiß selbst nicht genau, wie ich darauf gestoßen bin). Zudem habe ich die Bekanntschaft im echten Leben (also beim nächtlichen Trinken) von tatsächlich ehemals Depressiven Menschen gemacht und mit der einen kommunziere ich in letzter Zeit recht viel und wir reden sehr viel über die psychische Gesundheit, von mir, von ihr und von allen anderen. Sie schlug mir vor, mal zum Therapeuten zu gehen. Auch wenn ich mich weitgehend gesund fühle, könne das nicht schaden, bis jetzt war ich aber noch nicht. Ich habe mir aber die Frage gestellt:

Warum sorgt man gesundheitlich körperlich vor (z.B. Impfen), aber nicht psychisch? (jedenfalls war das in meinem kurzen Leben so, dass ich nie zum Arzt wegen meiner Psyche gegangen bin)

Problembeschreibung:
Es gibt in Deutschland einige kostenfreie Vorsorgeuntersuchungen. Diese sind dazu da, Krankheiten früh zu erkennen. Davon ausgeschlossen sind jedoch psychische Krankheiten, es geht um den Körper, aber nicht um die Seele. Ich zitiere:

“Vorsorgeuntersuchungen dienen der Früherkennung von Krankheiten. […] Viele Krankheiten werden lange Zeit nicht bewusst wahrgenommen. Aus diesem Grund zählen bestimmte Vorsorgebehandlungen zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.”

Quelle: https://www.deutsche-familienversicherung.de/ratgeber/artikel/welche-vorsorgeuntersuchung-bezahlt-die-krankenkasse/

Weitere Verweise: https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/vorsorge-beim-arzt/check-up-35/

Allerdings ist es so, dass die Anzahl der Depressionen und unerkannten psychischen Erkrankungen zunimmt. Die Menschen gehen meist nur zum Therapeuten, wenn es ihnen bereits sehr schlecht geht. Schlagzeile aus der FAZ:

“Jeder vierte junge Mensch hat psychische Probleme” -
Der Chef der Barmer-Krankenkasse warnt: Die Zahl der Menschen wird weiter steigen, die von Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken betroffen sind. Besonders die neuen Zahlen zu Studenten sind alarmierend. - 22.02.2018

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/depressionen-jeder-vierte-junge-mensch-hat-psychische-probleme-15462273.html

Weitere Verweise: https://www.spektrum.de/news/nur-eine-minderheit-bleibt-ein-leben-lang-psychisch-gesund/1513775

Forderungen
Dieses Problem wird derzeit auch in Bayern schon besprochen und es gibt anscheinend auch schon einen Gesetzesentwurf vom Januar: Das Bayrische Psychisch-Krankenhilfe-Gesetz (allerdings ist es ursprünglich für Straftäter entstanden)

Siehe: https://www.stmgp.bayern.de/vorsorge/psychische-gesundheit/
Gesetzesentwurf: https://www.datenschutz-bayern.de/1/BayPsychKHG-neu.pdf

Allerdings sollte es hier nur ein Anfang sein und weitergehen.

Dazu zählen:

  • Ausweitung der Beratungsstellen und Krisendienste
  • die Vorsorgeuntersuchungen (z.B. der Check-up 35) sollen erweitert werden mit Maßnahmen zur psychischen Vorsorge
  • stärkere Aufklärung bereits in Schulen

Leider weiß ich nicht genau, inwiefern sich einige Punkte umsetzen lassen oder vielleicht gibt es auch Alternativen oder noch weitere Ideen. Jedoch klingt alles machbar.

Ich freue mich auf Kommentare…

cya


#2

Es ist zwar hier oot, aber evtl. sehr wichtig für Dich oder andere, die dieses Zitat für einen guten Rat halten:

Folgendes gebe ich zu bedenken:
Wenn man sich in psychologische Behandlung begibt, muss man dies bei einem evtl. Abschluss einer Kranken-, Lebens-, Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherung angeben. Zu “Behandlung” zählt auch eine prophylaktische Untersuchung oder Vorsorgebehandlung.
Gerade psychische Diagnosen sind bei KV- und BU-Versicherungen oftmals ein K.O.-Kriterium.

Wer also eigentlich gesund ist und “nur mal so” mit einem*r Psychologen*in reden möchte, sollte das auf einen Zeitpunkt nach dem Abschluss verlegen.
Denn irgendetwas wird in der Krankenakte stehen (müssen), z.B. Untersuchung / Gespräch zu Depression. Selbst wenn die Diagnose negativ ist, ist dies schon nicht unerheblich.

Ich kenne einige Fälle, da war es den Kunden gar nicht bewusst, welche Diagnose in ihrer Akte stand. Es kam erst bei Vertragsabschluss raus und war dann halt “amtlich” und nicht mehr änderbar.
Bsp.: Kundin von mir gibt an, vor ca. 2 ½ Jahren beim Psychologen wegen Schlafstörungen gewesen zu sein. Einen Termin hatte sie dort und ein medizinisches Präparat für wenige Tage verschrieben bekommen. Ihr ging es dann auch wieder besser und alles ist seither gut. In der Krankenakte stand depressive Schlafstörungen und sie war somit nicht versicherbar.
Nach weiteren 2 ½ Jahren könnte sie einen neuen BU-Antrag stellen, wenn sie bis dahin beschwerdefrei ist. Es besteht ja aber die Gefahr, dass sie bis dahin von der Treppe fällt. Zumindest wird sie älter und dadurch alleine die Prämie höher.

Also, lieber erst mal einen Lebensplan machen und dann zum Doktor. :wink:

+++ nicht als Moderator +++


#3

Guter Punkt. Wie gesagt, manche Dinge kann ich noch nicht überblicken.

Ich erinnere mich an diese Initiative: Abschaffung des Zweiklassengesundheitswesen

Meinst du, dass diese dann vereinbar wären?

Anderer Punkt, der mir noch eingefallen ist bezüglich einer Beamtung, z.B. https://www.zeit.de/2012/28/Psychotherapie-Berufsunfaehigkeit/komplettansicht

Da müsste man ggf. die Berufsgruppen anpassen, bei denen ein Blick in die Krankenakte geschieht (ich frage mich aber allgemein, warum das so intransparent für den Bürger ist). Vielleicht fällt mir auch später etwas anderes ein.

Feststeht, psychische “Erkrankungen” sind nicht mehr die Ausnahme heutzutage.


#4

Hier gibt es noch die Möglichkeit, z.B. bei den kirchlichen Hilfswerken, aber auch bei anderen Einrichtungen einfach nur eine Beratung in Anspruich zu nehmen. Die Berater sind meist keine Psychologen, schon gar keine Psychiater, und stellen deshalb auch keine Diagnosen. Formell sind das einfach nur Gespräche, keine Behandlung oder Therapie, und deshalb auch nicht angabepflichtig.

Das Problem besteht nicht nur für geplante Versicherungsabschlüsse sondern z.B. auch bei einer vorgesehenen Verbeamtung.

Zur Idee von @Dat:

Ich fände es gut, wenn auch eine “Psychoprophylaxe” in den Katalog der Vorsorgeuntersuchungen integriert würde, und zwar ohne daß das in irgendeiner Form negativ beurteilt wird.

Etliche körperliche Fehlzustände sind ja auch auf psychische Leiden (zumindest mit) zurückzuführen und können eigentlich nicht getrennt von der Psyche in der Vorsorge behandelt werden.

Hat jemand den Katalog der U und J-Untersuchungen für Kinder und Jugendliche? Gibt es da Kontrollpunkte? Immerhin fangen Depressionen oder auch schizophrene Erkrankungen ja nicht selten im Jugendalter an.


#5

Die J-Untersuchungen sind im U-Heft nicht mehr aufgeführt, daher kann ich nur was zu den U’s bei Kindern bis 6 sagen.
Wenn der Arzt den Fragenkatalog vernünftig und in Ruhe abarbeitet, kommt automatisch das Gespräch auf Kommunikation, soziale und emotionale Kompetenzen, Verhalten in Kita, Schule etc.
Auffälligkeiten würden also bei einer sorgfältig durchgeführten U zutage treten. Vermutlich sieht das bei den J’s ähnlich aus. Die sind aber nicht mehr verpflichtend.


#6

Also einige Vorsorgemaßnahmen gibt es schon.
Etwa zahlreiche Beratungsstellen, die einen in Lebens - Ehe- und Erziehungskrisen unterstützen und bei tiefergehenden Problemen auch an Fachärzte verweisen.
Oder Eltern-Kind-Kuren, um die Leistungsfähigkeit von Eltern und Familien im Allgemeinen zu erhalten.

Das Problem ist zum einen, dass man sich aktiv darum bemühen muss und auch wissen muss, dass man diese Möglichkeiten überhaupt hat.
Die Beratungsangebote sind ja noch relativ niedrigschwellig. Aber um an eine Kur zu kommen, muss man schon seitenweise Formulare ausfüllen und braucht auch eine Bestätigung vom Hausarzt und viel Glück mit der Krankenkasse.

Das zweite Problem besteht noch immer in der gesellschaftlichen Akzeptanz, wobei sich das anscheinend langsam ändert.

fänd ich auch gut.


#7

M. M. n. ist es schwierig mit psychologischen Vorsorgeuntersuchungen:.Viele depressive Menschen entwickeln Strategien, die die Mitmenschen täuschen.sollen und sogar bei Experten funktionieren.

Da es keine eindeutigen sicheren Kriterien gibt. Ist dieser Mensch gerade nur schlecht drauf oder ernsthaft depressiv?

Die Grenzen sind fließend. :thinking:


#8

Ich glaube, wer ein ernsthaftes Interesse daran hat zu klären, wie eine Erkrankung von einer Verstimmung abgegrenzt wird, der wird nicht täuschen.

Es geht ja um Vorsorge, die sollte natürlich freiwillig sein.

Ansonsten gilt ja der ICD10 mit seinen Aktualisierungen. Da gibt es schon konkrete Diagnosekriterien, die dann angewandt werden. Das kann natürlich nicht einfach eine hausärztliche Praxis.


#9

Nu, das wäre ja mal Punkt 0.1 auf der Liste von Sachen, die sich vielleicht ändern sollten. Will nicht wissen, wie viele Leute aufgrund dieses Sachverhaltes mit undiagnostizierten und daher unbehandelten psychischen Problemen rumlaufen.
Das müsste natürlich bei der Einführung entsprechender psychischer Profylaxemaßnahmen berücksichtigt werden, analog zu anderen Vorsorgemaßnahmen. Es wird mir bei Abschluss einer Zahnzusatzversicherung schließlich auch nicht nachteilig ausgelegt, dass ich einmal im Jahr zum Zahnarzt gehe.


#10

Ist es nicht sogar umgekehrt? Es gibt doch dieses Bonusheft, in das man sich jedes Jahr ein Stempel drücken lässt. Regelmäßige Stempel wirken sich doch auch positiv aus, oder nicht? Warum nicht auch so mit Psychoprophylaxe?


#11

So ist es.

Nu, meine persönliche Theorie ist, dass das was mit der Stigmatisierung psychisch Kranker zu tun hat. Aber das ist sicher nur mein latenter Verfolgungswahn.


#12

Nein, das sollte man nicht ändern und will das an einem Beispiel erläutern:
Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört Essen. Jeder sollte die Möglichkeit haben sich gesund und ausreichend ernähren zu können. Es genügt hierzu gesundes Brot, nicht aber Schwarzwälder-Kirschtorte.
Trotzdem ist Torte eine tolle Erfindung und wer es sich hüftmässig und finanziell erlauben kann, darf sich Torte kaufen.
Warum aber sollte Jemand, der nur Brot isst, beim Bäcker mehr bezahlen für Leute, die Torte ordern?

Unser Gesundheitssystem gehört zu besten weltweit und hat trotzdem grosse Lücken. Nicht alles läuft optimal, keine Frage. Aber jeder hat vom Grundsatz her eine GRUNDversorgung. Wer Extras haben möchte, kann eine private Zusatzversicherung abschliessen. Hierbei muss zum Schutze der Solidargemeinschaft der Versicherten, geschaut werden, dass grosse finanzielle Risiken ausgeschlossen werden. Ansonsten kann sich nämlich gar niemand mehr eine Versicherung leisten, weil diese alle Risiken einkalkulieren muss.
Wenn bekannt ist, dass ein Mensch depressiv ist, zusätzlich Aids und Blutkrebs hat, ist auch klar, dass da erhebliche Kosten entstehen. Also schliesst man diese Menschen vom (Zusatz-)Schutz aus. Trotzdem bekommen diese ja die Grundversorgung.
Wen dem nicht so wäre, müssten alle für drei Stück Torte zahlen, obwohl sie nur eine Scheibe Schwarzbrot essen.

Dass da trotzdem auch Leute mit unentdeckten Krankheiten herumlaufen ist klar. Die Frage lautet ja deshalb auch: “Wurde bei Ihnen jemals XY diagnostiziert?” Wenn nicht diagnostiziert, ist es kein Problem. :wink:
Darauf zielte mein obiger Post ab.

+++ nicht als Moderator +++


#13

Aber die Frage ist doch, warum Standard-Zahn-es-ist-alles-gut-Untersuchungen positiv bewertet werden, weil vorbeugend etc., dies in anderen Kontexten aber nicht getan wird. Warum führen andere Prophylaxen zu negativen Resultaten (z.B. Versicherungen, wie du ja aufzählst), bei Zähnen ist das aber was Positives?

Erste Frage: Irre ich?
Wenn nein, dann zweite Frage: Wollen wir das so lassen?


#14

Ja, Du irrst.
Eine positive Diagnose ist sowohl bei Zähnen, als auch bei allem anderen eine positive Diagnose.
In obigem Beispiel aber ging es um Schlafstörungen. Diese können viele Ursachen haben. Vielleicht waren es nur Geräusche im (akustisch) nichtwahrnehmbaren Bereich, evtl. aber auch Stress - egal. Die Diagnose lautete “depressive Schlafstörungen”.
Meine Kundin hätte das damals direkt mit dem Arzt / Psychologen klären und ggf. korrigieren lassen müssen.

Die Versicherung muss diese Diagnose natürlich ernst nehmen und entsprechend einkalkulieren, sei es durch einen Beitragszuschlag, Ausschluss oder Ablehnung der Kundin.

Nein, ich würde das nicht ändern wollen. Hierzu mein Beispiel mit dem Brot und dem Kuchen.
Über eine ordentliche Grundversorgung hinaus, soll jeder sein eigenes Risiko zahlen.

Wir können gerne über die Optimierung der Grundversorgung reden. Für mich wäre das bspw. eine Gesetzliche-Krankenversicherung in die alle Bürger einzahlen ohne Deckel des Beitrages.
Aber um die ging es hier nicht.

+++ nicht als Moderator +++


#15

Lieber @Gerald , m.M.n. machst Du einen gedanklichen Fehler . Du folgst der Argumentation der Versicherungen , was in Deinem “Fall” verständlich ist . Sie unterscheiden Krankheiten in Luxus und Basiserkrankungen . Da psychische Erkrankungen von der Häufigkeit auf Platz 3 der Ursachen liegen und im Schnitt sogar 3x so lang andauern , wie der Durchschnitt , kann man nicht mehr von Luxuserkrankungen sprechen . Neben Unfällen und genetisch bedingten Krankheiten gehören psychische Erkrankungen schon zu den häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle . Für die Frühverrentung ist es sogar die Nr, 1 der Ursachen und beginnt deutlich früher , als alle Anderen Ursachen (48 Jahre) . Und diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen .

Ob es eine Prophylaxe gibt , weiß ich nicht und kann ich mir auch kaum vorstellen . Jedoch gehen sehr viele schwere und schwerste pathologische Erkrankungen auf psychische Ursachen zurück und könnten bei entsprechender Früherkennung und Behandlung der psychischen Ursachen häufig verhindert werden , zumindest die Schwere positiv beeinflussen , besonders bei koronaren Erkrankungen , Krankheiten des Verdauungssystems , der Atemwege und der Haut , nicht zu vergessen Krebserkrankungen , die allerdings ihrerseits in Wechselwirkung mit psychischen Krankheiten stehen .

Da de Ursachen für psychische Krankheiten meist in frühkindlicher Zeit und Jugendzeit gesetzt werden , kommt gerade der Vorsorgeuntersuchung und sofortiger Behandlung festgestellter Probleme eine besondere Bedeutung zu , damit es gar nicht erst zu krankhaften Veränderungen in der Psyche kommt . Wenn sie später in der zweiten Lebenshälfte erst pathologische , meist irreversible Schäden verursacht haben und sich in Verhalten und Lebensweise verfestigt haben , wird die Behandlung , auch die der Folgeschäden , um ein Vielfaches aufwendiger und teurer .

WIR sind ja nicht angetreten , die Gewinne der Versicherungen zu retten , sondern das Gemeinwohl . Wenn sich Versicherungen dem verweigern oder gar entgegenstehen , müssen wir sie zwingen , ihren ursprünglichen Auftrag wieder ernst zu nehmen . Das gilt für gesunde Zähne ebenso , wie für eine gesunde Psyche , wie für eine gesunde Lebensweise , der sich ja bereits viele KV widmen , weil sie erkannt haben , dass Vorsorge und Prophylaxe entschieden billiger ist , als die Behandlung der Folgen .


#16

Lieber @raba, ich mache keinen gedanklichen Fehler und ich folge auch nicht der Argumentation der Versicherung. Ich kenne halt nur beide Seiten der Medaille.

Ich wiederhole - und bestätige hiermit auch deine Argumentation - und ergänze meine Ausführungen von oben. Bei der Grundversorgung, der GKV gibt es erhebliche Lücken, wie:

  • In das System zahlen gerade die kapitalstarken Bürger wie Beamte, hochdotierte Angestellte und gut verdienende Selbständige nicht ein. --> alle Bürger zahlen ihren Beitrag in die GKV ohne Deckel
  • Es gibt mehrere Dutzend GKVen, welche alle einen Vorstand, einen Wasserkopf, eine Verwaltung, etc. haben. --> eine (!) GKV reicht
  • Im Gesundheitssystem wird ungerecht entlohnt (Pflegekräfte) und die Anerkennung fehlt, wodurch Personal an allen Ecken und Kanten fehlt. --> Anpassung
  • Das Gesundheitssystem wird privatisiert und so auf Gewinne optimiert. --> komplett zurück in öffentliche Hände führen
  • Flucht aus ländlichen Regionen der med. Versorgung --> zurück regulieren durch vorherigen Punkt
  • sicher noch einiges mehr …

Wer über eine (dann) gute Grundversorgung hinaus sich eine Luxusversorgung wünscht (hochwertiger Zahnersatz, Einbettzimmer, etc.), sprich die Torte von oben, der kann sich privat zusatzversichern. Betonung liegt auf ZUSATZ, nicht stattdessen.

Alles gilt adäquat für BU-Schutz und Rente.

Aber von einem Wirtschaftsunternehmen (Versicherung) zu verlangen, die Versäumnisse des Staates auszubügeln, nach dem Motto

ist Quatsch. Denn das ist nicht ihr Auftrag. Es ist auch nicht der Auftrag der Tankstellen, dafür zu sorgen, dass ich kostengünstig zur Arbeit komme.

Unser Sozialstaat ist in den vergangenen 40 Jahren zurückgebaut worden. Es war stets unpopulär die schwindenden Geburten durch höhere Steuern und Sozialabgaben oder alternative Konzepte zu kompensieren. Das rächst sich nun, hat aber rein gar nichts mit der Risikoprüfung einer (privaten) Versicherung zu tun.

+++ nicht als Moderator +++


#17

Lieber @Gerald , ich unterschreibe Dir jeden einzelnen Deiner Punkte ; habe das schon früher getan , wenn es um das Thema med. Versorgung der Bevölkerung ging . Also ich bin da absolut bei Dir , doch das hat doch nicht direkt mit der Einordnung psychischer Erkrankung zu tun ?

Es sei denn , Du willst damit sagen , dass Du da mitgehst , wenn wir es schaffen , die GKV von gewinnorientiert auf gemeinwohlorientiert umzustellen . Auch da wäre ich dabei , sogar wenn es Bürgerversicherung heißt , also Jede/r einzahlt - einzahlen muss .

Nichts gegen die PKV , die ihre Beiträge nach Risikobewertung für Zusatzversicherungen ausrichtet , Doch psychische Krankheiten sind Grunderkrankungen und gehören in die Grundversorgung , nicht in die Zusatzversorgung .

Insofern wollte ich kein neues Thema aufmachen und lieber darüber nachdenken , wie wir es hinkriegen , dass GKV psychisch Kranke nicht als Kostenfaktor sehen, sondern als Kranke .

Und so etwa meine ich auch den ursprünglichen Auftrag von GKV , die sich als solidarische Gemeinschaft versteht , wo Alle die Gesundheitskosten für alle tragen . Logisch , dass da Goldzähne genauso wenig dazugehören , wie Chefarztbetreuung und Hotelservice in der Kranken-Suite . Das ist doch keine Frage - wer das beansprucht , soll sich in der Solidargemeinschaft für Reiche versichern .


#18

Ich fürchte, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte nicht, dass es Versicherungen verboten werden sollte, Menschen mit diagnostizierten Krankheiten (psychischer oder anderer Natur) ihren Schutz teurer oder vielleicht auch gar nicht anzubieten. Ich meinte vielmehr, dass es jemandem nicht zum Nachteil werden sollte, wenn er/sie sich einfach nur mal von einem Psychologen untersuchen lässt, um mal zu schauen, ob alles im Lot ist. Dies stellt nämlich eine Hemmschwelle dar, die nicht gut für irgendjemanden sein kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es legitim ist, einem jungen Menschen, dem es nicht gut geht, davon abzuraten, sich professionelle Hilfe zu holen, weil es ja sein könnte, er/sie möchte nochmal eine Lebensversicherung abschließen. Ich sehe das als Missstand.

Und wenn jemand das nicht als Missstand sieht, dann, naja, dann weiß ich auch nicht.


#19

Das ist doch der IST-Zustand. Es wird aktuell NICHT zum Nachteil ausgelegt.
Aber wenn (Betonung auf WENN) eine negative Diagnose herauskommt, dann gibt es eben Repressalien. Nichts anders schreibe ich die ganze Zeit.
Und so wie es aktuell ist, finde ich es gut und richtig.

Was Du im letzten Post schreibst, lieber @raba, meine ich genau so. In meinem ersten Post ging es aber nicht um GKV. Es ist wichtig das zu unterscheiden.

+++ nicht als Moderator +++


#20

Da ich selbst Betroffener bin kann ich den Selbsttest empfehlen:
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/selbsttest