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Vereinfachung der Änderung des Personenstandes für intersexuelle und transsexuelle Menschen

intersexualität
gesundheit
transgender
fertige-initiative

#1

Aufruf: Mitstreiter/-innen gesucht
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag / persönliche Nachricht (PN)
Inhaltliche Diskussion öffentlich erwünscht?: Ja, auch gerne per (PN), wem das lieber ist
Eine Initiative von: Helen Hass und allen, die sich daran beteiligen
Bearbeitungsstatus: Entwurf, Idee
Redaktionsschluss: 15.06.2017


Vereinfachung der Änderung des Personenstandes für intersexuelle und transsexuelle Menschen
Problembeschreibung:
Durch das Transsexuellengesetz (TSG) wird Menschen, die sich auf Grund ihrer Geschlechtsidentität dem anderen Geschlecht zugehörig empfinden, ermöglicht ihren Vornamen ändern und ihre Geschlechtzugehörigkeit anpassen zu lassen.
Dieses Verfahren erstreckt jedoch über einen Zeitraum von mehreren Jahren und ist zudem für die Betroffenen mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden. Die vom Gesetzgeber auferlegten Erfordernisse diskriminieren die Betroffenen. Sie sind gezwungen 2 Psychologische Gutachten beizubringen, die bestätigen, dass sie einer psychischen Störung unterliegen. Sie sind gezwungen, im Falle einer Veränderung von Mann zu Frau (MzF) mit den männlichen Merkmalen, z. B. Bartschatten, mindestens 1 Jahr gesellschaftlich als Frau zu leben, bis sie eine gegengeschlechtliche Hormontherapie erhalten können. Erst nach einem weiteren halben Jahr erhalten Sie nach einer weiteren Prüfung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) – je nach Bundesland unterschiedlich die Kostenübernahme zur medizinischen Barthaar-Entfernung oder auch nicht. Bei der Transition von Frau zu Mann (FzM) gibt es anders gelagerte, aber nicht minderschwierige Probleme.
In der Zeit Ihrer Transition sind die Betroffenen damit konfrontiert, sich mit mehr oder weniger weiblichem Aussehen, jedoch Dokumenten, die sie als Mann identifizieren, ausweisen zu müssen. Im Falle von Personenkontrollen oder bei der Arbeitssuche führt das zu weiteren Diskriminierungen.
Übrigens die Selbstmordrate liegt deutlich über dem Durchschnitt. Und noch etwas, Transsexualität entwickelt sich bereits bei Kindern.
Forderung:
Die Änderung des Vornamens in Verbindung mit der Änderung des Personenstandes muss zu einem Verwaltungsakt durch das jeweilige Standesamt herabgestuft werden. Dies ist bei intersexuellen und transsexuellen Menschen anzuwenden. Nach der durchgeführten Änderung haben die Betroffenen einen Anspruch auf die jeweils notwendigen Massnahmen, gegengeschlechtliche Hormontherapie, dauerhafte Bartentfernung, Brustaugmentation und weitere…
Kosten:
?
Finanzierung:
?
Quellen:
1: Transsexuellengesetz vom 10.09.1980
2: Einige Information zum Thema
3. http://www.volkerbeck.de/2016/08/04/situation-von-trans-menschen-in-deutschland/
Weitere Informationen und Links können folgen:


#2

Wie genau soll denn jetzt festgestellt werden wer das ist? Oder soll es einfach reichen, wenn man sagt, dass man es ist?

Bin ganz bei dir, dass das dringend vereinfacht werden muss, aber irgendwie muss man ja festlegen, wer intersexuell und trans* ist.


#3

Ich finde, dass die Menschen das selber entscheiden und nicht “man”. Ich gehe deshalb jetzt so sehr auf dieses Wort ein, weil ich der Meinung bin, dass es bei diesem Thema gilt sehr vorsichtig mit der Wortwahl zu sein, um nicht in die Falle der “Floskeln” oder Gedanken von “das-war-schon-immer-so” zu verfallen.

Was gerne als “Haarspalterei” oder “Wortklauberei” angetan wird, kann auch als ein höchst wirksames psychologisches Werkzeug fungieren, um Voreingenommenheit zu identifizieren (die ich Dir übrigens überhaupt nicht im bösen Sinne unterstelle, sondern hier allgemein Benennen will, auch bei mir).
Ein Beispiel für “positive Wortklauberei” wäre das stete Fragen nach “warum?”

“Warum muss man ja irgendwie festlegen, wer intersexuell und transsexuell ist?” - und dann finden wir einen Weg zu den Inhalten, die beachtet werden müssen und den Inhalten, die es tatsächlich anzugehen gilt.

Ich habe Dich als eine sehr aufgeschlossene Person kennen gelernt, Sabine, und deshalb gingen meine ersten Gedanken in eine bestätigende Richtung. Aber dann stellte ich fest, dass ich in meinem Kopf gerade für Dich argumentiere und eigentlich gar nicht weiß, warum Du das so geschrieben hast.

Es liegt mir fern Dich hier persönlich angreifen zu wollen, ich freue mich nur, wenn wir in dieser Initiative einen guten Start hinbekommen und das wasserdicht machen.

Ich habe die Initiative vor allem auch so verstanden, dass es den Prozess ja bereits gibt und ja jetzt schon Stellen für die Entscheidung zuständig sind, aber der Prozess zu lange dauert und ein Jahr gedemütigt und Diskriminierungen ausgesetzt gelebt werden muss, weil die Hormontherapie “vorenthalten” wird. Ich habe es so verstanden, dass hier nach einem ohnehin schon zeitaufwendigen und demütigenden Prozedere eine weitere Fremdbestimmung und Entmündigung stattfindet, indem von Verwaltungsstelle gesagt wird “das kannst Du Dir jetzt noch mal ein Jahr überlegen”. Warum?

:heart:

__hier bin ich mit Herzblut persönlich dran interessiert und nicht als Moderatorin involviert ___


#4

Ich habe mich da wieder sehr unglücklich ausgedrückt, entschuldigung.

Ich bin oben lediglich über den Satz “Dies ist bei intersexuellen und transsexuellen Menschen anzuwenden” gestolpert. Da habe ich sofort gedacht “Ja, wer ist das denn?”. Und zwar rein im rechtlichen Sinne. Wenn ein Begriff im Kontext von Gesetzen auftaucht, dann braucht es dort mMn dort eine Definition - eben um es wasserdicht zu machen :wink:

Kurz gesagt wollte ich wissen, ob die Initiative fordert, dass dieser extrem langwierige und wirklich schreckliche Prozess lediglich vereinfacht wird oder durch ein “intersexuell und trans* ist, wer sich so identifiziert” ersetzt wird.


#5

Bei Intersexualität ist eine Variante der Chromosomen gegeben. Es gibt mehr als nur das klassische XX und XY, was wir in der Schule mal gelernt haben, z. B. XXY oder andere. Dies kann sich versteckt äussern, also auf den ersten Blick nicht erkennbar. Ein als Mann in das duale Geschlechterbild einsortiert, hat z. B. Eierstöcke ausgebildet. Wenn sich diese Person als Mann sieht ist ja okay für ihn. Was aber wenn diese Person stattdessen eine weibliche Identität hat bzw. entwickelt?
Anders verhielt es sich, wenn bei der Geburt beide primären Geschlechtsmerkmale ausgeprägt waren? Dann wurde bis noch vor wenigen Jahren in den meisten Fällen eine “kosmetische” Operation durchgeführt. Die Chance das richtige Geschlecht zur sich später entwickelnden Identität getroffen zu haben, lag bei 50%. Das darf per Gesetz nicht mehr in Deutschland angewendet werden, niemand kennt die Dunkelziffer.
Bei “Transsexuellen” (Bezeichnung im Transsexuellen Gesetz) - besser wohl als Transgender zu bezeichnen, da sich diese Menschen ihre Identität als richtig empfinden. Jedoch mit dem körperlichen Dilemma, dass ihr Körper nicht zur gefühlten Identität passt. Die Medizin hat früher versucht, und manche Mediziner/Psychologen versuchen es immer noch, Die Identität an den Körper anzutherapieren. und so gibt es eine ICD z. B. F64.0 - die diese Menschen als psychische krank einstuft. Es ist wohl vergleichbar ,so wie früher versucht wurde Homosexuelle (männlich/weiblich) zu heterosexuell empfindenden Menschen umzutherapieren.
Aus Sicht von Transgendern ist es ein körperlicher Defekt, der behandelt werden muss.


#6

Ich stelle mir eine Vereinfachung der Namens- und Personenstandsänderung vor. Es soll jedem Menschen vorbehalten sein, die eigene Identität leben zu können. Das äussert sich unter anderem in unserer Gesellschaft darin welchen Vornamen ich trage und welches Kennzeichen in meinen Dokumenten mir zugeordnet sind. F/M/X. Da dies bei der Geburt an äusserlichen Merkmalen festgemacht wird, muss es allen Menschen möglich sein dies später in einem einfachen Verwaltungsakt korrigieren zu lassen.
Das vorgeschrieben “Therapieverfahren” bei der herausgefunden werden soll ob ein Mensch sich dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig fühlt oder nicht ist kostenintensiv, diskriminierend und unangebracht. Wie will eine aussenstehende Person über deren Gefühlsleben Identität urteilen?


#7

lächelt (Alf würde sagen - Null Problemo) Für viele, wenn nicht die meisten von uns, ist das ein komplettneues Thema :slight_smile:


#8

Super Initiative, würde Folgendes ergänzen wollen: ich find, dass dies in einen größeren Rahmen gehört.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen in ihrer Entwicklung irgendwann an den Punkt kommen, an dem sie “merken”, dass ein Umbruch bevorsteht. Mag es Transgenderität (das Wort ist bestimmt komplett falsch) oder auch Homosexualität, oder was auch immer sein. Ich bin der Meinung, dass der Staat hier helfen muss: Anlaufstellen mit ausgebildeten Sozialarbeiter, die unterstützen müssen, wenn gewüscht; Therapien, wenn gewünscht, um die “Krise” zu bewältigen. Und eben auch die Übernahme von Kosten generell. Ich geh sogar noch einen Schritt weiter: Jeder Mensch, der in einer Krise steckt, hat ein Anrecht auf Hilfe! Im medizinischen oder auch im psychologischen Sinne oder Bereich: der Staat muss bessere Fachkräfte zur Verfügung stellen, also viel besser ausbilden (lassen), Gelder zur Verfügung stellen und die Verantwortung an die Menschen abgeben. Und in diesen speziellen Fällen, sehe ich das genau so: keiner kann besser über das Gefühlsleben, die Identität urteilen.

In ein solches Gesetz gehört auf jeden Fall die Namens- und Personenstandsänderungsfreiheit. Der größere Rahmen ist von mir deshalb gewünscht, weil dies eben selbstverständlich sein sollte und nicht exclusiv. Muss es ein Transsexuellengesetz geben?


#9

Seit 1980 gibt es ein Transsexuellengesetz , welches bereits in Teilen vom BGH durchlöchert wurde. z. B. ist es nicht mehr zwingend erforderlich, dass unter das TSG fallende Menschen sich sterilisieren lassen oder eine genital-angleichende Operation vornehmen lassen, ebenso wenig müssen, bereits vor der Personenstandsänderung, geschlossene Ehen geschieden werden, sondern dürfen bis auf weiteres bestehen bleiben.

Übrigens beinhaltet Transsexualität oder Transgender keine sexuelle Präferenz. Es handelt sich vielmehr um eine Identität, im Gegensatz zu Homosexualität (männlich/weiblich), Bisexualität oder Heterosexualität, welche alle 3 etwas über die Präferenz aussagen.

Es wird in den Medien “gerne” davon gesprochen, dass einE Mann/Frau sich umwandeln lässt/liess in eineN Frau/Mann. Vielmehr ist es so, dass die Betroffenen schon immer als Frau/Mann empfunden haben. Somit handelt es sich um eine Angleichung des Körpers an die empfundene Identität.
(edit: 3. Absatz wurde hinzugefügt, Im 1. und 2. Absatz wurden Sätze korrigiert)


#10

Sorry, hab mich missverständlich ausgedrückt: die Frage war rhetorisch gemeit…
Wollte sagen: diskriminierende Gesetze müssen weg, deshalb der gößere Rahmen.


#11

Ich unterstütze Deine Initiative +1


#12

das möchte ich dahingehend aufgreifen, dass wir sie ersetzen müssen.

Neben der sozialen Komponente hängt eine materielle daran. Ohne ein diagnostiziertes Krankheitsbild, im Falle von Transgender - also ein körperliches - würden die Betroffenen schlechter dastehen als vorher. Die entstehende finanzielle Belastung, wäre für die allermeisten Betroffenen nicht zu stemmen. Hormonbehandlung, verschiedene Operationen, Bart-Entfernung - Dabei würden Beträge im mittleren 5-stelligen Bereich anfallen können.

Anmerkung zum derzeitigen Krankheitsbild: bisher wird ein psychischer Defekt festgestellt (F64.0 bei Erwachsenen), den selbst heute noch verschiedene Psychotherapeuten therapieren wollen. Die Betroffenen müssen also zustimmen, dass sie psychisch krank sind. Auch wenn sie so normal sind wie jedeR andere auch. Denn ohne offiziell festgestelltes Krankheitsbild - keine Behandlung des körperlichen Problems. Das alleine stellt schon eine extreme Diskriminierung dar.

Das Homosexualität (männlich/weiblich) keine Krankheit ist, ist ja inzwischen auch in die Köpfe der meisten vorgedrungen.


#13

Sehe ich das richtig, dass das Hauptproblem ist, dass Behandlungen nur von der Krankenkasse bezahlt werden, wenn eine diagnostiziertes Krankheitsbild vorliegt?
Könnte eine Lösung sein die Geschlechtsysphorie diagnostizieren und behandeln zu lassen? Dann käme man zumindest schon mal von diesem elenden “Störung der Geschlechtsidentität” weg.

Anmerkung: ich finde gerade keine gute Definition, aber Geschlechtsdysphorie kenne ich als Begriff für das Unwohlsein mit dem eigenen Körper, damit dass andere Leute einen misgendern (falsche Pronomen benutzen) usw…


#14

Richtig ist, dass ein diagnostiziertes Krankheitsbild vorliegen muss, damit die Krankenkassen die anfallenden Kosten übernehmen.

Fortschrittlich finde ich Frankreich mit seiner Entscheidung, dass die Deutung der Transsexualität als psychische Störung eine Stigmatisierung herbeiführt, die zur Diskriminierung transsexueller Menschen beiträgt.


#15

darüber bin ich bei Wikipedia auch schon gestolpert (im positiven Sinne). Weißt du denn wie das in Frankreich gehandhabt wird mit den Krankenkassen? Übernehmen die die Kosten? Auf welcher Grundlage? Ggfs. könnte man sich ja dann daran orientieren :slight_smile:


#16

Ein guter Punkt :+1: Bin auch dabei dort nachzuforschen :slight_smile:
Vielleicht wäre es sogar zu späterem Zeitpunkt sinnvoll das ganze Thema in mehrere Initiativen auf zu splitten.
Interessant scheint auch zu sein, wie andere europ. Nachbarstaaten damit umgehen. Es gibt auch bei anderen Parteien Initiativen hier eine Verbesserungen für die Lage der Betroffenen zu schaffen. Das könnte dann etwas sein, bei dem wir mit diesen Teilgruppen zusammen arbeitet.


#17

Meine Unterstützung hast du.


#18

Das Thema wurde heute durch die Grünen im Bundestag eingebracht. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/121/1812179.pdf


#19

Ein dickes Dankeschön für diese Information. Aus meiner Sicht entspricht das genau dem was mir vorschwebt. Vielleicht haben andere hier andere Vorstellung oder nach Anmerkungen dazu. Sollten die Grünen es schaffen dieses Gesetz in dieser Form durch zu bringen können, dann würde sich unsere Initiative erledigt haben.

Ob das Gesetz aber noch vor der BTW durch kommt wage ich zu bezweifeln, immerhin gibt und gab es genügend Kräfte die dagegen gearbeitet haben. Daher fände ich es notwendig über die Initative abstimmen zu lassen, mit der Hoffnung das es in unser Programm Einzug nehmen würde.

Gibt es sowas wie Plagiaterie bei Gesetzesvorlagen?


#20

Wir hatten auch über die entstehenden Kosten diskutiert. Was bedeutet da § 6 “Anspruch auf Achtung des Selbstbestimmungsrechts bei Gesundheitsleistungen”? Ich persönlich bin ja der Auffassung, dass der Staat (Krankenkassen? Ämter? wie auch immer) Kosten (oder den größten Teil davon) übernehmen muss. Heißt das dies in § 6 auch? “Vorschriften, die … Auswirkungen auf den Zugang zu oder die Gewährung oder Durchführung von Gesundheitsleistungen zur Modifizierung des eigenen Körpers … im Hinblick auf Erscheinung und körperliche Funktionen haben, sind so anzuwenden, dass dem Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Person Geltung verschafft wird.”