Vereinbarkeit von Familie und Politik

Aufruf: Ich suche Mitstreiter*innen und Expert*innen, die Interesse am Thema „Vereinbarkeit von Politik und Familie“ haben und an möglichen Konzepten und Initiativen dazu mitarbeiten würden.

Einleitung/Problembeschreibung: In der Politik aktiv zu sein lässt sich nur schlecht mit dem Familienleben vereinbaren. Das gilt im Hauptamt genau wie im Ehrenamt. Abgeordnete z.B. können sich ihre Woche zwar einigermaßen flexibel einteilen und haben durch ihr hohes Gehalt finanziellen Spielraum – zugleich arbeiten sie oft genug 70 Stunden und mehr, haben viele Abend- und Wochenendtermine und sind viel unterwegs. Aber auch schon im Ehrenamt, bei der Parteiarbeit wie hier bei DiB merken viele Aktive, wie schnell die Familie unter dem eigenen Engagement leidet.

Ziel: Ich würde gerne mit Interessierten gemeinsam eine Ideensammlung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und politischem Engagement (ehrenamtlich und hauptamtlich, in Parteien und als Mandatsträger*innen) machen. Als Ergebnis stelle ich mir zwei Dinge vor:

  1. Konzepte für DiB: Wie können wir bei uns Politik anders machen, sodass Eltern sich gut einbringen können?
  2. Inititiative(n) fürs Plenum: Welche Änderungen in den Gesetzen, die politische Arbeit in Parteien, Parlamenten und Behörden regeln, können eine bessere Vereinbarkeit mit der Familie bewirken?

Erste Gedankenanstöße:

  • Ein Vorbild aus Neuseeland?: Ministerpräsidentin Jacinda Ardern hat als erste Frau in einem so hohen politischen Amt ein Kind bekommen: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10217362936602307&set=a.2492160900281.2145214.1140532408&type=3&theater
  • Initiative einiger Bundestagsabgeordneten mit kleinen Kindern: http://www.eltern-in-der-politik.de/ (könnten wir ggf. mit DiB unterzeichnen – ich finde aber, die Forderungen sind eher oberflächlich. Wobei ein Anfang sicher ein Anfang ist …)
  • Eine Idee, die ich spannend finde, die aber viele Fragen und Probleme aufwirft: Job Sharing bei Ämtern und Mandaten. In fast allen Bereichen der Wirtschaft nehmen Teilzeitmodelle und Job Sharing zu – warum gibt es noch keine Teilzeitabgeordneten?

Ich freue mich auf eure Ideen und Gedanken!

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Sehr guter Aufruf, da streite ich gerne mit.
Experte bin ich lediglich aus nun 1 ½ Jahren politischer Arbeit bei und für DiB. Mehrfach gab es in meiner Familie Gespräche bzgl. meines (zu intensiven) Einsatzes. Und auch selbst merke ich gelegentlich, dass die Waage schon mal sehr in die eine oder andere Richtung ausschlägt.
Eine gute Lösung habe ich / haben wir bisher nicht gefunden, eher akzeptable Kompromisse.

Hinzu kommt beim Ehrenamt die finanzielle Last oder Beschränkung. Ehrenamt geht zu fast 100 % von Freizeit und Familienleben ab. Ein bezahltes Mandat schafft da Freiheiten und Argumente gegenüber der Familie und auch einem selbst.

+++ nicht als Moderator +++

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Ich wäre auch dabei.

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Ich auch :raising_hand_woman:

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Ein wichtiges Thema, ein paar spontane Gedanken:

  1. Kinderbetreuung, insbesondere wenn Kinder krank werden, z.B. grundsätzlich Ganztagsbetreuung in Schulen und Kindergärten. Ein Netzwerk für die Betreuung kranker Kinder, möglichst flächendeckend.

  2. Flexiblere Arbeitszeitmodelle für alle Arbeitnehmer*innen.

  3. Konsequentere Trennung von Arbeits- /Schulzeit von Frei- /Familienzeit. (Keine ständige Erreichbarkeit über Diensthandy).

Soweit erst mal, Fortsetzung erwünscht.

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Grundsätzlich beschäftigt mich das auch sehr, weswegen ich auch sehr hin- und hergerissen bin und zeitweise mich hier wenig einbringe.

Ich frage mich allerdings auch, ob das nicht den heutigen Lebensumständen geschuldet ist, wo alles immer ganz schnell und sofort und voll umfänglich entschieden werden soll, wenn ich mal an die Politik auf Landes- oder Bundesebene denke. Selbst Bürgermeister*innen sollen möglichst immer erreichbar und sofort zur Stelle sein, wenn mal eine Hauskatze in einem Baum festsitzt.

Ein zweiter Aspekt ist, dass dieses demokratische System von Menschen und für Menschen gemacht ist, die sich genau dies auch leisten können: sie haben Zeit und Geld - sofern sie nicht als Mandatsträger genau dies noch „oben drauf“ bekommen.

Somit befürchte ich, dass es um eine Systemänderung gehen müsste, wenn auch Eltern, Alleinerziehende, Schichtarbeitende Menschen teilhaben sollen. Es müsste also auch diesen Menschen möglich gemacht werden, dass sie mit ihrem Tempo mitmachen können. Ob die Ober- und Mittelschicht und auch die Medien und letztlich wir alle dazu bereit sind? Eher nicht. Aber das wäre eine Aufgabe und eine v.a. eine Vision.

Ich frage mich gerade, ob das überhaupt eine Ini leisten könnte oder ob das nicht sogar ein TK-Themenfeld wäre? Ein TK Zukunft oder so ähnlich kam mangels Beteiligung nicht zustande.

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Deine Gedanken sind alles gute Forderungen für die „normale“ Arbeitswelt.
Die Problembeschreibung von @alexanderplitsch hatte ich jedoch anders verstanden:
Wie lässt sich politisches Engagement mit dem Familienleben vereinbaren?
Bleiben wir mal bei DiB:

  • Calls fallen i.d.R. in die freie Familienzeit am Abend oder WE
  • Parteitage sind an WE (nach Kassel werde ich bspw. nicht kommen, weil meine Tochter ihren Geburtstag in unserem Garten feiern möchte)
  • Veranstaltungen (z.B. DiB-Tische) sind in der freien Familienzeit

Punktuell lassen sich Familienmitglieder sicherlich einbinden:


(Töchterchen beim UU-Sortieren)

Aber wenn das „politische Hobby“ nicht das Hobby aller Familienmitglieder ist, bietet es Konfliktpotenzial.

+++ nicht als Moderator +++

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Ich denke, dass man das nicht von einander trennen kann.

Wer mit Pflichten so vollgepackt ist, dass sie*er nach deren Erledigung nur noch todmüde ins Bett fällt, oder vor dem Fernseher einschläft, denkt nicht mehr über ehrenamtliche Aufgaben nach.

Erst wenn es bei den Pflichten einigermaßen ausgeglichen (machbar) ist, kann jede*r über Hobbys und ehrenamtliche Tätigkeit nachdenken und überlegen wie viel sie*er leisten kann und will, bzw. wie viel mit Familie und Partner*in vereinbar ist.

Insofern ist der Marktplatz ein guter Ansatz, weil 24 Stunden geöffnet.

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Hängt vielleicht auch sehr stark mit einem guten Einkommen zusammen bzw. einem Lebensstil, der ein zufriedenes, gesundes Leben ermöglicht.

Da wir aber im Hamsterrad der imperialen Lebensweise herumhecheln, damit wir möglichst viel konsumieren können, können wir das nur erreichen, wenn weiterhin andere für uns die Drecksarbeit machen und ein unzufriedenes und/oder ungesundes Leben führen. Und solange wir nicht für uns selbst erkennen, dass es auch andere Lebensweisen gegeben hat und weiterhin geben kann, die dies ermöglichen, solange wird es eben nur mit Ausbeutung anderer gehen.

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Um mal bei DiB zu bleiben,

Gerald hat ja schon herausgestellt, dass das „Hauptproblem“ ist, dass politisches Engagement hier noch in der Freizeit, also potentieller Familienzeit geschieht. Tatsächlich machen aber wahrscheinlich viele von uns in ihrerm Freizeit auch andere Dinge, als 100% dieser Zeit mit der Familie zu verbringen.

Konfliktpotential entsteht (so meine Theorie) vor allem, wenn die Zeit, die für dieses Hobby aufgebracht wird zuviel wird, insofern wäre ein Lösungsansatz Möglichkeiten zu schaffen, mit denen man sich mit möglichst Zeit, möglichst viel einbringen kann.
Ein guter Weg ist da sicherlich das Initiativprinzip mit Marktplatz usw, aber ausgedehnt auf die nicht-inhaltliche Parteiarbeit würde ich behaupten, dass die Hauptaufgabe darin besteht die bestehende Arbeit möglichst gut in möglichst viele kleine Aufgaben zu zerteilen, sodass auch Menschen, die vielleicht nur eine Stunde pro Woche Zeit haben, diese übernehmen können.
Umso mehr ich darüber nachdenken, umso mehr glaube ich, dass wir eine Aufgaben-Koordination gebrauchen könnten (ähnlich wie so Ehrenamts-Koordinator*innen oder so), aber das ist vielleicht noch mal eine andere Baustelle.

Und für Ämter und Mandate sollte das ebenso gelten. Job Sharing finde ich da eine gute Möglichkeit. Bei Mandaten ist das sicherlich noch mal komplizierter, aber bei partei-internen Ämtern könnte das ja mal ausprobiert werden.

Einen weiteren Konflikt sehe ich darin, dass das Hobby „Politik machen“ dann durchaus auch in Konkurrenz zu anderen Hobbys steht – umso mehr, umso begrenzter die „Hobby-Zeit“. Insofern finde ich es wichtig, dass das Engagement auch Spaß macht. Auch da denke ich sind wir mit unserer wertschätzenden Grundhaltung, Verhaltens-Kodex usw auf einem ganz guten Weg.

Das jetzt erst einmal so spontan :wink:


PS:

Diese Frage würde ich gerne ausweiten, denn ich denke die Vereinbarkeit von Familie und Politik betrifft nicht nur Eltern – zumal ich Familie sehr viel weiter auslege als „Eltern-Kind“ :wink:
Ähnliche Problematik findet sich sicherlich auch bei Kinderlosen, die z.B. ihre Eltern pflegen und so weiter und so fort …

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Da fält mir grad noch die Demokratie in antiken Athen ein. Dort wurden Menschen (damals nur Männer und v.a. „Bürger“) augelost und „mussten“ Funktionen wahrnehmen. Man kam aufgrund der Verfahren (und vielleicht auch aufgrund der geringen Lebenserwartung) nur einmal zum Zug, danach konnte man nicht nochmal ausgelost werden. Das konnten sich die meisten auch unproblematisch leisten.

Würde so ein System auch funktionieren, wenn Leiharbeiter*innen, Alleinerziehende, Schichtarbeiter*innen (z.B. Pflegepersonal) demokratisch gewählt in so ein Amt/Mandat kämen? Ja, wir müssten das System einfach so gestalten, dass dies möglich wäre. :blush:

Das hieße, dass für einen alleinerziehenden Menschen eine Kinderbetreuung (inkl. Arztbesuche, Kita-Streik etc) zur Verfügung gestellt werden müsste und vermutlich auch eine Haushaltshilfe.

Das hieße, dass in Krankenhäusern und Pflegeheimen ausreichend Personal vorhanden sein müsste.

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Bei mir rennst Du da offene Türen ein , aber @RobWoh hat dies bereits eruiert : es widerspricht den Wahlgesetzen . Es liegt nicht also an der Ausgestaltung , sondern am Widerstand der politischen Klasse . Um den zu überwinden müssen WIR noch eine Menge dicker Bretter bohren und das noch dazu auf der Grundlage des geltenden Gesetze in den aktuellen Volksvertretungen .

@raba: Falls deine Antwort meiner Antwort darüber galt, dann geht es mir nicht um das Losverfahren sondern um die Kinder- und/oder Elternbetreuung/-pflege etc.

Ich möchte mich der Einladung von @birdy2000 anschließen , aber gleichzeitig anregen , dass Du Deinen Text hinter dem Hyperlink etwas strukturiert einkürzt , denn er ist zu wichtig , um wegen Überlänge nicht gelesen würde .Alles , was Du schreibst , ist richtig , doch sogar bei uns ist noch etwas Überzeugungsarbeit zu leisten , was freie und geheime Wahlen angeht . Aber dazu mehr im anderen thread - hier wäre es off topic .

Das kann ich so bestätigen, liebe @KatjaundCo.
Ich denke, dass es „ganz normal“ ist, wenn die Eltern politisch interessiert sind, werden es höchstwahrscheinlich auch die Kids. Wenn in einem Haushalt viel gelesen wird, ist es auch den Kindern nicht fremd. Wenn Eltern gutes Sozialverhalten vorleben, werden sicherlich auch die Sprösslinge keine Assis.

(Tages-)Politik ist oft Thema bei uns am Essenstisch, zum Frühstück läuft das Radio mit Nachrichten. Meist sind es nur kurze Statements unsererseits, aber es ist halt präsent.

Unsere Kinder gingen bspw. in einen Elterninitiativkindergarten. Der flog uns irgendwie zu und wir stornierten sofort unsere Anmeldung bei dem städtischen KiGa, nachdem wir dort mal zu Besuch waren.
Die Kleinen mussten nicht alle den gleichen Schmetterling malen, die Kids wurden einbezogen das Programm zu gestalten, usw.
Dann kam das neue Kinderbildungsgesetz … und plötzlich waren wir (die Eltern) politisch und haben protestiert, aufgeklärt, gekämpft. Das bekamen natürlich auch unsere Kinder mit, wenn sie auch noch nicht verstanden, worum es ging.

oot: Alle unsere Befürchtungen seitens KiBiz sind nicht nur eingetroffen, sondern wurden bei weitem übertroffen. :rage: Hatten wir vorher für 24-26 Kinder zwei hauptamtliche Erzieher*innen, ein*e Erzieher*in im Anerkennungsjahr, eine*n Schüler*in und eine Halbtagskraft, die frisch mit den Kindern kochte, fielen mit dem Gesetz eineinhalb Kräfte weg. Dafür musste der Betreuungsschlüssel geändert werden und U3-Kinder aufgenommen werden. Sprich, für die älteren Kinder gab es keine Spielzeit mehr seitens der Betreuer*innen. Im Krankheitsfall mussten sogar oft Eltern einspringen (unentgeltlich natürlich!), damit der KiGa nicht schliessen musste.

Meine Kids (17 +15) sind nicht politisch aktiv im Sinne von „ich mach da mal mit beim SPD-Sommerfest“. Aber sie setzen sich durchaus in ihrem direkten Umfeld für Interessen ihrer Blase ein.
Mit meinem Grossen kommen auch gelegentlich Gespräche zur grossen Politik auf. Es ist oft spannend für mich, wie er das Weltgeschehen reflektiert. Darum finde ich es auch so enorm wichtig, dass es viel mehr junge Menschen bei DiB gibt. Die sind nicht doof oder naiv, sondern einfach nur jung.

Lange Rede … Vorleben ist die beste Bildung.

+++ nicht als Moderator +++

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Hallo und vielen Dank für eure Rückmeldungen zum Thema!

Ich würde gerne einen konkreten nächsten Schritt planen, um den Austausch noch mal zu verstärken und dann ggf. erste Ideen zu entwickeln.

Dafür würde ich gern ein neues Format testen: @Surfista hat vor einiger Zeit angeregt, zur zusätzlichen Vernetzung untereinander „virtuelle DiB-Tische“ zu organisieren und hat mich gefragt, ob ich bei einem ersten Versuch sozusagen den „Gastgeber“ geben könnte. Das möchte ich gerne machen und mit unserem Thema „Vereinbarkeit von Familie und Politik“ verbinden.

Für diesen ersten Versuch werde ich nicht öffentlich einladen, sondern ausschließlich hier auf dem Marktplatz. Ich hoffe, dass sich ca. 10-15 Leute finden, die das Format und das Thema interessant finden.

Wie könnte der „virtuelle DiB-Tisch“ aussehen?

  • Treffen in einem Zoom-Raum zur Videokonferenz
  • Kurze Begrüßungs-/Vorstellungsrunde
  • Startimpuls zum Thema des Abends
  • Sammeln von Stichworten / Themenschwerpunkten in der Runde, sichtbar gemacht als digitale Mindmap per Screensharing
  • Aufteilen in 2-3 Gruppen (Treffen in separaten Videokonferenz-Räumen), Brainstorming zu einem Unterschwerpunkt
  • Zusammentragen in der gesamten Gruppe, Sammeln auf der digitalen Mindmap
  • Fazit-Runde

Dauer: ca. 2 h

Habt ihr dazu Rückmeldungen, Bedenken, Anregungen? Wenn es grundsätzlich Zustimmung/Interesse gibt, lege ich eine Umfrage zur Terminfindung an.

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Finde die Idee sehr gut und wäre gerne dabei.
Mein erster Impuls war: „Wäre doch toll, wenn meine Frau oder meine Kids auch mal ihren Senf dazu geben würden.“ Ich versuche da mal etwas herauszukitzeln.

+++ nicht als Moderator +++

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Ich wäre auch gerne dabei :slight_smile:

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Ich würde auch mitmachen.

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Eine grobe Terminabstimmung hatte ich damals schon gestartet. Dort hatten sich auch weitere Interessierte gemeldet.

Bin gerade nur mobil online und finde den Thread nicht.

Im Zusammenhang mit „Familie&Politik“ würde ich verstärkt auf asynchrone Formate setzen. Die Idee hinter dem virtuellen Tisch war ja eher die Vernetzung der „Jwd“ Gemeinde. Auch wenn es hilft, ist man da ja terminlich gebunden.

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