Reduktion der Tierhaltung als Weg zu mehr Umweltschutz und weniger Infektionsrisiken

Man rechnet in der Biologie damit, dass jede Stufe in der Nahrungskette etwa das zehnfache an Biomasse in der Stufe darunter benötigt. Will heißen, auf 10 kg Schaf kommt nur 1 kg Wolf, oder, beim Menschen, mit Pflanzen werden 10 mal so viele Menschen von der gleichen Fläche satt. Das ist aber natürlich nur ein sehr grober Richtwert, und wie oben erwähnt haben Wiesen und Weiden ihren ökologischen Wert und nicht jede Fläche eignet sich zum Anbau von Pflanzen für die menschliche Ernährung.

Wahrscheinlich wissen die meisten passionierten Fleischesser gar nicht, wie lecker vegetarische Gerichte sein können. Ab und zu Fleisch schmeckt im übrigen viel besser, wenn es was besonderes ist. Ich esse z.B. nur noch selten Fleisch, und dann nur wenn es meine Lieblingsfleischgerichte gibt, auf das, was ich eh noch nie super gern mochte kann ich gut verzichten (aber ich z.B. mag dann auch keinen Fleischersatz). Und vegan leben, so weit wäre ich nicht, weil ich viel zu gerne Käse und Eier (vom Nachbarn) esse.

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Aus meiner Sicht ist es eher so, dass es aktuell eine Sonderregelung für Milchersatzprodukte gibt, nämlich die erhöhte MWSt (19%). Alle anderen Lebensmittel werden (soweit ich weiß) mit 7% besteuert. Nach allen anderen Regeln werden sie auch als Lebensmittel behandelt (Zutaten- und Nährwertangabe etc.).

Ein Steuersatz, der davon abhängt, wie regional ein Lebensmittel ist, ist eine spannende Idee, ich fürchte aber, dass damit ein großer bürokratischer Aufwand auf Erzeuger und Händler zukommen dürfte.

Vielleicht war das missverständlich ausgedrückt, aber genau darauf kam es mir an:

War das nicht verständlich so?
Denkt ihr auch, dass es überzeugte Fleischesser*innen eher überzeugt, ihren Konsum zu reduzieren, wenn sie die Möglichkeit haben, ab und zu vegane/vegetarische Gerichte zu konsumieren und zusätzlich Vorurteile im Sinne von „Kinder vegan ernähren ist Körperverletzung“ abgebaut werden. Hier übrigens noch eine Studie dazu (für Interessierte, ist auf Englisch):


[Fazit davon: Kinder, die vegan ernährt werden, sind nicht signifikant unterernährt.]
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  1. wäre der Kraftstoff* hoch besteuert (CO2-St.), würde sich der ‚lohnender‘ Weg auch so reduzieren (gilt für Schiffahrt - transkontinental). Bahn, ÜberlandLkw laufen dagegen elektrisch ;- )

  2. ‚Biligfleichproduktion‘ kann auch über verschärfte Auflagen bei ‚Massentierhaltung‘ wegfallen, o. deutlich reduziert werden,

  3. Discounter kann man/frau auch in die Pflicht nehmen. ‚Kampfpreise‘ bei Fleich (deren Massen! u damit dessen Anteil im ‚Korb‘ - und nicht zu letzt auch Einkommensproblematik der Bauern) gehen hauptsächlich auf deren Verkaufsstrategien - bzw. 'Knebelverträge bei Einkauf - zurück,

  4. Phase II: Proteine können auch über Alternativen konsumiert werden.

  5. Phase III: man/frau wird Vegetarier.

*): Schweröl für Schiffsdiesel ist das letzte Dreck aus der Raffinerie - gehört eh verboten werden - und die Verbrennermotoren hier sowieso ersetzt.

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Das ist der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Diskussion. Billigfleisch darf erst gar nicht mehr erzeugt werden können. Die alte Maxime der Landwirtschaft „Wachsen statt weichen“ muß durch die Maxime " Qualität oder Weichen" ersetzt werden, und das fängt in den landwirtschaftlichen Berufsschulen an. Leider greift hier die verabschiedete Ini „Ökologische Landwirtschaft (strenge Version)“ noch etwas zu kurz, weshalb ich gerade einen Entwurf für eine Erweiterungsini ausgearbeitet habe. Wir produzieren seit 5 Jahren Rindfleisch nach ökologischen Richtlinien in Landschaftsschutzgebieten und haben noch nicht einmal Antibiotika einsetzen müssen. Leider ist dies nicht Standard, auch im ökologischen Landbau und das führt zu massiven Problemen, wenn nicht gar zur nächsten Pandemie. Danach geschätzt gibt es nach Wikipedia allein in Deutschland schon jährlich 40.000 (!) Todesfälle durch MRSA.
Quellen: 1. Wikipedia: MRSA
2. Reserveantibiotika in der Landwirtschaft ?
3. Wenn Antiotika nicht mehr wirken
4. Tödliche Supererreger - keine Entwarnung in Indien
5. Reserveantibiotika - raus aus der Landwirtschaft
Leider ist es dem BMELV durch sein Programm DART2020 in den letzten 5 Jahren nur ansatzweise (s.Quellen) gelungen, die Antibiotika aus der Landwirtschaft zu entfernen. Warum wohl ? Dieses Programm endet dieses Jahr. Und dann ?

Es darf durch verschärfte Richtlinien in der Fleisch- Milch- und Eierproduktion nicht mehr möglich sein,

  1. Antibiotika einzusetzen
  2. Leistungsförderer (Anabolika, Steroide) einzusetzen
  3. den Tierbesatz unabhängig von der hofeigenen Futtergrundlage zu betreiben
    4.Tierfäkalien nicht ausnahmslos auf den Hofflächen wiederzuverwerten
  4. Nutztierarten nicht artgerecht auf dem Hof bzw. dem umgebenden Habitat halten zu können.
    Diese 5 doppelten Verneinungen können auch positiv zusammengefaßt werden in dem zusammenfassenden Gebot: Es muß auch in der Tierhaltung ein geschlossener Hofkreislauf herrschen. Durch diese Auflagen bzw. dieses Gebot wird Billigfleischproduktion unmöglich gemacht und das Angebot wird sich soweit verringern, dass der Preis steigen wird. Ein Großteil dieser Auflagen wird schon durch den ökologischen Landbau erfüllt, aber leider nicht alle.
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guter Slogan, genau so.

Das würde ich so nicht vollständig unterstützen, da es Kooperationen untereinander ausschließt und somit die Bildung von Spezialisten verhindert. Im Endeffekt ist es egal woher das Futter kommt und wohin die Fäkalien gehen, solange sie „richtig“ angebaut / verwertet werden (und nicht zu weit transportiert wird). Eine Einschränkung der Zufütterung würde ich aber zum Beispiel auch unterstützen. (wobei mir da umfassendes Wissen fehlt um die Auswirkungen genau beurteilen zu können)

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Kann man fordern, muss aber wissen, dass unsere Hochleistungsrassen von Milchkühen dann nicht zu ernähren sind. Soviel Gras und Silage wie sie brauchen würden, können sie über den Tag garnicht fressen und wiederkäuen. Sie brauchen eiweißreichere Kost. Das hier angebaute Soja ist meist bio und für die direkte menschliche Ernährung.

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Da stoßen wir an eine grundsätzliche Frage: Wie sinnvoll war/ist die Züchtung der Hochleistungsrassen, die entweder unnatürlich schnell Fleisch ansetzen, um schnell geschlachtet werden zu können oder Kühe, die extrem viel Milch geben?

Ein Zurück ist sicherlich nicht einfach, aber wenn man Wert auf artgerechte Haltung und nachhaltige Produktion legt, muss man sich diesen Fragen stellen.

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Dies trifft genau den Kern, wenn man die Fragen von Fütterung und Tiergesundheit im Auge behalten will. Allerdings hat die INI Ökologische Landwirtschaft (strenge Version) dieses Problem schon implizit beantwortet wenn dies vielleicht auch nicht sogleich ins Auge fällt. Alle Verbände des ökologischen Landbaues, insbesondere Bioland und Demeter haben in ihren Richtlinien klare Tierzuchtziele festgelegt, die eindeutig von den derzeitigen Hochleistungsrassen wegführen hin zu mehr Tiergesundheit, Langlebigkeit, Futter- und Standortanpassung. Beispiel Bioland. Dort heisst es in den Richtlinien unter Punkt 4.7.1. Tierzucht Allgemeines (Auszug) : „Die Tierzucht muss so angelegt sein, dass die Leistungsfähigkeit, die Gesundheit, die Vitalität und Widerstandskraft der Tiere sowie die Qualität der tierischen Erzeugnisse unter den unterschiedlichen Umweltbedingungen erhalten und verbessert werden. Die Erhaltung regional verbreiteter Haustierrassen soll nach Möglichkeit gefördert werden. Bei der Tierzucht und der Wahl von Tierart und Rasse müssen die speziellen ökologischen Standortbedingungen berücksichtigt werden. Bei Tieren, die der Milcherzeugung und der Zucht dienen, ist insbesondere auch das Merkmal der Langlebigkeit zu beachten. Tierarten und Rassen, die nicht für die oben beschriebenen Haltungssysteme (siehe 4.2) geeignet sind, dürfen nicht gehalten werden.“ (Auszug Ende)
Damit ist klar, dass die derzeitig verwendeten Tierrassen die Anforderungen der ökologischen Tierhaltung nur unzureichend oder gar nicht erfüllen.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis: Die Züchtung der Milchkühe läuft auf immer kürzere Strichlängen bei den Eutern hinaus, die zwar gut für Melkroboter und -maschinen geeignet sind, aber das Eindringen von Streptokokken in die Euter enorm erleichtern. Folge: Immer mehr Euterentzündungen, die mit Antibiotika behandelt werden müssen (Peracef) und nur sehr schwer wegzubekommen sind, da das kurative Ausmelken von Hand nahezu unmöglich ist. In Zukunft müssen wieder Zuchtbullen als Vererber in der ökologischen Milchrinderzucht eingesetzt werden, die längere Strichlängen vererben als eines der relevanten Auswahlkriterien . Dies ist ein sehr langwieriger Prozess, jedoch stehen Zuchtbullen nach ökologischen Anforderungen schon zur Verfügung in der Besamung und es gibt inzwischen sogar einen ökologischen Tierzuchtwert in den Katalogen einiger Besamungsunternehmen wie z.B. der RPN. Oder man geht wieder auf den Natursprung über wie in der Mutterkuhhaltung üblich und überläßt dem Bauern vor Ort die gewünschte Anpassung an ökologische Kriterien, was aber oft an der Knappheit von geeigneten Bullen vor Ort scheitert.

Diese Zuchtziele zu weniger Hochleistung hin zu mehr Gesundheit sind bei den ökologischen Landbauverbänden üblich und werden teilweise, wenn die Tierzüchter dem nicht nachklommen, von den Verbänden auch im Alleingang bei allen Nutztierrassen umgesetzt, wie z.B. die Gründung einer eigenen Zuchtfirma bei den Legehennen zeigt:
Bioland und Demeter gründen Ökologische Tierzucht
Ökotierzucht gGmbH

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Betriebskooperationen im regionalen Umfeld sind sicherlich zu befürworten, wenn es z.B durch klimatische Ereignisse zu Engpässen kommt wie z.B. durch die Trockenheit in den letzten Jahren. Auch Maschinenkooperationen und Maschinenringe sind sicherlich ökologisch sinnvoll, da Maschinen dann nicht von jedem einzelnen Bauern beschafft werden müssen.
Allerdings ist es aus ökologischer Sicht nicht egal, woher das Futter kommt, auch wenn es richtig angebaut wurde, da dies
1.unnötige Transportwege erzeugt, die Umweltschäden verursachen und Primärenergie verschleudern
2. einen erhöhten Kontrollaufwand (Futteranalysen, Herkunftsnachweise,Reinheitsanalysen,Überprüfung der Zwischenlagerung und Transportbedingungen) erfordert, den letztendlich der Verbraucher bezahlen muß

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Die Faktoren Züchtung, Tierhaltung und Fütterung sind wohl die zentralen Ansatzpunkte.

Parallel dazu ist aber auch ein Umdenken im Handel und bei den Konsument*innen nötig. Aktuell hat man den Eindruck, dass der Zugang zu billigem Fleisch als Art Grundrecht angesehen wird. Das liegt sicher auch daran, dass von offiziellem Stellen wiederholt vor veganer Ernährung gewarnt wird. Wenn diese Stigmatisierung abgebaut werden kann, erleichtert es sicher auch begeisterten Fleischessern, ihren Konsum etwas herunterzuschrauben (man muss ja nicht gleich auf 0 gehen).

Mir ist auch eingefallen, dass oben das Thema Subventionen noch nicht ausreichend genannt war. Es wäre sicher möglich, Futtermittel (insb. Mais, Soja und Getreide) weniger zu subventionieren als Essen, das direkt von Menschen gegessen wird. Aktuell hat man ja bei uns oft die Situation, dass Gemüse teurer ist als Fleisch. Auch das ist so nicht unbedingt natürlich.

Wenn diese Maßnahmen umgesetzt sind, werden vermutlich automatisch auf den Speisekarten in Restaurants und Kantinen mehr vegane Gerichte auftauchen. Ich will aber trotzdem noch einmal vorschlagen, ein verpflichtendes veganes Gericht anbieten zu müssen. Das ist nämlich kein Verbot und erweitert das Angebot. So haben einerseits überzeugte Veganer*innen weiterhin die Möglichkeit, mit anderen Menschen essen zu gehen. Und neugierige Fleischesser*innen, die selbst nicht gelernt haben, anders zu kochen, können hier auch mal etwas ausprobieren.

Die aktuelle Schubladentrennung in „Fleischesser*innen/Vegetarier*innen/Veganer*innen“ führt ja oft dazu, dass man bei mehrtägigen Veranstaltungen oft zwischen „jeden Tag Fleisch“ und „kein Fleisch“ wählen muss. Auch in manchem gutbürgerlichen Restaurant in Bayern auf dem Land geht man offenbar davon aus, dass zu jeder Mahlzeit Fleisch gehört und das muss ja nicht unbedingt sein.

Ein paralleles Umdenken würde wiederum die Akzeptanz zu höheren Fleischpreisen durch bessere Haltungsbedingungen führen.

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woll? Und wo ist der politische Wille?

Ich wollte noch ergänzen, dass Dauergrünland (Wiesen und Weiden) mehr organische Substanz und damit CO2 speichert als Ackerland. Natürlich hängt die Speicherfähigkeit auch von der Bewirtschaftung ab (konventionell angebauter Mais ist z.B. ziemlich mies, weil der Boden nahezu unbedeckt ist), aber Grünland und Wald speichern einfach mehr. Grünland ist halt aber nun mal in seiner Nutzung an Tierhaltung gekoppelt.

Tiere vom Acker zu füttern ist natürlich unter Klimagesichtspunkten ganz schlecht, und wie @KlapperKlaus ausgeführt hat schließt das dann die Haltung moderner Hochleistungsrassen aus. Wir haben eben Jahrzehntelang am Klima vorbei gezüchtet. Bei den Pflanzen viel die fatale Entscheidung für einjährige Arten vermutlich schon vor 10000 Jahren, mehrjährige wären für Klima und Böden besser gewesen. Heute versuchen einige Forscher hier gegenzusteuern.

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