Recycling allein ist zu kurz gedacht

Original Veröffentlichtung: https://bewegung.jetzt/2017/12/21/recycling-ist-zu-kurz-gedacht/

Elektroschrott rückt zunehmend ins öffentliche Interesse. Die Politik versucht sich an wirksamen Konzepten zum Recycling. Doch uns geht das nicht weit genug!

In der letzten Woche wurde der „Global E-waste Monitor 2017“ veröffentlicht, der weltweite Bericht über Elektroschrott im Jahr 2017. Ein bemerkenswerter Bericht mit vielen Details und Informationen, herausgegeben von der International Telecommunication Union (Internationale Fernmeldeunion), der United Nations University (Universität der Vereinten Nationen) und der International Solid Waste Association.

Das Ergebnis des Berichtes ist wenig überraschend: Wir produzieren immer mehr Elektroschrott und es wird viel zu wenig dem Recycling zugeführt. Das Recycling findet teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen in Ländern des globalen Südens statt, und ein großer Teil des Elektroschrotts wird nicht fachgerecht entsorgt. Zu den Hauptverursachern gehört Deutschland, wenn man das Aufkommen pro Kopf betrachtet.

Recycling ist wichtig und die Regelungen zur Rücknahme von Altgeräten sind ein Schritt in die richtige Richtung. Aber nur auf Recycling zu setzen, löst das Problem nicht nachhaltig.

Wir mĂĽssen schon vor dem Recycling ansetzen

Damit weniger Elektroschrott anfällt, könnte man einfach weniger konsumieren. Es muss nicht immer das neueste Smartphone oder der modernste Laptop sein. Gebrauchte Geräte zu verwenden, ist aktiver Umweltschutz. Doch dabei gibt es ein Problem: Die Geräte werden zunehmend schlechter reparierbar. Akkus werden fest eingebaut oder sogar verklebt. Gehäuse sind kaum noch ohne Beschädigung zu öffnen. Bauteile sind bewusst Spezialanfertigungen, auch wenn es günstige Standard-Teile gibt.

All dies sind Konsequenzen eines bedrohlichen Trends: Elektronik soll zum Wegwerfartikel werden. Alles soll schnell verbraucht und schnell ersetzt werden, damit die Industrie immer schneller neue Produkte absetzen kann. Dabei sind Neuerungen oft nicht vorhanden oder wenig sinnvoll. Mal ehrlich: Was will man mit Kopfhörern, die nur sechs Stunden Musik wiedergeben? Oder mit einer Armbanduhr, die weniger als einen Tag durchhält?

Es geht auch anders!

Die klassischen Elektrogeschäfte werden immer mehr durch den Online-Handel verdrängt. Damit verschwinden auch Dienstleistungsunternehmen, die eine Reparatur durchführen können. Dem Trend entgegen stemmen sich schon lange die Repair Cafés und das Netzwerk Reparatur-Initiativen.

Aber egal, ob Fachhändler oder Repair Café, beide haben das Problem der Produkte, die nur schwer reparierbar sind. Und oft liegt das Problem wirklich am Akku oder an Kleinteilen, die leicht ersetzbar wären, wenn man das Gerät nur öffnen könnte. Bestes Beispiel ist das Debakel um das Samsung Note 7. Die Akkus hatten einen Produktionsfehler und konnten nicht einfach ausgetauscht werden, da sie fest verbaut waren.

Hier kommen wir ins Spiel – und damit meine ich: Uns alle!

DiB hat die Forderung nach reparierbaren Geräten im Parteiprogramm, um Elektroschrott zu vermeiden. Und wir alle können Reparierbarkeit unterstützen, indem wir im Laden nach ganz einfachen Punkten fragen: Ist der Akku austauschbar? Kann man das Gerät zur Reparatur leicht öffnen?

Wenn der Akku nicht wechselbar ist oder das Gerät verklebt ist, sollten wir nach anderen Geräten fragen. Gibt es keine, können wir das Geschäft verlassen. Mir ist klar, dass aktuell die Auswahl klein ist. Oft bleibt am Ende doch nur ein Gerät zu kaufen, das den Kriterien nicht entspricht. Aber je mehr Menschen reparierbare Produkte fordern, umso eher werden diese angeboten.

Unser Wunsch ist, dass nicht reparierbare Produkte in Zukunft nicht mehr verkauft werden dürfen. Bei Ladegeräten für Mobiltelefone hat das schon gut funktioniert. Diesen Weg müssen wir weiter gehen, bis Wegwerf-Elektronik komplett der Vergangenheit angehört.

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Ein aktuelles Thema: Ein Bekannter hat gestern die Lichterkette für den Weihnachtsbaum raus geholt und überprüft, dabei stellte er fest, dass 2 Lämpchen nicht mehr leuchten. Also ging er in ein Geschäft und wollte Ersatzlämpchen kaufen. Nach seiner Beschreibung konnte der Verkäufer sich kaum das Lachen verkneifen.

Als Antwort bekam er: „Es gibt keine Ersatzlämpchen, Sie müssen eine neue Lichterkette kaufen.“

Das ist von der Industrie so gewollt, im Kleinen wie im Großen. Dinge werden wie oben beschrieben bewusst so produziert, dass sie nicht repariert werden können und nur eine gewisse Lebensdauer haben, denn nur so ist der ständige Konsum garantiert.

Es ist schwer als Verbraucher dagegen anzugehen.

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In einem Reparatur Café könnte man die bestimmt reparieren.

Und ich hoffe, dein Bekannter wählt jetzt DiB, weil wir diesen Unfug verbieten wollen :sunglasses:

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Ich würde empfehlen, das eine Förderung für Reparierbare Elektronische Geräte, wie Handys und Smartphones ausgelobt werden. Das muss soweit gehen, das entweder Steuern gesenkt werden bei nachhaltiger Produktion oder eben Fördergelder nicht zurück gezahlt werden müssen bei entsprechender Produktion. Wenn unser Staat das konsequent durchführt, wird die Elektronik produziert, für die es das meiste Geld gibt. Reparierbare Elektronik.

Ăśbrigens, unsere Industrie hat bereits reagiert.
Seit 2008 darf nur noch bleifreies Lötzinn verwendet werden.

Politik ist dazu da, Angelegenheiten einer Gemeinschaft zu regeln. Dieser Unfug mit der Einweg-Elektronik ist nur ein Ergebnis von Lobby-Arbeit.

Die EU ist dazu da, diesen Unfug zu verbieten.

Das ist ein interessanter Aspekt. Die Industrie ist sehr gerne auf reines Zinn gewechselt, denn die Lötstellen sind schlechter und die Geräte gehen eher kaputt (Interessiere mögen mal nach „tin whiskers“ suchen). Ein klassisches Beispiel für einen Bärendienst.

Warum nicht? Ich würde lieber eine 10 Jahre alte Miele - Maschine kaufen (damals waren die sogar besser), als ein nagelneues Gerät von Bosch (berühmt für garantierte Obsoleszenz).

Aber das ist nicht der Punkt. Wenn eine Person heute 100€ für ein Gerät ausgibt, das nicht reparierbar ist und in zwei Jahren weitere 100€ ausgeben muss, um es zu ersetzen, kann man ebenso 200€ ausgeben für ein Gerät, das vier Jahre hält und im Zweifel reparierbar ist.

Letztendlich muss man sich die Frage beantworten, ob man ganz viele Billig - Geräte will oder Umweltschutz. Die Hälfte braucht man doch eh nicht. Meine Oma hat ohne Brötchen - Grill, Friteuse, Dampfgarer, Sous - Vide Dings, Tranchiermesser, etc. gekocht und das war ziemlich lecker.

Ich finde dogmatischen Umweltschutz zulasten der Menschen schlecht. Aber mit der längeren Laufzeit wird das doch ausgeglichen, es entstehen Mehrkosten für das Gerät, die sich amortisieren, da es länger hält.

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Also das mit dem Bleifreien Lötzinn hat eher was mit dem damals schon bekannten „recyceln“ von Elektronik aus Indien oder Afrika zu tun. Es ist eben viel billiger Elektronische Bauteile rückzugewinnen indem man den Lötzin von der Platine verbrennt. Und wenn der Lötzinn dann keine giftigen Gase enthält, ist das ein erster Schritt. Und wenn der Lötzinn dann nicht hält, liegt es an der Verarbeitung, aber nicht am Lötzinn.
Ausserdem gibt es bereits recycelbare Smartphones.
Ich nutze ein Smartphone, das zur Funkausstellung in Berlin 2014 vorgestellt wurde. Ein Acer 410+. Es hat damals 169€ gekostet, CPU= 4x1,2 GHZ, 2GB Ram, 16 GB Festplatte, mit 32 GB erweiterbar. Ich habe mir jetzt gerade einen neuen Accu gekauft. Und fertig. Am 19.12.2017 hatte ich einen Zoomcall übers Smartphone gemacht. 45 Minuten = 500MB. Es funktioniert alles. Mein Vertrag mit 2GB Surfvolumen und 200 Freiminuten in alle Netze kostet bei 1+1, 7€// Monat. Warum soll ich es jetzt schon ersetzen?

Mensch muss einfach einen gĂĽnstigen Vertrag raussuchen und sich ein bisschen in Fachzeitschriften reinlesen, dann passt das schon.

Aktuell kostet das Smartphone bei Amazon.de gebraucht, 69€. LTE und UMTS und H+ inkl… Das geht sogar mit 2 SIMkarten.

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Schau mal bitte hier: https://www.youtube.com/watch?v=xwYpL0HZwrE

„Schmeiß weg, kauf neu! - Warum nicht mehr repariert wird“, genau unser Thema.

Ab 7:30 bis 9:30 gibt es auch Menschen mit wenig Geld, die den Umweltaspekt wichtig finden.

Ich habe mich schon lange von dieser Ansicht verabschiedet. Ich brauchte in 2015 ein Handy, was einfach bedienbar, einfach händelbar ist, Mindestanforderungen kann und nicht so riesig war, wie die anderen. Und es gab es.
Ein Handy, das „in“ ist, aber nix taugt, kaufe ich nicht. Gut, mein Handy hat eine Bildschirmdiagonale von 4,5". Na und, dafür kann ich es mit einer Hand bedienen. Mein Handy hat keine „goldenen Tasten“ . Wozu auch. Es funktioniert. Und das ist mir das wichtige.

Hier geht es eigentlich darum, das reparierbare Geräte eben etwas teurer sein müssen, sagt uns die Industrie. Oder zumindest die Marketing Abteilung. Aber ich glaube, das das nicht stimmt. Es gibt Hersteller, die vielleicht weniger bekannt sind (wie Acer im Handybereich) die versuchen es erst mal ehrlich. Aber diese Firmen muss mensch auch finden. Und eigentlich sollte das die Regel werden. Geräte zu bauen die für einen fairen Preis verkauft werden.

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