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Organspendegesetz Àndern: Umkehr des Spender/in-Status

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#28

Ich möchte hierzu nur anmerken, dass ich mit 16 froh war, endlich diesen Ausweis legitim haben zu können. Hab meine Mama informiert was ich will und trage meinen Ausweis seitdem immer bei mir.
Habe außerdem mit jeder Abizeitung die ich verkauft habe einen Organspendeausweis mit herausgegeben. Ich kenne wirklich absolut keine einzige Person, die mit 16 Jahren mit dieser Entscheidung ĂŒberfordert gewesen wĂ€re.
Vielleicht gehe ich auch zu rational an die Sache heran, aber so schwer ist die Entscheidung doch eigentlich nicht? Entweder es ist einem egal, was mit dem eigenen Körper nach einem Hirntod geschieht - dann kreuzt man ja an. Oder es ist einem nicht egal - dann kreuzt man nein an oder schrÀnkt ein was man spenden will.


#31

Liebe Sabine,
ich kann deine Haltung durchaus nachvollziehen und akzeptieren. Die RationalitĂ€t stellt mich dabei, bei dir und anderen,allerdings auch vor ein RĂ€tsel: Wie gewinnt man dabei den Boden fĂŒr ethische Entscheidungen, die ja nicht nur rational getroffen werden können.
Ich habe viele Erfahrungen und eigene Erlebnisse mit Sterbenden und Toten. Das war jedesmal ausgesprochen eindrĂŒcklich und nachhaltig - und zwar durchaus positiv-. Ich glaube solche Erfahrungen sind sehr wertvoll und sie verschieben, jenseits von Religion etc., den Blick auf Sterben und Tod und geben auch einen neuen Blick auf das Leben und seine WertschĂ€tzung. Das macht die Frage der Organspende nicht einfacher aber sicherlich grundsĂ€tzlicher.
Viele GrĂŒĂŸe,
Sebastian


#32

Ich hÀtte eine Idee, wie man verfahren könnte:
Ab der 10. Klasse wird das Thema im Unterricht behandelt. Mit den Wahlunterlagen zur ersten Wahl (Land- oder Bundestagswahl), an der die jungen Erwachsenen teilnehmen, wird auch die Wahlmöglichkeit fĂŒr oder gegen einen Spenderausweis mitgeschickt. NatĂŒrlich nur fĂŒr diejenigen, die sich voher noch nicht in die eine oder andere Richtung entschieden haben. Werden die Formulare nicht unterschrieben (angekreuzt) oder zerstört (wie beim Wahlzettel auch), gilt dies als Ablehnung. Die jetzigen Regelungen (Entscheidung treffen, widerrufen
) bleiben bestehen.

Ich glaube auch, dass 16. jĂ€hrige, durchaus in der Lage sind ĂŒber dieses Thema nachzudenken und mancheR kann auch entscheiden.


#33

Könnte damit leben, wenn Umschlag +Porto vorbereitet kommt.


#34

Gute Idee, aber bei Wahlbeteiligungen von 70% ist das den WiderrufsbefĂŒrwortern wohl zu wenig.

Werden die Formulare nicht unterschrieben (angekreuzt) oder zerstört (wie beim Wahlzettel auch), gilt dies als Ablehnung.

Das ist im Prinzip jetzt auch so. Krankenkassen senden den Spenderausweis zu. Das ist aber keine Widerspruchsregelung



#35

Naja, tricksen kann man immer da wo ein Ziel erreicht werden soll. Opt-out ist ein klassisches Werkzeug von Tricksern/BetrĂŒgern.

FĂŒr mich ist schwer nachvollziehbar, wieso das nicht offensichtlich ist. OPT-IN ist aktiv selbstbestimmt, OPT-OUT tritt auch in Kraft, wenn es ĂŒbersehen, vergessen oder ausgeblendet wird. Nicht ohne Grund ist es bei Online-VertragsschlĂŒssen verboten das HĂ€kchen fĂŒr die Extra-Services schon von vornherein gesetzt zu haben.

Aus meiner Sicht ist alles dazu gesagt. Ich muss diese Initiative ja nicht unterstĂŒtzen, startet sie und dann sehen wir was dabei rauskommt. :slight_smile:


#37

Lieber Uwe,
ja, das Wort Verlogenheit ist schon eine Keule. Erst dachte ich noch es zu entschĂ€rfen. Der historische Prozess zur Organspende macht mir das aber auch naheliegend. ZunĂ€chst stieß er ja an die Grenze, es könnte sich hier rechtlich um Tötung handeln. Als das deutlich wurde, kam der Versuch, den Hirntod als Ganztod zu bezeichnen. Nur ist fĂŒr mich ein Sterbender eben nicht bereits tot. Mein nicht unbegrĂŒndeter Verdacht ist, dass dadurch eine notwendige Diskussion abgewĂŒrgt wurde und bis heute an den Rand gedrĂ€ngt wird. Ich hĂ€tte hier Offenheit besser gefunden, sie kommt zu ehrlicheren Ergebnissen und Entscheidungen. Dann hĂ€tte man Organspende zugelassen, obwohl die KlĂ€rung, was ich als tot bezeichne, offen bliebe. Solche VorgĂ€nge der Verklausulierungen sieht man ĂŒberall (gerade eine Reportage ĂŒber Entwicklungshilfe gesehen, die zutreffender als Außenhandelshilfe zu bezeichnen wĂ€re). Mir persönlich geht es nicht um das FĂŒr oder Wider bezĂŒglich Organspende, sondern um die grĂ¶ĂŸtmögliche Offenheit fĂŒr die Urteilsbildung und dem entsprechend in der Entscheidungsfindung. Mit 16-jĂ€hrigen darĂŒber zu sprechen ist auch in meinen Augen vollauf berechtigt; sie zu einer Entscheidung zu verpflichten und damit zu drĂ€ngen halte ich dagegen fĂŒr kontraproduktiv; es fördert die Offenheit eben gerade nicht. Taucht in einer so sensiblen Frage nur der Geruch von BedrĂ€ngtwerden und/oder das Anliegen von Beeinflussung auf, ich denke das schadet eher, als dass es hilft. Schon das Ansinnen, durch eine gesetzlichen (!) Maßnahme zu mehr Spenderorganen gelangen zu wollen, ist fĂŒr mich, auch das zugespitzt, ein Missbrauch - ich frage mich, welches Rechtsempfinden hierbei verloren geht. FĂŒr mich gibt es nur einen Weg, nĂ€mlich die freie Entscheidung zu fördern.


#38

Genau hier liegt der Hase im Pfeffer! Es sollte doch bei der ganzen Diskussion und den sonstigen BemĂŒhungen dem Organerhalt mindestens der gleiche Raum gewidmet werden wie der Organspende. Auch wenn die Notwendigkeit zur Letzteren dadurch nicht vollstĂ€ndig ausgerĂ€umt werden kann.

Selbst bei “Erkrankungen, die wir mit den aktuellen Möglichkeiten nicht verhindern können” (Uwe Trulson), lĂ€sst sich vielleicht doch etwas machen, wenn man der Sache mit dem nötigen Nachdruck auf den Grund geht.


#39

Guten Morgen, Herbert!

Ja, ich denke auch, dass wir etwas machen können. Aber dazu mĂŒssen wir erstmal umlernen, unseren intellektuellen Horizont ĂŒber die Lehren der fragmentierten Schulmedizin hinaus erweitern: aus Psychosomatik eine Psychosomatoökologie machen.


#40

Hallo Raimar,
Deine Ansicht ĂŒber Psychosomatik und die Erweiterung des Begriffs ist interessant, jedoch fĂŒhrt das aus dem oben beschriebenen Thema heraus.

Was ist dein direkter Bezug zum Aufruf der Konstruktiv das Thema voran bringt?

Meine Meinung dazu untermauert den Gedanke von @Alfonso:

Man kann sich als Staat oder sonstige Institution immer an so genannen “Nudges” bedienen wenn es nicht klar zu einem faktischen Nachteil fĂŒr jene Person ist. Die BegrĂŒndung liegt fĂŒr mich in der unterbewussten Akzeptanz von “Standardeinstellung” oder “Normaleinstellung” und eben in der Tatsache, dass der Mensch nicht so frei in seiner Entscheidung ist, wie viele denken.

Der Mensch ist dann immernoch frei in seiner Entscheidung sind dagegen auszusprechen! So ist jedoch der Fokus erstmal umgekehrt:
Nicht: "Was spricht ĂŒberhaupt fĂŒr Organspende? (Weil das ja nicht normal ist)
Sondern: "Was spricht ĂŒberhaupt gegen eine Organspende? (zu spenden ist ja normal)

Viele Staaten haben dieses Prinzip bei der Organspende angewandt und des kommt nicht zu besonderen MissbrauchsfÀllen, durch jene Regelung.
Weitere Quellen gibt es in dem Buch “Nudge” von Richard Thaler und Cass Sunstein.


#41

Interessante Diskussion zu diesem Thema.Dazu noch meine Überlegung bzgl. der Initiative. Moralische/ethische/fachliche Bewertung lasse ich hierbei außer Acht.

  1. ist die Organspende grundsĂ€tzlich erwĂŒnscht.
  2. wenn ja, wie kann dann die Entnahme von Organen geregelt werden
    Wenn also die Organspende von der Gesellschaft positiv bewertet ist, stellt sich die Frage wie dies gesetzlich geregelt werden soll.
    Positivliste oder Negativliste.
    Hier gebe ich der Negativliste den Vorrang.
    BegrĂŒndung: Eine Negativauslese fĂŒhrt dazu, dass sich jeder mit diesem Thema auseinander setzen muss. Mit begleitender Beratung, ist jeder in der Lage eine fĂŒr sich persönliche Entscheidung zu fĂ€llen, die zudem jederzeit geĂ€ndert werden kann. Zum Wohle der Menschen, welche auf eine Organspende angewiesen sind, kann und darf von jedem hierzu eine Entscheidung verlangt werden. ich nenne das mal die Selbstverpflichtung der Gesellschaft.
    Ein Gesetz dazu mĂŒsste selbstverstĂ€ndlich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und ausfĂŒhrlich regeln, wann der Tod eingetreten ist.
    Fazit: ich wĂŒrde meine Stimme dieser INI geben.

#42

Hmmm, da ich sehr persönlich Erfahrung mit dem Thema habe, möchte ich meine Meinung dazu beisteuern.
TatsĂ€chlich bin ich unschlĂŒssig darĂŒber, ob man den Status umkehren sollte.
Ich finde es immens wichtig, dass jeder darĂŒber aufgeklĂ€rt wird und jeder eine Entscheidung darĂŒber trifft.
Denn ganz egal, ob man das möchte oder nicht, wenn man seinen Willen nicht in Form eines Organspendeausweises festhĂ€lt (auf dem kann auch nein angekreuzt werden), dann mĂŒssen die Angehörigen entscheiden. Das kann man ihnen abnehmen und ist eine gute Motivation.

Die Frage ist aber wiie schafft man, dass mehr Leute spenden. Zwang ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg.
Ist die Umkehr des Spenderstatus schon Zwang? Ich bin mir da noch nicht 100% sicher.


#43

Ihr kennt das vielleicht. ich bin fĂŒr Organspende, aber
 Wenn also die Gesellschaft fĂŒr Organspenden ist, dann darf und kann erwartet werden, dass man sich entsprechend positioniert. Die jetzige Regelung hilft da nicht.Also muss eine andere Lösung gefunden werden.
Was mir dazu noch einfĂ€llt; das wĂ€re doch ein schönes Thema fĂŒr den ersten bundesweiten Volksentscheid


#44

Hi,
Eine signifikante Erhöhung der Spenden wird mit unserem derzeitigen System nur sehr schwer und nur mit sehr hohem kommunikativen Aufwand zu erreichen sein, daher fĂŒhrt die “opt out” Methode eher zum Ziel. Dennoch könte man ja gesetzlich regeln, dass im Falle der Anwendung die nĂ€chsten Angehörigen das letzte Wort haben. Bei “opt out” hat man grundsĂ€tzlich den medizinisch gesehen gesamten Pool zur VerfĂŒgung, aus dem dann nach persönlicher Entscheidung einige herausfallen, und nicht nur einen kleinen Pool an positive bezeugten Spendern.


#45

Moin, moin!
Deine AusfĂŒhrung habe ich nicht verstanden.


#46

Hi @anon50756271,
Tut mir leid, wenn es nicht deutlich war - was genau hast du nicht verstanden ?


#47

man kommt kaum um eine PatientenverfĂŒgung herum und da sollte/könnte Organspende inhaltlich gekoppelt werden.


#50

Ob jemand in deinem Sinne antwortet hÀngt davon ab, in welcher Form er/sie dazu verpflichtet wird, eine Antwort zu geben. Je höher der Druck, desto höher die Antwort zum Positiven des Fragestellers. Das geht bis zu dem Punkt: Das Gewalt nur noch mit Gegengewalt beantwortet werden kann. Und das haben wir nunmehr tÀgtlich, wenn wir die Nachrichten in den gÀngigen Medien verfolgen.


#55

Vielleicht besteht hier die Möglichkeit, ein System zu installieren, in dem die ErklĂ€rung fĂŒr oder wider einer Bereitschaft zur Spende auf eine persönliche Ansprache fußt und den so Angesprochenen aus einem moralischen Apell heraus veranlasst, sich zu entscheiden.

So könnte (begleitet von einer Informationskampagnen in z.B. den Schulen [Ethikunterricht - wie finde ich eine persönliche Einstellung zum Thema ; Biologie: Was passiert, wenn wir sterben ? Was bedeutet “Hirntod” ?] ) mit Erwerb eines FĂŒhrerscheins (Habe jetzt leider keine Zahlen, aber ich denke, beinah jeder wird heutzutage irgendeine Art von FĂŒhrerschein machen. Außerdem ist man durch den verpflichtenden “Erste Hilfe” Kurs fĂŒr das Thema sensibilisiert.) eine Informationsmappe & Ausweis (Digitale Angebote, “Organspende App”) des Bundesgesundheitsministeriums ausgehĂ€ndigt werden. Das könnte eine moralische Motivation zur Entscheidung befördern. Sinnvoll wĂ€re es auch, diese Entscheidung digital zu erfassen und auf der elektronischen Gesundheitskarte zu vermerken.


#56

Nicht jeder macht einen FĂŒhrerschein. Klar, es sind immer noch die allermeisten, allerdings wĂ€chst die Zahl derer, die keinen machen soweit ich informiert bin stetig an.
Ich wĂŒrde da eher auf die Schulen gehen :slight_smile: