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Organspendegesetz ändern: Umkehr des Spender/in-Status

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#1

Aufruf: Mitstreiter gesucht
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag
Inhaltliche Diskussion √∂ffentlich erw√ľnscht?: Ja
Eine Initiative von: Alfonso
Bearbeitungsstatus: Idee
Redaktionsschluss: noch offen

Ich m√∂chte gerne, dass das Organspendegesetz dahingehemd ver√§ndert wird, dass jeder B√ľrger automatisch Spender wird, solange er dem nicht in einer zentralen Kartei schriftlich widerspricht. Dieses Gesetz ist nach meiner Meinung schon lange √ľberf√§llig, weil Menschen, die schon verstorben sind, anderen helfen k√∂nnen, weiter zu leben. Bin gerne bereit zu weiterem Gedankaustausch und offen f√ľr Vorschl√§ge. Dieses Thema ist ethisch sehr kompliziert und nach meiner Meinung sehr schwer auf den Weg zu bringen.
Ich bin auf diese Thema gesto√üen durch meine Erfahrungen bei meinen vielen Krankenhausaufenthalten, wieviele Menschen leider sterben mu√üten, weil keine Organe zur Verf√ľgung standen. Ich beziehe mich au√üerdem auf den Artikel bei huffingtonpost.de , dessen link ich beigef√ľgt habe. (onlinebesuch dort heute 11.06.2017)
Freue mich auf eine rege Beteiligung!


#2

Hallo,

eine automatische Zustimmung zur Organspende halte ich nicht f√ľr vertretbar. Besser: Eine obligatorische Stellungnahme, z.B. zeitlich verbunden mit einer anderen (staatlichen/in jedem Leben eines B√ľrgers auftauchenden) Aktion, wie dem Erhalt einer Steuer-ID oder einem Krankenkassen-Aufnahme-Antrag.


#4

Ich bin gegen Organspende, zwanghaft sowieso. Wir sollten uns fragen warum die Menschen neue Organe ben√∂tigen und dann die Ursachen beseitigen. Dazu m√ľssen wir dann allerdings wieder unseren lieben Albert bem√ľhen: Wir k√∂nnen die Probleme nicht mit derselben Denkweise l√∂sen, mit der wir sie erschaffen haben.


#5

Habe sogar mal gelesen das es bei der Organentnahme einen gro√üen Zeitdruck gibt. Es ist unter Umst√§nden auch f√ľr √Ąrzte nicht immer leicht den Tod festzustellen. Da bleibt viel Raum f√ľr Fehler. Nein da bin ich strikt dagegen!


#6

ich w√§re auch eher f√ľr einen Entscheidungszwang als einer Widerspruchsregelung, allerdings w√§re das deutlich aufwendiger
ich k√∂nnte mich mit einer Widerspruchsregelung arrangieren, solange diese erst ab einem gewissen Alter gilt (16 ist ja aktuelles Alter bei dem man selbst entscheiden darf) und vorher entscheiden die Eltern und man vorm erreichen dieses Alters dar√ľber informiert wird (entweder man schickt jedem einen Brief oder man √§ndert den Lehrplan f√ľr Biologie, oder irgendwie anders)
zudem sollten Urlauber von dieser Regelung ausgenommen werden


#7

Ein wichtiges Thema. Sowohl aus dem beruflichen als auch aus dem privaten Umfeld wei√ü ich, wie schwierig und leidvoll die Zeit des Wartens auf ein passendes Spenderorgan sein kann & die erfolgte Organspende nicht nur das √úberleben sichert , sondern auch ein unsch√§tzbares Plus an Lebensqualit√§t f√ľr den Betroffenen bedeutet oder bedeuten kann.
Es wäre schön, wenn man dem Mangel an Spenderorganen durch eine solche gesetzliche Regelung wirksam begegnen könnte.
Allerdings ist diese Thema vom ethisch Standpunkt gesehen tats√§chlich sehr anspruchsvoll und ich glaube, dass eine Initiative f√ľr einen Zwang zur Spende viele Widerst√§nde hervorrufen w√ľrde (Von religi√∂sen Motiven bis zum Vorurteil ), die der Sache an sich evtl. Schaden zuf√ľgen k√∂nnten. Vielleicht w√§re da eine nachhaltigere Aufkl√§rung sinnvoller ? Aber wie ? Eine Auseinandersetzung mit der Entscheidung zur Organspende bedeutet auch immer eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit. Es ist schwierig, hier √ľber ein paar schnell verfasste S√§tze einen angemessenen Weg zu finden‚Ķ


#9

Es werden einige Tausend Organe (4-stellig,verh√§ltnism√§√üig wenige, wenn man die Publicity bedenkt) ben√∂tigt und wir sind √ľber 80 Millionen B√ľrger. Wenn jeder dazu angehalten wird seine Einstellung anzugeben, dann sollten genug Spender zusammenkommen, selbst wenn einige ‚Äú√ľberfordert‚ÄĚ w√§ren. Eine stillschweigende Zustimmung ist ein unn√∂tiger, enormer Eingriff.


#10

Ich meine, dass Organspende ein aktiver, wohl√ľberlegter Schritt ist, den jedeR wirklich mit sich abmachen sollte.
Wenn die Bereitschaft dazu vorhanden ist, kann jedeR ein entsprechendes Dokument mit sich f√ľhren oder irgendwo deponieren, wo es rasch auffindbar ist. Wenn kein Dokument da ist, kann man davon ausgehen, dass die innere Auseinandersetzung mit diesem Thema noch nicht in hinreichender Tiefe erfolgt ist. Dann ist eine Organspende nicht angesagt.


#12

und automatisch Nichtraucher u. Antialkoholiker - schliesslich muss auf die Qualität geachtet werden.
Was soll der Unsinn?
es ist und bleibt ¬īintime Entscheidung¬ī! Kann/soll propagiert werden!
(wird auch in den Brosch√ľren zu Patientenverf√ľgung etc. mitgeliefert)

aber wenn man Vertrauen verschachert,

muss auf dieser Ebene aufgeräumt werden!

Ich habe mein Ausweis immer dabei.


#15

Habe absolut was dagegen meiner Niere hinterherr zu laufen!

Wie gesagt:
Populärer machen - Ja!
bei Vergabeverfahren ausmissten - Ja!
automatisch - Nein!


#16

Aber eben nicht zu einer Entscheidung verpflichtet, das ist doch der maßgebliche Unterschied.

Ich gehe eher davon aus, dass ‚ÄúSpenderverweigerung‚ÄĚ die √ľberw√§ltigende Mehrheit ist.

Die Menschen sind also informiert, wollen aber nicht aktiv Spenden. Das kann man doch als eine Ablehung der automatischen Organspende ansehen, oder nicht?

Nein. Das ist ein enormer Eingriff in die Selbstbestimmung, völlig unabhängig von religiösen Ansichten.

Als extremes Beispiel: Wie viele Menschen w√ľrden ihre Organe spenden, wenn sie w√ľssten, dass der Empf√§nger jemand ist, den sie im Leben nicht auf dem selben Planeten haben wollen w√ľrden?


#17

Eben nicht. Dann ist es keine Entscheidung mehr, sondern ein notwendiger Widerspruch.


#19

Nun, es ist m√ľ√üig dar√ľber zu spekulieren, was Menschen wohl wollen und warum sie das tun.
Fakt ist: Momentan wollen offensichtlich nicht besonders viele aktiv Spender sein. Sonst w√§ren die Zahlen, trotz der umfassenden ‚ÄúWerbung‚ÄĚ, andere.

Das Beharren auf einer Widerspruchsl√∂sung anstatt einer verpflichtenden Stellungnahme kann f√ľr mich eigentlich nur bedeuten, dass bef√ľrchtet wird, die Stellungnahmen w√ľrden negativ ausfallen.

Das wiederum leitet mich zu der Annahme, dass die pers√∂nlichen W√ľnsche der Menschen hinten anstehen sollen. Sie praktisch ausgetrickst werden, ihre Selbstbestimmung verlieren, wenn sie diese nicht aktiv einfordern. Nicht akzeptabel.


#21

Sie sagen doch ganz klar, Sie wollen eine Widerspruchsregelung, weil ‚Äúder normale Mensch‚ÄĚ irrationale √Ąngste h√§tte, die ihn dazu bewegen sich gegen eine Organspende zu entscheiden. Das ist eine Bevormundung.

Ich habe nirgendwo ein finanzielles Interesse unterstellt.
Ich habe keinerlei Argument gegen eine verpflichtende Stellungnahme gehört?


#22

Lieber Uwe und alle anderen,
ich habe mich in meinem Leben mehrfach intensiv mit dem Thema Organspende befasst, rede also nicht einfach aus dem Bauch heraus. Ich bin ausgesprochen √§rgerlich √ľber die Art des offiziellen Vorgehens.
Das Ansinnen bereits 16 j√§hrige in dieser Frage zur Entscheidung aufzufordern -nur kamen dann die angek√ľndigten Schreiben der Krankenkassen nicht- empfand ich als drangsalierend. Wie soll ein 16-j√§hriger eine solche weitreichende Entscheidung substanziell treffen, das ist bereits f√ľr Erwachsene ausgesprochen schwer. Dann schreibst du mehrfach von ‚ÄúPropaganda‚ÄĚ. Dieses Wort ist f√ľr mich geradezu entlarvend. Und tats√§chlich ersehe ich die offiziellen Brosch√ľren nicht gerade als Propaganda, aber in Teilen nicht weit davon entfernt; zumindest fehlt mir eine offene und ehrliche Darstellung (liest man beim Arbeitsamt √ľber Zeitarbeit kommt einem eine √§hnlich geartete Propaganda entgegen, w√§hrend Kalle hier ein ganz anderes Bild davon zeichnet) Und so will/wollte man auf 16-j√§hrige zugehen? Hier kommt etwas hinzu, das mich sehr skeptisch macht. Denn f√ľr Organspenden sind aus zwei Gr√ľnden junge Menschen besondere Zielgruppe, zum einen, weil sie √ľberdurchschnittlich oft verunfallen (der klassische Fall f√ľr Spenderorgane), zum anderen, weil man hier mit besonders hoher Sicherheit gesunde Organe vorfindet. Das im Biologieunterricht zu thematisieren, wie hier vorgeschlagen, ist dann auch sehr zweischneidig; es m√ľsste zumindest vielseitig besprochen werden, also auch in allen anderen relevanten Unterrichten, aber eben nicht vor oder mit 16, sondern sp√§ter.

Dass es sich um einen toten K√∂rper handele halte ich f√ľr Propaganda (!). Ziemlich eindeutig handelt es sich um einen sterbenden Menschen, bzw. um einen am Sterben gehaltenen Menschen. Damit wird die Entnahme zu einem gewichtigen Eingriff und in einer Menschenbiografie ist das Sterben vielleicht ein ebenso entscheidender Moment wie die Geburt (zumindest kann niemand das f√ľr andere entscheiden) Die Argumentationslinie, weil es sich um einen unwiderruflich Sterbenden handele, diesen nolens volens gleich f√ľr tot, also gestorben, zu erkl√§ren, ist f√ľr mich ein an Verlogenheit kaum zu √ľberbietendes Vorgehen, und auch zu durchsichtig, weil es sich andernfalls um T√∂tung handeln w√ľrde, die das Gesetz nat√ľrlich nicht erlaubt. Man schaut also nicht, was ist, sondern was man haben m√∂chte. In dieser Gemengelage von jungen Menschen eine Entscheidung definitiv zu fordern (quasi erzwungen); in mir b√§umt sich alles auf, das geht gar nicht.
Als gef√§hrlich an der ganzen Diskussion sehe ich an, dass zwei v√∂llig unabh√§ngig voneinander zu behandelnde Fragen, n√§mlich wie helfen wir schwerkranken Menschen und wie gehen wir mit Sterbenden um, hier einfach verkn√ľpft und gegeneinander in die Waage geworfen werden. Selbst wenn nicht explezit an die Moral apelliert wird, so schwingt doch immer mit, dass man Schwerkranken nicht seine Hilfe verweigern d√ľrfe. Das muss in der Frage der Organspende eine absolut freie Entscheidung bleiben, eine Entscheidung, die jeder nur f√ľr sich treffen kann.


#23

Was sicher ist, ist dass, das aktuelle System nicht funktioniert und anscheinend wollen die meiste Organspender werden:
Umfragen zeigen immer wieder, dass etwa Dreiviertel der Bundesb√ľrger der Organspende positiv gegen√ľberstehen. Einen Organspendeausweis ausgef√ľllt haben hingegen weitaus weniger (27%). (https://www.dso.de/uploads/tx_infoc/BZGA_Umfrage_2016_1.pdf)


#24

Wieso ist die Antwort darauf eine Widerspruchsregelung statt einer Verpflichtung sich zu positionieren?


#25

Gibt es Ergebnisse von Länder wo die Verpflichtung sich zu Positionieren eingesetzt wurde?
Bisher hat die Wiederspruchregelung sehr gut in viele Länder funktioniert… siehe Spanien http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/organspenden-in-spanien-ein-herz-fuer-den-naechsten/12842284.html


#26

Es gibt diese Übersicht, wobei ich nicht weiß, ob/wann die Zustimmungsregelung verpflichtend ist: https://de.wikipedia.org/wiki/Organspende#.C3.9Cberblick

Vergleiche zum Beispiel Niederlande mit T√ľrkei und Bulgarien. Die Art der Zustimmung scheint nicht konsistent zu einem vergleichbaren Ergebnis zu f√ľhren, wobei eine Widerspruchsregelung tendenziell zu h√∂heren Raten f√ľhrt.

In Spanien gilt gar keine reine Widerspruchsregelung sondern:
‚ÄúInformationsregelungen bilden eine spezielle Unterart der erweiterten Widerspruchsregelung. Bei jenen gilt zun√§chst der zu Lebzeiten ge√§u√üerte Wille des potentiellen Spenders. Ist dieser nicht bekannt, gilt eine Organentnahme dann als zul√§ssig, wenn bestimmte Hinterbliebene informiert werden und innerhalb einer bestimmten Frist nicht widersprechen.‚ÄĚ

Der von dir zitierte Artikel sagt auch, dass es eine Reihe anderer Faktoren gibt: Klinikstrukturen, Transplantationsbeauftragte, gesellschaftlicher Konsens, etc.

Allerdings kann das (gew√ľnschte) Ergebnis, also die (hohe) Zahl der Spender, nicht die Mittel rechtfertigen.
Wenn tats√§chlich ‚Äúdreiviertel‚ÄĚ der Deutschen Organspender sein wollen w√ľrden, k√∂nnen sie es ja tun.


#27

Hi,
Soweit ich gelesen habe, sind die Unterschiede zwischen opt in und opt out Länder gravierend. ](https://de.m.wikipedia.org/wiki/Default-Effekt)
D.h. wenn das politisches Ziel sein soll, die Zahl der Organspender signifikant zu erhöhen, wird es ohne opt out wohl kaum gehen - dem steht die Psychologie (hier könnte man es in vielen Fällen auch einfach Trägheit nennen) im Weg :slight_smile:
Bei der Ausgestaltung k√∂nnte man sich an L√§ndern orientieren, die dieses Modell erfolgreich praktizieren - popul√§r ist das Thema allerdings nicht, wenngleich teils lebenswichtig f√ľr die Betroffenen.