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Nachdiskussion / Weiterentwicklung "Kostenloser √ĖPNV"


#21

Ja naja, dann wird das rhetorisch im Text vielleicht aufgeklärt, aber hier steht es noch fett im Titel des threads. Auch medial wird erst von kostenlos gesprochen und dann gefragt, wie man das bezahlen soll. Im Grunde streicht man das kostenlos dann gleich wieder. Ach ich weiß nicht, mich stört das irgendwie. Vielleicht bin ich noch geschädigt von älteren Diskursen, wo ich wahrgenommen habe, dass diese Bezeichnung das erste große Missverständnis war.


#22

Völlig korrekt. Vielleicht sollten wir offensiv eine Kampagne starten, die das anders angeht?

‚ÄúKostenlosen √ĖPNV durch Kerosinsteuer‚ÄĚ

Besser?


#23

Kann auch sein, dass ich da einfach komisch bin. Ich kann ja auch kostenlos den Gehweg benutzen. Beim ersten Gedanken. Beim zweiten weiß ich, dass wir alle zahlen, dass ich den Gehweg nutzen kann. Fast alles, was kostenlos erscheint, ist gar nicht kostenlos. Eigentlich sind wie eh alle dran gewöhnt.

In T√ľbingen hatte es mich damals total genervt, wenn von kostenlos die rede war. Ich vermute, dass die Menschen dort jetzt sagen w√ľrden, dass sie samstags kostenlos fahren k√∂nnen und nicht von samstags-flat oder so sprechen.

Aber das fahren √ľber Kerosin zu bezahlen ist nat√ľrlich gro√üartig. Auch rhetorisch.


#24

Das ist interessant. Das sollten wir mal thematisieren. √úber Steuern meckert man, aber dass ein Gehweg vorhanden und kostenlos ist, nimmt kaum jemand wahr.

Ich zahle echt gerne Steuern, weil ich weiß, wie die Gehwege in anderen Ländern aussehen. Und mich die Mautstellen woanders nerven. Und eben auch die Fahrscheinautomaten, Tarifzonen, etc. Alles so 1900… :wink:


#25

@Redaktion, könnt ihr das einbauen?

Weiterhin:

und:

und trotzdem flie√üt der Gro√üteil der Mittel f√ľr Infrastruktur in die Stra√üe.


#26

Hallo Ihr Lieben,

vielleicht habt ihr ja schon unseren Facebook-Post hierzu gesehen, hättet ihr vielleicht Lust da etwas mitzukommentieren? :slight_smile:

Liebe Gr√ľ√üe :dib_spirit:


#27

Schön, dass Dir das selbst bewusst ist und das auch thematisierst.

Was gibt es denn, was wirklich kostenlos ist?
Nicht einmal die Geschenke von Unternehmen sind kostenlos. Die Kunden zahlen daf√ľr. Auch die Payback-Punkte sind nicht kostenlos, daf√ľr zahlen alle Kunden, v.a. diejenigen, die kein Payback nutzen :blush:

Vielleicht ist eine Trink-Runde eines Freundes kostenlos. :milk_glass::beers::clinking_glasses: Au√üer ich f√ľhle mich dadurch verpflichtet die n√§chste Runde beim n√§chsten Treffen zu zahlen. :money_with_wings: - wieder nicht kostenlos! Menno!

Ich sehe das Wort ‚Äúkostenlos‚ÄĚ eben so an wie es letztlich in den allermeisten F√§llen ist - irgendjamnd zahlt daf√ľr, meistens wir selbst auch. Daher sehe ich auch keine Notwendigkeit, dies zu √§ndern.

:point_right: ‚ÄúKostenlosen √ĖPNV durch Kerosinsteuer‚ÄĚ - sowas finde ich hat was! :zukunftsorientierung:


#28

Es ist nötig viel mehr Druck zu machen…
Denn zum Thema hat sich bereits der √ĖPNV-Dezernet von Mannheim zu Wort gemeldet:


Darf man sich also nun fragen was dies bedeutet.


#29

Habt ihr mitbekommen, dass T√ľbingen das jetzt samstags testet?


#30

Wenn Mannheim nicht will, finden wir eine andere Stadt. Druck machen finde ich super!


#31

Am besten eine dieser Städte:

Siehe Utopia-Artikel @BuergerJochen:

Feinstaub und Stickstoffdioxid: In diesen Städten ist die Luft besonders schlecht

* Stuttgart (Messstationen Am Neckartor, Arnulf-Klett-Platz)
* M√ľnchen (Landshuter Allee)
* Gelsenkirchen (Kurt-Schumacher-Straße)
* Reutlingen (Lederstraße Ost)
* Görlitz
* Berlin Neukölln (Karl-Marx-Straße 76 und Silbersteinstraße)
* Ludwigsburg
* Hagen (Graf-von-Galen-Ring)
* Essen (Gladbecker Straße)


#32

Ja das sehe ich ganz genauso. Anton hofreiter hat total recht, wenn er fragt, was es die geplagten in M√ľnchen hilft, wenn in herrenberg die Luft besser wird.


#33

Am besten all diese Städte!

Wie w√§re es, wenn wir mit der kleinsten dieser St√§dte (G√∂rlitz) anfangen und f√ľr diese sofort als Pilot die Ticketbefreiung fordern. @Tina39, @AnjaWeinhold1988, @niko haben wir Bewegis in G√∂rlitz mit Kontakten zur VGG?


#34

Ich frage mich, welche Stadt wohl die gr√∂√üte Finanzkraft h√§tte, solches zu stemmen. Tippe mal auf M√ľnchen.


#35

Ich glaube, dies w√§re problematisch. Es muss klar sein, dass die Mittel daf√ľr vom Bund kommen m√ľssen.

Was w√§ren die Kosten einer Verurteilung durch Br√ľssel? Das sollten wir dagegen rechnen und mal zeigen, wie viele Tickets man in G√∂rlitz daf√ľr kaufen k√∂nnte.

Wir m√ľssen den Kommunen zeigen, dass wir ihnen keine neuen Kosten aufdr√ľcken wollen, sondern dass wir sie entlasten wollen, indem sie Mittel vom Bund bekommen.


#36

Gibt es Kosten aus Br√ľssel? All diese Verfahren haben doch bisher nichts gebracht, oder? Egal in welcher Frage. Aus Br√ľssel kommt da nix.

Wieder zum Thema: War es Mannheim oder eine der anderen St√§dte: Das Problem ist doch die Einbettung in Verkehrsverb√ľnde, oder? Wenn man das dauerhaft umsetzen will, kann man das nicht auf einzelne St√§dte beschr√§nken, oder? Kann ich mir gerade nicht vorstellen. Oder wie sieht das in der Praxis aus f√ľr Leute, die pendeln? Von T√ľbingen nach Stuttgart z.B. Dann f√§hrt man ab der T√ľbingengrenze kostenpflicht? Ist das so einfach?

Dazu kommt, dass das sauber geplant sein muss. Palmer hat es gesagt: Da m√ľssen mehr Busfahrten organisiert werden, neue Busse gekauft werden. Man wei√ü ja aber √ľberhaupt auch nicht, wie gro√ü der Ansturm sein wird. Das ist erstmal ne gro√üe Unw√§gbarkeit. Irgendwie m√ľsste man den Bedarf vorher mal bisschen ermitteln. Und einige Leute haben es im Morgenmagazin die Tage auch gesagt: Wenn die Fahrt mit dem √ĖPNV 45 statt 30 Minuten mit dem Auto dauert, ja dann steigen die Leute auch nicht um, nur weils ‚Äúkostenlos‚ÄĚ ist, oder? Also nicht alle. Vielleicht gerade mal die, die auf den Cent rechnen (was ja auch nicht gerade wenige sein werden, stimmt wohl).

Aber einige Menschen m√ľssten ihren Alltag umorganisieren, wenn sie mit √ĖPNV fahren sollten. Ein Mensch mit Kind muss das Kind von der Kita abholen z.B. Flexibler als mit Auto geht das nicht, wenn man das mit dem Arbeitsplatz unter einen Hut bringen will. Kind auf dem Weg zur Arbeit fix in der Kita in Stadteil XY vorbeibringen und nach der Arbeit abholen, dazwischen noch schnell einkaufen gehen. F√ľr viele wird das ohne Auto gar nicht funktionieren. F√ľr die m√ľsste ne ganze Menge umgestellt werden.

Aber man kann ja klein anfangen :slight_smile:


#37

Ich denke, auch mit kostenlosem √ĖPNV wird der Individualverkehr nicht wegzudenken sein. Da geht es auch sehr viel darum, sein mobiles Wohnzimmer und sein mobiles R√ľckzugsgebiet dabei zu haben, in Ruhe ein- und ausladen zu k√∂nnen, von den Fahrzeiten her flexibel zu sein, nicht x mal umsteigen zu m√ľssen mit all dem zu transportierenden Geraffel und m√∂glicherweise noch schreienden Kindern dazu, dies √ľberdies an einer zugigen Haltestelle und innendrin dann dicht gedr√§ngt mit niesenden und hustenden Menschen, f√ľr Frauen geht es noch dazu auch viel um Sicherheit. Ehrlich gesagt, k√∂nnte mir sogar vorstellen, da√ü sich im Verh√§ltnis Auto/√ĖPNV gar nichts √§ndern wird.

Ein interessanter Artikel von @BuergerJochen dazu:

‚ÄúWir gewinnen mehr als wir verlieren. Erstens haben die B√ľrger jetzt mehr Alternativen, was die Mobilit√§t in der Stadt angeht. Zweitens gibt es Umweltvorteile, zum Beispiel die verbesserte Luftqualit√§t. Drittens hat sich der Verkehrsfluss verbessert, und die Anzahl der Autos auf der Stra√üe ist um rund zehn Prozent gesunken.‚ÄĚ
…
Seit der öffentliche Nahverkehr hier kostenlos ist, fahren deutlich mehr Leute mit dem Bus.
…
Vor allem die Angst vor hoffnungslos √ľberf√ľllten Bussen und Stra√üenbahnen. Aber das ist nicht passiert. Nach f√ľnf Jahren verzeichnet der √∂ffentliche Nahverkehr ein Plus von gerade einmal zehn Prozent.


#38

Mehrere hundert Millionen Euro:
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2017/02/EU-Kommission-droht-Strafen-Berliner-Luft-an.html

Jahreskarte G√∂rlitz 365‚ā¨, 56.000 Einwohnis, macht 20 Mio f√ľr eine Jahreskarte f√ľr alle G√∂rlitzis.

In der Tat ein großes Problem. Aber dort arbeiten Menschen, die wirklich viel Ahnung haben. Ich hab mal ein Projekt dort gemacht und kann sagen, dass die Expertise kein Problem ist. Problematisch ist, dass sich die Politik immer einmischt (so wie wir jetzt :slight_smile: )

Daher: Ziel setzen, Experten Vorschläge machen lassen, diskutieren, ggf. nachbessern, dann entscheiden.

Unbedingt! Das steht ja auch in der Ini: Dreh- und Angelpunkt sollen die Expertis sein. Man kann nicht einfach sagen: ‚ÄúHey, ab heute alles gratis!‚ÄĚ. Das w√§re der Tod des √ĖPNV. So steht das in unserer Ini.

Das ist im ersten Schritt auch nicht das Ziel. Es geht ja um ein Experiment, wie viele Menschen umsteigen und wie das grunds√§tzlich zu organisieren w√§re. Selbst hier im Herzen des Ruhrgebiets ist im √ĖPNV auch in der Rush Hour noch Platz. Es gibt einzelne Linien, die √ľberlastet sind, aber generell ist noch Luft. Kein Vergleich mit Paris, London, Tokio.

Wollen wir nicht, sollten wir nicht. Dann w√§ren wir bei der Dogmatik der Gr√ľnen. Aber Mischformen werden einfacher. P+R. Stra√üe voll? Auto abstellen und mal eben in die Bahn springen. Ohne erst zu checken, ob man Kleingeld hat, welcher Tarif f√ľr welche Zone gerade gel√∂st werden muss.


#39

Na ja, viele Menschen bezahlen ja bereits heute kein oder vermindertes Bef√∂rderungsentgeld (kleine Kinder, , Sch√ľler, Hartzer, Behinderte, Studies ‚Ķ). Au√üerdem macht eine solche Betrachtung ja den Fehler der Lobbyisten (bei denen ist es allerdings Absicht), dass alle anderen, positiven, volkswirtschaftlichen Effekte v√∂llig ausgeblendet werden.
Ansonsten bin ich im Wesentlichen Deiner Meinung.


#40

Wie relativ h√§ufig bei komplexen Themen, scheint mir auch bei diesem wieder einmal, dass Ideen spontan, d. h. ohne eingehende Ber√ľcksichtigung aller oder zumindest der meisten Einflussfaktoren, bef√ľrwortet werden.

Nachdem auch ich zun√§chst nur Vorteile eines kostenlosen OPNV sah und spontan von der Idee begeistert war (Wunschdenken), habe ich viel Zeit daf√ľr investiert, mich intensiv mit allen Vor- und Nachteilen und den Erfahrungen bei bisherigen Pilotprojekten auseinanderzusetzen. Resultat meiner eigenen √úberlegungen dazu, vor allem aber meiner umfangreichen Faktensammlung: Erhebliche Ern√ľchterung!

Ehe ich meine Ergebnisse hier im Detail zur Diskussion stellen kann, muss ich noch Einiges an Zeit zu einer gr√ľndlichen Auswertung und Strukturierung aufwenden. Allen, deren Enthusiasmus ebenfalls ‚Äěaus dem hohlen Bauch heraus‚Äú und ohne eingehende Besch√§ftigung mit allen Aspekten des Themas entstanden ist, w√ľrde ich jedoch schon einmal dringend empfehlen, Letzteres nachzuholen.

Fazit meiner Erkenntnisse vorab kurz zusammengefasst:

  1. Die Einf√ľhrung eines kostenlosen √ĖPNV ist nur zu empfehlen f√ľr

‚ÄĘ kleine und mittelgro√üe St√§dte
‚ÄĘ mit noch freier Kapazit√§t in den Spitzenstunden in ausreichendem Umfang
(damit nicht nur f√ľr diese Zeiten hohe Investitionen in zus√§tzliche oder
größere Fahrzeuge und zusätzliches Personal erforderlich sind)
‚ÄĘ mit relativ geringer Auslastung und geringem Kostendeckungsgrad des √ĖPNV
‚ÄĘ durch eigene Ma√ünahmen, die Attraktivit√§t des PKW-Verkehrs zu senken (z.B. h√∂here Parkgeb√ľhren) und bundespolitischer Unterst√ľtzung dabei (Verkehrsvorschriften)
‚ÄĘ ausreichende Finanzkraft der Kommune um steigende Kosten zu decken bzw. ein geeignetes Gegenfinanzierungskonzept daf√ľr

  1. Die (Edit: verfr√ľhte) Einf√ľhrung eines fl√§chendeckenden kostenlosen √ĖPNV w√ľrde dem √ĖPNV
    aus meiner Sicht mehr schaden als nutzen.

  2. Es gibt andere M√∂glichkeiten, bestimmte bei den √úberlegungen zur Einf√ľhrung eines kostenlosen √ĖPNV angestrebte Ziele bei gleichzeitiger Vermeidung bestimmter Nachteile des Letzteren zu erreichen.

Bei intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema kann Jede*r selbst zu diesen Ergebnissen kommen. Ich werde mich jedoch weiter um die Auswertung und Strukturierung meiner Erkenntnisse bem√ľhen und (in der Hoffnung, dass ich die Zeit zum baldigen Abschluss finde!) meine obigen Feststellungen dann gerne mit entsprechenden (inzwischen sehr umfangreichen) Details unterf√ľttern. Aber vielleicht kommen ja Andere zu √§hnlichen Ergebnissen und kommen mir damit (gerne! :wink:) zuvor.