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Mut zur Nacktheit

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#1

Aufruf: Ich suche Mitstreiter/innen
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag
Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Eine Initiative von: Connie
Bearbeitungsstatus: Idee
Redaktionsschluss: Dezember

Einleitung:
Abschaffung der Ordnungswidrigkeit „Unbekleidet in der Öffentlichkeit“ nach § 118 OWiG

Problembeschreibung:
Der menschliche Körper, egal ob bekleidet oder unbekleidet, ist das Natürlichste was es gibt. Leider wird dies von Teilen der Gesellschaft noch anders gesehen und nackt sein als etwas Unanständiges angesehen. Viele Naturisten würden sich gerne auch außerhalb von Naturisten-Resorts, Saunen und FKK-Stränden unbekleidet aufhalten können, ohne eine Strafe befürchten zu müssen.

Forderungen
Es wird beantragt, den Tatbestand „Unbekleidet in der Öffentlichkeit“ aus dem “Katalog” der Ordnungswidrigkeiten nach § 118 OWiG zu streichen. In anderen europäischen Ländern ist das bereits üblich. Der Tatbestand Exhibitionismus nach §183 StGB soll erhalten bleiben!

Quellen


#2

Ist aber - viel weiter verbreitet - gewisse Schamhaftigkeit und, dass Nacktsein etwas intimes sei.

Nicht dass wir uns missverstehen.
Ich geniesse sehr ostdeutsche Küsten ;- ).
Man/frau ist da öfter unter Gleichgesinnten, auch Englischer Garten in München o. bestimmte Teile des Tiergartens in Berlin, sowie bestummte Bagerlöcher in d. ganzen Republick haben sich gewissen Toleranzstatus ‘erarbeitet’.

Was vermisst Du noch?

Das wäre dann eine ‘verschärfte Kopftuchdebate’ - “alles ab!”? ;- )


#3

Ich störe mich eigentlich nur an dieser Formulierung. Da bin ich wohl etwas kleinkariert. Bekleidet ist der menschliche Körper nicht mehr so natürlich. Auch mit Piercing oder Tattoo nicht mehr. Und er ist auch nicht das Natürlichste was es gibt.
Natürlicher als ein Wolf oder eine Schnecke? Wohl kaum. Natürlich ist für den Menschen, dass er sich und das Natürliche verunnatürlicht, vermenschlicht, domestiziert.

Aber sonst bin ich für dein Anliegen. :slight_smile: Also nach aktueller Argumantationslage.

Aber wie ist das mit Exhibitionismus dann?


#4

Das Ordnungswidrigkeitengesetz §118 sagt ja dieses aus:

Belästigung der Allgemeinheit

(1) Ordnungswidrig handelt, wer eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann.

Da steht ja erstmal nichts zu unbekleidet in der Öffentlichkeit. Einen darauf aufbauenden Katalog habe ich auch nicht finden können.

Der Wiki Eintrag zu dem Gesetz: https://de.wikipedia.org/wiki/Belästigung_der_Allgemeinheit

beschreibt das so:

Da der Tatbestand der Norm jedoch weiterhin sehr unbestimmt gefasst ist, wird bei der Rechtsanwendung vorwiegend auf herausgearbeitete Kasuistik zurückgegriffen.
(also die Betrachtung des Einzelfalles)

Ich verstehe das grundsätzliche Ziel der Initiative, sehe aber gerade nicht wie das über ein formales Streichen erfolgen soll. So wie das jetzt gestrickt ist, wäre eine Ergänzung im Gesetz vlt. sinnvoller, dass “Unbekleidet sein” keine allgemeine Belästung der Allgemeinheit darstellt.

Ich bin mir aber persönlich auch nicht sicher, ob das immer sinnvoll ist.


#5

Ich denke, der §118 sollte vielleicht ein wenig spezifiziert werden. Es gibt schon sinnvolle Anwendungen, siehe

ist eine Straftat und in 183 StGB geregelt: https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__183.html

Würde also ohne 118 nicht einfach legal.

Das hier finde ich schon übergriffig:

§ 118 OWiG soll damit solche Verhaltensweisen sanktionieren, die derart gegen anerkannte Regeln von Sitte, Anstand und Ordnung in einem Ausmaß verstoßen, dass die Allgemeinheit unmittelbar gefährdet oder belästigt und zugleich die öffentliche Ordnung dadurch (zumindest potenziell) beeinträchtigt wird.

Vielleicht könnte man in 118 ergänzen, dass eine klare Absicht zur Störung erforderlich ist und das bloße “sich belästigt fühlen” einzelner Personen nicht genügt. Dann könnte man ein wenig von der gesetzlich angeordneten Prüderie los werden.

Dennoch sehe ich, dass z.B. “Nacktwanderer” durchaus unter den 183 StGB fallen können. Und das finde ich richtig. Wenn ich mit kleinen Kindern im Wald unterwegs bin, möchte ich nicht, dass “Wanderer” ihnen ihre Kronjuwelen präsentieren.


#6

Aber warum möchtest du das nicht? Wäre es nicht genau das Anliegen dieser Ini, dass man sowas zulässt? Kann man nicht deine Vorbehalte schon als Prüderie bezeichnen?

(Du weißt, ich frage das hier ganz sachlich und will dich damit nicht angreifen.)


#7

Klar kann man. Das Problem bei DiB ist, dass wir hier miteinander positiv denken. Das ist auch gut und richtig. Aber den anderen Teil der Welt dürfen wir nicht vergessen. Es gibt durchaus auch ziemlich kranke Menschen. Und dass die dann nicht nackt über Kinderspielplätze wandern oder im Wald hinter oder vor meinen Kindern herwandern oder vielleicht “verstehentlich mit ihnen zusammenstoßen”, sollte man schon irgendwie verhindern können.


#8

Ja, aber das fiele ja dann unter diese Exhibitionismusgeschichte, oder? Und unter sexuelle Belästigung.

Heikles Thema.


#9

Ich möchte hier tatsächlich Surfista beipflichten. auch, wenn es auf der einen Seite “das Natürlichste auf der Welt” wäre, ist andererseits ein Teil der Menschheit nicht geeignet damit natürlich umzugehen.

Man bietet Vorschub:
Pädophilen,
Exibitionisten,
Vergewaltigern,
Missbrauch
und sexuellen Übergriffen.

Gerade auch in einer Zeit, in der wir noch “MeToo”-Bewegungen brauchen, ist es nicht angezeigt, ein solches Gesetz überhaupt ins Auge zu fassen.

Wir sind noch nicht so weit.


#10

Ich sehe es so:
FKK ist eine ´Institution´, gewisse Orte haben sich mehr Freiheit erobert. Schön!

Die grosse Öffentlichkeit sind aber wenigen ´Naturmenschen´als ´Kulturmenschen´.

Diese haben auch gewissen Anspruch auf Unbelästigt-Sein.
Ich persönlich hätte - als Ästhet - wenig Lust auf nacktwabbelnde Bierbäuche.
Aber als ´aufgeklärter u. toleranter´ Mensch, könnte ich schlicht weggucken.

Was Kinder betrifft:

Befrage die 50-er, 60-er, an der Ostsee ihr Ferien verbringenden DDR-Jahrgänge, ob sie irgendwie traumatisiert wurden.

Was ich sagen will:
Jedem nach seinem Guste, wenn er/sie nicht den ganzen öffentlichen Raum nur für sich beanspruchen (Vielfalt!). Gilt für beide Seiten!


#11

Muss ich nicht, ich komme von da. :slight_smile:
Aber es geht ja um den Schutz vor

(Edit: Warum nur männlich?). Das kann ich nicht entkräften. Dafür fehlt mir der Überblick diesbezüglich über die deutsche Gesellschaft und insbesondere über die Gesetzeslage.

Aber man kann wohl getrost davon ausgehen, dass es bei der Positionierung zur Nackheit regional starke Unterschiede gibt. Vielleicht findet diese Ini in Mecklenburg mehr Befürworter*innen als in Bayern.


#12

Entschuldige bitte, es ist nicht nur “männlich” gemeint. Ich bin einfach noch gewohnt, die männliche Form für alle sexuellen Möglichkeiten zu nutzen. Es ist somit überall ein “*innen+” anzuhängen.


#13

ALLE Gefahren ausschliessen hiesse: Das Kind im Partykeller einmauert. , oder alle pathologische Fälle löckenlos überwachen.
Schöne neue Welt.


#14

Soll ich als Vorsichtsmaßnahme gegen Einbruch, dann keine Sicherheitsmaßnamen und Alarmanlagen einbauen, sondern die Fenstern und Türen zumauern oder soll man die Fenster und Türen gleich offen stehen lassen?

Sicher kann man durch Einbruchsicherung nicht sämtliche Einbrüche verhindern, aber zumindest einschränken.

So ist das im sexuellen Bereichen. Man kann durch Bekleidung nicht alles verhindern, ganz sicher nicht, aber man muss es auch nicht erleichtern oder fördern.

Weder die einen noch die anderen kann man lückenlos überwachen.


#15

Heim ist kein öffentlicher Raum. Ganz andere Dimmension.

Deshalb plädiere ich auch nicht für Freiheit der Nudisten unterm Brandenburger Tor.

Damit wir uns richtig verstehen. Bin mit Miniröcken aufgewachsen, heute schaue ich mir Burkas an. Zumutung mit verkehrten Vorzeichen ;- )
Lass dir sagen: Die Welt ist prüde geworden.
Wenn das der gr. Konsens ist, dann kann man/frau dagegen sein, ja sogar legitim ein nackten Protestmarsch anzetteln, aber der Standard ist: Nackt gehört nicht auf die Agora.


#16

Das enttäuscht mich, ich hatte mir von einer progressiven Partei eigentlich mehr erwartet. Das ich aber wegen meiner Initiative nun mit

In Verbindung gebracht werde finde ich eine wirkliche Zumutung.


#17

Das ich aber wegen meiner Initiative nun mit… in Verbindung gebracht werde …

Das habe ich nie gesagt und dagegen verwehre ich mich auch massivst.
Ich habe nur meine Meinung gesagt, weshalb ich eine solche Gesetztesänderung derzeit nicht für sinnvoll halte.
Ich habe dich weder persönlich angegriffen, noch dein Ansinnen verurteilt.
Es gibt auf dieser Welt - leider - Menschen - die das ausnützen würden. Das ist einfach so. Das hat aber nichts mit dir oder deinem persönlichen Bezug dazu zu tun.
Und progressiv bin ich persönlich nur in Bereichen, die ich auch ,mit gutem Gewissen vertreten kann.


#18

Das sehe ich wie @cheeny. Wir äußern unsere Gedanken. Du möchtest, dass wir als Partei fordern, dass man überall und jederzeit nackt herumlaufen kann. Wir machen uns Gedanken und zeigen auf, welche Probleme es geben kann. Ein ganz normaler Diskurs. Und bis zu deinem letzten Post auch ohne jegliche Schärfe gegenüber irgendwem.


#20

Ich wundere mich, dass einen die Worte im Mund herum gedreht werden. Es gibt Bereiche für Nudisten, da können die sich frisch, froh und frei ausbreiten.

Ansonsten ziehe ich mich aus dieser Diskussion zurück. Das ist keine Basis.

Ich bin froh und stolz in “dieser” Partei zu sein. Wir sind auf einem guten Weg und wir “rocken” das.


#21

Nudisten%20Camp%20Beverforde