Lernen neu denken: Erneuerung des Bildungssystems

Hier gehts zum 2. Teil

Aufruf: Ich suche Mitstreiter/innen, Experte/innen
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag / persönliche Nachricht
Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Eine Initiative von: DiB-Tisch Dortmund
Bearbeitungsstatus: Idee
Redaktionsschluss: wenn es soweit ist

Einleitung:
Beim Themenbrainstorming an unserem DiB-Tisch hat sich herauskristallisiert, dass eine Umstrukturierung des Bildungssystems, die den Erkenntnissen der letzten Jahre (mittlerweile könnte man es auch in Jahrzehnten messen) aus den Bereichen Neurowissenschaften, Psychologie, Pädagogik und Didaktik Rechnung trägt, vielen sehr am Herzen liegt.
Unser (Fern-)Ziel ist es, Kindern, Jugendlichen, Studenten und lernenden Erwachsenen den Erwerb von Wissen, dessen Anwendung und den Transfer zur Aufgabenlösung in anderen Gebieten zu erleichtern.
Es lernt sich am leichtesten, wenn man neugierig ist, der Inhalt mit positiven Emotionen verknüpft wird und die Rahmenbedingungen stützend sind.
Angst und Stress blockieren den Lernprozess. Biochemisch bedeutet das nämlich, dass der Körper in einen Alarmzustand versetzt wird und sich auf eine der Situation angemessene Reaktion vorbereitet: fight or flight (Kampf- oder Fluchtmodus). Kognitive Ressourcen (z.B. Kapazitäten, um neues zu lernen oder Erlerntes zu festigen) vorzuhalten, ist in diesem Zustand nicht möglich.
Leider ist das ein Normalzustand in unserem Bildungssystem. Ebenso ist immer noch der klassische Frontalunterricht die Regel, obwohl seit langem bekannt ist, dass es vielfältige Anreize braucht. Je höher der Eigenanteil bei der Erarbeitung von Inhalten, desto besser ist das für den Lernerfolg.

JA, das kostet Zeit und Geld. Es müssen deutlich mehr Lehrer und Lernexperten in die Schulen. Lehrer müssen fortgebildet werden.
JA, das erfordert eine komplette Umstrukturierung des Bildungswesens.

Wir finden, dass Geld, Zeit und Mühen gerade an dieser Stelle besonders gut investiert sind.

Problembeschreibung:

Das derzeitige Lehr-/ Lernmodell, wie es an Schulen, Universitäten und allen möglichen anderen Bildungseinrichtungen angewendet wird, ist von den optimalen Bedingungen, unter denen Menschen gut, gerne und leicht lernen können, sehr weit entfernt. Es ist die Regel, dass wir Kindern die Neugier auf die Welt und die Lust am Lernen nehmen. Aufkommende Angst und Stress blockieren die Lernprozesse. Biochemisch bedeutet das nämlich, dass der Körper in einen Alarmzustand versetzt und auf eine der Situation angemessene Reaktion vorbereitet wird: fight or flight. Kognitive Ressourcen vorzuhalten, ist in diesem Zustand nicht vorgesehen.
Leider ist das ein Normalzustand in unserem Bildungssystem.

Forderungen
Wir streben eine Umstrukturierung des Bildungswesens an, bei der die Erkenntnisse der letzten Jahre aus den Bereichen Neurowissenschaften, Lernpsychologie, Pädagogik und Didaktik praktisch und altersgerecht angewendet werden. Das schließt die Abschaffung des klassischen Frontalunterrichts mit ein.

Die 12 Lehr-Lern-Prinzipien der ganzheitlichen Informationsverarbeitung im Gehirn sollen Anwendung finden:

  1. Prinzip: Lernen ist ein physiologischer Vorgang
    • Schüler lernen effektiver, wenn sie Erfahrungen machen können, die vielfältig
    ihre Sinne ansprechen.
  2. Prinzip: Das Gehirn ist sozial
    • Schüler lernen effektiver, wenn in den Lernprozess soziale Interaktionen
    einbezogen werden.
  3. Prinzip: Die Suche nach Sinn ist angeboren
    • Schüler lernen effektiver, wenn ihre Interessen und Ideen miteinbezogen und
    gewürdigt werden.
  4. Prinzip: Sinnsuche geschieht durch Bildung von (neuronalen) Mustern
    • Schüler verstärken und erweitern ihr Lernen, wenn neue Muster mit dem
    vorhandenen Vorwissen verbunden werden.
  5. Prinzip: Emotionen sind wichtig für die Musterbildung
    • Schüler lernen effektiver, wenn durch Informationen und Erfahrungen
    begleitende positive Emotionen hervorgerufen werden.
  6. Prinzip: Das Gehirn verarbeitet Informationen in Teilen und als Ganzes
    gleichzeitig
    • Schüler lernen effektiver, wenn ihnen ein Verständnis des Ganzen vermittelt
    wird, das die Details miteinander verbindet.
  7. Prinzip: Lernen erfolgt sowohl durch gerichtete Aufmerksamkeit als auch durch
    periphere Wahrnehmung
    • Schüler lernen effektiver, wenn ihre Aufmerksamkeit vertieft wird und wenn
    zugleich Lernumgebungen geschaffen werden, die den Lernprozess so
    unterstützen, dass die Aufmerksamkeit nicht abgelenkt wird.
  8. Prinzip: Lernen geschieht sowohl bewusst als auch unbewusst
    • Schüler lernen effektiver, wenn sie Zeit haben, ihr eigenes Lernen zu
    reflektieren.
  9. Prinzip: Es gibt mindestens zwei Arten von Gedächtnis. Die eine ist die
    Speicherung und Archivierung von isolierten Fakten, Fertigkeiten und Abläufen,
    die andere die gleichzeitige Aktivierung vielfältiger Systeme, um Erfahrungen
    sinnvoll zu verarbeiten.
    • Schüler lernen effektiver durch Verknüpfungen von Informationen und
    Erfahrungen, die vielfältige Erinnerungswege zulassen.
  10. Prinzip: Lernen ist entwicklungsabhängig
    • Schüler lernen effektiver, wenn ihre individuellen Unterschiede hinsichtlich
    Entwicklung und Reife, Kenntnissen und Fertigkeiten berücksichtigt werden.
  11. Prinzip: Komplexes Lernen wird durch Herausforderungen gefördert, durch
    Angst und Bedrohung verhindert, was von Hilflosigkeit und Erschöpfung begleitet
    ist
    • Schüler lernen effektiver in einer unterstützenden, motivierenden und
    herausfordernden Umgebung.
  12. Prinzip: Jedes Gehirn ist einzigartig
    • Schüler lernen effektiver, wenn ihre einzigartigen individuellen Talente,
    Fähigkeiten und Fertigkeiten angesprochen werden.

(nach Margret Arnold (Herrmann, U. (Hrsg.) (2006): Neurodidaktik – Grundlagen und Vorschläge für gehirngerechtes Lehren und Lernen. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 215–228)

Quellen

http://www.znl-ulm.de/

https://www.dasgehirn.info/handeln/lernen/neurodidaktik-lernen-muss-spass-machen

http://www.lichter-lsb.de/media/e085999f82f51a2effff807cffffffef.pdf

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Liebe @megaera,
ich freue mich sehr über diese Iniative und hab Dir ja schon beim Tisch gesagt, dass ich sehr gern mitarbeite. Zunächst eine erste Anmerkung.
Du schreibst:

Ich kann Dir (als Lehramtsstudentin) sagen, dass Frontalunterricht (zumindestens in NRW) eigentlich abgeschafft ist. Das Stichwort lautet hier Methodenvielfal, Differenzierung und individuelle Förderung. Wenn Du als angehede Lehrkraft in Deinen Prüfungsstunden Frontalunterricht machst, fällst du durch. Das weiß jede Lehrkraft.
Die Frage ist meines Erachtens nach, warum es nicht umgesetzt ist? Das hat sicherlich strukturelle und vor allem Ressourcen als Hintergrund. Guter Unterricht benötigt Zeit und Geld und das ist leider oft Mangelware an Schulen.
Ich möchte Dich außerdem darauf aufmerksam machen, dass es durchaus Befürworter des Frontalunterrichts gibt.


Dies wird auch immer wieder von Lehrkräften gennant, um Frontalunterricht zu rechtfertigen.
Weiterhin ist es so, dass man an der Uni auch handlungsorientierte Unterrichtsmethoden lernt. Dies sogar sehr ausführlich, diese sollten wenn sie gut gemacht sind sogar die oben genannten Prinzipien sehr gut erfüllen. Genannt seien hier beispielhaft Planspiele im WIrtschaftsunterricht.
Eines der vielen Probleme ist aber, dass das Bewertungsystem der Schule nicht auf solche Sachen eingestellt ist. Dies bedeutet nämlich, dass man von produktorientierter auf prozessorientierte Bewertung umstellen müsste. Das wiederum macht Noten aber angreifbarer und auch das ist ja leider eine Entwicklung der letzten Jahre, dass es immer mehr zu Klagebereitschaft gegen Noten gibt und Schulen sich dagegen absichern müssen. Ich tendiere (u.a. darum) sogar lagfristig zu einer Abschaffung von Noten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das hier reingehört, denn darüber alleine könnte ich schon 5 Seiten schreiben.
Ein weiteres Thema habe ich ja auch schon beim Tisch genannt: Die Ausbildung! Keine Lehrkraft lernt heute an der Universität oder Schule wirklich das Unterrichten. Man wird ziemlich ins kalte Wasser geworfen. So, das waren meine erste Gedanken dazu. mir fällt sicher noch viel mehr ein und ich muss auch noch viel präziser werden. Aber irgendwo muss man ja erstmal anfangen. Das Thema ist einfach super komplex! Aber ich freu mich, dass wir das angehen. Denn Bildung ist nunmal der Schlüssel für alles!

Liebe Grüße Jacqueline

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Endlich DIE Initiative, die ich schon lange im Kopf habe. Ich bin gerne dabei.

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Hi, wo möchtet ihr denn gerne anfangen? Wie schon erwähnt wurde, ist das Thema riesig. Ich würde einfach mal ins kalte Wasser springen und mir die einzelne Lernzelle, üblicherweise Klasse genannt, anschauen. Man kann sich ja die unterschiedlichsten räumlichen und sozialen Lernstrukturen vorstellen. Mir wäre dabei folgendes wichtig: Für Kinder und Jugendliche ist der Beziehungsraum am wichtigsten. Gut gestaltete Unterrichtsräume sind prima, aber noch wichtiger ist es, mMn, dass Schüler einen gut gestalteten Beziehungsraum vorfinden. Je jünger sie sind,desto wichtiger sind Bezugspersonen und ein Gruppenverband, in dem sie soziale Beziehungen aufbauen und pflegen können. Kinder brauchen eine Kerngruppe und andere, klar definierte Gruppen drumherum. Ein gutes, freundliches am Individuum interessiertes Beziehungsgefüge ist für Kinder und Jugendliche für den Lernprozess entscheidend. Das korreliert mit Punkt 5, ich möchte ihn aber um dieses Moment ergänzen, wenn ihr nichts dagegen habt: Eine positive Emotionalität ist nicht nur beim einzelnen Lernereignis wichtig, zB Neugier und interessantes Erleben, sondern auch eine stabile, vertrauensvolle Beziehung zum übersichtlichen Umfeld (LehrerIn und Mitlernerkinder), die für ein Sicherheitsgefühl und für Geborgenheit sorgen.
Folge wäre für mich: Klassenverbände/ feste Lerngruppen mit einer oder zwei Bezugspersonen (LehrerIn) erhalten. Je älter die Kinder sind, desto offener dürfen die Klassen sein (Mein Kind hat es bis zur 11 sehr genossen, eine Klasse zu haben. Jetzt findet sie das offenere Kurssystem auch gut). Außerdem muss die Lehrkraft wissen, wie sie eine gute Beziehung zu Schülern aufbaut. Sie muss Beziehungsangebote machen und einhalten können, was ja bei einer Vielzahl an Schülern nicht von vorneherein so einfach ist. Da muss man schon ein paar grundsätzliche Techniken wissen, um selber nicht überfordert zu werden und die Beziehungsangebote auch einhalten zu können. Sprich: LehrerInnen sollten in ihrer Ausbildung darüber reflektiert haben, wie eine solche Beziehung aussieht und wie sie sich darin verhalten können. Ähnlich, wie wir uns auf dem Marktplatz darüber Gedanken gemacht haben, wie wir hier effektiv miteinander kommunizieren wollen: zB. Wir unterstellen dem anderen eine positive Motivation, was ja nicht eine Sachebene meint, sondern die Beziehungsebene. Solche Reflexionen wären auch für Lehrer sinnig, wenn sie nicht nur Lehrer, sondern auch Bezugsperson sein wollen. Ich weiß nicht, welche Inhaltlichen Posts euch interessieren, ich hab jetzt einfach mal mit etwas basalem angefangen. Grüße nach Bremen, Isa

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Gefällt mir sehr gut . Aber ich gebe zu Bedenken , dass wir , wenn die Initiative ins Programm der Bundes-DiB geht , sie nicht durchsetzbar ist , da Bildung in den Kultusministerien der Länder gedacht und entschieden wird . Entweder führen wir vorher Verfassungsklage gegen den Passus im GG , der die Bildung in Bundeshand verhindert (ginge nicht mal mit 2/3-Mehrheit zu ändern . Oder aber wir erarbeiten hier lediglich einen Vorschlag für die Landesverbände , die ihn dann überarbeiten und beschließen müssten .

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Hast du dafür eine Quelle? Mich interessiert, warum sich niemand daran hält. Oder ist das nur auf die Ausbildung bezogen?

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Alle :blush:
Wir wollen hier möglichst viele Aspekte des Themas beleuchten. Jeder Input ist herzlich willkommen.

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Also das kann ich mir gut vorstellen. Die Studie wird in dem Artikel des PHV ein wenig verfälscht wiedergegeben. Hier eine etwas andere Interpretation:

Ich fasse mal zusammen:

Zu wenige gut ausgebildete Lehrer für offenes Lernen
Denn wenn man alternative Unterrichtsformen wie etwa offenes Lernen perfekt implementiere, seien diese eventuell effektiver als Frontalunterricht. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass Frontalunterricht von einem durchschnittlichen Lehrer erbracht besser ist als alternative Unterrichtsformen schlecht angewandt. Aber: “Frontalunterricht kann durchaus auch schlechter sein, wenn alternativer Unterricht gut umgesetzt wird”, sagt Schwerdt.

Das erklärt auch, warum der Philologen - Verband dagegen ist. Aus diesen Reihen sollten wir mit den größten Widerständen rechnen.

Ich möchte da noch den Aspekt vom DiB - Tisch einbringen, dass wir vielleicht zuerst anregen, die Haupt- und Gemeinschaftsschulen “neu zu erfinden”. Dort sind neue Lehr- und Lernformen am dringendsten erforderlich und es wird vermutlich die geringsten Widerstände geben.

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Ja, das Thema ist kontrovers diskutiert.
Der Verband der Philologen ist eine gewerkschaftliche Organisation, die dem Beamtenbund nahesteht. Das klingt in meinen Ohren nach einer konservativen und systemerhaltenden Interessenvertretung. (Was grundsätzlich ja auch in Ordnung ist, vielleicht können wir dessen Vertreter ja irgendwann in bildungspolitische Diskussionen verstricken und sie in Richtung Zukunft und Wandel anschubsen :wink:)

Ich möchte die Erneuerung unbedingt auch auf ALLE Bildungseinrichtungen ausdehnen. Natürlich muss auch die Ausbildung von Lehrern, Sozial-, Sonder-,… -pädagogen angepasst werden. Gerade was das Thema Didaktik angeht.

Gerade das ist etwas, worüber man sich als Lehrender klar sein muss. Das Beziehungsangebot an die Lernenden ist unabdingbare Voraussetzung für ein tragfähiges Lernsetting.

Ich hätte nichts dagegen, das Benotungskonzept gleich mit auf den Prüfstand zu stellen.
Das neue Konzept sollte an Modellschulen gelebt werden, regelmäßig evaluiert und nach Bedarf angepasst werden.

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Das ist eine sehr gute Idee. Da fallen unsere Ideen wohl auf den fruchtbarsten Boden. Und wenn es funktioniert und Eltern ihre Kinder erstmal lieber auf Gemeinschaftsschulen schicken möchten, … :star_struck:

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Vielleicht gewinnen wir ja Unterstützer:

Precht: Reißt die Schule nieder
https://www.youtube.com/watch?v=QAOaUiOsw6U

Lesch: Schule ist Mist

Ranga Yogeshwar: Einstellung zum Lernen ist komplett falsch

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Hört sich nach einer schönen Utopie an. Meine Erfahrung aus eigener Schulzeit, Hochschullehrtätigkeit und sonstiger Lebenserfahrung ist, daß die Chemie zwischen Menschen nicht durch äußere Regeln beeinflußbar ist. Man darf vor allem auch nie davon ausgehen, daß Lehrer neutrale Roboter wären, denen Unparteilichkeit und ethischer Charakter als inhärenter Wesenskern mitgegeben wäre. Das allein zeigen schon viele Mißbrauchsfälle im schulischen Umfeld.

Letzteres mögen Extremfälle sein, aber auch im ganz normalen Alltag entscheidet sich die tendenzielle Sympathie zu Schülern bspw. oft schon allein anhand des Namens auf dem Papier. Und das bevor man den Schüler überhaupt je gesehen hätte. Dies bestätigen auch entsprechende Studien. Spätestens aber bei persönlichem Kontakt ist die Tendenz der Bevorzugung oder Benachteiligung durch Sympathie oder Antipathie bzw. Gleichgültigkeit schlicht nicht von der Hand zu weisen.

Auch hier auf dem Marktplatz gibt es trotz schönster Regeln immer wieder Reibungspunkte mit und zwischen bestimmten Personen. Und nun muß man auch noch davon ausgehen, daß wir hier im Vergleich zur großen Masse “da draußen” ohnehin ein relativ homogenes Team mit ähnlichen Ansichten sind. Denn sonst hätten wir uns kaum bei DiB zusammengefunden.

Worauf ich hinaus will, ist jedenfalls, daß ich ein frühzeitiges Kurssystem bevorzuge. Nicht nur, daß der Schüler dadurch die Möglichkeit hätte, sich sowohl Lehrer als auch Mitschüler einigermaßen frei auszuwählen, sondern auch wesentlich besser seinen eigenen Lernrhythmus bestimmen könnte. Somit würden Wiederholungsjahre obsolet werden und es müßten nicht zusätzlich zu den schwachen Fächern auch alle anderen wieder mitgeschleppt werden, anstatt sich in Ruhe auf die Defizite konzentrieren zu können.

Besonders gute Erfahrungen habe ich überdies mit Blockunterricht gemacht. Der Schüler bzw. Student hat auf diese Weise Zeit, sich eingehend auf ein bestimmtes Thema einzulassen, anstatt sich alle 45 bis 90 Minuten auf etwas völlig anderes konzentrieren zu müssen, obwohl er das andere Fach vielleicht noch gar nicht richtig verstanden hat. Auf diese Weise konnte ich den Lernerfolg meiner Studenten immens steigern. Schon nach kürzester Zeit konnten sie ihr neu erworbenes Wissen anwenden (und somit vertiefen), das sie durch die Zerklüftung der üblichen Darreichungsform im Standard-Unterrichtsprogramm noch nach zwei Semestern nicht verstanden hatten. Und genau so erging es mir zu Schulzeiten nämlich selbst.

Man stelle sich allein vor, man müßte sich im eigenen Berufsleben im ständigen Wechsel 5 x am Tag auf etwas völlig Neues konzentrieren. Keine großartigen Ergebnisse würden dabei herauskommen. Man nehme als Beispiel einen Chirurgen, der jeden Tag im fliegenden Wechsel von 45 bis 90 Minuten kunterbunt verschiedene OPs aus unterschiedlichen Fachbereichen durchführt, die Klinikbuchhaltung macht, neue Software für den OP-Computer schreibt, defekte Geräte repariert, zwischendurch noch einen wissenschaftlichen Vortrag hält und dann - endlich zu Hause angekommen, noch all diese Themenbereiche in Form von Hausaufgaben nachbereiten müßte. So in etwa sieht aber der Alltag unserer Schüler aus. :fearful:

Ganz zu schweigen davon, daß sich diese während des Unterrichts oft gar nicht richtig konzentrieren können, weil sie Angst vor dem darauf folgenden Fach / Lehrer / Prüfung haben.

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Ein wichtiger Punkt. Wir haben das schon im Landesverband gesprochen.
Unsere Auffassung ist, dass Bildung Bundessache sein soll. Daher finde ich, dass wir an einer großen Vision gemeinsam arbeiten sollte.

Dann kann das auf Forderungen für die Landesebene heruntergebrochen werden.

Ich finde es unrealistisch, dass jeder LV die Resourcen hat, sehr intensiv zu arbeiten. Daher lasst uns zusammentun.

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Ich würde fast vorschlagen, dass wir uns jetzt schon ein bisschen zum Team Bildung formieren und einen Call anstreben.

Warum? Weil es hier schnell unübersichtlich wird und wir ggf. einen Thread nach dem anderen eröffnen.

Was meint ihr?

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Natürlich ist unser Schulsystem suboptimal und wurzelt in seiner Struktur und seiner Pädagogik in der Schwarzen Pädagogik des vorvorigen Jh. Ja, das ist richtig. Aber ich bitte zu bedenken, dass in diesem Bildungssystem derzeit Menschen leben und arbeiten, das System ist schon sehr gestresst durch ständige Veränderungen und Neuerungen und Anforderungen. Jeder weitere Eingriff sollte sehr gut überlegt sein, gut beforscht ,evaluiert, und zwar im Alltag, es sollte ein Schritt sein, mit dem man dann auch gut leben und lernen kann!! Und jeder Eingriff solllte vorsichtig geschehen, weil große Umbrüche für die Betroffenen immer sehr anstrengend sind. Also mit Einreißen und ä. hab ich es nicht so. Das dauert auf andere Art, ich weiß, aber es ist besser für die Lerner und Lehrer. Äh, Surfista, ich meine damit natürlich nicht dich persönlich, sondern die klugen Schulreformer allgemein, die oben gesprochen haben. Precht und so…die haben ja recht, aber …

Das ist eine super Idee. Es gibt auf den Verband freier Schulen, mit dem wir kooperieren könnten.

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Zur Anregung, so denkt ein Teil der Jugend. Ich hab schon einige kennenlernen dürfen, es war sehr interessant und hat mich total begeistert. Wir im LV BW wollen den Kontakt intensivieren und sie ermutigen auf den Marktplatz zu kommen. Einige sind von DiB begeistert.
http://www.demokratische-stimme-der-jugend.de/

Finde es toll, dass ihr euch dem Thema annehmt. Schaut euch bitte auch die bestehenden Initiativen an und verucht sie einzubinden. Bin eine Verfechterin dafür, dass unsere Initiativen wie ein Puzzle zusammen passen, damit am etwas großes Neues entsteht.

Jörg Rupp hat oben schon einen Link eingestellt, hier noch ein zweiter.

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Manfred Spitzer und Gerald Hüther zählen auch zu den recht bekannten Befürwortern.

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Ich finde den Gedanken des selbstdirektiven Lernens gut. Passt ja zu der weiter oben von @barnie erwähnten frühzeitigen Organisation des Schüler in Kurse statt Klassen.

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Wir wollen nicht von heute auf morgen alles ändern. Auch unsere Vision von einem anderen Bildungssystem muss erprobt werden.

Dafür eigenen sich Haupt- und Gemeinschaftsschulen besonders gut, da sie sich, was das allgemeine Ansehen angeht, am unteren Ende der Schulformen befinden.

Die durch das neue Konzept eintretenden Veränderungen MÜSSEN evaluiert werden. Wir wollen ja nicht einfach nur in dem System rumfummeln, sondern die Veränderungen müssen auf wissenschaftlicher Basis nachvollzogen und bewertet werden. Das braucht Zeit. Viel Zeit. Übers Knie brechen kann und soll man einen Paradigmenwechsel nicht. Aber es ist an der Zeit, damit anzufangen.

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