Initiative "4 promille" der COP21 Klimakonferenz in Paris umsetzen

umwelt

#21

Lieber @Armin-Siepe , bitte nicht falsch verstehen - das war keine Kritik , geschweige denn Widerspruch . Ich bin zu 99% dabei und hinter der Ini . Meine Frage zielt auf mein eigenes Verständnis , aber auch für andere Interessierte . denn hier sind auch sehr viele Junge , die grade noch so wissen , dass Kühe nicht lila sind und weder Fleisch noch Obst/Gemüse im Supermarktregal wächst :smile: Aber Bodenbeschaffung ; natürliche Prozesse , die wir Älteren noch erlebt/erfahren haben . Wir haben uns damals noch dreckig gemacht , was beim Wissen aus dem PC und dem Netz natürlich nicht passiert . Deshalb weiß man normal auch nicht , dass die industrielle “Düngung” eigentlich nur >Salze in die Erde bringen< heißt (stark vereinfacht) , was erstmal für einige Jahre die Erträge steigert . Dass es aber genau die richtigen Kohlenstoffmoleküle sind , welche die Salze binden , sagt uns keiner , dafür gibt´s ja kein Geld . Ohne CO2 im Boden verbinden sich die Salze (z.B. Sulfate , Phosphate) mit Silikaten oder mit Wasser und werden zum großen Teil mit dem Wasser in tiefere Bodenschichten und ins Grundwasser ausgeschwemmt ; d.h. es muss viel mehr davon ausgebracht werden , als die Nutzpflanze eigentlich braucht . Wir versalzen also auf Dauer unsere Böden , so dass weder Insekten noch unsere Nutzpflanzen ein lebensfreundliches Milieu vorfinden .
Ich wollte aber wissen , worin der ökonomische Nutzen dieses Schnellverfahrens ist und warum wir statt einer neuen Technik nicht das altbewährte Verfahren nutzen wollen . Das müssten wir ja nicht nur den Chemiekonzernen und ihren Lobbyisten erklären , sondern auch den kleinen und mittleren Bauern , die ja eigentlich unsere besten potenziellen Verbündeten wären .


#22

Liebe Raba,

nur kurz jetzt noch - ist ja schon spät :wink: Hab keinen Widerspruch oder Kritik bei Dir entdeckt - Alles gut! Hab deine Texte als sehr positiv empfunden! Versuche gerne, Deine Fragen nach Herstellungswegen etc. zu beantworten - dazu hab ich auf die Dias im link hingewiesen und Inhalte erklärt. Also Alles gut!!

Noch ein Punkt: warum nicht einfach Pflanzenreste unterpflügen? Weil Pflanzenteile im Boden allein wieder verrotten = verschwinden. Dabei alles CO2 wieder freigeben, das sie vorher aufgenommen haben. Muss also immer und immer wiederholt werden. Insgesamt haben unsere Ackerböden viele % Hums verloren - trotz allem Pflügen (eigentlich sogar: wegen allem Pflügen!). Das stört auch das Bodenleben - schichtet Unteres nach oben und Oberes nach unten. Der Boden versucht, wieder seine natürlichen Zonen oben-unten auf zu bauen. Der nächste Pflug schichtet wieder um. Folge: Humus-Abbau. Sogenante “Schwarzbrache” = monatelang offen liegende Böden im Winter bauen zusätzlich massiv Hums ab.

Dem begegnen wir durch “Dauer-Humus” mit Kompost u Kohle - bleibt Jahrtausende bestehen. Pflanzenreste - mulchen - Gründüngung - Alles gut! Pflanzenkohle + Kompost = Schwarzerde nicht “statt dessen” - sondern “noch dazu”! Keine “neue” Technik - sondern Wiederbeleben einer uralten Menschheits-Kultur!

Alles Gute jetzt in die Nacht! Herzlich Armin


#23

Im Grunde geht es darum, dem Boden zurückzugeben, was ihm direkt und indirekt entzogen wurde. Du stellst “erdiges” Pflanzenkohlenmaterial her, gibst Fäkalien, Hausbioabfall und brave Probionten, also zersetzende Bakterien zusammen und schau an :wink: , das ist dann genau der Stoff, aus dem wieder gut neues Leben wachsen kann, wer hätte es gedacht. Ein sehr erhaltenswerter Kreislauf!

Aber es wird mehr bewirtschaftet als regeneriert und diese Negativbilanz gefährdet letztendlich die Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln. Also langfristig gesehen, um das hinauszuzögern werden von nicht so weitsichtigen Menschen den Böden irrsinnige Mengen Herbizide und Insektzide und Düngemittel zugesetzt, dass daraus wiederum haufenweise Probleme erwachsen: Gesundheitsgefährdung, Insektensterben, Singvogelschwund, Rückgang der Artenvielfalt und und und.

Vielleicht kann man ja die Energie für die Herstellung der Pflanzenkohle aus der Sonne nehmen, die ist ja für längere Zeit noch unbegrenzt verfügbar :slight_smile:


#24

Ja, Marasita, genau!

Du beschreibst sehr gut den Weg, wie aus der Pflanzenkohle mit Nährstoffen guter Humus wird.Noch ein kleiner Tipp: Das “Goldwasser” - das jeder von uns mehrfach täglich prouziert, ist (in aller Regel) hyginisch unbdenklich, hoch nährstoff-reich und kann ebenfalls sehr gut verwendet werden. Bei der Anwendung gibts ein paar Vorsichtsregeln, damit´s nicht “zu scharf” wird. Aber im Grundsatz - besonders draußen im Gelände sehr gut geeignet. Bei den “Feststoffen” gibts paar Vorsichtsregeln aus Hygiene-Gründen.

Du hast Recht: Noch findet die gegenteilige Entwicklung - Einsatz von Kunstdüngern, Spritzmitteln und andere Boden-zerstörenden Maßnahmen in riesigem, weltweiten Umfang statt - mit den bekannten Folgen, Du nennst sie. Villeicht fragt sich Manche-r: Was könnte da unsere “kleine” Initiative zum guten Boden schon gegen ausrichten?

Aber kein Grund zum Verzweifeln: Jedes Kind fängt klein an, Bewusstsein und Gegen-Bewegung wachsen ständig. Unsere Gruppen haben enormen Zulauf - viele Menschen wollen kein “weiter so”.

Und ganz konkret ist ja Stephans Initiative ein weiterer großer Schritt. Ich kann nur dafür plädieren, sich dieser Initiative an zu schließen!

Beste Grüße Armin


#25

Hallo Miri,

zu Deiner Frage: “Pfalnzenkohle - ist nicht jede Kohle aus Pflanzen?”. Im Grundsatz hast Du Recht. (Es gibt auch Kohle aus Tierknochen - aber das ist nur ein Rand-Thema). Aber nicht Alles, was an “Kohle” aus Pflanzen hergestellt wird, ist auch gute Pflanzenkohle.

  • über oft schlechte Grillkohle hatte ich schon geschrieben.
  • Es gibt “hydrothermale Kohle” - Raba hat einen Wiki-link dazu eingestellt. Das ist eigentlich überhaupt keine Kohle, sondern eine nasse, braun-schwarze “Matsche”. Aus vielen Gründen nicht (oder nicht ohne weiteres) für den Boden geeignet - eher ein Entsorgungsprodukt, kann man vielleicht verbrennen zur Energiegewinnung.

Es gibt einen gemeinnützigen Fachverband Pflanzenkohle e.V., der setzt sich für gute Pflanzenkohle und Abgrenzung zu schlechten Kohlen ein - “schlecht” aus Sicht für den Boden.

In englisch übrigens “biochar”, aber die deutsche übersetzung “Biokohle” hat sich aus verschiedenen Gründen nicht durchgesetzt.

Soweit zu Deiner Kohle-Frage; ich hoffe ich konnt helfen.

Beste Grüße Armin


#26

An anderer Stelle hatte ich schon mal auf HTC/VTC hingewiesen und mich deshalb natürlich auch damit befasst . Die Technische Pyrolyse ist ja ein ähnlich aufwendiges Verfahren und deshalb eigentlich auch nur für kleinere und regionale Betreiber geeignet (bin ja ein Fan von Dezentralisierung) ; auch die komplizierten Anlagen sind nur teuer herzustellen oder noch teurer zu importieren . Dazu braucht es halt mehr , als ein bisschen guten politischen Willen - solche relativ großen Investitionen kann sich nicht jede Gemeinde oder mittelständische Firma leisten . Hier gilt es , die verschiedenen Nutznießer an einen Tisch zu bekommen , wie regionale Stromversorger und Fernwärmeerzeuger , sowie Land- und Forstwirtschaftsbetriebe , aber auch die kommunale Wohnungswirtschaft und ortsansässige Unternehmen . Nur gemeinsam können sie diese Investitionen stemmen und die Abnahme der verschiedenen Produkte regeln und garantieren .

Aber mal unabhängig von der Erzeugung der Pflanzenkohle bleibt ja noch die Einbringung in den Boden . Um den ganzen positiven Effekt zu erzielen , müsste man ja den gesamten Boden bis in Schartiefe+X cm mit Pflanzenkohle und Dünger gleichmäßig vermischen (wie soll das vor Ort funktionieren ?) oder abtragen , extern in Großanlagen mischen und wieder auf die Fläche bringen (eine logistische Meisterleistung und ziemlich teuer) - es geht ja nicht um 15 oder 20 qm , wie in der Dia-Show , sondern um millionen Tonnen für das 4-Promille-Ziel (landesweit) . Gibt es dafür schon Berechnungen/Hochrechnungen ; wir müssten die Kosten für die Initiative schon wissen und belegen können , damit die Sache Hand und Fuß hat .

Der Nutzen für die Umwelt , das Klima , die Land- und Forstwirtschaft , für die regionale Wirtschaftsentwicklung ist ja unstrittig und auf lange Sicht wäre nahezu jede Investition gerechtfertigt , aber wir wissen doch auch , dass Politiker fast ausschließlich in Wahlperioden denken und Manager nur von Bonus zu Bonus . Deshalb müssen wir schon vorher eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen , die eine Amortisation möglichst binnen 3-4 Jahren in Aussicht stellt .


#27

Ich komme mir gerade ein bisschen dumm vor, aber ich muss noch mal nachfragen: Warum speichert/bindet die mit Kohle versetzte Schwarzerde CO2 und der reine Humus nicht?

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Ich finde die Initiative im Prinzip gut, habe aber gerade Verständnisprobleme. :thinking::exploding_head:


#28

Hi Miri, sehr gute Frage!
Beides speichert CO2. Den Böden fehlt aber Humus, auf Grund einer langjährigen intensiven Bewirtschaftung. Die Kohle fördert den Wiederaufbau bzw. die Regenerierung des Humus unter der Anwendung der beschriebenen Methode.
Ziel bleibt also einen guten Humus aufzubauen, die Pflanzenkohle ist sozusagen Hilfsmittel und Beschleuniger dafür, ähnlich wie Backtriebmittel in Kuchen (vereinfacht ausgedrückt).


#29

Hier ein kurzes Video zum Thema (auf Deutsch!) vom SWR:
https://www.ardmediathek.de/tv/natürlich/Schwarzerde-macht-Böden-fruchtbar/SWR-Fernsehen/Video?documentId=43347946

Und noch ein Video vom Bayrischen Rundfunk das zeigt, dass die Methode wunderbar auch bei Tierhaltung funktioniert:


#30

Ich wiederhole meine Frage nochmal . Im 2. Video ist von 200 to Pflanzenkohle pro Jahr die Rede , die eine solche Karbonisierungsanlage herstellt ; das würde für etwa 600 to Schwarzerde reichen . Bei einer Tiefe von 0,5 m könnte man also rund 1200 Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche zu wirklich gutem Boden verbessern . Das ist bestenfalls ein größerer Garten . Wir reden also noch immer von einem Laborversuch , denn schon ein normales Feld (300 m x 400 m) bräuchte 10 solche Anlagen oder 10 Jahre , um den gewünschten Erfolg zu haben . 4 Promille der Ackerfläche Deutschlands ist jedoch fast die Fläche von Mallorca ???
Die Idee , die Pflanzenkohle mit Gülle zu mischen und dann auf´s Feld zu bringen , sichert eine Ertragssteigerung , doch den Boden insgesamt verbessert es nicht in dem Maße , da dieses Gemisch nur wenige cm in die ausgelaugte Erde eindringt .

Ich schrieb oben , dass ich zu 99% dabei wäre , doch je mehr ich mich damit beschäftige , um so kleiner wird diese Zahl . Die positiven Effekte bleiben unbestritten und die drohende Klimakatastrophe rechtfertigt jede Investition , um sie wenigstens aufzuhalten ; umkehren werden wir diesen Prozess wohl nicht mehr können . Aber hat mal jemand über die langfristigen ökologischen Folgen nachgedacht ? Was wird passieren , wenn wir dieses Terraforming über Jahre und Jahrzehnte betreiben würden . Es würde sich unsere Vegetation und damit auch die Insektenwelt verändern . Zusammen mit der Klimaerwärmung und den dann viel fruchtbareren Böden , hätten wir möglicherweise dann zwei Ernten pro Jahr und an unseren Seen wüchsen dann plötzlich Palmen und in unseren Wäldern womöglich Bambus oder andere tropische Gewächse . Klingt erstmal nicht so schlecht , doch unsere heimische Flora und Fauna würde verdrängt . Das gibt es schon heute und nimmt teilweise bereits dramatische Formen an .

Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben , dass wir die Welt , die wir in 200 Jahren kontinuierlich zerstört haben , in 10 oder 20 Jahren wieder in Ordnung bringen können und schon gar nicht mit technischen Prozessen , für die die Natur Jahrmillionen gebraucht hat . Die Erfahrung zeigt , dass der Mensch mit jedem Eingriff in die Umwelt langfristig immer nur Schaden angerichtet hat . Wir müssen uns genau überlegen , ob das , was vor Jahrhunderten im Amazonas-Regenwald richtig war , auch jetzt bei uns richtig sein muss .


#31

Hallo Raba,
tut mir leid, dass ich noch nicht auf deinen ersten Post geantwortet habe,

Es gibt sicherlich genug Hochrechnungen dazu, es gibt schließlich schon jahrelange Forschung im Detail von vielen Forschungsinstitutionen in mehrere Ländern, es gibt auch einen Bericht vom Bundesamt für Umweltschutz, den ich noch nicht ganz durchgelesen habe, der aber die Effektivität und auch die praktische Umsetbarkeit nicht in Frage stellt (sondern fehlende Regularien und notwendige Änderungen in der Düngemittelverordnung anspricht).

Deine Fragen sind definitiv wichtig, wir werden die auch angehen. Dennoch solltest du nicht versuchen jahrelange Forschung auf wissenschaftlicher Ebene in Frage zu stellen. Und diese bestätigen ebenfalls die praktische Machbarkeit und die Finanzierbarkeit.

Aber bevor wir jetzt über Forschungsergebisse sprechen. Vielleicht hilft dir die Aussage, dass “4 promille” vom frz. Landwirtschaftsministerium (also von ziemlich hoher Stelle) initiiert wurde und seit 2015 viele andere Länder (also auch Regierungen) sowie NGOs sich dieser Initiative anschließen und auch Deutschland hat sich angeschlossen. Es kann also nicht ganz so falsch sein, wie du im Moment vermutest. Das Problem ist, dass noch nicht genug dafür gemacht wurde, geschweige denn, dass es kommuniziert wäre. Denn dann wären wir wahrscheinlich hier im Forum auch schon viel weiter und würden die Tragweite im Detail verstehen.


#32

Auf der Seite von www.4per1000.org steht was von zwischen 10… 100 Dollar pro Hektar Investition:


#33

Und siehe da, Deutschland ist sogar gelistet als einer der “Haupt-Partner” der Initiative (Quelle: www.4per1000.org):

Und hier noch die vollständige Liste der “Partner” der Initiative (Länder, NGOs und andere Organisationen): tableau_partenaires_et_membres_16_novembre_2017.pdf (573,0 KB)


#34

Liebe Raba,

danke für Deine intensiven Übelegungen und Ausführungen!

In den Details, muss ich sagen, seh ich´s nicht ganz so kritisch oder kompliziert, wie´s vielleicht scheinen mag.

Weder sind die Herstellungs-Anlagen und Kosten unerschwinglich, noch die Anwendung - über ein “normales” Maß hinaus - problematisch.

Für Klein-Gruppen und Initiativen gibts einfach herzustellende Möglichkeiten, Kohle und gute Schwarzerde selbst zu erzeugen uand anzuwenden.

Nur eine von mehreren - die stationäre Grube (in verschiedenen Maßen und Größen) ist in der Dia-Show (link in meinem ersten post) dargestellt. Grad diesen Sonntag 24. Juni haben wir ein öffentliches Schau-Brennen, diesmal mit einer zweiten Möglichkeit: Einfache mobile Anlagen: Sog. “Kon-Tiki-Metall-Schalen und -Öfen”, die leicht von Ort zu Ort zu transportieren sind. Sie sind auch sehr einfach unter begrenzenden Bedingungen im Globalen Süden von den Einheimischen dort selber herzustellen, also keine “Kompliziert-Technologie”, importiert aus dem “reichen Techno-Norden”. Kleine Pyrolyse -Öfen ermöglichen den Frauen dort sogar, ihr Kochen mit Holz in traditioneller Weise fort zu führen, dabei viel effizienter das Holz zu nutzen (oft lange Zu-Fuß-Transporte!), die Wälder zu schonen und dabei sogar noch gute Kohle für ihre Gärten und Felder zu gewinnen!

Kommunen und Entsorger-Einrichtungen bei uns könen sich durchaus größere, professionelle Anlagen leisten, und tun das in etlichen Fällen auch schon. So Jedem passend nach seinen - ihren Möglichkeiten! Gute, “saubere” Anlagen gibt es bereits, und die Palette wächst stetig.

Auch in der Anwendung sind wir weder an gigantische Aufwendungen noch überbordende Einsätze gebunden. Riesige Bodenflächen auszutauschen, zu deponieren oder ähnlich wäre nicht nur technisch-finanziell, sondern auch Umwelt-mäßig kontra-produktiv. Ein Riesen-Eingriff, der auch gesetzlich verboten wäre. Wir wollen ja guten Boden und gutes Klima schaffen und erhalten, und nicht durch Groß-Technologie zerstören!

Wir haben ja einen wunderbaren Helfer (eigentlich sogar Aber-Millionen!), die diese Arbeit - den Humus einbringen - für uns machen würden, wenn wir sie nur pfleglich behandeln: Den Regenwurm - und seine anderen Bodenlebewese-Genoss-innen. Man spricht sogar von der “Herde unter der Erde”: Was an Vieh oben weidet - oder an Viehfutter auf dem Acker wächst, das wird unten begleitet von eben diesen Millionen Klein-Lebewesen. In der Masse so groß oder größer als die Herde oben! Die freuen sich über ihr Zusatz-Humus-Schwarzerde-Futter, das wir Ihnen mit der 4-Promille-Aktion von Stephan geben können. Und danken es uns mit Wuseln und Wühlen! Schon im ersten Jahr, und künftig weiter wachsend bekommen wir einen fruchtbaren, dunklen, warmen und krümeligen Boden. Eine Freude auch für barfuß - ein Handschmeichler mit Geruch nach guter Walderde. In einem grün-bunten Land mit reichen Ernten, glücklichen Menschen in intakten sozialen Beziehungen, unter einem milden Himmel. So meine ganz diesseitige Vision! (und ich geh nicht zum Arzt deswegen, lieber Helmut Schmidt selig :slight_smile:

Auch eine gigantische Chance für den-die Einzelne, etwas selber zu tun. Über Diskutieren, Demonstrieren und Unterschreiben (Alles SEHR wertvoll!!!) hinaus selber, einfach und rundum erfreulich draußen aktiv zu werden. Ich höre immer wieder von Menschen, wie sehr sie das begeistert und im oft stressigen Alltag entlastet! Eine Chance für Menschen - auch eine Chance für DiB?!

Ich glaube auch nicht, daß es die Aufgabe von DiB oder Einzelnen von uns sein muss, bis ins letzte ausgefeilte und von allen Kritikern akzeptierte Mengen-, Kosten- und sonstige Berechnungen & Planungen vorzulegen, zumal für ganz D oder gar die EU. Valide Berechnungen und Abschätzungen gibt es viele. Ich kenne auch Quellen, z.B. vom durchaus Wirtschafts-nahen DIW Dt. Institut f. Wirtschaftsforschg. über bis zu 13 Millionen Tonnen Restholz jährlich in D, das gut zum Terra-preta-Schwarzerde-Aufbau verwendet werden könnte, weil es weder zum Heizen, für Pellets, zum Bauen noch sonst einen anderen Nutzen verwendbar ist, sondern nur aufwendig entsorgt wird. Welch eine Verschwendung! Und welch große Chance zugleich!

Nur, liebe Raba, würd es uns - so mein ich - kaum weiter bringen, uns hier in diesem frühen Stadium jetzt an Zahlen, gar Problemen weiter “auf zu hängen”. Ich verstehe DiB als ein Forum, wo fundierte Chancen - und das ist diese initiative, nach meiner ganz festen Überzeugung! - in den politischen Raum eingebracht werden können. Ich selber kann z.B. auch eine Partei mit gutem Gewissen wählen, die sich für wichige Themen wie etwa saubere Autos einsetzt (nur als Beispiel), ohne zu verlangen, sie müsste mir nun alle technischen Details des Umbaus der Mobilität, der Konzepte, der Antriebsaggregate, alle Kosten und und und unwiderlegbar beweisen. Der und die letzten Kritiker werden immer bleiben. Aber wenn der politische Wille da ist, braucht es immer die kreativ-demokratische Schwarm-Intelligenz der Vielen, um das Gewollte dann auch umzusetzen. Für die Details dann - sicher nötig! - würde ich Hersteller & Industrie, Politik & Verwaltung keinesfalls aus ihren Aufgaben entbinden, die Dinge dann auch sauber weiter zu entwickeln, zu planen und zu berechnen. Begleitet vom Kritischen Bewusstsein und der praktischen Unterstützung der Vielen, Jede nach ihren Möglichkeiten.

Daß wir mit dieser Initiative kein “Luftei” unerstützen, dafür kann ich wohl mit bestem Wissen und Gewissen einstehen! Heben wir doch - als DiB im Verbund mit vielen anderen Aktiven, diese großen Schätze!

Dafür diesen post jetzt grundsätzlich und länger - ich freu mich auf alle konstruktiven Rückfragen und besonders auf aktive Unterstützung!

Herzlich Armin


#35

Ok, einen neuen, eher noch skeptischeren Beitrag von Raba und auch Neuestes von Stephan hab ich erst nach meinem post hier drüber gelesen. Konnte darauf also noch nicht eingehen…

Es täte mir sehr leid, wenn die Zustimmungswerte von raba sinken, wie sie schreibt. Auch ihre konkreten Zahlen, und insbesondere Schlussfolgerungen kann ich kaum nachvollziehen.Die Initiative 4 Promille lässt sicher keine Palmen in unseren Wäldern wachsen - das täte wohl eher der Klimawanel, wenn wir die Hände weiter viel zu sehr in den Schoß legten. Es fällt mir wirklich schwer, all die Befürchungen - noch mehr Insektensterben etc. - in einen fundierten Bezug zum Thema zu bringen. Bisher seh ich´s genau andersrum: Was “wir” (nicht vielleicht perönlich, aber als Gesellschaft) uns bisher erlaubt haben, hat zu diesen Miseren geführt. Das nun auch bei der internationalen, fundierten und von zahllosen Engagierten begleiteten Umwelt-Intiative 4-Promille zu befürchten kann ich persönlich bei Prüfung allen Fachwissens (und das muss man dauernd tun) nicht nachvollziehen.

Aber sicher bleibt jeder - jedem die eigene Meinung - die zu äußern ein sehr hohes Gut ist. Ich finde, die Engländer haben einen wunderbaren Satz dafür: We agree to disagree!

Soweit derzeit dazu.

Herzlich Armin


#36

Liebe Alle,

Gerne doch noch eine Mengen-Angabe zum post von Raba - bitte entschuldigt diesen dritten post jetzt nacheinander. Aber um die Fakten bissl auf die Füß zu stellen:

Raba schreibt richtig: Eine gute Anlage produziert tatsächlich 200 to - auch etwas mehr gute Pflanzenkohle pro Jahr. Eine Tonne gibt das 3-fache an Voulmen, also mindest 600 m³ (Kubikmeter) pro Jahr. Das gibt mit gutem Kompost die 10-fache Menge (Roh-) Schwarzerde = 6.000 m³ pro Jahr.

Starten kann man im ersten Jahr auf “neuem” Boden, der noch nichts bekommen hat, mit 3 ltr. Schwarzerde pro m². 6.000 m³ (Kubik) Schwarzerde sind 6.000.000 = 6 Mio. ltr. 3 ltr. pro m² macht 2 Mio. m². 1 ha hat 10.000 m², macht also 200 ha = 2 km² gute Erstversorgung. Schon bissl mehr als “nur ein Garten”, wie´s im post von raba steht.

Liebe Alle, ich wollt im Forum eigenlich nicht “komplizierte” Rechnugen hin und her wälzen. Auch nicht zum Dauer-Schreiber mutieren. Andere sollen auch Platz haben. Selbstverständlich aber gerne Fach-Infos, wo´s zum Verständnis nötig ist.

Würd mich trotzdem freuen, wenn wir mehr auf das Grundsäzliche, das Politsche, die Fragen “wie könen wir weiter unterstützen” etc. kämen. Gern natürlich auch Details, so wie gewünscht. Nur das aktelle Hin-und Her mit (ehrlich gesagt, wenn auch “hart” klingend: unrelevanten) Problemen und Kontras scheint mir weniger zielführend.

Aber das müsste eh Jede- r für sich selbst entscheiden.

Beste Grüße Armin


#37

Wenn diese Zahl auch nur ansatzweise stimmen könnte , bräuchtest Du niemanden zu überzeugen . Jeder Bauer , Waldbauer oder Landwirtschaftsbetrieb würde mitmachen , weil alleine die zu erwartende Ertragssteigerung in einem Jahr ein Vielfaches ausmachen würde . 10 Dollar pro Hektar können wir also getrost ins Reich der Märchen verorten . Aber nochmal der Nutzen für die Umwelt ist unstrittig und selbst , wenn es sich erst in 50 oder 100 Jahren rechnen würde , wäre ich noch dafür Kohlenstoff im Boden zu binden und/oder in HTC-basierten Kraftwerken in Energie (Strom und Wärme) zu verwandeln . Wir müssen die Kosten in einer Ini nur ehrlich benennen . Ini´s ohne oder mit allzu optimistischen Kostenangaben haben WIR schon genug .

Und wie ich schon schrieb , sollten wir uns nicht auf die Bodenverbesserung beschränken , sondern auch die Energiegewinnung und die Bioabfallbehandlung , -entsorgung einbeziehen . Und bei aller Wichtigkeit sollten wir nicht die Augen vor den Schwierigkeiten in der Umsetzung (auf Einige habe ich schon hingewiesen) und den eventuellen langfristigen Folgen verschließen . Denk nur mal 70 Jahre zurück , als man die Kernenergie als die Lösung ALLER Energiefragen anpries . Seither hat sich der Strompreis verdreifacht und die Entsorgung der Brennstäbe wurde zu einem Problem für die nächsten 500 000 Jahre ; von den Gau´s und Super-Gau´s will ich erst gar nicht anfangen .
Oder nehmen wir Galapagos am “Ende der Welt” wo ein paar tausend “Besucher” Flora und Fauna nahezu vernichtet haben , einfach nur weil sie dort auch essen , trinken , schlafen und duschen wollten .
Oder Hunderte Pflanzen und Tiere , die hier bei uns die heimischen Arten verdrängen ; wollte Keiner - ist einfach passiert , weil einige Leute nicht über die Folgen von wenigen Neuansiedlungen nachgedacht haben .
Deinen und @Armin-Siepe ´s Optimismus und Begeisterung in allen Ehren , aber bedenkt bitte auch , was passieren wird , wenn die Konzerne dieses Verfahren als Geldquelle entdecken werden .

Es ist unzweifelhaft , dass besonders wir in Europa und den USA oder besser die Großkonzerne der “G-20” , aber auch jede/r einzelne Bewohner/in mit der Effektivierung der Industrie und der Industrialisierung der Land- und Nahrungsmittelwirtschaft , sowie der exzessiven Nutzung und Konsumierung der Produkte unserer Umwelt , gewaltige Schäden zugefügt haben . Das müssen wir stoppen und dazu haben WIR ja auch schon ein paar Ini´s . Dazu passt auch diese Initiative , die ich noch immer ausdrücklich unterstütze . Doch sie muss durchdacht und realistisch sein . Da genügt es nicht zu rufen : > Hurra ! Alles super - folgt mir ! Auf zu neuen Ufern ! < Es ist nicht gut , nur zu schätzen , wo wir ankommen könnten . Ich bat schon mehrfach , darum konkrete Vorgehensweisen , Verfahrenstechniken und Kosten-Nutzen-Rechnungen einzustellen ; was ich bekomme , sind Allgemeinplätze , Werbevideos und den Vorwurf , zu schwarz zu sehen . Auf dieser Basis können wir via PN-Chat weiterdiskutieren (werden wir sowieso bald müssen , wenn unsere Beitrags-Limits erreicht sind) und jeden interessierten user dazu einladen .

Wenn Du , lieber @Armin-Siepe von wissenschaftlichen Erkenntnissen schreibst , ist es nicht besonders hilfreich , sie nicht zu teilen , und zwar auf deutsch , möglichst in einfacher Sprache (zu der hat sich DiB nicht ohne Grund verpflichtet) , so dass auch jede/r Nutzer/in , die/der später hier reinliest , auch weiß , wovon wir reden . Es ist kein Thema , mit dem sich Alle ständig beschäftigen oder einen guten Wissenszugang haben ; aber es ist ein Thema , was Alle angeht und Viele interessiert (siehe oben die Aufrufe und Anzahl der Benutzer) . Ihr macht nicht mich schlau , sondern hauptsächlich alle Interessierten , die nicht mal wissen , wonach sie fragen könnten .

Was hier auf dem Marktplatz nicht erörtert/diskutiert wird und nicht an Wissen vermittelt wird , wird im Plenum an Verständnis fehlen . Die 30 Leute für´s Quorum kriegen wir wohl noch zusammen , doch wie sollen die Abstimmberechtigten abstimmen , wenn sie das nur unzureichende Argumente "geliefert bekommen . Sie (jedenfalls die Meisten) werden sich nicht selbst informieren und die Argumente zusammensuchen , sondern sich der Abstimmung entziehen . Es sind schon viele Ini´s gescheitert , weil sie hier auf dem MP nicht oder nicht genug vorbereitet wurden .


#38

Hallo Raba, ich sehe gerade meine Übersetzung war auch nicht ganz richtig, habs oben bereits korrigiert. Aber selbst mit 100 Dollar pro Hektar wäre es noch durchaus attraktiv und realistisch. Wie gesagt, diese Abschätzung steht offiziell auf der Seite von www.4p1000.org und basiert auf Forschungsergebnissen und ist nicht meine
persönliche Abschätzung.

Du hast absolut recht, dass die Initiative mit Fakten fundiert sein sollte und dies gleichzeitig möglichst verständlich für alle erklärt werden sollte. Dies sollten wir wie du vorschlägst im PN weiterführen. Möchtest du uns dabei unterstützen, die Initiative dahingehend zu verbessern? Ich freue mich über jeden der mitwirken möchte :+1::slight_smile:


#39

Was denkst Du mache ich hier schon seit Tagen ? Mitstreiter/in gesucht - d.h. ja eben gerade nicht , mit einander für eine Sache gegen alle Widerstände anzukämpfen , sondern auch , miteinander um die beste Lösung zu ringen .


#40

Liebe Alle,

ja, es ist richtig:

  • Reine Begeisterung „Komm wir machen das einfach“ reicht nicht für eine fundierte Initiaive.
  • Und ja, es ist richtig: Wir brauchen fundierte Argumente, Belege, Fakten!
  • Und es ist richtig: sie sollten verständlich und auf deutsch gegeben werden.

Eben das hat Stephan, hab ich versucht.

In den posts weiter oben haben wir gehört, daß das Vorgehen zum Humusaufbau international zertifiziert und kontrolliert ist.

  • Daß ein Europäisches Zertifikat (EBC) über Qualität der Maßnahme, umweltverträgliche Standards, Schadstoff-Freiheit, nachgewiesene Wirksamkeit und soziale Verträglichkeit wacht.
  • Daß bereits eine einzige Profi-Pyrolyse-Anlage im Jahr 2 Millionen Quadratmeter verbessern kann – das sind 200 ha oder 2 km². Daß z.B. Kommunen oder Entsorger solche Anlagen bereits nutzen, und es werden immer mehr.
  • Daß es für Kleingruppen ein Fülle angepasster Methoden gibt, ohne teure Profi-Anlagen einzussetzen. Wr haben links mit Bildern dazu gepostet. Viele Aktive kommen also ohne Großtechnik aus.
  • Daß der Humus-Aufbau Energie-Aspekte berücksichtigt, den Klimaschutz maßgeblich fördert, und dem Boden das zurück gibt, was wir (als Gesellschaft) ihm durch falsche Nutzung vorher entzogen haben. Also nichts Neues-Anderes, sondern Wiedergutmachen bisheriger Schäden.
  • Daß es eine 8.000 Jahre alte Kulturweise der Menschheit ist, die nur durch moderne industrielle Verfahren heute unterdrückt wird. Jahrtausende erprobt auf riesigen Flächen der Schwrzerde und für gut befunden. Intensiv wissenschaftlich untersucht und belegt.
  • Daß das Bodenleben gefördert wird, wir sprachen von Regenwürmern und Fruchtbarkeit als Basis allen Lebens und unserer Ernährung.
  • Stephan hat Kosten ermittelt von rd. 100 Eu per ha – das ist wenig für eine große Fläche.

Wir sind auf jeden post eingegangen, der kam, um sachliche Argumente zu liefern, und verständlich. Und werden das sicher auch weiter sehr gerne tun, wenn Fragen von Teilnehmer-innen kommen. Bestimmt ist es gut, wenn viele verschiedene Teilnehmer-innen ihre Fragen stellen und Meinungen posten. Wir freuen uns darauf!

Nur verstehe ich eine Kritik nicht, wir würden nur „Hurra- auf zu neuen Ufern“ rufen und keine Fakten liefern. Ich glaube Jede- r, die und der sich genauer mit den posts oben befasst, wird die Infos und Fakten lesen, sich ein Bild machen und gerne weiter nachfragen können. Nur bitte prüfen wir, was mit der Initiative konkret zu tun hat. Über sterbende Tiere auf Galapagos, weil dort zu viel Touristen duschen, und drohende Palmwälder in Deutschland, die unsere einheimischen Pflanzen und Tiere verdrängen, werde zumindest ich allenfalls die Aussage treffen können, dass Stephans Initiative „4-Promille mehr Humus in den Boden“ dem bestimmt keinen Vorschub leistet.

In sofern bin ich gespannt auf viele weitere Aktive und freue mich auf einen weiteren Fortgang der Initiative.

Beste Grüße am Samstag-Abend

Armin