Initiative "4 promille" der COP21 Klimakonferenz in Paris umsetzen

umwelt

#1

Dieser Thread dient zur Diskussion der Initiative http://abstimmen.bewegung.jetzt/initiative/196-umsetzung-der-initiative-4-promille-der-cop21-konferenz-in-paris

Aufruf: Ich suche Mitstreiter/innen, Experte/innen, Prüfer/innen
Kontaktart: PN an @stephan.enge
Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Eine Initiative von: @Leia , @RegineDeutsch und @stephan.enge
Bearbeitungsstatus: Entwurf
Redaktionsschluss: möglichst noch Ende Juni

Einleitung:
Die Initiative “4 promille” (oder: quatre promille) basiert auf Forschungsergebnissen zu anktiker Schwarz-Erde bzw. Terra Preta, welche als sehr fruchtbare Erde aus dem Amazonas bekannt ist, aber eigentlich menschengemacht ist. Diese beinhaltet zu ca. 10% Pflanzenkohle vermischt mit Kompost und Erde, welche Nährstoffe und Wasser bindet und so zu langfristiger und nachhaltiger Fruchtbarkeit des Bodens führt. Versuche zeigen ähnliche Wachstums-Effekte wie mit chemischen Düngern, nur mit dem Vorteil, dass der Effekt lange anhält, ja dass sich die Erde sogar immer wieder auflädt (wie ein Akku) wenn Kompost und andere Pflanzenabfälle der Erde zugeführt werden.

Und zusätzlich zu Fruchtbarkeit und Regeneration von gutem Boden geht es hier insbesondere um die Speicherung von CO2: Die gebundene Pflanzen-Kohle ist nicht nur selbst reiner Kohlenstoff, sondern sie fördert den Aufbau von Humus im Boden, in dem wiederum zusätzlich gasförmiges CO2 (wie auch andere Gase) gebunden werden. Und zwar zusammen soviel, dass sich unser Klimaziel zu CO2 in einfacher Weise erreichen lässt. Eine Studie des frz. Landwirtschaftsministeriums hat ermittelt, dass es ausreichen würde, wenn man 4 Promille (bemerke: Promille nicht Prozent !!) aller landwirtschaftlichen Böden pro Jahr mit Kohlenstoff anreichert, um 75% aller aktuell menschengemachten CO2 Emissionen zu puffern. Daraus wurde der Name “4 promille” (quatre promille) abgeleitet.

Problembeschreibung:
Unsere Böden werden durch intensive Landwirtschaft, insbesondere durch Monokulturen kontinuierlich ausgelaugt und verlieren immer mehr Humus. Nicht nur die Fruchtbarkeit leidet darunter, wodurch immer mehr Dünger notwendig wird, sondern die Böden setzen durch die “Bewirtschaftung” auch immer mehr CO2 frei, das natürlicherweise im Humus und den dort lebenden Mikroorganismen gebunden ist.

Die “4 promille” Initiative wurde von mehreren Staaten im Anschluss an die Pariser Klimakonferenz bereits ratifiziert und wird von vielen NGOs unterstützt. Es werden auch immer wieder neue Studien veröffentlicht welche die Ergebnisse der ersten Studie bestätigen. Dennoch ist sie so gut wie unbekannt und anscheinend verfehlen wir ja gerade unsere Klimaziele, obwohl wir doch hiermit eine so wirksame Maßnahme hätten.

Wieso ist diese Initiative seit 2015 bekannt, aber noch nicht umgesetzt? Es fehlt anscheinend nicht an Erkenntnissen, aber vielleicht an politischem Wille diese Initiative als nationales oder gar europäisches Projekt umzusetzen. Stattdessen wird wohl auf die Wirtschaft gewartet, die aber vermutlich in dauerhaft regenerierter Erde wenig Potential sieht (und vielleicht befürchtet weniger Dünger verkaufen zu können).

Forderungen
DiB sollte die Forderung stellen 1% aller landwirtschaftlichen Böden mit Schwarz-Erde aus regionaler Erzeugung (Kreislaufwirtschaft) anzureichern. Die dadurch gebundene Menge an CO2 im Boden löst unser Klimaziel und kommt zusätzlich unseren Bauern, der dauerhaften Humus-Regeneration im Boden und unserer Nahrung und Gesundheit zu Gute.

Das Motto sollte sein: Wir in Europa können die Klimaziele erreichen (wenn wir gemeinsam die “4 promille” Initiative konsequent umsetzen) und dies auch in die Welt heraustragen.

Umsetzung
Die Herstellung der dazu benötigten Schwarz-Erde ist erstaunlich einfach und man benötigt keine komplizierte Maschinerie, jede Stadt könnte das in kurzer Zeit in Zusammenarbeit von Bauhof und Entsorgungsbetrieben herstellen: Die Pflanzenkohle könnte ausschließlich aus Schnittgut der kommunalen Betriebe hergestellt werden, das ansonsten verrotten würde oder sowieso verbrannt wird. Als zweiter Hauptbestandteil könnte in großem Stil nicht nur Bio-Müll, sondern auch die vielen “Lebensmittelreste” von Supermarktketten quasi kostenlos verwendet werden, um die Schwarz-Erde durch Kompostierung “aufzuladen”. Das gewonnen Endprodukt kann zu geringen Preisen an Bauern in der Umgebung als zusätzlicher Dünger zur Verfügung gestellt werden. Man könnte auch ein Modell entwickeln, in dem Bauern Erntereste kostenlos gegen Schwarz-Erde tauschen können.

Finanzierung
Die Anschubkosten sind gering, hauptsächlich durch Vermittlung des Themas (Werbung) und Abstimmung der Abläufe zu einer Kreislaufwirtschaft.

Die Kosten werden locker eingespielt durch eine effektive Gegensteuerung zum Klimawandel und der dadurch “eingesparten” Kosten auf Grund von weniger Überschwemmungen, Ernteausfällen, Extremwetterlagen… etc.

Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Einnahmen durch fruchtbare Böden und dem unbezahlbaren Erhalt unserer “Lebensgrundlage”.

Quellen
https://www.4p1000.org


https://soilsolution.org/watch-the-film/
http://www.ithaka-journal.net/

Ergänzung
Dieses Thema könnte als Leuchtturm-Thema verwendet werden: “Wir schaffen den Klimawandel ab.” Zur Europawahl könnte das Thema als Schnittmenge zu Kooperationspartnern genutzt werden, um große Medienwirksamkeit und eine gemeinsames erstes Ziel zu finden!


Die Kohlenstoffspeicher der Böden wieder auffüllen
Interessante Veranstaltungen für Interessierte in SH
#2

Das ist ganz sicher eine gute Sache , wenn auch nicht ganz neu . Die DDR-Landwirtschaft hatte schon vor über 4 Jahrzehnten das selbe Problem mit dem Auslaugen der Böden und ist dem begegnet , in dem sie alle paar Jahre etlichen Flächen “Urlaub” durch Brache oder Zwischennutzung oder Fruchtwechsel und wo das alles nicht effektiv genug war , hat man eine Saison Lupinen angebaut und als sogenannten “Grün-Dung” untergepflügt . Das würde nicht 4 Promille oder 1 Prozent , sondern sogar bis zu 20 % und noch mehr in der Kombination mit dem o.g. Verfahren . In der Westukraine schafft das schon seit Jahrhunderten echte Schwarzerde , trotz relativ intensiver landwirtschaftlicher Nutzung der Flächen .


#3

Haste Recht, ganz und gar nicht “neu”. Im Amazonas wurde das vor 1000-500 Jahren angewendet :slight_smile: und dann wieder vergessen.


#4

Ich sag´s ja : nicht ganz neu :smile:.

“vergessen” ist hier vielleicht nicht ganz richtig . Intensivierung ,Effektivierung , seit Neuerem noch “Wissenschaftshörigkeit” und “Technikhörigkeit” sorgen kurzfristig für Ertragssteigerungen , aber haben langfristig eben diese negativen Auswirkungen .
Bei den Wäldern hat man durch (fast)Nichtstun auch vor etwa 40-30 Jahren das Sterben stoppen und eine tolle Erholung geschafft , Allerdings brauchte es vieler sinnvoller technischer Anlagen in Schornsteinen und Abschaltungen untauglicher Anlagen .


#5

Gründüngung ist altbekannt, wird zur Anreicherung von Stickstoff u. a. m. im Boden jedem Kleingärtner empfohlen und auch in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. Das Besondere an dieser Schwarzerde ist wohl der Anteil Kohle aus Pflanzen, die dann so viel CO2 binden kann, dass das dann die Erderwärmung aufhalten könnte.
Wie klein muss ich da die Grillkohle kriegen, dass ich sie bei uns ins Beet geben kann :wink:?

Also, das scheint ja so einfach zu sein, und die Effekte sind ja belegt, das sollte doch kein Problem sein, die Gemeinden und die Landwirte zu überzeugen?! Ich bin es bereits.

Hauptsächlich wird man wohl sich darauf konzentrieren müssen, die jeweils lokal bestehenden Möglichkeiten auszuloten, wo die Pflanzenkohle hergestellt und die weitere Aufbereitung erfolgen und wie das Produkt dann ausgebracht werden kann.

Wenn ich es mir recht überlege… ich möchte gerne mitinitiieren :blush:


#6

Liebe @marasita , das Problem ist wohl , dass es nicht während dem Fruchtstand funktioniert und sich heute niemand leisten kann oder will , für eine ganze Saison auf jeglichen Anbau/Ertrag zu verzichten . Deshalb knallt man dann lieber einen teuren Chemie-Cocktail in den Boden , natürlich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen . Nur Biohöfe dürfen dies nicht - allein dies zeigt schon , dass offenbar auch Jede/r an verantwortlicher Stelle weiß , wie gut dieser Cocktail ist und wie wichtig der Verzicht darauf .


#7

Hallo Marasita, klassische Grillkohle aus dem Supermarkt sollte da lieber nicht verwendet werden, denn sie beinhaltet durch den Herstellungsprozess teilweise noch Schadstoffe. Ich frage nochmal bei einem Bio-Chemiker und Experte für Terra Ptreta nach, wo der genaue Unterschied liegt und beschreibe dies dann nochmal hier, sobald ich die Info habe.

Klasse!:+1: Das freut mich sehr :smiley:


#8

Was bedeutet Pflanzenkohle, ist nicht jede Kohle pflanzlich?

Zumindest so lange bis sie mit irgendwelchen Chemikalien versetzt wird, aus welchen Gründen auch immer?


#9

Das “Zauberwort” ist hoher Druck+Temperaturerhöhung und Abschluss von Sauerstoff . Ein technisches Verfahren setzt auf diesen Vorgang auf , der ja bekanntlich millionen Jahre von Pflanzen zur Kohle brauchte : https://de.wikipedia.org/wiki/Hydrothermale_Karbonisierung
Dieses Verfahren ist übrigens auch eine prima Möglichkeit zur Energiegewinnung für Regionalversorger ; nahezu ohne Schadstoffemission . Aber manchmal ist es auch besser , die Natur einfach nur machen zu lassen , um die Ökobilanz wieder “gerade zu rücken” .
Da sind wir auch gleich wieder beim Ressourcenschutz und ökologischer Landwirtschaft ; ist aber auch nicht ganz neu , dass Klimaschutz auch damit in direktem Zusammenhang steht .


#10

Vor 30 Jahren fuhr ich Ende September durch Frankreich und wunderte mich über Stunden viele brennende Stoppel-Felder dabei zu entdecken. Diese Praxis gab es in Deutschland schon nicht mehr. Sie diente der Düngung.
Dabei konnte man aus 30km Entfernung große schwarz-graue Wolken gen Himmel ziehen sehen. Ich, damals grün angehaucht, dachte “Wie rückständig!”
Tatsächlich wurde diese Praxis verboten. Und die Düngung übernahmen Erzeuger neuer Produkte, gegen die es inzwischen mehr als Vorbehalte gibt.

Ich finde diese Initiative von Stephan (Lea und Regine) sehr wichtig, sie ist leicht nachvollziehbar und logisch.
Schont die Umwelt und muss nicht oder kaum subventioniert werden. Das ist nachhaltig :luv:


#11

eine sehr gute unterstützenswerte Initiative, vielen Dank dafür.


#12

Wichtig bevor Missverständnisse entstehen:
Terra Preta darf nicht mit Brandrodung zum Ziel der Düngung verwechselt werden. Bei Terra Preta wird zwar auch Biomasse “verkohlt” (merke: Biomasse wie z.B. Schnittzeug von Städtischen Betrieben, die bei klassischer Verrottung CO2 und Methan frei setzt - oder sowieso verbrannt wird).

Stattdessen geschieht die Verkohlung aber gezielt unter Sauerstoffabschluss (und damit vermutlich ohne die beschriebenen schwarz-grauen Wolken) und sie wird nur zu ca. 10% mit Kompost und anderer Erde gemischt und damit “aufgeladen” bevor sie nach ca. 1-2 Monaten Kompostierung fertig ist zum Ausbringen auf den Feldern. Über den optimalen Zeitpunkt der Ausbringung kann ich mich nochmal informieren.


#13

Ich habe gerade noch oben 2 Quellen ergänzt:


http://www.ithaka-journal.net/


#14


#15

Da an andere Stelle die Frage zur CO2-Speicherung nochmal aufkam:

Allein die Kohle als Träger-Substanz “puffert” quasi schon CO2, dass ansonsten verrottet oder verbrannt wäre. Wichtig: CO2 entsteht beim Verrotten genauso wie beim Verbrennen, beim Verrotten sogar noch zusätzlich Methan, das viel klimaschädlicher ist (25 mal so stark wie CO2). Und beim zweiten Schritt des Kompostierprozesses (Mischung Kohle und Bioabfälle) werden eben genau CO2 und andere Gase in der dann entstehenden Erde gebunden - und zwar in der Kohle aber hauptsächlich auch dem organischen Anteil im Humus (der bei Terra Preta etwas 3 mal so hoch ist wie beim klassischen Kompostieren). Der dritte Vorteil ist dann, dass durch die Verbesserung der Fruchtbarkeit des Bodens wiederum mehr CO2 durch die zusätzliche Photosynthese in den Pflanzen selber gebunden bleibt.

Zusammenfassend alle CO2 Senken bei der Steigerung der Bodenfruchtbarkeit mit Terra Preta:

  1. Kohle (der Kohlenstoff als Trägersubstanz) - Mengenmäßig 10%
  2. Kohle (in der Kohle gebundenes gasförmiges CO2 oder andere Klimagase = Akku-Effekt)
  3. Humus (in der organischen Substanz gebundener Kohlenstoff-Anteil bis zu 60%)
  4. Pflanzen (durch Fruchtbarkeit erhöhte Pflanzenaktivität über der Erde mit Bindung & Umwandlung von CO2)

Hier ein Auszug dazu aus dem Wikipedia-Artikel zu Humus:


#16

Ich würde gerne zwei Ergänzungen anbringen, die ich aus dieser Stellungnahme des Landwirtschaftsministeriums habe:

Es ist fast das gleiche, aber es geht wohl darum, den gebundenen Kohlenstoff im Boden jährlich um 4 Promille zu erhöhen, nicht dass man sich nur mit 4 Promille der Fläche beschäftigt.

Es geht wohl generell um Maßnahmen, den Kohlenstoffgehalt im Boden zu erhöhen, also um mehr als nur die Schwarzerde, auch z.B. um den Erhalt von Mooren und Dauergrünflächen. Könnte man die Ini in der Hinsicht noch etwas breiter fassen?

Ansonsten müsste nach meinem Verständnis von Energieerhaltung erst einmal auf den Energiegehalt dieser Pflanzenkohle (und der ganzen anderen Stoffe, die in die Erde wandern) verzichtet werden, oder? D.h. kurzfristig hätte man eine “Energieinvestition”, die sich aber durch erhöhte Erträge wieder auszahlen sollte?


#17

Hallo,

ich heiße Armin Siepe. Stephan Enge hat mich zu dieser Initiative eingeladen, die ich sehr unterstütze! Bin Biologe & Bodenkundler und kümmere mich um guten Boden, Schwarzerde, Terra preta und Pflanzenkohle. Führe besonders im Raum Karlsruhe viele Aktionen dazu durch, mit wachsenden Gruppen von Interessierten. Stephan ist sehr aktiv und unterstützt das Vorhaben intensiv, jetzt auch durch diese Initiative. Herzlichen Dank an Stephan!

Kann gerne zu Fragen Auskunft geben, soweit ich weiß.

Z.B. Verwendung von Grillkohle für Schwarzerde: ist in den meisten Fällen nicht geeignet:

  • Herstellen von Grillkohle lädt sie oft mit organsichen Schadstoffen - “Polizyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen PAK” auf - hoch giftig, Krebs-erregend und oberhalb von sehr engen Grenzwerten verboten. Außerdem Teere und Öle. Verseuchen den Boden und belasten Pflanzen und Nahrung, die drauf wachsen. (Beim Grillen verbrennt das wieder, man soll aber Grillgut auch nicht in den Rauch legen!)
  • Pflanzenkohle für den Boden wird nach bestimmten sauberen Verfahren hergestellt. Zertifiziert nach dem “European Biochar Certificate EBC”, das für Schadstoff-Freiheit oberhalb von engen Grenzwerten und weitere wichtige Krierien sorgt. Ergibt gute, getestete und kontrollierte Kohle.
  • Grillkohle wird oft durch Raubbau an wertvollen Ur- / Wäldern hergestellt (Ost- / Nordeuropa).
  • EBC-Pflanzenkohle achtet auf Natur-verträgliche Herkünfte, z.B. Restholz aus Baumschnitt, das ohnedies anfällt - kein Waldfrevel.
  • Außerdem nach EBC kurze Trasportwege - nur max. 60-80 km Umkreis. Grillkohle wird z.T. kreuz u quer durch Europa transportiert, dann negative Kilmabilanz
  • In Hannover gibt es Sanierungsfall in Schrebergärten, weil gewissenloser Hersteller den Leuten schlechte Kohle “unter gejubelt” hat. Wir brennen gute Pflanzenkohle nach EBC in Initiativgruppen selber, auch gibt es Hersteller von zertifizierten Anagen, die gute Kohle für den Boden produzieren.

Haben eine Diashow im Nachhaltigkeits-Netz Baden-Württemberg. Hier der link (falls man links einstellen darf - hoffe es klappt):

https://www.n-netzwerk.de/n-aktionen/Terra%20preta%20-%20Schwarzes%20Gold%20der%20Indios/4725/

Soviel für jetzt - Beste Grüße Armin


#18

Herzlich Willkommen hier auf dem Marktplatz (MP) ; hoffe Du bleibst auch über Dein Kernthema hinaus .

Also was ich jetzt verstehe : es geht darum , etwas herzustellen , was den Boden verbessert und gleichzeitig etwas CO2 im Boden bindet , was sonst in der Luft landen würde ; sei es durch Verbrennen (schnell) oder Verrotten (langsam) . Was mich jetzt interessieren würde , ist dieser Herstellungsprozess . Kannst Du bitte mit einfachen Worten aufschreiben , wie viel welcher Grundstoffe in welchem Verfahren zu wie viel Endprodukt unter welchem Energieaufwand und in welcher Zeit umgewandelt wird .
Ich gehe mal davon aus (nach meinem unwissenschaftlichem Verständnis) , dass das unterpflügen von Bioresten/-abfällen hätte ja vermutlich einen ähnlichen Effekt auf die Humusbildung , nur eben in etlichen Monaten , die wir den ausgelaugten Flächen dann ja Ruhepause verordnen müssten - hat man ja früher so gemacht .


#19

Hallo Simon,

zum Thema “Enrgie-Investition”: Alle Nahrung = Pflanzen entnehmen wir dem Boden, entziehen dem Boden also permanent Energie & Nährstoffe. Tier-Nahrung ebenso, denn die Tiere wurden vorher mit Pflanzen gefüttert. Weitere Nutz-Pflanzen ebenso: Brenn- und Bauholz u.v.a.m. Ununterbrochen und peramenter Entzug aus dem Boden. Böden gehen so langsam (oder auch schnell) in die Knie. Wir holen immer mehr und mehr. Biogas - Tank statt Teller - alles aus den Böden entzogen. Wir saugen aus und saugen leer!

Wir können nicht nur nehmen-nehmen-nehmen. Müssen den Böden auch was zurück geben. Ja, darum diese “Energie-Investition”. Wir geben dem Boden nur was davon zurück, was ihm vorher entommen wurde. Der Boden hat investiert, zusammen mit Wasser, Sonne, Pflanzen - nicht wir!

Chemie - Dünger- Spritzmittel erweisen sich immer mehr als Irrweg (Klimaschaden, Insekten- & Voglsterben, Artenschwund, Landschafts-Monotonie u.u.-u.). Dünger baut Humus ab - der geht als CO2 ebenfalls in die Luft. Was die Meisten nicht wissen: 25 % des Klimagases stammt aus der Landwirtschaft und Bodennutzung.

Schwarzerde-Kulturweise ist seit 8.000 Jahren erprobt - Raba: ja - gerade gut, daß es nicht “neu” ist - drum wissen wir, daß es langfristig funktioniert! So geben wir den Böden wieder Humus zurück. Binden Kohlenstoff aus der Atmosphäre und machen Böden fruchtbarer. Aber damit lässt sich nicht das schnelle Geld für wenige große Firmen-Konzerne verdienen (im Unterschied zur Chemie). Drum wird´s systematisch unterdrückt.

Aber die einzelnen Bauern - Initiativen - Menschen am Rand der Existenz, besonders im Gloalen Süden haben was davon. Unsere Leute ebenso. Nicht das große Geld für big business, sondern das Leben der großen Zahlen an Menschen ist wichtig.

Die Initiative von Stephan unterstützt das!

Grüße Armin


#20

Ja Raba, danke für den Wilkommensgruß - Grüße auch Dir zurück!

Beschreibe gerne näher - geht nur nicht “mal eben zwischen Tür & Angel”. Vorschlag - erster Aufschlag: Schau Dir die Dias in meinem link s.o an.

  • Du siehst “Brennen Kohle in einer Grube”. Grube ist wichtig für die Brandführung zu guter Kohle, kann ich später genauer erklären.
  • Paar Aktive können an einem Tag (einfache, und doch ausgefeilte Technik) bis zu 1.000 ltr. Kohle brennen. Aber auch kleinere Mengen sind schon sehr gut.
  • Mischen mit Nährstoffen auf einer Miete (mit Folie) = Kompostierung. Gibt bis zur 10-fachen Menge Humus. Selbst 50 ltr. Kohle ergeben schon 500 ltr. Kompost
  • Kompost ist natürlich bekannt - uralte Grten-Landwirtschaft-Technik. 10 % (gute, saubere!) Kohle dazu ist ein entscheidendes “add-on”.
  • Die Kohle bindet Nährstoffe, die sonst mit dem Regen ausgewaschen werden oder in die Luft verschwinden (Müffel-Geruch auch;-). Kohle alleine nützt nix. Aber “aufgeladene” Kohle im Kompost ist wie ein Akku, der den Pflanzen Nährstoffe zur Verfügung stelllt, wenn sie sie brauchen.
  • Du siehst Ausbringen der Roh-Terra-preta (Kohle-Kompost) auf Humus-armem Acker (ganz heller Boden!), in Gärten und Hochbeeten.
  • Beispiele für hoch wüchsige Pflanzen - mehr dazu kommt später noch.

Wir haben Projekt in Süd-Portugal. dort harte, total ausgelaugte Böden - karge Landschaft, Brände, Landflucht. Haben innerhalb von 3 Monaten - Februar - Mai 18 - höchste Fruchtbarkeit auf Versuchsfeldern erzielt. Nahrungspflanzen wurden 6x so groß und schwer (gemessen, gewogen, dokumentiert). Und das ist erst der Anfang. Ziel sind nicht einfach nur große Pflanzen - Ziel ist guter Boden. der ernährt dann auch die Pflanzen. Das System vom Anfang her heilen. Kann Kunstdünger nicht - der presst nur das Letzte aus dem Boden und hinterlässt Wüste.

Bereiten weitere Projekte im Süden vor - aber natürlich auch bei uns.Läuft grad mega viel dazu. Kommenden So. 24. 06. haben wir ein “Schau-Brennen” für Interessierte nahe Karlsruhe.

Nützt Dir das für den ersten Aufschlag?

Beste Grüße in die Nacht! Armin