Impfen - Position und Maßnahmen zur Verbesserung des Impfschutzes

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Eine Initiative von: @megaera, @Gerald, @Surfista
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Redaktionsschluss: Bald

Einleitung:
Für eine Verpflichtung der Gesellschaft, ihre schwächsten Mitglieder durch Impfungen vor gefährlichen Infektionskrankheiten zu schützen

Problembeschreibung:
Da die Impfung ein wichtiges Mittel zum Schutz gegen Infektionskrankheiten ist, muss dringend erreicht werden, dass die Lücken im Impfschutz geschlossen werden. Denn mit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch Menschen, die sich nicht impfen können. Diese Personengruppen gehören zu den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft und verdienen besonderen Schutz.

Säuglinge und Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr können nicht geimpft werden. Sie sind also darauf angewiesen, dass die Menschen um sie herum geimpft sind. So kann eine Infektion sich nicht ausbreiten und auch ungeimpfte Menschen genießen so ein gewisses Maß an Sicherheit. Kurz nennt man das Herdenimmunität. Damit diese gegeben ist, müssen nach aktuellem Stand der Forschung mindestens 95% der Mitglieder einer Gesellschaft geimpft sein.

Dem Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit steht also die Verpflichtung einer Gesellschaft gegenüber, sich selbst und insbesondere ihre schwächsten Mitglieder vor Schaden zu schützen. Das ist der eigentliche Hauptaspekt dieser Initiative. Denn man könnte argumentieren, dass jeder Mensch selbst entscheiden soll, ob er sich schützen möchte. Viele wissen aber leider nicht, dass sie mit dem Schutz für sich selbst auch einen Schutz für Andere aufbauen.

Die Forschung hat zu wirksamen und bewährten Impfstoffen geführt, deren konsequenter Einsatz nicht nur einen wirksamen Schutz darstellt, sondern sogar geeignet sein könnte, einzelne Krankheiten komplett auszurotten.

Der fehlende Impfschutz hat entscheidende Folgen:

  • Säuglinge und Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr werden einem erheblichen Risiko ausgesetzt, an einer gefährlichen Infektionskrankheit zu erkranken
  • Der mangelnde Impfschutz kann zu Epidemien führen, die unsere Gesundheitssysteme erheblich belasten würden. Über die Gesamtbevölkerung gesehen würde dies zu weit mehr und schwereren Schäden führen, als durch Nebenwirkungen durch die Impfung zu befürchten wären
  • Es wird viel Geld für Aufklärung und Motivation ausgegeben, das man auch sinnvoller verwenden könnte
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich das Ziel gesetzt, beispielsweise die Masern bis 2015 auszurotten. Das ist leider gescheitert, da in Europa und insbesondere in Deutschland durch den vernachlässigten Impfschutz die Krankheit nicht ausreichend eingedämmt werden konnte

Da die bereits laufenden Aufklärungskampagnen nicht zum erhofften Ergebnis führen und Deutschland entscheidende Lücken im Impfschutz nicht schließen kann, muss eine Möglichkeit geschaffen werden, den erforderlichen Schutz zu gewährleisten.

Wir schließen die Impfpflicht daher nicht kategorisch aus und sehen sie als letztes Mittel, um den wichtigen Schutz für die Gesellschaft zu gewährleisten. Vielmehr ist uns wichtig, dass bei der Einführung einer Pflicht Sorgfalt und Verhältnismäßigkeit oberstes Gebot sind.

Leider wird dieser Schutz aus unterschiedlichsten Gründen nicht so in Anspruch genommen, wie es erforderlich wäre. Es gibt Vorbehalte, die mit genereller Skepsis gegen die Pharmaindustrie zusammen hängt. Transparenz und Aufklärung sollten tatsächlich weiter verbessert werden. Jedoch darf dies nicht Argument sein, durch eine Verweigerung der Impfung Schutzbedürftige zu schwächen.

Dazu kommt, dass einer durchlebten Krankheit von gewissen Kreisen gewisse positive Eigenschaften zugesprochen werden und Kinder angeblich gestärkt aus der Krankheit hervorgehen. Eine solche Denkweise lehnen wir komplett ab. Das geht in Richtung “Überleben des Stärkeren”, was in keiner Weise mit unseren Prinzipien vereinbar ist.

Forderungen
Die Gründe für die Verweigerungshaltung bestimmter Gruppen bezüglich Impfungen sind vielfältig und in einem teilweisen oder vollständigen Verlust der Glaubwürdigkeit der medizinischen Organisationen und in manchen Fällen sogar der wissenschaftlichen Methode an sich begründet.

Um dies auszugleichen wäre ein erster Schritt, die Aufklärung zu diesem Thema durch die Hausärzte, Kinderärzte und Hebammen weiter zu intensivieren. Das Verbreiten von erfundenen und nicht nachvollziehbaren Falschaussagen (Fake Facts) muss bekämpft werden. Hierzu werden weitere Initiativen angestoßen.

Die Aufklärung über die Wichtigkeit des Impfschutzes muss eine verpflichtende Leistung von Hausärzten und Geburtspfleger*nnen (Hebammen) werden. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Aufklärung dem aktuellsten Stand der wissenschaftlichen Forschung entspricht.

Wir fordern, dass zusammen mit dem Mutterpass eine Broschüre des Robert Koch Instituts (RKI) zum Thema Impfen ausgehändigt wird. Im Rahmen der Untersuchung U2 soll eine Aufklärung stattfinden, deren Durchführung die Eltern schriftlich bestätigen.

Sollte dies nicht zu einer Verbesserung führen, bekennen wir uns dazu, dass wir den Schutz von Säuglingen und anderen aus medizinischen Gründen nicht impfbaren Bevölkerungsgruppen als wichtiger einschätzen, als das persönliche Recht Einzelner, die Impfung zu verweigern.

Das bedeutet, dass alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden sollen und unter Umständen auch neue Mittel geschaffen werden sollen, um die Verweigerung einer Impfung geeignet zu sanktionieren.

Idealerweise soll eine Pflicht zur Impfung eingeführt werden, falls die vorangegangenen Maßnahmen nicht zur Schließung der Impflücken führt. Aufgrund der aktuellen Rechtslage und aktiver Desinformation ist dies im Moment weder durchführbar noch angeraten. Sollten die erwähnten Maßnahmen jedoch nicht zum Erfolg führen, werden wir uns für die Pflicht einsetzen.

Da auch zur Ausgestaltung einer solchen Pflicht viele Falschinformationen ein Schreckensbild suggerieren, möchten wir darlegen, dass wir einen Unterschied zwischen Pflicht und Zwang sehen. Es geht nur um eine Pflicht, es wird also niemand gezwungen, sich impfen zu lassen.

Wir streben strenge Voraussetzungen an, die für eine Pflicht zur Impfung gegen eine Krankheit gegeben sein müssen:

  • Es muss sich um eine Krankheit handeln, deren konkrete Gefährlichkeit erwiesen ist
  • Eine Ansteckungsgefahr ohne Impfung muss bestehen
  • Die Impfung muss nachweislich schützen
  • Die zu befürchtenden Schäden durch die Krankheit müssen erheblich gravierender sein, als die Nebenwirkungen der Impfung

Dazu soll eine unabhängige Kommission für jede Impfung beurteilen, ob eine Pflicht erforderlich ist.

Zum Nachweis des Impfschutzes füllt ein Arzt ein Formular aus, in dem die entsprechenden Impfungen bestätigt werden. Alternativ bestätigt der Arzt, dass eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist. Auf diese Weise erhalten Dritte nicht Einblick in das Impfbuch.

Geprüft wird beim Eintritt in Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schule, Universität, etc. Dies gilt auch für entsprechende private Einrichtungen. Zusätzlich wird bei der Einstellung durch öffentliche Einrichtungen geprüft.

Der Zugang zu Kindergärten (öffentliche und private) ist bei fehlendem Nachweis nicht möglich und der Zugang zur Schule wird bei fehlender Impfung verweigert, falls im Einzugsgebiet der Schule ein Krankheitsfall auftritt. Zur schnellen Überprüfung im Ernstfall soll eine Kopie in die Schülerakte aufgenommen werden.

Die Pflicht zur Impfung soll weder einen Zwang ausüben, noch harte Strafen beinhalten. Sie bedeutet hauptsächlich ein klares Bekenntnis der Gesellschaft zur Wichtigkeit der Impfung und eine dringende Aufforderung, sich impfen zu lassen.

Diskussion:

Es ist fraglich, ob eine Pflicht oder Sanktionen rechtlich umsetzbar sind. Allerdings ist ja der Sinn von Politik, diese Dinge zu regeln, also auch eventuell entsprechende Rechtsnormen zu ändern. Selbst wenn sich eine Pflicht oder Sanktion rechtlich nicht umsetzen lässt, bekennen wir uns dazu, dass wir es versuchen wollen. Uns geht es um das Signal, dass individuelle Freiheit, sich nach aktuellem Stand der Wissenschaft unvernünftig zu verhalten, kein größeres Gewicht haben sollte, als der Schutzanspruch der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft.

Es gibt von Seite des RKI auch Vorbehalte gegen eine Impfpflicht. Diese hängen damit zusammen, dass man radikale Impfgegner nicht zu Zitat “Märtyrern” machen möchte. Diese Bedenken nehmen wir ernst und werden mit weiteren Initiativen daran arbeiten, dass die Gründe, Impfungen radikal zu verweigern, geprüft und deren Ursachen behoben werden.

Es wird auch Kritik an der Arbeit des RKI und des für Nebenwirkungen zuständigen Paul Ehrlich Instituts geübt. Die Kritik ist überwiegend äußerst unsachlich und radikal und hat dazu geführt, dass diese Institute mittlerweile nur noch sehr zurückhaltend kommunizieren. Skepsis ist angebracht und Transparenz unbedingt erforderlich, aber die pauschale Ablehnung staatlicher Einrichtungen passt nicht zum Selbstverständnis von DiB.

Quellen
Etliche Threads hier auf dem MP, weitere Quellen sind oben genannt.

Kosten

Den steigenden Kosten für die zusätzlichen Impfungen stehen sinkende Kosten für die Behandlung von Krankheiten gegenüber.

Finanzierungsvorschlag

Kostenneutral.

Arbeitsweise

Alle Aspekte wurden auf dem Marktplatz diskutiert und im Thread zur Initiative „Pro Impfen“ zusammen getragen:

http://marktplatz.bewegung.jetzt/t/fuer-eine-verpflichtung-der-gesellschaft-ihre-schwaechsten-mitglieder-durch-konsequenten-einsatz-aller-mittel-vor-gefaehrlichen-infektionskrankheiten-zu-schuetzen

Leider sind aktuell einige Themen verschwunden. Ich hoffe, @guido und sein Team kann das reparieren.

Argument der Initiator*innen

Das Bekenntnis zur Impfpflicht für uns wichtig, denn eine radikale Verweigerung einer Maßnahme, die schwache Mitglieder unserer Gesellschaft schützt und die grundsätzliche und radikale Ablehnung von Einrichtungen unseres Landes passen nicht zu den Werten unserer Partei.

Die Überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland möchte, dass eine Pflicht eingeführt wird. Die etablierten Parteien kommen dem nicht nach, wirkliche Gründe liefern sie nicht. Da Impfgegner*nnen sehr radikal auftreten, liegt die Vermutung nahe, dass die Politik diese Auseinandersetzung scheut.

EDIT: Die aktuelle Fassung steht jeweils hier:

Dort könnt ihr auch direkt kommentieren oder Änderungen vorschlagen.

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Nein, das waren dann vermutlich Threads oder Beiträge von Personen, die inzwischen hier auf dem Marktplatz gelöscht sind. (siehe dazu auch §5.4 und §5.5 unserer Datenschutzerklärung)

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Auf die Gefahr hin, kleinlich zu wirken, die Formulierung

ist nicht korrekt, besser wäre: Menschen die nicht geimpft werden können.

Man impft sich nicht selbst, sondern wird geimpft.

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Danke, irgendwann wird man blind für seine eigenen Texte. Ist angepasst, siehe aktuelle Fassung:

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was nicht unerheblich mit dieser Initiative zusammen hängt.

Erwartet von mir maximalen Widerstand.

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Das Thema polarisiert sehr stark und letztendlich geht es um eine Positionsbestimmung.

Auch wenn ich Befürworter der Impfung bin, bin ich doch skeptisch, was Big Pharma und gewisse Standpunkte angeht. Ich kann auch die Argumente nachvollziehen, die gegen die Pflicht ins Feld geführt werden.

Wir hatten ja seinerzeit eine lange Diskussion um Studien und Argumente, um Wissenschaft und Wissen und Glauben. Die Ini stellt einfach die Frage, wo DiB zu dem Thema steht. Sie zeigt die Probleme auf und nennt die Pflicht auch nur als letztes Mittel, flankiert von weiteren Maßnahmen und abhängig von vielen Bedingungen.

Also DiB: Wie hältst du es mit dem Impfen?

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Dies wiederspricht den Forderungen, wo du eine Kette von Forderungen aufzählst und die Verpflichtung das letzte Glied ist.

Vielleicht sollten die einzelnen Glieder der Kette in Form von SK abgestimmt werden, dann könnten wir sehen, bei welchem Paket der geringste Widerstand besteht.

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Nein, Impfen ist immer das Ziel. Der Impfschutz soll verbessert werden, so steht es im Titel und in der Ini.

Die Kette bezieht sich auf die Pflicht. Was wir alles vorschlagen, um die Pflicht zu vermeiden, ist die Kette.

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Ich würde das gerne mal am Beispiel Grippeimpfung durchspielen. Grippe ist potentiell tödlich, vor allem für alte und kranke Menschen. Die konkreten Auswirkungen variieren von Jahr zu Jahr, allerdings sind auch extreme Verläufe möglich (spanische Grippe mit Millionen Toten). Die Wirksamkeit der Impfungen schwankt ebenso, da es verschiedene Stämme gibt und diese mutieren.

Daher ist die allgemeine Praxis, bei der Grippeimpfung vor allem gefährdete Personen jedes Jahr zu impfen um deren Risiko zu reduzieren. Flächendeckende Impfung wird nicht angestrebt und das erscheint mir auch die richtige Abwägung. Würden die Kriterien der Initative zum gleichen Ergebnis führen?

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Ja, denn:

aber relativ selten, also

Und

Aber das letzte Wort hätten Spezialistis:

Was die Grippe angeht, wäre eine komplette Durchimpfung wahrscheinlich nicht gegeben. Es sei denn, es gäbe irgendwann die Chance, die Grippe auszurotten. Wie du schon geschrieben hast, aktuell nicht absehbar.

Aber es gab eben den Versuch, die Masern auszurotten. Und da hätte eine Pflicht geholfen. Denn danach hätte man nie wieder jemanden gegen Masern impfen müssen. Big Pharma könnte nie wieder Impfstoff verkaufen und auch keine teure Intensiv-Medizin. So wie bei den Pocken, bei Polio und bei der Pest. Hoffentlich irgendwann bei Ebola und HIV. Bei Masern ginge es, aber gewisse Kreise halten Masern für erstrebenswert.

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Ich habe etwas Probleme diese Initiative einzuordnen und den Mehrwert für DiB zu erkennen, weil hier eigentlich kaum Bezug zum bisherigen System genommen wird.

Hier einige Beispiele:

a) Die Frage, ob es nicht schon die Möglichkeit der Impfpflicht gibt. Es gibt das Infektionsschutzgsgesetz.

In diesem steht zum Beispiel folgender Absatz:

§ 20 Schutzimpfungen und andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe

(6) Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderenMaßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinischschweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist. Das Grundrecht derkörperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz) kann insoweit eingeschränkt werden. Einnach dieser Rechtsverordnung Impfpflichtiger, der nach ärztlichem Zeugnis ohne Gefahr für sein Leben oderseine Gesundheit nicht geimpft werden kann, ist von der Impfpflicht freizustellen; dies gilt auch bei anderenMaßnahmen der spezifischen Prophylaxe. § 15 Abs. 2 gilt entsprechend.

Damit ist doch schon eine Möglichkeit vorhanden.

b) eine unabhängige Kommission wird gefordert

Es gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) und das Robert Koch Institut. Gelten diese nicht als unabhängig oder warum wird darauf nicht Bezug genommen?

Das eine Komission alleine die Entscheidung treffen soll, lehne ich ab. Es kann nur ein gesellschaftliche Aufgabe sein, solche Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht zu gewähren. Das heißt eine gewählte Instanz, wie beispielsweise der Bundesrat, siehe a) muss dem zustimmen.

c) Vorraussetzungen zur Impfpflicht
Bei denen fehlt mir komplett eine Betrachtung der Verhältnismäßigkeit und der Sinnhaftigkeit. Beispielsweise würden zu

den jetzt genannten Bedingungen:

ja auch sämtliche Impfungen gehören, die für jeweilige Auslandsbesuche empfohlen werden beziehungsweise wie @JohannesH schon angemerkt hat, die Grippe die jedes Jahr auftritt. Das zeigt auch eigentlich, dass das Problem nicht in dem Feststellen einer medizinischen Notwendigkeit liegt, sondern eher in einer Abwägung zwischen Zwang und Freiwilligkeit. Das muss immer verhältnismäßig sein und darüber entsteht der politische Streit.

d) Bezug zu aktueller Politik, Beispiel Masernimpfung
Nächstes Jahr soll die Impfpflicht für Masern kommen.

Wenn nun die Frage lautet, wie steht DiB dazu, müsste die Antwort mit der obigen Initiative lauten:
Wir sind dagegen oder neutral.

Weder wird hier explizit eine Impfpflicht für die Masern gefordert, noch gibt es die Bewertung der unabhängigen Komission, die das entscheiden soll. Diese müsste ja erst gegründet werden.

e) Überbewertung von Deutschland und 95% Impfquote bei Masern

Das Argument scheint irreführend, wenn man sich die Grafiken anschaut:

Auftreten von Masernfällen:
https://www.dw.com/image/48104739_7.png
Quelle

Impfquoten:


Quelle

Wie man erkennt ist weder Deutschland bzw. Europa das Problem für die Ausrottung der Masern, noch ist die Impfpflicht eine Möglichkeit, die Masern in Deutschland schnell auszurotten, mit dem genannten Vorteil, gar nicht mehr Impfen zu müssen. Bei den Quoten der anderen Länder könnte man sich in absehbarer Zeit kein Wegfallen der Impfpflicht in Deutschland leisten, selbst wenn wir bei 95% stehen würden.

f) Quellen angeben
Bei so zentralen Thesen wie diese

sollte man schon mal eine Quelle angeben. Überwiegend wäre für mich mehr als 66%…

Das ist ja mit dem Verweis auf die „geplante“ Einführung der Impfpflicht bei Masern ja widerlegt. Sollte so vielleicht auch nicht in der Initiative stehen. Aus Brandenburg liegt ebenfalls ein Antrag dafür vor, seit diesem Jahr.


Abschlusskommentar:

Für mich ist diese Initiative schwer fassbar weil sie soviel zusammenwirft, was separat abgestimmt werden sollte. In diesem Sinne würde ich es sehr begrüßen, wie @BuergerJochen es vorgeschlagen hat, den Inhalt zu konsensieren. Für mich ist eine Verbesserung der Aufklärung von Impfungen relativ kritiklos, anders als jegliche Form von Impfpflicht, die stark diskussionswürdig ist.

Ich sehe in der Initiative weder ein stichhaltiges Maßnahmenpaket für mehr Aufklärung (denn dann würde bei den Kosten auch was dazu stehen), noch für eine eindeutige Aussage gegenüber einer Impfpflicht im generellen oder konkreten Fall (wie die Masern). Aber das kann sich ja nach der Kritik ja noch ändern.

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Beim Thema Impfen geht es hauptsächlich um die Darstellung der eigenen Überzeugung.

Die Ini ist komplex, weil das Thema komplex ist. Einzeln würden diese Maßnahmen wenig sinnvoll sein. Wir haben alles zusammengetragen, was uns sinnvoll erschien, um die Impfquote zu erhöhen. Falls ihr weitere Ideen habt, wie man ohne eine Pflicht die Quote erhöhen könnte, verratet sie uns.

Wir haben bei der letzten Debatte um das Thema auch eine Schlacht um die Interpretation diverser Studien, Grafiken, Aussagen geführt. Wir haben die Glaubwürdigkeit und die Probleme der Wissenschaft diskutiert und so weiter und so fort. Ich halte also die Diskussion um die Glaubwürdigkeit einzelner Quellen bei diesem Thema für nicht sinnvoll. Das hatten wir schon.

Wir haben auch eine Konsensierung durchgeführt, die allerdings wenig nützlich war.

Mit dieser Ini würde DiB sich dazu bekennen, dass eine Pflicht zur Impfung als letztes Mittel angemessen ist. Gleichzeitig zeigen wir auf, dass wir wissen, wie problematisch das Thema ist und alles versuchen wollen, damit eine Pflicht nicht erforderlich ist.

Am Ende vom Tag läuft es aber auf diese Fragen hinaus: Wiegt die persönliche Freiheit höher oder der solidarische Schutz von Schwachen? Glaubst Du der Wissenschaft oder misstraust Du ihr?

Die Frage kam auch im Wahl-O-Mat der letzten BTW und falls die Pflicht nicht vor der nächsten BTW eingeführt wird, wird sie wahrscheinlich wieder kommen.

Außerdem gibt es aktuell in den USA wieder verstärkt Masern und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das zu uns kommt: https://www.aerzteblatt.de/archiv/206323/Masern-in-den-USA-Impfraten-variieren-stark Zitat daraus: „Reisende und Impfgegner sind das Problem“

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Ist ergänzt. Die Ini spricht ohnehin fast immer von „Impfschutz“. Das schließt ja automatisch Nachimpfungen ein.

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Ich denke da an ein lebenslanges nachimpfen, was bisher gar nicht angeboten wird.

Deshalb sollten wir vielleicht auch fordern, die Impfstoffe einzeln anzubieten und nicht nur in der Dreierkombination für Kinder.

Naja, so komplex ist es nicht, wenn du selbst sagst:

Ich finde es ein wenig schwach alle Argumente damit abzutun. Mein Vorschlag wäre eher, die Initiative weniger komplex zu gestalten, im Sinne von:

"DiB bekennt sich dazu, dass eine Pflicht zur Impfung als letztes Mittel angemessen ist. "

Das ist doch eure zentrale Forderung, die in euren langen Text komplett untergeht. Auf die Anforderungen dazu geht ihr ja weder mit Quellen noch Gesetz ein. Denn das gibt es ja schon alles und die Frage ist doch, ob DiB dazu steht, diese Mittel auch zu nutzen.

Man kann natürlich, so wie jetzt, auch nebenbei von verbesserter Aufklärung schreiben. Aber ohne zu zeigen, mit welche „Maßnahmenkette“ (Ziel->Werkzeug->Budget) das erreicht werden soll, ist wohl auch Laien klar, dass hier nur wenig Interesse an dieser Verbesserung vorhanden ist.

Edit:

Naja, am Ende des Tages läuft es auf die Frage hinaus, ob eine Impfpflicht bei Krankheit xy den erwünschten Effekt erzeugen würde und ob es dadurch vertretbar ist. Eine Frage die hier in der Initiative auch nicht beantwortet wird.

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Das RKI gibt mit dem Impfempfehlungen doch auch aus, alle wieviel Jahre nachgeimpft werden muss, um den Schutz aufrecht zu erhalten.
Die Forderung, Impfstoffe einzeln anzubieten, finde ich gut.

Bei der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln wird das aber schlecht kommuniziert.

Gegen Röteln werden junge Mädchen nochmal geimpft, oder es wird der Immunstatus überprüft, wegen möglicher Komplikationen in der Schwangerschaft, ansonsten passiert da wenig, gerade bei Masern.

Auch in den Quellen, die hier genannt wurden, ist nur von den beiden Impfungen mit ein und zwei Jahren geschrieben worden.

Dafür spricht auch, das bei den Ausbrüchen in letzter Zeit viele älter als 16 waren und auch ein Anteil von 10 - 25% geimpft war.

Da besteht aus meiner Sicht eine Wissenslücke.

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So einfach ist es aber nicht. Ich bin großer Fan davon, Dinge einfach zu erklären. Aber hier liegt die Sache anders.

Die Ini will eigentlich keine Impf-Pflicht. Sie will, dass sich alle impfen lassen und sie will, dass wir alles versuchen, das zu erreichen. Sie sagt auch, dass es mit einer Pflicht Probleme geben könnte, aber dass wir im Zweifel hinter einer solchen Pflicht stehen würden.

Das hat auch nichts mit „abtun“ zu tun. Es ist einfach so, dass man es nicht immer allen Menschen recht machen kann. Politik ist immer eine Abwägung und es wird immer Menschen geben, denen eine Sache nicht gefällt - egal, was man macht.

Nicht nur da… daher finde ich ja die Bildung so wichtig. Mit besserer Bildung könnten wir uns mehr als die Hälfte der Sachen, die wir machen, einfach sparen.

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Zur Info

Impfkalender.pdf (67,0 KB)

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Danke für die differenzierte Darstellung in dem Ini-Entwurf.
+++ nicht als Moderatorin +++

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