Grundwerte zum Thema Mieten


#62

Ha! Da haben wir doch eine astreine Forderung! Also Gleichstellung von Selbstnutzung und “Kapitalanlage” - das wär was! Natürlich nur für die eigene Butze. Vielleicht auch nur für die erste. Aber warum eigentlich? Anlegers können ja auch beliebig oft davon profitieren.


#63

Miri, Wohnraum ist in Deutschland genügend vorhanden. Er ist nur falsch verteilt. Um Wohnraum zu vermehren, werden Grundstücke benötigt. Grundstücke sind nicht vermehrbar.
Man kann höher bauen, man kann sämtliche Grünflächen in der Innenstadt nachverdichten, man kann Parkflächen für Pkw mit Wohnungen überbauen etc. Welche Folgen hätte das?
Denk an die Wirkungen der Versiegelung der Böden. Denk an das Mikroklima in den Städten.
Soll der ländliche Raum noch weiter abgehängt werden indem immer mehr Wohnraum in den Ballungsgebieten oder deren Umland geschaffen werden?

Es ist ein Bündel an Maßnahmen erforderlich, um die Mietsteigerungen auf ein verträgliches Maß zu begerenzen.

Zu bemerken ist auch, dass solche Maßnahmen immer im Zusammenhang mit anderen Maßnahmen erörtert und beschloßen werden müssen.


#64

Gute Idee, aber doch knapp daneben. das würde nur wieder Gut bis besser Verdiener einen Vorteil verschaffen, die sich ein “Eigenheim” leisten können


#65

Keineswegs will ich mehr Fläche versiegeln. Ich denke, es gibt auch in den Städten noch Möglichkeiten Flächen zu nutzen, z B Industriebrachen, alte marode Mietshäuser die entweder saniert werden oder abgerissen und neugebaut werden könnten.

Auch Leerstände, die irgentwann luxussaniert werden sollen, dürfte es nicht mehr geben.

Die Regierung müsste nur konsequent handeln, zum Beispiel Häuser, die über einen längeren Zeitraum leerstehen und dem Verfall überlassen werden, enteignen.


#66

Ja, aber immerhin könnten sich so mehr Menschen eine Wohnung leisten.

Für diejenigen, die es nicht können oder wollen, haben wir ja die Genossenschaften identifiziert.

Was haltet ihr zusätzlich von denen hier: https://www.syndikat.org/de/


#67

Von der Idee her, sehr gut, wenn es denn gut organisiert ist und eingelegte Gelder nicht irgendwann futsch sind.
Vom gedanklichen Prinzip her ähnlich wie Bürgerenergiegenossenschaften oder Bürger-Boden-Agrar-Genossenschaften oder AGs wie z.B.

https://kulturland.de/

http://www.oekonauten-eg.de/

Da gibt es sicher noch viel mehr; sie müßten nur noch bekannter werden.
Alles was dem Gemeinwohl dient und dem turbokapitalistischen Markt Spekulationsobjekte entzieht, ist wünschenwert.


#68

@Kuki @Surfista

Die Mietervereinigung schreibt in Bezug auf die Verhandlungsverordnung: "Für gleichwertige Mietwohnungen sind gleiche Mietmieten erforderlich. Daher wird die Miete auf der Grundlage eines sogenannten Nutzwertsystems bestimmt. Das Nutzwertsystem bedeutet, dass sich die Miete nach Standard, Qualität und Service der Wohnung richtet. Eines unserer Ziele ist es, dass die Mieten in einem angemessenen Verhältnis zum Haushaltseinkommen stehen. Die Mieten sollten nicht stärker steigen als andere Preise in der Gesellschaft.

Das betrifft etwa 90% des Mietmarktes.
Es wird aber nicht mer gesetzlich geregelt sondern ein Verband regelt es.


#69

Es ist ein wenig komplizierter. Die Familien sind kleiner geworden und es gibt mehr Alleinlebende als vor Jahrzehnten. Der Wunsch nach kleineren Wohnungen ist gestiegen und diese sind nicht ausreichend vorhanden.
Quelle: Meine Arbeit bei der Stadt Tübingen bis 2015.

Also die bloße Attraktivierung ländlicher Gegenden und deren vorhandener Häuser wird nicht reichen. Die sind den meisten zu groß. Es sei denn, die werden irgendwie umgenutzt oder so.


#70

Hier ist ein Beitrag allgemeinerer Natur, doch zum Thema gehörig:

Millionen können sich Neubaumiete nicht leisten

Über @updayDE gesendet


#71

Danke, @MDK! Schwede müsste man sein :wink:

Das finde ich super und ich denke, wir sollten das aufnehmen.

Ich bin da sehr gespalten. Das Leben in der Stadt ist - klingt absurd - viel ökoligischer, als das Leben auf dem Land. Aber man könnte daran arbeiten, kleine Städte in der Nähe großer Städte mit besserer Infrastruktur auszustatten und als eine Alternative aufzubauen. Z.B. für Köln in Niderkassel im Süden. Man könnte Teile der Uni dorthin verlagern und Media - Parks, etc. fördern. Die Unternehmen und die Menschen profitieren von günstigeren Mieten und Köln wird ein wenig entlastet.

Im Artikel wird die “Mietbelastungsquote” genannt. Wenn man mal 27% ansetzt, könnte - wie in Schweden - ein Verband errechnen, was angemessen ist.

Und das Märchen, dass dann keine Wohnungen mehr gebaut werden, weil es sich nicht mehr lohnt, sollten wir scharf zurückweisen. Vonovia “presst” aus knapp 500.000 Wohnungen einen Gewinn von 4 Milliarden Euro. Da ist deutlich Luft nach unten. Und wenn BlackRock der Gewinn von Vonovia nicht mehr hoch genug ist, werden sie aussteigen, was in meinen Augen ein gutes Zeichen wäre.

DiB hat ja schon beschlossen, dass wichtige Infrastruktur in die Verwaltung des Staates gehört. Warum sollte man ein wichtiges Gut wie Wohnraum da ausnehmen? Ich habe das oben vorgerechnet. Würde der Staat die Vonovia betreiben und wäre jeglicher Gewinn ausgeschlossen, könnte jede einzelne Miete um 800 pro Monat (sic!) sinken. Wär das was?


#72

Warum genau ist das so? Und könnte man das dann nicht auch anders lösen als mit Landflucht?


#73

Siehe hier:

Ja, aber anders, als du das vielleicht möchtest :wink:

Wer kann, arbeitet dort, wo es schön ist. Morgens surfen, etwas arbeiten, mittags klettern, ein paar Meetings über Skype, Sonnenuntergang am Strand… :sun_with_face:


#74

Puh, ich wollte mich hier in diesem Thread gar nicht so sehr tummeln, um den anderen nicht wiedermal Beiträge zu klauen, aber der Artikel vom Cicero ist doch stark diskussionswürdig.

Ich sammle mal die (dürftigen) Aussagen zu deiner Argumentation.

Es sei der Städter, der unserer Umwelt mit seinem Lebensentwurf die meiste Erleichterung verschafft, verkünden nach dem Wirtschaftsprofessor Edward Glaeser aus Harvard nun auch Barbara Schaefer und Katja Trippel aus Berlin

Ein fundiertes Argument kann ich da nicht erkennen. Nur Aussage.

Denn, so Glaeser in „Triumph of the City“: „Städte machen uns reicher, klüger, grüner, gesünder und glücklicher.“ New Yorker etwa leben länger als alle anderen Amerikaner, Herzkrankheiten und Krebsraten seien in Gotham niedriger als beim Rest der Nation.

Ob wir mit dieser Aussage so viel anfangen können, wage ich zu bezweifeln.

In Sachen Klimaschutz sind wir Dörfler die wahren Asozialen: Auf dem Land ist der Zweitwagen einer Familie fast schon Pflicht, während das Auto in der Stadt vom Fahrrad als Statussymbol längst abgelöst wurde. Was die Tankstelle auf dem Land schluckt, kann in der Stadt für Theater und Kino ausgegeben werden.

Ja, dann müssen wir aber die Mobilität und das ganze Landleben verändern, so dass das Auto dort weniger wichtig ist. Und wenn es wichtig ist, muss es grüner angetrieben werden. Man kann dem natürlich auch mit Landflucht begegnen.

Nur Städte lehren Toleranz, die multinationale Zusammensetzung sei die Sache des Landlebens nicht, schreiben sie.

Hat nichts mit Ökologie zu tun. Aber auch das ließe sich durch andere Politiken vielleicht ändern. Wir dürfen aber auch erstmal die Frage stellen, ob es einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen “multinationaler Zusammensetzung” und “Toleranz”. So wie ich mal gelesen habe, trägt die sogenannte Kontakthypothese nicht sehr weit bzw. der Gegenpart dazu, die “Nichtkonktakthypothese” noch weniger.

(Zur Erläuterung: Kontakthypothese meint, dass dort, wo einheimische mit nicht-einheimischen Menschen in Kontakt kommen, die Toleranz höher sei. Die Nichtkonktakthypothese (mein Wort, weiß nicht, ob das im Fachjargon so heißt), sagt das Gegenteil: Dort, wo einheimische nicht mit nicht-einheimischen Menschen zusammenkommen, ist die Toleranz niedriger.)


#75

Ne, bitte tummel dich mal :sun_with_face:

Ja, aber es gibt auch fundiertere Analysen dazu. Vor vielen Jahren wurde das mal intensiv diskutiert und untersucht. Der Cicero - Artikel ist nur bei mir im Hirn hängen geblieben. Hast du auf das Datum geschaut? 2013.

Eigentlich geht es ja um den ländlichen Raum. Ich wollte argumentieren, dass man eine gewisse Größe braucht, damit nicht jede seine private Infrastruktur haben muss und man z.B. Glasfaserkabel zu einzelnen Berghöfen legt. Toll für die Bauindustrie, aber ansonsten komplett sinnfrei.

Für die Ini könnten wir den Aufbau von Wirtschaftszentren abseits der Metropolen als Ziel formulieren. Aber - ihr wisst, ich meine das nicht böse - oft sind die ländlichen Räume nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber “zug’reisten” oder “neig’schmeckten”. Auch wenn sie sich damit selbst schaden.


#76

Klingt nicht nur so, ist es auch. So eine pauschale Aussage läßt sich nicht treffen. Zudem kann man nicht so ohne Weiteres Analysen von Nordamerika auf Europa übertragen.
Das übrige hat @llkruegro schon dazu geschrieben.
Es ist natürlich klar: je weniger Infrastruktur noch vorhanden ist auf den Dörfern, umso mehr Wege entstehen.

Aber der Artikel-Autor betrachtet das ja am Ende auch differenziert und schreibt: Dass für jeden andere Prioritäten gelten und das Leben auf dem Land gegen das in der Stadt nicht aufzurechnen ist, für diese Erkenntnis muss man nicht Kurt Tucholsky heißen.

Ökologisch leben kann man überall - wenn man will! Selbstredend nicht mit dem gewohnten Status Quo.


#77

#78

Eigentlich handelt es sich hier um ein Menschenrecht (der zweiten Generation).

An dem Wort eigentlich kann man sehen, dass es die Regierung damit nicht so genau nimmt. Das Wohnen ein elementares Bedürfnis ist und die Wohnungsmieten nicht ins unermessliche steigen dürfen, weil Normalbeschäftigte sie ansonsten nicht bezahlen können, wurde und wird geflissentlich übersehen.

In den 80er und 90er Jahren haben viele Städte und Kommunen ihr “Tafelsilber” (Sozialwohnungen) verkauft, um schnell an Geld kommen, die Menschen mit geringem Einkommen zahlen die Zeche!

Achtung Sarkasmus
Das kommt jetzt völlig überraschend und war nicht vorherzusehen, :flushed: ups!


#79

Um die Idee mit den neuen Wirtschaftszentren aufzugreifen.
Diese kann man doch als Gegengewicht für eine Steuerung der Mietpreise verwenden. Die Mieten sind ja nur hoch, weil der Staat in diesen Metropolen seine Investitionen in Verwaltung, Universitäten und Kultur etc. ) konzentriert.

Das kann man doch mit einem gestuften “Mietpreisstopgesetz” ausnutzen:

Bsp.:
1.) Wenn die ortsübliche Vergleichsmiete Betrag X übersteigt wird die ortsungebundene Staatsverwaltung (z.B Bauämter …) aus der Metropole verlagert.

2.) Sollten die Mietpreise weiter steigen (oder nicht fallen) kann man ja sukzessive Ministerien, Gerichte, Fakultäten, oder ganze Unis verlagern und so die Mietpreise genau auf den gewünschten Wert einpendeln.

Südkorea hat das mit Sejong für Seoul schon gemacht.
Was denkt ihr ?


#80

so charmant das sein mag, wird wohl nicht mehr als ein kleines Planspiel sein.

In D gibt es so viele seit Jahrhunderten gewachsene Verwaltungsstrukturen und drum herum gewachsene Städte, das läßt sich nicht so eben auseinanderreißen. Und Platz für ein Brasilia oder ein Sejong haben wir auch nicht wirklich.

Außerdem transportiert es das Problem nur in die nächste Konglomeration, denn auch dort müssen Menschen wohnen. Wollen wir solche Trabantenstädte? Und was wird mit denen, die von diesen umzusiedelnden Einheiten ansonsten wirtschaftlich abhängig sind?

Ich glaube, daß es ausreicht, eine konsequente Handhabung von Fehlbelegungsabgaben, Zweckentfremdungsregeln und gesetzliche Vorgaben zur Mietpreisgestaltung zu haben und zusammen mit dem politischen Willen, Wohninfrastruktur zu schaffen und bezahlbar zu halten (über Art 14 GG, über städteplanerische Vorgaben und auch verkehrspolitische Eingriffe), um eine gerechtere Wohnraumverteilung herzustellen.

Die körperliche Anwesenheit von Verwaltungs- und Gerichtseinheiten etc. wird mit zunehmender Digitalisierung und abnehmender Bevölkerungszahl ohnehin zurückgehen. (ich weiß noch nicht, ob ich das gut oder schlecht finde…manchmal bringt erst der persönliche Kontakt das gute Ergebnis.)


#81

Danke für die schnelle Antwort.
Könnte man dem gerecht werden, indem man keine neue (Trabanten)stadt baut, sondern die Einrichtungen in Mittelzentren (ca 60.000 -130.000 Einwohner) in der Umgebung ansiedelt ? Deren Innenstädte veröden und könnten die Investitionen dringend brauchen.
Welche Verwaltungsstrukturen sinnvoll aufgeteilt oder als Ganzes umziehen können, muss man im Einzelfall sehen, aber da findet sich was.

Was wäre denn eine konkrete Alternative, wenn man niedrigere Mieten will ?
Mieten und Grundstückpreise sind nunmal umso höher umso mehr gute Jobs es in der Gegend gibt. Ich verstehe echt nicht wie Mietpreisbremsen und Zweckentfremdungsgeschichten daran was ändern können. Die wirken auf mich wie sozial klingende Ausreden nichts Wirksames zu tun. Lieg ich da falsch ?