Gründung einer "Jugendgewerkschaft"


#1

Aufruf: Ich suche Mitstreiter*innen? Expert*innen? Prüfer*innen
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Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Bearbeitungsstatus: Idee

Einleitung:
Es fehlt eine Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche, die deren Interessen vertritt und massiv an deren Durchsetzung arbeitet.

Problembeschreibung:
Aktuell gibt es mächtige Lobbyverbände wie die Industrie und der Philologenverband, dem die Kinder schutz- und machtlos gegenüber stehen.

Forderungen
Gründung einer “Jugendgewerkschaft”

Quellen
Aktuell streiken die Kinder für das Klima. Die Politik möchte diese Streiks unterbinden. Dagegen muss gehandelt werden, denn die freie Meinungsäußerung folgt zum Streikrecht. Dafür muss sich eine Interessenvertretung stark machen


#2

Gucken wir erstmal was es schon gibt, oder?

Kinderschutzbund und „wir kündigen“ zum Beispiel.


#3

Nennt sich sowas nicht bekanntlich Jugendamt?


#4

Das ist ein Witz, oder?

Ne, da gibt es zu wenig Beteiligung. Zitat von deren Website (Hervorhebung von mir):

Im DKSB haben sich Erwachsene zusammengeschlossen, die sich gemeinsam für euch […]
Wir sprechen mit Politikerinnen und Politikern über das, was sich Kinder wünschen[…]
Dort werden euch die Kinderrechte erklärt und ihr könnt euch über den DKSB informieren. […]

Und peinliche Werbung:

Gemeinsam mit der ROLAND Rechtsschutz Versicherung[…]

Das genügt mir nicht.

Ja, das ist es, danke. Das geht sehr in die richtige Richtung. Die Rechte von Gewerkschaften sind klar akzeptiert. Ich möchte, dass DiB per Ini fordert, dass z.B. der Jugendrat (oder etwas Ähnliches) einer Gewerkschaft gleichgestellt und öffentlich gefördert wird, da Jugendliche kein Einkommen haben, aus dem sich die Gewerkschaften ja finanzieren.


#5

Ich helfe dir, darüber nachzudenken. Jugendliche sind mein Forschungsthema. Aber wir brauchen unsere Jugendgruppe von DiB dafür. @Dat @Sabine @leon und viele andere.


#6

Danke!!!

Das wusste ich garnicht :flushed: Dann ist ja wissenschaftliche Begleitung gesichert :sunglasses:

Es fehlt jedenfalls eine schlagkräftige Organisation, die die Interessen der Jugend uneingeschränkt unterstützt und dafür eintritt.

Bei Gewerkschaften und Lobbyverbänden wird ja auch nicht gefragt, ob eine Forderung sinnvoll ist. Die versuchen, ihre Meinung durchzudrücken und die anderen Gruppen müssen dagegen halten. Nur die Jugendlichen haben keine solche Vertretung.


#7

Ich denke neben den reinen Protestaktionen, wie sie ja jetzt stattfinden, sind Jugendparlamente noch ein sinnvoller Ansatz:

Quelle: http://www.bpb.de/lernen/grafstat/partizipation-vor-ort/157328/kinder-und-jugendparlamente


#8

Ich pflege seltenst Witze zu machen. Wenn du was andern willst dann stärke das Jugendamt sorge für mehr Kompetenz. Vielleicht eine geeignette Abteilung.

Aber noch ein Amt und noch ein Amt und keines macht es richtig, und vorallem das Kompetenzgerangel dann wieder hilft überhaupt nicht. Es verursacht nur unnötig Kosten.


#9

Hallo Harry @Surfista, trau schau wem!

Die Generationenstiftung ist eine Gründung des Essener Unternehmensverbandes!

http://www.euv.de/generationenstiftung

Ich finde es verdächtig, dass sie auf dem Generationenvertrag rumhacken. Ich befürchte, dass ist ein erneuter Versuch, unser eigentlich bewährtes Rentensystem auszuhebeln und die Hasen (rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer*innen) den Köchen ( Banken und Versicherungen) in die Küche zu treiben.

Ziel ist die Senkung der Lohnnebenkosten und die Maximierung der Gewinne der Banken und Versicherungen zum Nachteil der Arbeitnehmer*innen. Mit einem Wort Lobbyismus pur.

Nun zum eigentlichen Thema:

Wenn es darum geht, die Kinderrechte zu stärken, bin ich ganz bei dir. Den Ausdruck Gewerkschaft finde ich in diesem Zusammenhang aber eher fehl am Platz, das könnte missverständlich sein, denn die Kinder sollen ja nicht anfangen zu arbeiten. :wink:

In der Tat hat @MDK im Grunde Recht, denn eigentlich sollten die Jugendämter für die Rechte der Kinder eintreten. Leider schaffen sie das nicht.

Vielleicht sollten wir die Einführung eines Kinderrechtsbeauftragten im Bundestag fordern, der die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention überwachen muss. Denn wie so oft liegt einiges im Argen.


#10

@miri und @mdk,

ich denke, was der Unterschied eurer Vorschläge (Jugendämter und Kinderrechtsbeauftragter) zu dem ist, was Harry (wenn ich es richtig verstehe) vorschlägt, ist, dass bei euren beiden Vorschlägen Erwachsene sich für Kinder einsetzen müssen. Harry aber will (vielleicht), dass sich die Kinder/Jugendlichen selbst organisieren können.

Aber ganz so ginge das ja auch nicht und deshalb meint Harry das bestimmt auch nicht ganz so. Aber Jugendämter und Kinderbeauftragte klingen eher so, als würden die aus der Sicht der Erwachsenen immer entscheiden, was richtig für die Kinder/Jugendlichen sei. Die Jugendlichen sollten aber viel mehr eingebunden werden in die Entscheidungen. Also so würde ich mir das zumindest wünschen.

Wie weit die Eindbindung gehen soll oder darf, weiß ich jetzt nicht. Es darf aber nicht über die Jugendlichen entschieden werden, ohne die Jugendlichen. Das ginge natürlich auch über Beteiligungsformate bei Jugendämtern etc.

Und man muss wohl auch noch unterscheiden zwischen Kindern und Jugendlichen. Das hauen wir hier gerade wild zusammen.


#11

Ich sehe nicht, dass es “die Interessen“ der Kinder und Jugendlichen gibt.

Beim Beispiel der “Schulstreiks“ wären die (Landes-)Schüler*innen-Vetretungen mMn am Zug sich stark dafür stark zu machen, was sie meines Wissens nach auch tun.

Generell begrüße ich natürlich, wenn Kinder und Jugendliche mehr eingebunden werden, aber ich denke da hilft eine allgemeine Interessensvertretung nicht. Es gibt ja schon die verschiedensten Vertretungen für die verschiedensten Interessen (Landesschüler*innen-Vetretung auf der Schul-Ebene, Jugend- und Auszubildenen-Vertretung in den Betrieben, Jugendparlamente, etc.). Diese müssten einfach mal beachtet werden.


#12

Kinder sollten sich bestenfalls nicht für ihre Interessen einsetzen müssen, sondern sie sollten spielen und lernen.

Partizipatorische Demokratie zb. ist dafür da, das auch Minderheiten oder Gruppen die sich selbst nicht vertreten können auch vertreten werden.


#13

Sicher sollte der Kinder- und Jugendbeauftragte mit Kindern und Jugendlichen reden und nicht über die Köpfe hinweg entscheiden.

Die Jugendämter sind auch verpflichtet mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen zu reden.

Sie sind die Hüter des Kindeswohls, oder sollten es sein.


#14

Also zunächst einmal ein paar Sachen, um diese Diskussion vielleicht ein bisschen zu ordnen:

  • Der Schulstreik ist kein Streik im Sinne eines Arbeitskampfes, letzteres allgemein “Streik” genannt. Das Streikrecht hat damit also nichts zu tun. Das öffentliche Interesse dieser Aktion rührt auch maßgeblich daher, dass diese Aktion eigentlich verboten ist. Prinzipiell finde ich es auch richtig, dass es eine Schulpflicht gibt und dass nicht einfach alle Schüler*innen nach eigenem Empfinden zur Schule erscheinen können oder eben nicht. Prinzipiell gefällt mir auch die Symbolwirkung dieses Schulstreiks nicht besonders.

  • Das Jugendamt ist natürlich nicht das, was Harry hier fordert. Das Jugendamt ist die behördliche Umsetzung des Schutzes der Kinder und Jugendlichen gemäß der Gesetze und Kinderrechte. Viel mehr hat ein Jugendamt nicht umzusetzen. Eine staatliche Behörde kann auch kaum die ideologische Interessensvertretung einer Bevölkerungsgruppe übernehmen, das wäre eher ein Schritt in Richtung eines totalitären Staates als der Bemächtigung dieser Bevölkerungsgruppe. Wenn sich also ein Verband o.Ä. für die Interessen von Kindern und Jugendlichen stark machen soll, dann muss das unbedingt eine nicht-staatliche Organisation sein.

Und jetzt dann noch meine Meinung: Eine allgemeine deutschlandweite Interessensvertretung für Kinder und Jugendliche halte ich für ausgesprochen kontraproduktiv. Ich halte es für sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche lernen, eigene Interessen und Einstellungen/Meinungen zu erarbeiten und sich dann auch dafür zu engagieren. Das ist ein Lernprozess und dieser Lernprozess wird aber durch unser Bildungssystem bestenfalls indifferent begleitet, schlechtestenfalls sogar eher behindert. Die Interessen variieren aber ja auch zwischen den einzelnen Kindern und Jugendlichen. Es gibt ja auch nicht einen großen Interessensverband für Erwachsene oder nur eine große Partei, die dann alle wählen müssen. Interessensvertretung lebt auch davon, dass man sich aussuchen kann, wo man sich beteiligen und engagieren will. Während der Gedanke einer allgemeinen Jugendgewerkschaft zwar auf den ersten Blick nobel erscheint, habe ich ein bisschen den Eindruck, dass damit der Eindruck entstehen könnte, dass die Jugend irgendwie in einen Topf gepackt werden kann. Die Meinungen von Kindern und Jugendlichen gehen dafür viel zu weit auseinander.

Meiner Meinung nach sollten also verschiedene Projekte gefördert werden, die sich dafür einsetzen, den Lermzprozess zur Befähigung der Meinungsbildung voranzutreiben. Das kann auf vielfältige Weise geschehen. Einen gesammelten Verband halte ich nicht für produktiv. Erst recht nicht als Initiative aus der politischen Forderung einer Partei heraus.


#15

Vielen Dank erst mal für die vielen Rückmeldungen!

Danke, das ist der eigentliche Punkt.

Das sehe ich auch nicht. Aber es gibt auch nicht “die” Interessen der Arbeitnehmis. Wenn ihr euch mal anseht, wie viele Berufsgruppen und Bereiche die ver.di vertritt, wird vielleicht klarer, was ich meine. Zur ver.di kann man gehen, wenn man allgemeine oder spezielle Fragen hat und sie sind in einer starken Position, weil sie es eben schaffen, all diese unterschiedlichen Bereiche abzudecken.

Und ich behaupte, dass “Kinder” das sehr wohl können. Wenn man “Kinder” dazu “verdonnert”, sich mit “Spielen und Lernen” zu beschäftigen, geschieht das wieder über ihre Köpfe hinweg. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass sie sich aussuchen können, womit sie sich beschäftigen?

Die Jugendämter sind den Städten unterstellt und es gibt keinerlei einheitliche Regelungen, was sie wie zu tun haben. Hier wird die Qualität der Arbeit der Jugendämter angesprochen. Eine Ini, die dafür bundesweite Standards und Regelungen vorschreibt, wäre eine gute Sache. Aber ich schaffe das gerade nicht, vielleicht mag jemand?

Und selbst wenn wir das schaffen: Jugendämter sind so wie Schulämter und Kultusministis von der Politik abhängig, gesteuert oder gar Teil von ihr. Ich will etwas Unabhängiges. So etwas wie eine “Stiftung Jugendrechte”, die zuhört und hemmungslos versucht, durchzusetzen. Wirklich hemmungslos. So wie die Gewerkschaften. Die setzen sich am Ende selten zu 100% durch. Aber sie beginnen mit der Maximalforderung und dann versucht man, so viel wie möglich herauszuholen.

Das nicht zuzulassen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. So wie die Frauen sich erkämpfen mussten, gleiche Rechte zu bekommen, muss das auch für die Kinder beginnen. Die Frauen wurden seinerzeit ähnlich verspottet und abgekanzelt, wie heute die Kinder. Den Menschen damals erschien es ebenso logisch, Frauen keine Rechte zuzugestehen, wie man sie heute den Kindern aberkennt.

Das ist eine interessante Meinung, aber ich kann ihr leider nicht folgen. Ich habe sehr lange als Arbeitnehmervertreter gearbeitet und bin in der Materie sehr fundiert durch Arbeitsrichter ausgebildet. Das Streikrecht ist äußerst kompliziert und Zitat eines Richters: “Wer denkt, das Streikrecht zu verstehen, hat keine Ahnung, wie komplex es ist.” Bitte nicht persönlich nehmen, aber da kenne ich mich wirklich aus.

Als oberflächliche Lektüre empfehle ich hier den Passus “Politisches Streikrecht” und insbesondere den Teil, in dem auf die Konflikte der Situation in Deutschland mit internationalem und europäischem Recht eingegangen wird: https://de.wikipedia.org/wiki/Streik#Die_Debatte_um_politische_Streiks Quellenangaben für weitere Lektüre siehe dort.

Meine Forderung geht also erheblich tiefer. Den “Mächtigen” in diesem Land passen Streiks überhaupt nicht - wen wundert’s? Und es wird stets die alte Leier gespielt, man könne sich ja parlamentarisch Gehör verschaffen. Dies an sich ist schon anzuzweifeln. Und es wird umso absurder, als die Minderjährigen in diesem Land nicht wählen dürfen.

Ich fordere also ein politisches Streikrecht für Minderjährige und die Gründung einer Gewerkschaft, die dabei die Interessen der Minderjährigen vertritt.


#16

An den rechtlichen Gegebenheiten könnte man gegebenenfalls ja auch noch was ändern. Geltende Rechtssprechung ist aber, dass man Schüler*innen für die Teilnahme an Schulstreiks seitens der Schule sanktionieren kann. Arbeitsrechtliche Maßstäbe kann man auch nicht ohne Weiteres auf Schüler*innen anwenden, das wäre bei knapp 9 Euro Mindestlohn auch ein wenig teuer für den Staat.

Reden wir aber mehr über die Umsetzung. Was du hier forderst ist mMn schon eher eine Gewerkschaft für alle. Die großen Gewerkschaften vertreten ja auch gegenüber der deutschen Bahn die Interessen der Lokführer*innen und Zugbegleiter\innen und nicht die der Briefzusteller*innen. Das wird aber bei einer Interessensvertretung gegenüber dem Staat schwierig. Bei einer kleinen Gruppe von Arbeitnehmer*innen im gleichen Beruf ist die Findung gemeinsamer Interessen problemlos möglich, i.d.R. mehr Gehalt, mehr soziale Absicherung etc. Und selbst dabei gibt es ja Probleme, mit Streiks an Bahnhöfen, in Zügen, in Flughäfen oder in Flugzeugen sind die Arbeitgeber*innen offensichtlich erpressbarer als im Bereich der Pflege. Das führt dazu, dass das Sicherheitspersonal an Flughäfen derzeit 20 Euro pro Stunde fordern kann, ein Beruf mit kurzer Anlernzeit, in der Pflege ist das aber undenkbar.

Bei einer Interessensvertretung für Kinder und Jugendliche ist die Situation anders. Jede Einzelperson hat dort unterschiedliche Bedürfnisse. Ein Gesamtverband mit Monopolstellung kann das nicht abbilden. Viel mehr sollten Schüler*innen befähigt werden, ihre eigenen Meinungen zu bilden, sie auszuformulieren und dann auch dafür einzutreten. Das muss breitflächig geschehen, ja, aber nicht als Gesamtverband.

Gleichzeitig finde ich nicht, dass eine politische Partei sich für eine solche Gründung einsetzen sollte. Durch die Gründung durch eine Partei wie DiB werden damit automatisch Werte mitvermittelt, die dann die hehren Ziele der Meinungsbildung leider untergraben. Das muss meiner Meinung nach eine Entwicklung einer zwar nicht unpolitischen aber doch einer von allen politischen Parteien getrennte Organisation sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass es zu einer verkappten Jugendorganisation für die jeweilige Partei verkommt.


#17

Dafür bzw. dagegen z.B. würde die Gewerkschaft kämpfen.

Nein, ich fordere eine Gewerkschaft für Minderjährige, um ihr politisches Streikrecht zu erkämpfen.

Klar kann er. Minderjährige sind mit dem Neuland gut vertraut. Da wird konsensiert, was für Änderungen wichtig sind. Aufwand und Nutzen wird erklärt und man einigt sich auf die dringendsten Themen. Und wenn sich die Jugendlichen mit einer Forderung nach günstigeren Gummibärchen lächerlich machen, ist das eben so. Einige Forderungen von “Erwachsenengewerkschaften” sind imho ähnlich lächerlich. Aber: Es steht uns nicht zu, das zu bewerten.

Da ziehst du den falschen Schluss. Dass DiB sich dafür einsetzt, heißt nicht, dass DiB sie gründet oder prägt.

Puh. Bitte lies das noch mal. Verstehe ich das richtig? Wenn DiB gründet, sorgen die mitvermittelten Werte für das Untergraben der Meinungsbildung?

Wenn ich mir zwei Sachen an DiB für die Welt wünschen dürfte, wären das der Ethik-Kodex und die Grundwerte.

Äh. Ich bin sprachlos.

Also: Die Forderung ist korrekt. So muss das laufen. Aber warum sollte DiB das nicht hinbekommen? Wir hier gestalten die Ini. Und ich denke, niemand wird das anders formulieren wollen. Wir sind doch keine Fanatiker oder Demagogen. Oder habe ich etwas verpasst?


#18

Wenn es dir nur um das Streikrecht für Schüler*innen geht, dann braucht es keine Gewerkschaft. Es gibt Schüler*innen-Vertretungen, deren Aufgabe das wäre.

Abgesehen davon ist der Witz an den Schulstreiks ja zu sagen, dass die mit schwänzen einhergehenden Konsequenzen egal sind – weil die drohende Klimakatastrophe ein viel schlimmeres Problem ist.


#19

Ja, du verstehst das richtig. Alles, was DiB selber gründet, könnte ja schon gar nicht ohne den Ethik-Kodex (obwohl der viel weniger aussagt, als hier immer hereininterpretiert wird) und die Grundwerte von DiB gehen, jedenfalls nicht so lange DiB den eigenen Grundsätzen treu bleiben will. Und da ist schon der Knackpunkt. Das ist ist dann schon nicht mehr überparteilich. Das schränkt das politische Spektrum schon mal um einiges ein. Neoliberalismus ist damit quasi per se ausgeschlossen, obwohl der Neoliberalismus eine legitime politische Ausrichtung ist. DiB ist nicht der common ground aller Menschen und alle, die dem nicht entsprechen, sind Demagogen. Wenn die CDU soetwas gründen würde, würden unweigerlich konservative Werte mitvermittelt. Das ist Indoktrinierung, keine Förderung der Meinungsbildung.

Wie bekommt man es also hin, dass wir die Jugendlichen dazu befähigen, ihre eigenen Meinungen zu bilden? Und da denke ich nicht, dass sich Gesamtverband da alles abbilden kann. Dann setzen sich vermutlich die lautesten Schüler*innen durch, die aber sowieso schon ihre Meinung haben. Das fördert dann auch tendenziell nicht die Meinungsbildung.

Auch finde ich ein Streikrecht für Schülerinnen und Schüler nicht erstrebenswert. Ein Schulstreik schadet akut ja erstmal niemandem. Die Lehrer*innen sind verbeamtet, kriegen also ihr Geld unabhängig davon, ob Schüler*innen in den Unterricht kommen, die Schulen kriegen ihr Geld vom Staat, auch die haben keinen Schaden zu befürchten, wenn niemand kommt. Also verpufft ein solcher Streik wirkungslos. Erst recht, wenn er ein erlaubtes Mittel ist, dann bekommt er noch weniger Aufmerksamkeit als die aktuell laufenden Schulstreiks.


#20

Ich war damals selbst in der SV und bin jetzt Elternvertreter und sitze regelmäßig mit der SV mehrerer Schulen zusammen. Ich kann bestätigen, dass es da motivierte Menschen gibt, die professionelle Unterstützung außerordentlich dringend gebrauchen können.

Also nein, das kann die SV nicht und danke für den Hinweis, die SVn im Land soll die Gewerkschaft auch mit Beratung zur Rechtslage unterstützen.

Auch hier nein. Ich lese mit, was in Dortmund dazu gerade passiert und beteilige mich. Da gibt es schon Menschen, die gerne dabei wären und sich Sorgen um die Konsequenzen machen.

Das sehe ich anders. So sehr ich Neolibs verabscheue, so wenig bin ich doch Missionar. Die Grundwerte gelten für DiB und die beinhalten meiner Auffassung nach keine Missionstätigkeit. Ich schreibe auch sehr deutlich, dass ich nichts über die Köpfe der Schülis hinweg machen würde.

Falsche Frage, meiner Meinung nach. “Die Jugend” hat eine Meinung, sie wird nur ignoriert.

Oh, da würde ich die Kreativität der kleinen Racker nicht unterschätzen.

Für mich bedeutet der Kampf für Vielfalt eben auch den Kampf für die Stimme der bisher Stimmlosen. Es ist ein Kampf gegen das Regime alter weißer cis-Männer. Und je mehr Macht sie abgeben müssen, umso besser ist das für die Vielfalt.