Geschlechtsneutrale Sprache fĂĽhrt zum Ziel

Original Veröffentlichung: https://bewegung.jetzt/2019/08/29/geschlechtsneutrale-sprache-fuhrt-zum-ziel/

Dominanz der männlichen Form 

Im Deutschen, wie auch in vielen anderen Sprachen dieser Welt, dominiert die männliche Form, wenn männliche sowie nichtmännliche Personen damit gemeint sind. Das schimpft sich dann Generisches Maskulinum. So sind zum Beispiel bei dem Wort Lehrer in der Mehrzahl sowohl Lehrer als auch Lehrerinnen gemeint. Im Kopf der meisten Menschen formt sich aber das Bild eines männlichen Lehrers. Um eine Sichtbarkeit für Frauen* zu schaffen, wurde unter anderem das Binnen-I eingeführt. Bei unserem Beispiel würde das dann so aussehen: LehrerInnen. 

Das Binnen-I wird bis heute noch heiß diskutiert. Beführworter*innen sind davon überzeugt, dass so eine Sichtbarmachung von Frauen* in diesen Berufen stattfindet und es sich außerdem um ein bequemes Mittel der geschlechtergerechten Sprache handelt, weil die Formulierung kürzer ist, als z.b. Lehrer und Lehrerinnen. Gegner*innen hingegen kritisieren, dass beim Vorlesen nur noch die weibliche Form vorgelesen wird und so die männliche Variante verschwindet. Dadurch werde eine Feminisierung erzeugt. Darüber hinaus sei es auch nicht möglich, das Binnen-I konsequent umzusetzen. Beispiel: BürgerInnenmeisterInnenkandidatIn.

Schweden geht noch einen Schritt weiter

Während hier noch kräftig diskutiert wird, geht Schweden voran. Seit 2015 gibt es dort die Wortneuschöpfung “hen”. Dabei ist “hen” nicht das sachliche Pronomen (das) sondern ganz klar ein nichtgeschlechtliches Pronomen. 

Zwei US-Forscher haben jetzt untersucht, welche Folgen die Verwendung dieses  neuen Personalpronomens haben. Dazu haben Margit Tavits (Washington University, St. Louis) und Efrén Pérez (university of California, Los Angeles) Test mit 3.393 Schwed*innen durchgeführt. 

Der Versuchsaufbau war wie folgt: Die Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt. Ihnen wurde eine Zeichnungvorgelegt, die eine androgyne Person mit einem Hund an der Leine zeigt. Sie sollten das Bild beschreiben. Eine Gruppe durfte nur geschlechtsneutrale Pronomen verwenden, die zweite nur weibliche und die dritte nur männliche. Im zweiten Schritt sollten sie eine kurze Geschichte für eine Person ohne Geschlecht und Namen erfinden, die für ein politisches Amt kandidiert. Der letzte Teil der Tests bestand darin, Fragen zu beantworten, die Ansichten zu Frauen und Personen aus dem LGBTIQ*-Kreis aufzeigen sollten. 

Ergebnis der Studie 

Die Probanden,die bei der Bildbeschreibung nur das geschlechtsneutrale Pronomen verwenden durften, verwendeten bei der zweiten Aufgabe auch eher nichtmännliche Namen in ihrer Kurzgeschichte. Außerdem schien es auch die Gefühle gegenüber LGBTIQ* Personen zu verbessern. 

Daraus schließen die Forscher, dass das Pronomen „hen“ einen großen Teil dazu beiträgt, mentale Vorurteile abzubauen. Außerdem helfe es dabei, ein Bewusstsein für andere Geschlechtsidentitäten als die männliche zu schaffen. 

Außerdem konnte die Studie noch ein weiteres Vorurteil widerlegen: Die Menschen, die die geschleuchtsneutrale Sprache verwendeten, haben nicht länger für die Aufgaben gebraucht als die anderen. 

Was machen wir bei DiB? 

Vielfalt und vor allem Offenheit gegenüber Vielfalt steht bei DiB an oberster Stelle. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, eine inklusive Sprache zu verwenden. Wie Du als Leser*in unserer Texte vielleicht schon bemerkt hast, haben wir uns aber gegen das Binnen-I und für ein Gendern mit dem * entschieden. Der Grund? Ganz einfach: Wir finden das Sternchen noch inklusiver, weil es nicht nur Mann und Frau sondern auch alles „dazwischen“ mit berücksichtigt. In Deutschland gibt es bisher noch kein anerkanntes geschlechtsneutrales Pronomen. Bis das so ist, empfinden wir diesen Weg als den besten.

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Vielleicht sollten wir einfach eins erfinden, es wo immer möglich benutzen und um Nachahmer werben, bis es schließlich anerkannt wird :wink:. Die Engländer haben uns vorgemacht, dass wir dazu nur ca. 200 Jahre brauchen :grin:.

Während es im Old English (Angelsächsisch 450 bis 1000) noch - wie heute noch bei uns - 3 definitive Artikel gab [se = maskulin, seo = feminin, þæt = neutral], flossen diese bereits im Middle English (Mittelenglisch 1100-1500) im genderneutralen þe zusammen, das im Modern English (Frühneuenglisch 1500 - 1700) zum the wurde und sich offenbar als so praktisch erwies, dass es bis heute als einziger definitiver Artikel erhalten blieb.

Also wie wollen wir unser the nennen? :thinking: …

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Ich schiebe das hinterher, denn „de“ gefiel mir auch sehr gut.

Eben angelsächsisch :grin:. Dann müssen wir, um den Engländern nachzueifern, nur noch auch den indfinitiven Artikel (ein/eine/einen… = a) vereinheitlichen - wie wär’s mit e?
De Junge wirft e (Frau/Mann/Kind …) e Ball zu.

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werden es mit de und e dann nicht langsam zu viele „e“ s für die sprachliche Ästhetik ?

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:wink: ja, eben wegen der Dialekte meinte ich es auch :wink:
wenn man solche Inventionen ansetzt, kann man ruhig auch daran denken, wie sich sowas anhört …
_theoretisch wäre es vllt ein Neben-Grund, aber nur wenn man den Faktor Ästhetik nicht aufs Programm hat :wink:

Statt „e“ wie im Flämischen könnte man ja auch „en“ nehmen ähnlich wie im Niederländischen (een) oder genau wie im Norwegischen, Schwedischen, Dänischen oder Luxenburgischen. En Junge, en Mädchen, en Frau, en Mann, en Kind …

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Wie wäre es mit es und das?

Hm, zuerst hatte ich das auch auf dem Schirm. Das Problem dabei ist, dass dieser Artikel ja schon „besetzt“ ist mit der alten Bedeutung „sächlich“. Und „das Junge“, „das Frau“, „das Mann“ hört sich nicht wirklich stimmig an. Die „sächlichen“ Begriffe hätten dann einen - ich nenne es mal - „geläufigen Klang-Vorteil“ gegenüber den anderen, wobei Begriffe wie „das Mädchen“ und „das Kind“ ja auch nicht wirklich „sächlich“ sind. Dann doch lieber einen neutral klingenden betimmten wie unbestimmten Artikel.

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Ich bin überrascht, wie ernsthaft die Idee, ein genderneutrales bestimtes/unbestmmtes Pronomen zu „erfinden“, eingegangen wurde. Von mir war das eigentlich scherzhaft gemeint, denn im Prinzip bin ich bezüglich unserer Sprache eher erzkonservativ, d. h.mir passt sie ganz gut, wie sie ist :wink:. Mit dem Bemühen von Gruppen, künstliche Änderungen durchzusetzen, habe ich mich von Anfang an schwergetan. Die bisherige Art der Wandlung unserer Sprache - peu á peu, also schön langsam durch den Volksmund, bis ein Begriff so allgemein gebräuchlich geworden ist, dass die Entscheider bei Duden nicht mehr umhin kommen, ihn in in ihre „Sprachbibel“ aufzunehmen - kam meinem Sprachempfinden sehr entgegen :smiley:.

Andererseits würde ich e/en sehr begrüßen, wenn ich dafür auf das nicht hör-, sondern nur lesbare Sternchen verzichten dürfte. Doch wenn e/en oder was auch immer 200 Jahre brauchen würde, um sich durchzusetzen … :rofl:

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ja nun, gewachsene Verhältnisse widerspiegeln aber auch teils Machtverhältnisse und auf welchen Weg genauer auch immer, so ist schließlich bis heute auch die

beibehalten worden.
Wollen wir was dran ändern, ist eine Invention es wert :wink:
Die Generationen die damit aufwachsen werden würden, werden damit auch irgendwie umgehen - und es wieder vllt ändern…
Aber gerade jetzt fragt der Zeitgeist in bestimmten Gesellschaftskreisen nach einem Politik.Anders.Machen in dieser Frage … ob *-Sternchen-Experimente oder was Anderes…
_ Vorwärts und nicht vergessen :wink: *

*(- hier völlig ideologiefrei gemeint :wink: )

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Dann gehöre ich offensichtlich nicht zu den meisten Menschen, denn in meinem Kopf hat sich mit dem Begriff Lehrer schon seit langer Zeit - dem realen Verhältnis entsprechend - das Bild einer Frau geformt. (Ob oder inwiefern dieses Verhältnis Auswirkungen auf die Schulkinder hat, ist ein anderes Thema.)

https://www.swp.de/politik/inland/maennermangel-in-grundschulen_-allein-unter-frauen-23681747.html

https://www.merkur.de/bayern/maenner-misere-an-schulen-herr-lehrer-ist-heute-ausnahme-10352879.html

https://www.focus.de/familie/lernen/lernstoerungen/lehrerin-berichtet-wie-die-schule-jungen-das-leben-schwer-macht_id_9495586.html

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Solche Dinge, die sich über Generationen eingebürgert haben zu ändern braucht viel Zeit, denn es reicht nicht, dass kluge Köpfe sich etwas überlegen, es muss im Alltag und in de Köpfen ankommen und umgesetzt werden.

Was nun das Gendersternchen in der gesprochenen Variante angeht, so habe ich mir angewöhnt, die männliche und weibliche Form zu nennen.

Ja! Es sollte so werden!

Ich hoffe, der Blog-Artikel findet viele Lesis :angel:

Im ersten Impuls wollte ich Dich um Links zu solchen Studien bitten, nur wurde mir sofort bewusst, dass ich mir damit, wegen meiner generellen Skepsis gegenĂĽber Studien, nur Arbeit an Land ziehen wĂĽrde :wink:.

Ich müsste nämlich, um zu prüfen, ob ich die Studie(n) als Beleg akzeptieren kann, Recherchen bezüglich der Aktualität der Studien, der Qualifikation/Kompetenz der Autoren, der Art und Anzahl der Teilnehmer etc. anstellen und nicht zuletzt zum Auftraggeber im Hinblick darauf recherchieren, ob das Ergebnis der Studie nicht vielleicht erkennbar dem von ihm vermutlich erwünschten entspricht (was leider häufiger, als man glauben würde, der Fall ist).

Das würde einen Zeitaufwand bedeuten, den ich mir nicht leisten kann. Außerdem ist mir, nachdem ich mich schon seit Jahren mit dem Thema befasst habe, ein zusätzlicher Informationsgewinn dazu, ehrlich gesagt, den Zeitaufwand nicht (mehr) wert. Darum führe ich hier nur einmal Überlegungen an, auf denen mein gespaltenes Verhältnis zum Versuch, mehr Gendergerechtigkeit durch eine erzwungene Veränderung unserer Sprache zu erreichen, beruht.

Im Vordergrund stand bei diesen Überlegungen stets die Abwägung zwischen möglichem Nutzen und den dafür in Kauf zu nehmenden Nachteilen. Vorausschicken muss ich, dass diese Abwägung eine sehr persönliche war/ist, denn ihre Bilanz ist dadurch geprägt, dass ich persönlich im Kampf gegen die Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft andere Kriterien, als sprachliche, für wichtiger und die Konzentration darauf für (sowohl zeitlich als auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit) erfolgversprechender halte. (Da es hier um die Sprache geht, verzichte ich bewusst darauf, die an anderen Stellen oft genug benannten Kriterien erneut aufzuführen.)

Die bisherigen Bemühungen zur Veränderung der deutschen Sprache haben aus meiner Sicht bereits vielfältige Nachteile mit sich gebracht; weitere Denkansätze in der Richtung würden noch mehr mit sich bringen.

Alle meine Überlegungen, wie eine weitgehend genderneutrale Sprache erreicht werden könnte, haben zu der Schlussfolgerung geführt, dass dies durch Änderungen an einzelnen Stellen schlichtweg nicht möglich ist, sondern dass dazu eine völlig völlig neue Sprache entwickelt werden müsste. Dabei ist zu bedenken, dass sich keine der bisher (künstlich) entwickelten Sprachen hat durchsetzen können.

Zu 1):
Die bereits erfolgten wie auch die angedachten Änderungen bedeuten eine Verkomplizierung der Sprache als Kommunikationsmittel. Sie verlängern nicht nur die Lesezeit, sondern stören ganz erheblich den Lesefluss und beeinträchtigen damit das Lesevergnügen.

Bezüglich der Rede kommt zur Zeitverlängerung hinzu, dass schriftliche Symbole (* oder /) entweder nicht zum Ausdruck kommen oder durch Doppelnennungen (liebe Mitarbeiter, liebe Mitarbeiterinnen) ersetzt werden und damit zu einer weiteren Verlängerung der Redezeit führen.

Stark verkompliziert würde die Sprache auch bei einigen Komposita, z. B. wenn der Leserbrief zu einem Leser*innenbrief würde, was man in der Aussprache nicht hört . und deshalb als Briefe allein von Leserinnen verstehen könnte, oder wenn die Rede durch Doppelnennung (Leser- und Leserinnenbriefe, Fußgänger- und Fußgängerinnenüberweg) verlängert würde.

Andere angedachte Änderungen, wie bespielsweise die Neutralisierung durch Wahl anderer Begriffe (liebes Kollegium, liebe Studierende) wirken nicht nur gekünstelt, sondern beeinträchtigen bei der freien Rede die Spontaneität (gedankliches Suchen nach einem passenden Begriff).

Die konsequente Einhaltung bestimmter Änderungsvarianten dürfte nicht selten auch am subjektiven Sprachempfinden von sich daraus ergebenden neuen Wortschöpfungen scheitern. Soll es neben dem Knecht auch die Knechtin geben oder streichen wir das Wort gleich ganz aus unserem Sprachschatz und versuchen, die Menschen stattdessen an ein völlig neues, genderneutrales Kunstwort zu gewöhnen? Wie lange würde es dauern, bis dieses angenommen wird?

Zu 2):
Die Substituierung des generischen Maskulinums durch Alternativformen dürfte oftmals kaum umsetzbar sein, weil es abstruse Blüten hervorbringen würde, z. B. im Falle eines Doppelworts (Kompositum), das aus zwei Wörtern besteht, die einzeln zu gendern wären, beispielsweise Bürgermeister:

BĂĽrger- und BĂĽrgerinnenmeister und -meisterinnen? BĂĽrgerInnenmeisterInnen?

Das Risiko übermäßig langer Formulierungen ergibt sich auch bei Sätzen, in denen gleich mehrere generische Maskulina ersetzt werden sollen, wie beispielsweise in dem Satz: „Bei uns ist der Kunde noch König.“ ….

Und was machen wir mit gebräuchlichen, schwer genderbaren Begriffen (Gast ist maskulin, kann sie als Gast da sein? - Mannjahre, meisterhaft, richterlich, fachmännisch, kaufmännisch) oder Redewendungen (mit Mann und Maus, Not am Mann, Mann über Bord)? Gendern, von Frauen erwarten, dass sie sich nun doch mit angesprochen fühlen, nicht mehr verwenden (Verarmung der Sprache)?

Hier noch einige interessante Zitate zur feministischen Linguistik aus Wikipedia:

Der wichtigste Befund der empirischen Forschung ist, dass Leser das generische Maskulinum zwar häufig als echtes Maskulinum missdeuten, dass alternative Formulierungen aber ebenfalls kein Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Referenten zu erzeugen vermögen. Die Autoren solcher Studien haben daraus den Schluss gezogen, dass das „Nicht-mit-an-Frauen-denken“ durch eine vornehmlich maskulin geprägte Sprache zwar begünstigt, aber nicht verursacht werde.

Die Ursachen fĂĽr Geschlechtsrollenstereotype liegen nach ihrer Auffassung nicht in der Grammatik, sondern in weitaus tieferen Schichten der durch die Kultur zugerichteten Kognition. Dies erkenne man an Kulturen, deren Sprache kein generisches Maskulinum kennen und die Frauen dennoch gesellschaftlich benachteiligten.

Sprachpolitik werde an der systematischen gesellschaftlichen Benachteiligung von Frauen wenig ändern. Die Kultur- und Sozialanthropologin Ingrid Thurner (Universität Wien) hat 2013 gewarnt, dass die „Sprachgerechtigkeit“ ein wohlfeiles Ablenkungsmanöver sei, das von Männern zwar willig angenommen, an ihrer Vormachtstellung aber sehr wenig ändern werde.

Und um noch einmal auf die erwähnten Studien zurück zu kommen:

Dabei könnte es sich um Studien handeln, mit denen nach Ursachen geforscht werden sollte, warum Frauen sich selten um Positionen in traditionell von Männern ausgeübten Berufen bewerben. (Eine solche Studie war, als dringend Militärpersonal benötigt wurde, z. B. vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben worden – ob schon vor oder erst nach der Abschaffung der Wehrpflicht, ist mir nicht bekannt.)

Die Ergebnisse bzw. deren Umsetzung zeigte, dass solche Berufe tatsächlich von vielen Frauern erst oder zumindest verstärkt als auch ihnen offen stehende Berufe wahrgenommen wurden, seit die Positionsbezeichnungen durch „m/w“ ergänzt worden waren.

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WOW - jetzt hast Du mich aber neugierig auf Deine Gedanken gemacht :wink:
Wie lange bist Du noch im Urlaub?
Jedenfalls wünsche ich Dir einen wunderwunderschönen mit nachaltigem Erholungseffekt!

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Das erinnert mich an einen Artikel in der Studentenzeitungn (oh, und das ist jetzt schon 20 Jahre her). Dieser schlug vor, die bisherige männliche Form zur allgemeinen Form zu erklären und eine neue männliche Endung einzuführen. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht, in Erinnerung geblieben ist mir nur noch die Endung „erich“. Lehrer würden dann also Lehrerinnen und Lehreriche beinhalten, Studenten bestünden aus Studentinnen und Studenterichen (die anderen Vorschläge klangen natürlich nicht so auffällig, weshalb ich sie auch vergessen habe).

War sicher nicht ganz ernst gemeint, hat aber in unseren familieninternen Sprachgebrauch Eingang gefunden, besonders beliebt als „Mückerich“ für eine männliche Mücke.

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Na, die Endung erich ist sicher blöd, war halt ne Glosse und hat sich ja deshalb ins Gedächtnis eingebrannt.

Was man vielleicht aber bedenken sollte ist die Frage, ob man eine neue neutrale Form braucht oder ob es in der deutschen Sprache nicht einfacher wäre, eine neue männliche Endung einzuführen. Hätte in der Nutzung natürlich wenig Außenwirkung, weil die bisherige Form einfach weiter genutzt würde.

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Das macht m. E. auch deshalb Sinn, weil es bei uns viel mehr männliche als weibliche Subsantive gibt. Wie wäre es mit folgener Lösung:

Bestimmter Artikel (der/die/das/) = einheitlich de - unbestimmter Artikel = einheitlich en
Substantiv allgemein (alle einschließend) = derzeitige männliche Form (z. B. Demokrat, Ingenieur)
männliche/weibliche Unterscheidung = o/a anhängen
Plural = jeweils s anhängen
Damit ergäbe sich bei den genannten Beispielen:
de Demokrat(s) / de Demokrata(s) / de Demokrato(s)
de Ingenieur(s) / de Ingenieura(s) - de Ingenieuro(s)

Einfache Anspache bei Reden: „Liebe Mitarbeiters“
Lösung für Worte mit Endvokalen: einfach entfallen lassen, z. B. „Liebe Kollegs“ / „Liebe Freunds“

Auch all das wäre natürlich gewöhnungsbedürftig :wink:, doch die Aussprache wäre einfach, und die (in der Rede stummen) Sternchen oder Schrägstriche wie auch die Innen-Verlängerung würden überflüssig.

Nun könnt Ihr nach den nicht so einfachen Anwendungsfällen suchen :wink:, die es mit Sicherheit gibt.

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Nochmal zurĂĽck zu den Artikeln; ganz so einfach ist es denn doch wohl nicht, auch wenn der Anfang jetzt verheiĂźungsvoll klang.
Wer deutsch lernt, hat wohl am meisten Schwierigkeiten mit den - sagt man - Kasi(?), also dem Kasus und Genus in Kombination. Wenn der Genus weg ist ist immernoch der Kasus zu bewältigen, um den Satz zu verstehen.

Geschlecht, Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ
m.: der, des, dem ,den
f.: die, der, der, die
n.: das, des, dem, das

und dann noch der Plural …
Und dasselbe nochmal „unbestimmt“ …

Also ich meine mit „de“ und „en“ wird man da wohl kaum auskommen wie das Beispiel zeigt:

De Ball de Kind(es?) rollt ĂĽber de Pflaster de StraĂźe de Dorf(es?).
Das klingt ziemlich blöde …
De Ball von de Kind rollt ĂĽber de Pflaster von de StraĂźe von de Dorf.
Klingt schon besser. Aber will man das so?

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