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Förderung von LSBTTIQ Jugendlichen


#45

hey Valentin, klingt gut und echt auf den Punkt gebracht. Bin gern dabei
 Alles Liebe Shane Zoe


#46

AfD Brandenburg und Queer

ein Beispiel dafĂŒr, was wir in Zukunft zu erwarten haben.

Ich plĂ€diere im ĂŒbrigen FÜR eine besondere Förderung, denn LSBTTIQ-Jugendliche machen eigene, besondere Diskriminierungserfahrungenoder haben solche BefĂŒrchtungen, und deshalb sollten sie auch eine zielgerichtete Anspache und entsprechende Kontaktstellen haben.


#47

In der Mehrheit der FĂ€lle glaube ich das auch, möchte es aber nicht pauschalisieren. Davon abgesehen: ist sexuelle Orientierung wichtig? Oder zumindest wichtiger als andere Themen der Orientierung? ErklĂ€rung zu dieser Frage: ich glaube, ich weiß bis heute nicht, was meine “sexuelle Gesinnung” ist. Wenn mich jemand fragen wĂŒrde:
“Bist du 
-sexuell?” wĂŒrde ich vermutlich immer sagen, dass ich das einfach nicht weiß. Und ja, ich kann nicht mal ganz eindeutig sagen, ob ich Sex toll oder eklig finde, weil das je nach Situation immer schwanken kann. Sowohl eine heterosexuelle Gesellschaft, als auch LSBTTQ-lebende Menschen, gaben mir das GefĂŒhl, dass ich in eine Ecke gedrĂ€ngt bin, mich jetzt in eine Schublade stecken zu lassen (in konkreten Situationen der Vergangenheit, nicht im Allgemeinen).

Ich möchte daher die Probleme mit sexueller Orientierung nicht gewichtiger ansehen, als andere Probleme. Der eine hat Probleme mit seiner sexuellen Orientierung, der andere weiß gar nicht, was er auf der Welt soll. Der nĂ€chste weiß nicht, wie er sich verhalten kann, um akzeptiert zu werden, der andere kann sich gar nicht öffnen und nicht mal ein Problem artikulieren.

Wenn Menschen durch andere bedroht werden, ist das natĂŒrlich eine neue Ebene des Problems. Hier muss die Gesellschaft daran arbeiten. Ich bleibe aber dabei. Das Ziel kann aus meiner Sichht nur eine Gesellschaft sein, in der SchutzrĂ€ume nicht mehr gebraucht werden. Jemand, der einen erheblichen Teil der Zeit damit verbringt, zu ĂŒberlegen, ob er sich jetzt 80% als Mann, 5% als Frau und 15% als etwas anderes sieht, aber seine sexuelle Neigung dann wieder ganz anders zusammengesetzt ist, ist weit davon entfernt zu sein, wie ich. Ich wĂŒrde mir darĂŒber am liebsten gar keine Gedanken machen mĂŒssen. Ist fĂŒr mich aber okay, wenn die andere Person das machen will. Nur muss die Person auch begreifen, dass es mir leichter fĂ€llt, sie zu verstehen und als “gar-nicht-schlimm”-“anders” zu erkennen, wenn sie offen mit mir darĂŒber redet, als im stillen KĂ€mmerlein mit “ihresgleichen”. Fremdes macht Menschen scheu/abweisend - das ist Teil der Evolution. Nutzen wir aus, dass wir aus demselben Grund auch neugierig sind. Genauso, wie fĂŒr mich zur Emanzipation der Frau gehört, dass ich als Frau aktiv werde, gehört fĂŒr mich zur Gleichstellung von Minderheiten, dass die sich alle aufeinander zu bewegen. Gruppen, die Sondergelder brauchen, um die Probleme zu verarbeiten, die die Gesellschaft mit ihnen hat, sind nicht in der Gesellschaft angekommen. Jemand, der als krank bezeichnet wird, fĂŒhlt sich gleich krĂ€nker. Jemand der als anders bezeichnet wird, fĂŒhlt sich gleich noch mehr anders. Jemand, der in einer Problemgruppe sitzt, gehört gleich noch mehr zu einer Problemgruppe.
Entschuldigt, ein bisschen ungeordnet, aber der Punkt ist klar, denke ich.

Zur Aussage, dass wir noch ordentlich davon entfernt sind - ja, klar - leider.


#48

Hallo Ronja,

sorry fĂŒr das spĂ€te Antworten. Ich war die letzten Wochen leider sehr durch die Arbeit verhindert.

Hier die Antworten auf deine Fragen und angesprochenen Themen:

in dieser Situation liegt der Fokus offensichtlich auf die genannten sexuellen Orientierungen. Grund dafĂŒr ist, wie oben genannt, es Außenstehenden in ihrem “Schubladendenken” mit wenig HĂŒrden die Problematik nahezulegen.
FĂŒr jene, die sich vermehrt mit dem Thema auseinandersetzen ob dies gewollt oder der Situation abhĂ€ngig passiert, kommen mit der Zeit schließlich an den Punkt an dem Sie verstehen dass es um das vielfĂ€ltige Spektrum der individuellen SexualitĂ€t geht als um Kategorien. Dass die Gesellschaft aber zu dem Punkt kommt dies zu verinnerlichen, ist es wie du bereits beschrieben hast noch ein weiter Weg.

Ich werfe dir auch gar nicht vor, die Problematik zu gering zu gewichten. Ganz im Gegenteil. Du triffst quasi das ĂŒbergeordnete Thema damit genau auf den Punkt. Es gibt auf dieser Welt Menschen, die Hilfe in der Vielzahl der Probleme brauchen die ein Mensch mit sich haben kann. Das muss erkannt werden.
Auf Dauer muss verstanden werden, dass jeder Mensch individuell lebt, handelt oder liebt. Genau das ist ja auch die Quintessenz deines Textes, daher gehend sind wir uns einer Meinung.

Es geht darum auch nicht Personen zu verurteilen. Die Jugendlichen kommen in diesem Fall ja auf die Gruppe zu, da genau dieser Schutzraum gesucht wird, da das innere Outing bereits vollzogen ist und man sich selber als Jugendlicher des LSBTTIQ Spektrums identifiziert.
Den Vergleich mit Krankheiten finde ich zudem nicht sonderlich passend aber um darauf einzugehen antworte ich mal gleichermaßen: Ein Mensch der regelmĂ€ĂŸig eindeutige Probleme mit seinem Herzen hat und dann vom Arzt genau dies bestĂ€tigt bekommt hat nicht gleich ein höheres Risiko an einem Herzinfarkt zu erleiden als davor. Ihm steht ganz im Gegensatz dazu frei einen Spezialisten auf dem Gebiet aufzusuchen, der ihm angemessen der Situation helfen kann.
Verstehst du wie ich das meine? Eine komische Situation, wie ich finde, dies metaphorisch auf das Kranksein zu ĂŒbertragen.

Des Weiteren wĂŒnsche ich dir alles Gute und bis zum nĂ€chsten Mal.

Liebe GrĂŒĂŸe

Valentin


#49

In Bezug auf psychische Erkrankungen trifft dies jedoch sehr wohl zu. Zumal ich ohnehin der Meinung bin, daß die meisten psychischen Erkrankungen nicht endogener Natur sind, sondern Reaktionen auf Ă€ußere UmstĂ€nde. Man bedenke, daß auch HomosexualitĂ€t frĂŒher als psychische Störung galt, und selbst heute ja offenbar noch Initiativen benötigt, um gesellschaftlich hundertprozentig anerkannt zu werdem. Genau diese Situation ist fĂŒr Betroffene belastend, kann also auch zu einer tatsĂ€chlichen psychischen BeeintrĂ€chtigung fĂŒhren. Wer dann noch gesagt bekommt, er sei krank, fĂŒhlt sich natĂŒrlich noch miserabler.

Den Zusammenhang sehe ich aber durchaus auch bei körperlichen Erkrankungen. Viele Erkrankungen wirken ja leider auch vom Erscheinungsbild her stigmatisierend oder schrĂ€nken den Betroffenen aus anderen GrĂŒnden in seiner sozialen Teilhabe ein. Das fĂ€ngt ja schon beim Alkohol-Kranken an. Niemand gesteht sich gerne ein, sĂŒchtig zu sein. Niemand ist gerne Teil einer Selbsthilfegruppe.

Es ist fĂŒr die Menschen durchaus belastend, als anders, als krank, wahrgenommen zu werden. Körper und Seele sind fĂŒr mich ohnehin ein und dasselbe. Die Psyche ist auch nichts anderes als eine Gehirnfunktion, die neurologisch im Wechselspiel mit dem Rest des Körpers steht. Der Ausdruck “Worte sind wie SchlĂ€ge” kommt nicht von ungefĂ€hr. Die Forschung hat herausgefunden, daß bspw. bei Beschimpfungen in der Tat dieselben Gehirnregionen aktiviert werden wie bei physischem Schmerz. Das Broken Heart Syndrome ist ebenso eine körperliche Reaktion auf Ă€ußere UmstĂ€nde, die sogar zum Tod fĂŒhren kann. Studien legen auch nahe, daß Krebspatienten, die sich aufgrund belastender Ă€ußerer LebensumstĂ€nde aufgegeben haben, geringere Heilungschancen bei höherer Sterblichkeitsrate haben. Da nĂŒtzt der beste Spezialist nichts.

Der VollstĂ€ndigkeit halber möchte ich noch dazu sagen, daß es natĂŒrlich auch umgekehrt belastend sein kann, wenn die Umwelt den schlechten Zustand eines Menschen nicht anerkennen will. Wiederum vorrangig bei psychischen Erkrankungen der Fall. Oft aber auch bei körperlichen, die nicht erkannt werden.

Noch einmal zum Spezialisten: Leider ist das nicht immer so. Überdies neigt die heutige Gesellschaft nur allzu schnell dazu, die Verantwortung auf irgendwelche Spezialisten abschieben zu wollen. Da muß man doch nur zum Arzt gehen und der renkt mal eben alles wieder ein - frĂŒher ja auch HomosexualitĂ€t, so die damals vorherrschende Meinung. Und dann hat man wieder zu funktionieren. Ein Thema, das auch auf anderen Ebenen nicht minder Aufmerksamkeit benötigt wie diese Initiative.

In einem Artikel, den ich hier gestern unter Recht & Gerechtigkeit postete, las ich bspw., daß einem Schlachter, der psychisch mit seiner TĂ€tigkeit nicht mehr klarkam, nahegelegt wurde, unter Psychopharmaka weiterzuarbeiten. Das sind die Lösungen der heutigen Gesellschaft. Sehr bedenklich. Sehr, sehr bedenklich.


#50

@barnie hat das eigentlich schon treffend beantwortet.
Ich kann ergĂ€nzen: Das Krankheitsbeispiel war persönlich motiviert da ich es aus meiner eigenen Erfahrungswelt bei psychischen und physischen Erkrankungen genau so erlebt habe. Der Vergleich ist also rein auf der Ebene “wenn man etwas ĂŒber dich sagt (und es nur oft genug wiederholt), dann bist du es auch in den Augen der Gesellschaft/fĂŒhlst dich so”. Ich hĂ€tte auch sagen können: Wenn jemand oft genug sagt: du kannst nicht singen! Und das nur oft genug viele Leute machen, dann traust du dich nicht mehr. Also: da gibt es zahlreiche Beispiele fĂŒr das Symptom, die nichts mit Krankheit zu tun haben, die man ganz genauso gut nehmen kann. Ich habe spontan diesen Vergleich gezogen, weil das allgemeine Problem “wenn man etwas ĂŒber dich sagt (und es nur oft genug wiederholt), dann bist du es auch in den Augen der Gesellschaft/fĂŒhlst dich so” bei mir stark mit Krankheit assoziiert ist, nicht, weil ich sexuelle Vorlieben mit Krankheit assoziieren möchte. Ich verstehe aber, dass dies leicht missinterpretiert werden kann, weil an anderer Stelle solche Assoziationen gemacht werden.


#51

Lieber @Valentin_Gashi !
Hier schlummert noch eine Initiative. Wird hier noch dran gearbeitet oder kann sie geschlossen werden?
Liebe GrĂŒĂŸe Ellen vom Moderationsteam


#53

Das war natĂŒrlich Quatsch. Ich bin am AufrĂ€umen und bin wohl aus Versehen in die Kategorie “Eingereichte Initiativen” gelandet.
Ich mach jetzt lieber Schluss.
Liebe GrĂŒĂŸe Ellen vom Moderationsteam