Webseite Plenum

Die Kohlenstoffspeicher der Böden wieder auffüllen


#1

Wie die Landwirtschaft unsere Klima- und Umweltprobleme lösen kann und wie das über ein effektives Klimaschutzprogramm erreicht werden kann

Aufruf: Ich suche Mitstreiter/innen + Experte/innen + Prüfer/innen
Kontaktart: PN
Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Eine Initiative von: @stephan.enge @Guido @BuergerJochen
Bearbeitungsstatus: Fast Fertig
Redaktionsschluss: 30.11.18

Zusammenfassung

“Böden sind die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher und übernehmen eine wichtige Funktion bei der Freisetzung oder Fixierung klimarelevanter Gase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4)” ([1], Quelle: Umweltbundesamt).

Tatsächlich sind in unseren Böden über 2000 Gigatonnen Kohlenstoff gebunden. Dies entspricht 7200 Gigatonnen Kohlendioxid, auch CO2 genannt.) Diese Menge entspricht mehr als dem 200-fachen der jährlich durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen ([3], Quelle: NASA - The Carbon Cycle). Dieser Kohlenstoff befindet sich im wesentlichen im Humus, dem organischen Anteil des Bodens.

Durch einen möglichst weltweiten Aufbau von Humus ließen sich auf natürliche Weise alle weltweiten CO2-Emissionen kompensieren und damit auch unsere Klimaziele erreichen. ([4], Quelle: 4promille-Initiative).

Und quasi nebenbei ließe sich mit dieser Methode die Bodenfruchtbarkeit verbessern und Dünger einsparen. Dadurch wird zusätzlich CO2 eingespart und gleichzeitig trägt dies einen wesentlichen Teil der Kosten. Die Politik hat jedoch bisher in diesem Bereich nichts unternommen. Obwohl es bereits einige Initiativen (4promille, WWF, Soilsolution) gibt, die in einer nachhaltigen Landwirtschaft eine der effektivsten Methoden zur Eindämmung des Klimawandels sehen.

Problembeschreibung:
Die oberste, nährstoffreiche Schicht des intakten Erdbodens, welche die Basis für den Anbau von Nutzpflanzen ist, besteht zu einem gewissen Anteil aus organischer Masse, die Humus genannt wird. In ihr zersetzen Mikroorganismen abgestorbene Pflanzenreste in ihre Bestandteile, welche dadurch wieder als Nährstoffe für lebende Pflanzen zur Verfügung stehen. Ein hoher Humusgehalt ist damit charakteristisch für eine hohe Fruchtbarkeit des Bodens. Wir können vereinfacht gesagt, an der Farbe des Bodens ganz grob den Humusgehalt erkennen: je dunkler ein Ackeroden, desto mehr Humus hat der Boden.

Durch intensive Landwirtschaft verlieren die meisten Böden kontinuierlich an Humus, da z.B. allein durch das Pflügen das Mikroklima des Humus gestört wird und der Boden regelrecht "ausgast". Auch die auf hohen Ertrag ausgelegte Landwirtschaft entnimmt nahezu alle im Boden verfügbaren Nährstoffe. Die dadurch sinkenden Erträge werden i.d.R. durch Zugabe von Dünger kompensiert. Seit langem sind aber praktische und bezahlbare Maßnahmen bekannt, diesen Verlust zu stoppen und sogar zu einem Wiederaufbau umzukehren - ohne dabei Einbußen beim Ertrag zu erwarten.

Was fehlt, sind einerseits ernsthafte Subventionen und Programme der Landwirtschaftsbehörden. Andererseits brauchen wir auch eine klimaförderliche Umstellung der Ausbildung an den landwirtschaftlichen Berufs- und Hochschulen.

Forderungen
Wir schlagen vor, einen wesentlichen Teil der Agrarsubventionen in die nachhaltige Umstellung der Landwirtschaft zu investieren, mit dem Ziel effektive Methoden zum Humusaufbau zu fördern. Damit würde man die Landwirtschaft zukunftsfähig gestalten und nebenbei einen effektiven und natürlichen CO2-Speicher – unsere Ackerböden – wieder auffüllen.

Eine dieser Methoden ist die Anreicherung des Bodens mit Kohlenstoff durch Zugabe von Pflanzenkohle, die mit Nährstoffen (z.B. durch Gülle) aufgeladen wurde. Ohne Aufwand ist dies direkt in Viehbetrieben möglich:

  • Bei frühzeitiger Vermischung von Pflanzenkohle mit Gülle verhindert die hohe chemische Bindungsfähigkeit der Kohle die Ammoniak-Ausgasung direkt im Stall, reduziert dadurch effektiv Gerüche und erhöht den Nährstoff-Gehalt des Gemischs.

  • Bei Ausbringung auf dem Acker dient die Kohle dann in Kombination mit anderen Methoden (z.B. Dauerbegrünung und pfluglose Bodenbearbeitung) als zusätzlicher Katalysator zum Humusaufbau und speichert durch die hohe chemische Bindungsfähigkeit wesentlich mehr Nährstoffe und Wasser im Boden.

  • Bei den natürlichen vorkommenden Verwesungsprozessen im Boden werden durch zugesetzte Pflanzenkohle auch Treibhausgase wie CO2, Methan und Lachgas in der Kohle gebunden.

  • Im Boden verhindert die Pflanzenkohle zusätzlich die Nitrat-Auswaschung ins Grundwasser.

Es handelt sich also um eine mehrdimensionale Klimaschutz-Wirkung durch eine einzige Methode. Die dafür benötigte Masse an Pflanzenkohle soll ausschließlich aus Rest-Biomasse erzeugt werden, die sonst verwesen würde, oder zur Verbrennung vorgesehen ist. Es gibt in Deutschland genügend Biomasse, um alle CO2-Emissionen zu binden, doch wird ein Großteil davon heute für Kraftstoffe, Biogas und die Energieerzeugung genutzt.

Arbeitsweise
Dieses Thema muss national oder besser europaweit politisch forciert werden und in einem Klimaplan verankert werden (es gibt bisher noch keine CO2-Zertifikate für die Landwirtschaft oder andere Anreizsysteme zur Förderung nachhaltiger Landwirtschaft; siehe Problembeschreibung). Dazu muss aber zuerst ein öffentliches Interesse erzeugt werden, das durch progressive Parteien wie DiB vorangetrieben wird.

Folgende Vereine und Institutionen unterstützen das Thema durch wissenschaftlich fundierte Studien und Nachweise:

[1]

[2]

[3]

[4] https://www.4p1000.org/#title356

[5]

[6] https://soilsolution.org/


#2

Bei der Gelegenheit möchte ich noch an unsere Initiative erinnern . Sie braucht noch Unterstützung .


#3

falls gewünscht, kannst Du mich als Mitstreiter einsetzen. Ich hatte mir Deine verlinkten Artikel schon beim letzten Mal durchgelesen, das Thema hatten wir doch schon mal vor etlichen Monaten hier, wenn ich mich richtig erinnere. :wink:
Von mir ist ja auch die Ini zur ökologischen Landwirtschaft.


#4

Klar, gerne. Mach ich doch gleich…:grinning:


#5

Hallo Stephan,
ich wäre auch gern mit von der Partie.


#6

Super, freut mich. :slight_smile:


#7

Ja, hier:


#8

Diese Initiative könnte gut auch als Petition an unsere Landwirtschaftsministerin, Julia Klöckner, geschickt werden, denn ich meine, ihren Äußerungen bei öffentlichen Auftritten und in Interviews entnommen zu haben, dass dieses Thema bei ihr auf ein waches Interesse stoßen würde.


#9

Genau :+1: , tatsächlich ist dies nun die Überarbeitung meines ersten Initiativ-Vorschlags und soll diesen ersetzen.


#10

Wollen wie uns in Europa noch um ein bisschen um die Finanzierung auch dafür kümmern ???

erst mal noch 3 Unterstützer/innen bis zum Quorum