Den Kindern gehört mein Herz, doch der Verstand ist bei der Wissenschaft. Schule und Corona Teil 3.

Original Veröffentlichung: Schule und Corona Teil 3 | DEMOKRATIE IN BEWEGUNG

Die fehlende Aussicht auf ein Ende des Shutdowns, vor allem fĂŒr kleine Kinder, bringt viele Eltern an die Grenzen der Belastbarkeit. Sie brauchen Hilfe und VerstĂ€ndnis, doch bei einer Pandemie gibt es keinen Mittelweg.

Positiv an der Corona-Pandemie ist die Ruhe, die sie mitgebracht hat. Kaum Verkehr, weder auf der Straße noch am Himmel, und das bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Aber, aufgepasst, die Stille sorgt auch dafĂŒr, dass man ohne es zu wollen fast jedes GesprĂ€ch im Umkreis von 500 Metern mithört. Sicher auch, weil wir die Stille und dabei nötiges FlĂŒstern nicht mehr gewohnt sind. Kinder weinen, manche Eltern schreien sie an. Man spĂŒrt und hört: die Nerven liegen blank. Beide Seiten sind am Limit. Kein Wunder, inzwischen sind mehr als sechs Wochen der Isolation vergangen. Unsere Kinder vermissen die Freund*innen, wĂŒrden gern draußen herumtoben, langweilen sich stattdessen. Wir Eltern legen den Vierer-Spagat zwischen Homeoffice, Homeschooling, KinderbeschĂ€ftigung und KĂŒche hin, um nur die Wichtigsten zu nennen. Klar, das ist eine plakative VerkĂŒrzung. Das lĂ€uft in jeder Familie etwas anders, jeder Mensch geht mit der Corona Krise anders um.

Die Hilferufe, die immer lauter werden, zeigen die steigende Spannung bei den Familien, genau wie die Belastungsgrenze, die fĂŒr manche lĂ€ngst ĂŒberschritten ist. Vom Robert-Koch-Institut bekommen wir tĂ€glich bessere Fallzahlen, doch fĂŒr KindergĂ€rten und Grundschulen gibt es immer noch keine konkreten ÖffnungsplĂ€ne. Bundeskanzlerin Merkel betrachtet die Corona Pandemie eher als Wissenschaftlerin. Wir, die BĂŒrgerinnen, verhalten uns da eher ein wenig scheinheilig. Wir sind glĂŒcklich, das wir nicht von einem Hitzkopf wie Trump regiert werden, der notfalls Fake News zu Fakten erklĂ€rt. Der zudem daran glaubt, dass er stĂ€rker als Corona ist und das Virus mit Ignoranz bekĂ€mpft.

Die Kanzlerin dagegen ist promovierte Naturwissenschaftlerin und weiß mit den ihr vorgelegten Zahlen umzugehen. Ihre Rechenbeispiele zur Ansteckungsgefahr können durchaus beeindrucken.
Dadurch wissen wir auch, das die Wissenschaft Faktor zu Faktor verÀndern muss, wenn man die Auswirkungen testen will. Dreht man an mehreren Stellschrauben zugleich, lÀsst sich nicht mehr sagen, welche VerÀnderung welche Ursache hat.
Konkret: gibt es parallel Lockerungen bei KindergĂ€rten, Gastronomie und Religion und die Corona-Infektionen steigen an, lĂ€sst sich nicht feststellen, was dafĂŒr der Grund ist. Dann hilft nur der erneute Shutdown.
Das alles Ă€ndert jedoch nichts daran, dass mein MitgefĂŒhl den Kindern und Eltern gehört, die inzwischen schon auf dem Zahnfleisch gehen. Sie brauchen dringend Hilfe und mĂŒssen endlich Gehör finden. Sie brauchen konkrete Hilfen fĂŒr die teilweise schwierige Lage zu Hause.

Wir bestimmen, wie es weitergeht!

FĂŒr unsere Generation(en) ist der Kampf gegen Corona das erste Mal, dass wir als Gesamtgesellschaft ernsthafte Sorgen haben mĂŒssen, auch, oder gerade weil, der oft angestellte Vergleich mit Kriegszeiten falsch ist.
FĂŒr die Mehrheit der Bevölkerung ist die Pandemie und ihre Auswirkungen „beherrschbar“. In den Keller mĂŒssen wir, weil nachts Bomben fallen, auch nicht flĂŒchten. Der Kampf gegen das Virus wird sich auch nicht ĂŒber fĂŒnf Jahre hinziehen. Okay, genau wissen wir das nicht. Aber wir dĂŒrfen davon ausgehen, dass 2021 ein Medikament, vielleicht sogar ein Impfstoff, entwickelt ist.

Vielleicht machen wir einfach mal einen kleinen Schritt zurĂŒck. Betrachten wir unsere Lage doch mal von außen. Wenn wir vernĂŒnftig bleiben und ein paar einfache Regeln beachten, besteht nur fĂŒr eine kleine Zahl unserer Mitmenschen Lebensgefahr. In Deutschland haben wir aktuell so viele Intensivbetten, dass wir Corona-Erkrankte aus anderen LĂ€ndern aufnehmen und versorgen können. Wenn wir gemeinsam noch ein wenig Geduld ĂŒben, kann es gelingen, bis zum Ende des Sommers das Virus in die Schranken zu weisen. Das wĂ€re absehbar, wenn auch ohne festes Datum. Es liegt also auch an uns und das unterscheidet die Situation eindeutig von Menschen im Krieg.
In der Zwischenzeit finden wir sicher gemeinsam eine Lösung fĂŒr die Familien mit Kleinkindern. Vielleicht geht’s ja schon mit einem rollierendem Schichtbetrieb?
Was das mit Lernen und Schule zu tun hat? Wir lernen alle dabei und die Kleinkinder sind nun mal die SchĂŒler*innen von Morgen.

NĂ€chstes Mal gibt es EindrĂŒcke, Ausblicke und Überblicke von den ersten beiden Wochen Unterricht fĂŒr mehr als die Abschulklassen. Da passiert gerade eine Menge und wie es aussieht im LĂ€nderflickenteppich durchaus Positives. Die Kinder erzĂ€hlen gerade tĂ€glich Neues.
Bleibt neugierig, vor allem aber Gesund!

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Diese Situation zeigt deutlich, dass es wichtig ist die Klassen zu verkleinern.

Das ist schon lange ĂŒberfĂ€llig.

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Gut auf den Punkt gebracht! Es geht jedoch nicht nur um die KlassengrĂ¶ĂŸe an sich, sondern auch darum, dass Kinder oft weitere Wege auf sich nehmen mĂŒssen, weil die SollstĂ€rken der Klassen nicht erreicht werden.

Die Teltower Realschule wird einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung stellen, um in diesem Jahr eine 7. Klasse eröffnen zu können. DarĂŒber informierte BĂŒrgermeister Thomas Schmidt (SPD) in der Sitzung des Hauptausschusses am Montag.
Potsdamer Neueste Nachrichten, 7.4.2004

Ganz sicher wird sich nicht jede Dorfschule als solche erhalten lassen. Allerdings muss man sich auch mit der Frage beschĂ€ftigen, welchen Sinn es macht, die SchĂŒler nicht selten stundenlang mit Bussen durch die Gegend zu karren. Man stielt ihnen nicht nur die Zeit, die sie sicher besser nutzen könnten, sondern es verursacht eben auch Kosten., die irgendjemand tragen muss. Entweder die Eltern, die unklugerweise in einer etwas abgelegenen Ecke wohnen geblieben sind oder der Steuerzahler. Was ist das also fĂŒr ein Sparen, wenn es letztlich mehr Kosten verursacht?

Um es auf unser aktuelles Problem zu beziehen, jedes StĂŒck MobilitĂ€t trĂ€gt auch zur Verbreitung von Bakterien und Viren bei. Die Beweglichkeit von Menschen und GĂŒtern kann durchaus zur Erhöhung von Wohlstand und LebensqualitĂ€t beitragen, doch nur, wenn sie mit Sinn und Verstand erfolgt und nicht nur zum Nutzen weniger.

Internationale Arbeitsteilung ist wichtig. Aber: Nicht jede Lieferbeziehung ĂŒber Zehntausende Kilometer ist sinnvoll und schon gar nicht jede Standortverlagrung ĂŒber Billiglohngrenzen hinweg.
Uwe Meinhardt, Leiter der IG Metall-Grundsatzabteilung, metallzeitung Juni 2020

Das gilt eben auch fĂŒr das wichtige Gut Bildung. Und in diesem Fall auch fĂŒr weitaus geringere Entfernungen.

Übrigens hat sich die Einwohnerzahl meines Heimatortes in den letzten Jahren ebenso erhöht wie die der Nachbarstadt Teltow. Wenn damals der Erhalt einiger Schulen zur Disposition stand, so wurden kĂŒrzlich hier wie dort Neubauprojekte beschlossen. An der Stelle der Kaserne, in der ich einst meinen Wehrdienst ableistete, befindet sich jetzt das Vicco-von-BĂŒlow-Gymnasium. Was wĂŒrde wohl der alte Loriot dazu sagen
?

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