Das gute Leben

Original Veröffentlichtung: https://bewegung.jetzt/2017/12/23/das-gute-leben/

Wie können wir Wohlstand und Zufriedenheit der Menschen messen? Bereits im 17. Jahrhundert haben Menschen sich diese Frage gestellt. Seit dem 20. Jahrhundert ist das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, die wichtigste MessgrĂ¶ĂŸe, um den Erfolg eines Landes zu bewerten. Das BIP gibt dabei den Gesamtwert aller Produkte an, die innerhalb der Landesgrenzen eines Staates als Endprodukte hergestellt werden. Das BIP bewertet also die wirtschaftliche Kraft eines Landes als absolute GrĂ¶ĂŸe und misst Wohlstand und Erfolg somit ausschließlich in Geld.

Das Wohlbefinden der Einwohner*innen, geleisteter Umweltschutz oder auch die Teilhabe der Menschen am Wohlstand berĂŒcksichtigt das BIP nicht. Es bewertet auch nicht, ob der wirtschaftliche Erfolg auf Kosten anderer Menschen oder LĂ€nder erreicht wird.

Dass sich aber GlĂŒck und Zufriedenheit nicht ausschließlich in Geld messen lassen, ist mittlerweile in zahlreichen Studien belegt, siehe die “World Database of Happiness” und Die BĂŒrgerinnen von Singapur gehören zum Beispiel global gesehen zu den produktivsten der Welt mit einem pro Kopf Einkommen von durchschnittlich 51.000 US , wohingegen die BĂŒrger Costa Ricas nur ein bescheidenes pro Kopf Einkommen von 12.000 US erwirtschaften. Trotzdem gaben die BĂŒrger Costa Ricas in einer Studie des “Happy Planet Index” eine viel höhere Lebenszufriedenheit als die BĂŒrgerinnen Singapurs an.

In einer Zeit, in der immer weniger Menschen am Wohlstand teilhaben und in der die Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands immer mehr auf Kosten der Umwelt oder anderer LĂ€nder erfolgt, halten die Initiator*innen das BIP fĂŒr nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ. Wir wollen den Wirtschaftswachstums-Hype infrage stellen und eine Maßeinheit finden, die nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg einer Nation widerspiegelt, sondern auch aussagt, wie es den Menschen in einer Gesellschaft geht.

Wie diese neue Maßeinheit aussehen soll, diskutieren wir in unserem Plenum mit der Initiative “Das gute Leben”. Wir haben mit Initiator Bente Faust ĂŒber die Initiative und seine BeweggrĂŒnde gesprochen.

 

Warum ist das BIP die falsche MessgrĂ¶ĂŸe?

Das BIP misst nur die wirtschaftliche StĂ€rke eines Landes und wird fĂŒr den Vergleich zwischen den LĂ€ndern herangezogen. Aber es gibt auch andere Faktoren, die den Erfolg eines Staates ausmachen, die werden völlig außer Acht gelassen. Deshalb ist es Zeit fĂŒr einen neuen Indikator, der das Ganze vielschichtiger betrachtet.

Was wĂŒrde fĂŒr Dich persönlich eine gute MessgrĂ¶ĂŸe ausmachen?

Ganz wichtig: Wir mĂŒssen immer mit berĂŒcksichtigen, was wir kaputt machen. Hier sind die Stichworte Gemeinwohlökonomie und Nachhaltigkeit zu nennen. Wir mĂŒssen uns fragen: Sind wir jetzt so erfolgreich, weil wir nachfolgenden Generationen Lebensraum kaputt machen? Wirtschaftlicher Erfolg sollte immer nachhaltig gedacht sein. Dazu kommt noch, wenn wir immer nur nine to five arbeiten, fehlt uns die Zeit fĂŒr die guten und schönen Dinge im Leben. Deshalb haben wir die Initiative auch “das gute Leben” genannt.

Das Thema “GlĂŒck messen” haben wir absichtlich nicht mit berĂŒcksichtigt, weil es schwer zu definieren ist, das ist schnell sehr philosophisch. Uns geht es darum, die Frage zu klĂ€ren, was ein gutes Leben ausmacht.

Was fordert die Initiative?

Die Initiative bietet keinen konkreten Lösungsansatz, sie ist vielmehr ein Aufruf und eine Forderung, sich zu dem Thema Gedanken zu machen. Menschen aus allen Bereichen, Expertinnen, BĂŒrgerinnen, Politiker*innen, sie alle sollen gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Dieser neue Indikator soll der Politik so ins Blut ĂŒbergehen, dass er in den politischen Alltag einbezogen wird und Politiker*innen sich erstmal die Frage stellen: Fördert mein Vorschlag “das gute Leben”?

Kann noch mitdiskutiert werden?

Auf jeden Fall! Es soll auch noch mitdiskutiert werden. Es handelt sich bei dieser Initiative auch um die erste Ini, die noch keine Lösung formuliert hat, sondern das DarĂŒbernachdenken und Mitarbeit fordert. Es ist eine Initiative mal anders formuliert.

Bis zum 26.12.2017 hast Du hier noch die Gelegenheit mitzudiskutieren. Mach mit!

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