Corona und Wirtschaft

Original Veröffentlichung: Corona und Wirtschaft | DEMOKRATIE IN BEWEGUNG - DiB

Schluss mit dem Lockdown-Jojo

Die Corona-Runde zwischen den Ministerpräsident*innen der Länder und der Bundesregierung hat den aktuellen Lockdown bis zum 7. März verlängert. Grundlage für diese Entscheidung ist ein neuer Inzidenz-Wert: Jetzt also nicht mehr „unter 50“, sondern „ab unter 35“.
Lockerungen gibt’s erst mal nicht, aber die Länder dürfen selbstständig entscheiden, ob und wie sie Kindergärten und Schulen wieder öffnen. Klare, nachhaltige und zielgerichtete Konzepte für diesen Bereich? Die haben die MP’s wohl selbst nicht.

Noch fataler ist das nicht vorhandene Konzept fĂĽr die Wirtschaft. Einziges Ziel bleibt wohl weiterhin, die mittleren und groĂźen Betriebe einfach wursteln zu lassen. Hygienekonzepte, Maskenpflicht und Abstandsregeln in Betrieben sind erwĂĽnscht, werden aber ganz offensichtlich nicht kontrolliert.
Die Pflicht, Home-Office zu erlauben, scheitert weiter an mangelhafter Kontrolle, noch deutlicher aber an einem Vollversagen der Politik bei der Einführung flächendeckender Glasfaserleitungen und des 5G-Standards.

Eine weitere Pandemiebekämpfung nach modifizierten Mittelalter-Regeln führt direkt in die bevorstehende dritte und vierte Welle. Das schadet der Wirtschaft jedoch deutlich mehr als ein längerer Lockdown mit verschärften Regeln und einer Null-Fälle-Strategie.

Wir fordern daher eine „Zero-Covid“ Strategie, um die Pandemie nachhaltiger und effizienter in den Griff zu bekommen. Vor allem aber auch, um den Menschen klare, erreichbare Ziele aufzuzeigen.

Phase 1:

Die Infektionszahlen werden mit dem Lockdown und konsequentem Infektionsschutz „auf Null“ gesenkt. Die Zyklen der Wiedereinführung und Aufhebung von Verboten und Grundrechtseinschränkungen werden damit durchbrochen. Um die Inzidenz (die Fälle der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner) unter zehn zu drücken, veranschlagen Forscher „wenige Wochen“, das gelang in Deutschland im vergangenen Sommer. Das willkürlich gewählte Inzidenz-Ziel der Politik von 50 führt immer wieder zu weiteren Lockdowns. Mit verstärktem Infektionsschutz, Einhaltung und Kontrolle der Abstandsregeln sowie Maskenpflicht auch in allen Betrieben werden Schließungen von Produktionsbetrieben – dem Rückgrat der Wirtschaft – verhindert.

Phase 2:

Liegt die Inzidenz regional unter zehn, können „Grüne Zonen“ eingerichtet werden. Außerhalb dieser Zonen werden weiter „strikte Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen“ eingehalten. Diese Strategie wird durch Quarantäne-Regeln, eine effiziente Teststrategie und eine Impfkampagne ergänzt, unterstützt und verstärkt. Das Ziel ist dabei, die „Grünen Zonen“ Stück für Stück immer weiter auszudehnen, im Idealfall über ganz Europa.
Die Aussicht auf Impfung allein reicht angesichts der schleppenden Vakzine-Lieferung den Menschen nicht als Motivation. Die „Zero-Covid“ Strategie definiert uns allen ein klares Ziel, zu dem wir selbst einen einfachen Beitrag leisten können.

Phase 3:

Sind die „Grünen Zonen“ erreicht, müssen sie erhalten und ausgebaut werden. Die entscheidenden Elemente dazu sind flächendeckende Tests an Orten mit hohem Publikumsverkehr und eine langsame, kontrollierte Öffnung des öffentlichen Lebens in klar definierten Schritten. Falls es dennoch neue Infektionen gibt, werden sofort schnelle, lokal begrenzte Schutzmaßnahmen in Kraft gesetzt.

Gesundheit und Wirtschaft dürfen nicht als Widerspruch gesehen werden. Studien zu früheren Pandemien haben gezeigt, dass der wirtschaftliche Schaden mit zunehmender Todeszahl steigt. Inzwischen steht auch Schweden mit seiner lockeren Corona-Strategie ökonomisch schlechter da als andere Staaten.
Mit einem harten Lockdown für das öffentliche Leben, einer „Zero-Covid“ Strategie, verstärktem Infektionsschutz und einer deutlich beschleunigten Impf-Kampagne werden die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben am Laufen gehalten. Über die „Grüne Zonen“ führen wir die Menschen und die betroffenen Branchen wieder in die Normalität zurück.

Wirtschaftspolitisch haben Bundesregierung und Länder erneut kein Konzept vorgelegt, um in Deutschland wieder ein nachhaltiges Wachstum aufzubauen.

Im Rahmen der Bekämpfung von Pandemiefolgen fordert DEMOKRATIE IN BEWEGUNG:

  1. Effiziente Investitionen in den Klimaschutz, um die Energiewende auf ein solides Fundament zu stellen
  2. Eine nachhaltige Sicherung und Modernisierung der sozialen Sicherungssysteme mit dem Ziel, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzufĂĽhren
  3. Ein digitales Update des föderalen Bildungssystems inklusive der Einführung eines flächendeckenden inklusiven Schul- und Bildungsangebots

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Hallo Klaus,

deine Schlussfolgrungen und Argumente sind sicherlich nachvollziehbar. Aber vielleicht nicht alle und sicherlich auch nicht für alle. Ich bin der Meinung, du kannst hier nicht für DiB sprechen, sondern nur für dich und diejenigen, die ein Herzchen unter diesen Beitrag setzen. Bezüglich eines solch sensiblen Themas sollten wir vorsichtig sein, wenn wir uns als DiB positionieren. Ich hatte dies gestern auch dem Öffie-Team mitgeteilt, leider habe ich keine Resonanz bekommen. Jetzt bin ich doch ziemlich irritiert, dass ohne entsprechende Rückmeldung einfach nochmal nachgelegt wird. Das kann ich ehrlicherweise nicht nachvollziehen, wertschätzend finde ich das auch nicht. Schade.

Dir lieber Klaus, will ich gar nichts vorwerfen, das will ich nochmal explizit betonen. Und inhaltlich bin ich auch zemlich bei dir. Ich finde nur, dass wir das nicht als DiB veröffentlichen können, ohne das in irgendeiner Art und Weise abgestimmt zu haben.

Und wenn dies BuVo Meinung ist, habe ich damit kein Problem, im Gegenteil, aber es sollte dann auch entsprechend als solche geennzeichnet werden.

Liege ich da komplett falsch?

LG Sabine - nicht fĂĽr die Moderation

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Hallo Sabine,

Corona ist ein Dauerbrenner, ich bin jedoch der Meinung, das man damit endlich konstruktiv umgehen muss. Leider ist es kein Thema, das so vor sich hin „tuckert“.
Es rast dahin, alles und jede*r hat dazu was zu sagen. Nur eben selten (ich finde nie) etwas konstruktives, in die Zukunft gerichtetes.
Um vor der nächsten Corona Runde mal einen ganz anders ausgerichteten Standpunkt zu positionieren, muss man versuchen zuerst den Finger zu heben. Das war einer der Hauptgründe, damit direkt in die Öffentlichkeit zu gehen.
Und es sind ja BuVo MItglieder im Öffi Team…
Bei Blog Beiträgen zeichnet allerdings immer die Autor*in :slight_smile:
Liebe GrĂĽĂźe
Klaus

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Beim ersten Mal Durchlesen war mein Eindruck zuerst, DiB würde die „Zero-Covid“-Strategie, die in den letzten Wochen in der Presse viel diskutiert wurde, auch fordern, aber das „fordern“ bezieht sich beim genaueren Lesen ja nur auf die 3 Punkte am Schluss.

Was heißt das dann eigentlich konkret für die Einstellung von DiB zur Corona-Strategie? Haben wir die Möglichkeit, in halbwegs vernünftiger Zeit auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren oder ist das mit dem Initiativprinzip gar nicht möglich, weil der Prozess einige Wochen dauert? Wäre es vielleicht trotzdem noch sinnvoll, eine Initiative zu dem Thema auf den Weg zu bringen, um dann zumindest im April allgemeine Punkte an der Hand zu haben?

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Dieser Thread ist dir entgangen?
https://marktplatz.bewegung.jetzt/t/pandemie-langzeitstrategie/37121

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Dabei ist wieder einmal zu bedenken, dass sich die DiB-Probleme aufgrund der aktuellen Umstände potenzieren: Besonders hoher Personalbedarf wegen der besorstehenden BTW bei gleichzeitigem Allzeit-Low der verfügbaren personellen Ressourcen. Zwangsläufig sind die in Teams A’ktiven nicht nur voll aus-, sondern überlastet.

Selbst die noch verbliebenen DiB-Anhänger, die früher zumindest auf dem MP mitdiskutiert und sich mit konstruktivean Vorschlägen beteiligt haben, befinden sich im „Ruhestand“ oder in Abwartehaltung, so dass der Anstoß neuer Themen auf dem MP nicht viel mehr als eine Like-Vergabe einiger weniger davon bringt. So verlaufen solche threads einfach im Sande, ohne dass etwas aktuell oder im Wahlkampf Verwertbares dabei herausgekommen ist.

Wie würdest Du Dir angesichts dessen das Absstimmen über einen beabsichtigten Blog vorstellen? Wir sollten froh sein über alle, die Eigeninitiative zeigen und uns (auch, wenn keine Rückmeldung auf einen Hinweis erfolgt) darauf verlassen, dass ein Blog-Entwurf genug Beachtung findet, damit kein DiB-schädlicher durchrutscht.

Wegen der mehrfachen Verwendung dieses Begriffs hatte ich allerdings leichte Bauchschmerzen. Ist denn in irgendeinem Kreis einmal besprochen worden, ob DiB die „Zero Covid“ oder eher die „NoCovid“ Strategie unterstützt? Mir persönlich ist die Letztere sympathischer, zum Einen, weil Wissenschaftler sie sehr aktiv laufend weiterentwickeln und an neueste, insbesondere in Deutschland gewonnene Erkenntnisse anpassen, zum Anderen, weil ich den europäischen Ansatz der Ersten als schwer (nur langwierig) durchsetzbar betrachte. Der schwerfällige Moloch EU ist uns ja alllen (man erinnere sich an die Impfstoffentschedungen) bestens bekannt.

Zum Unterschied der beiden Strategieen gibt hat es viele Berichte gegeben, als nur ein „at random“-Beispiel diesen hier:

Unterschiede Zero Covid / NoCovid

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Aus Tina’s link:

Was ist die Initiative #ZeroCovid?

„Die neu gegründete Initiative #ZeroCovid fordert auf Grundlage der Empfehlungen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einen umfassenden europaweiten Lockdown in allen lebenswichtigen Bereichen – besonders in der Wirtschaft. Die Rede ist von einer „solidarischen Pause“, in der die Wirtschaft für einen bestimmten Zeitraum europaweit stillgelegt werden soll. Die Aktivisten wollen dafür auch die Arbeitspflicht aussetzen. Ein umfassendes Rettungspaket ist deshalb aus Sicht der Initiative nötig“

Das halte ich für schlicht unmöglich. Wo sollen zum Beispiel die Grenzen gezogen werden bzgl. der Arbeitspflicht?
Die Mitarbeiter*innen in Supermärkten, Dorgerien, Arztpraxen. Pflegediensten, Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, und viele mehr sollen also zuhause bleiben? Auch diejenigen, die o.g. Einrichtungen versorgen und beliefern?
Wo sollen die Grenzen gezogen werden?

Wenns nach der Definition vom Deutschlandfunk geht halte ich einen #nocovid fĂĽr realistischer.

Ich wiederhole nochmal, ich finde den Blog von @kreichenbach-01 super. Aber es sollte klar erkenntlich sein, dass dieser Blog die Meinung eines geschätzten DiB-Mitglieds wiedergibt und nicht für DiB stehen kann. Das ist nur zum Teil erkenntlich durch den Namen. Wenn im Text dann steht

ist das fĂĽr mich eine Aussage, die fĂĽr DiB spricht und nicht nur einer einzelnen Person.

Meine Bitte also für künftige Blog-Beiträge, vor allem bei sensiblen Themen darauf achten, dass erkenntlich wird, dass dies eine Einzelmeinung der betreffenden Person ist.

Falls es gewollt ist, dass eine DiB-Meinung vertreten wird, muss mindestens der BuVo darĂĽber diskutieren und abstimmen. Und zwar der Buvo als Gremium. Mir reicht es nicht, wenn ein oder zwei Personen des BuVo beteiligt sind.

Liebe Tina, das beantwortet dann auch deine Frage, wie abgestimmt werden soll. Wenns eilt, bleibt nur eine BuVo Entscheidung, ggf. mit Rücksprache mit bestimmten Teams, ansonsten, haben wir die Möglichkeit eines Meinungsbildes auf dem Marktplatz, andere Abstimmungstools, oder wenn wir viel Zeit haben als Ini oder auf der Agora.

LG Sabine - nicht als Moderation :slight_smile:

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Meine Aussage war auf die anderen Parteien und vor allem auf die mit Regierungsbeteilung „gemünzt“.

Ich sehe 2 Hauptunterschiede. Zero Covid ist europaweit gedacht und hat von den Unterstützer*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft eine breitere Basis. Und eine EU weite Zero Covid Aktion würde die Pandemie deutlich wirksamer bekämpfen als wenn sich der Plan nur auf ein Land beschränkt.

Ich persönlich tendiere zu einer europäischen Lösung weil wir seit einem Jahr erleben, das „Flickenteppich-Lösungen“ weder landesbezogen noch europäisch lange genug wirken. Da ich beruflich immer in mehreren europäischen Ländern unterwegs bin habe ich die Unterschiede und langfristigen Schäden (da geht es ja um weit mehr als Wirtschaft) ganz direkt erlebt.

Ansonsten sind viele Akteure an Entwicklung und Planung beider Strategien beteiligt. Das ist wohl schlicht eine Frage der Machbarkeit. Denn die Chance auf eine europäische Zero Covid Lösung ist denkbar gering. So einig und solidarisch ist die EU (leider) nicht.

Ich fände es absolut wichtig, eine langfristig gedachte Pandemie Strategie zu entwickeln.

  1. Corona wird uns noch Jahre beschäftigen weil wir die sog. Herdenimmunität nicht so schnell erreichen wie gerade propagiert wird (siehe folgende Punkte)
  2. bislang gibt es keinen vernünftigen Plan, wie der grösste Teil der Welt zu einer Impfung kommt (grob gesagt die "3. Welt)
  3. wenn wir in Europa dieses Jahr noch die 60% Quote bei den Impfungen erreichen, werden die Reisezahlen schnell nach oben gehen. Das allein wird für eine weitere „Welle“ sorgen.
  4. es wird, so lange eine ungehemmte Globalisierung da ist. weitere Pandemien geben.

So eine Pandemiestrategie wäre ein Novum, bislang hab ich noch nicht gesehen, das eine Partei sich damit befasst hat. Gebraucht würde es aber, vor allem auch mit einem konstruktiv-demokratischem Kern.

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Ja! Aber ganz generell: Wer auf die Homepage einer Partei geht und dort gleich unter „Aktuelles“ verschiedene Blogeinträge sieht, erwartet zu Recht dort die abgestimmte Meinung dieser Partei vorzufinden und nicht eine Einzelmeinung.

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So war mein Ansatz gedacht:
https://marktplatz.bewegung.jetzt/t/strategische-massnahmen-im-hinblick-auf-die-postpandemische-zukunft/37258/11

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Auch ein Aspekt, der bisher wenig UnterstĂĽtzung findet:

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Keine Frage, der Aspekt „menschenwürdige Arbeitsbedingungen“ ist allgemeingültig für alle Arbeitenden und lässt kein Gegenargument zu. Nicht so einfach sieht es bezüglich der Unterstützung von konkreten Forderungen Protestierender aus, denn dabei sind viele Aspekte zu berücksichtigen.

Nehmen wir in diesem Fall die (mit einem Vorwurf verbundene) Forderung: „Hört auf zu bestellen, kocht selbst“. Nicht Jede*r ist an jedem Tag dazu in der Lage und hat vielleicht niemanden, die/der dabei helfen kann. So kann es Tage geben, an denen eine Essenslieferung die einzige Möglichkeit ist, eine warme Mahlzeit zu bekommen.

Dann alle Forderungen, deren Erfüllung seitens der Arbeitgeber mit Kosten verbunden ist (wozu besonders in diesem Fall auch auskömmliche Lohne gehören), die durch die gegebenen Gewinn-Margen nicht zu decken sein düften. Ergo: Sie würden auf die Gastronomen, die den Lieferservice in Anspruch nehmen, umgewälzt und von denen auf die Endkunden. Viele Menschen können sich geliefertes Essen aber nur wegen der niedrigen Preise leisten - Umsatzverluste bei den Produzenten = „natürliche“ Marktbereibigung?

Ein Grundübel der heutigen Marktwirtschaft ist die Verdrängung von Einzel- durch Großunternehmen. Größe bedeutet Macht und Vernichtung des Wettbewerbs. Diese marktbeherrschenden, nur auf ihren Profit bedachten Unternehmen können sich dann jede asoziale Schweinerei leisten.

Diese Entwicklung unterstützen alle, die bei solchen Unternehmen einkaufen bzw. deren Leistungen in Anspruch nehmen - siehe Amazon, das („dank“ der Pandemie) 2020 Umsatzsteigerungen in Höhe mehrer Milliarden und damit noch mehr Macht erreicht hat.

Das Schlimme daran ist, dass sich die Konsumenten derartig an die Anonymität des Online-Einkaufens gewöhnt haben, dass ihnen die Wertschätzung menschlicher Kontakte zu ihren Dienstleistern, aber weitgehend auch das Qualitätsbewusstsein in anderer Hinsicht, abhanden gekommen ist. Womöglich werden selbst menschenleere Einkaufzonen sie nicht zum Nachdenken bringen, weil sie die lokalen Anbieter gar nicht vermissen. In die Stadt geht man dann wahrscheinlich nur noch zum Vergnügen - ins Eis-Café, in die Kaffee- oder sonstige Bar, ins Restaurant etc. pp… - meiner Einstellung nach traurige Aussichten.

Sorry, dass ich nun so weit vom Thema abgekommen bin :wink:.

Ich schätze, die Folgen wären noch ärger als die durch die Pandemie selbst. Bereits durch die seit Jahren vor sich hin quiemende Euro-Krise haben sich genug Risiken angesammelt. Man sollte doch bei Einschränkungen sehr genau hinsehen, was die bringen und was nicht.

Das echte Risikopotential liegt ohnehin woanders:

Die Meldung „Polizei löst Party in Hotel auf – alle Teilnehmer ohne Maske“ hätte es früher am Karnevalswochenende auch nicht gegeben (nicht mal in Berlin). 15 Leute teilten sich hier 15 qm – aber da geht mehr, wie die nächste Meldung zeigt:
„Polizei löst Party in Friedrichshain auf“ – gefunden wurden hier Tütchen mit Kokain, Heroin, Marihuana, Ecstasy und 24 Leute auf 20 qm.
Tagessoiegel-Newsletter „CheckPoint“ vom 15.2.

So hatte ich es bereits vermutet. Dichtes Gedränge und dazu eine hohe Dunkelziffer. Aber es werden die Bereiche downgelockt, die ohnehin der öffentlichen Kontrolle zugänglich sind.

Etwas zum Präsenzunterricht in den Schulen: Homeschooling scheint zwar aus Gründen des Infektionsschutzes die bessere Lösung zu sein, andererseits bringt es auch für die Eltern und sonstigen Erziehungsberechtigten eine Menge zusätzlichen Stress. Lässt sich zudem das Problem der Ansteckungsgefahr nicht anders lösen? Gestern Abend saß in der Sendung „Wer weiß den so was?“ Herbert Köfer an seinem 100. Geburtstag neben seinem Teampartner Bernhard König. Beide durch eine kaum sichtbare Glasscheibe getrennt, Geht doch! Auch Provisorien mit etwas Klarsichtfolie und ein paar Holzleisten o. ä. können diesen Zweck erfüllen.

Noch etwas:

Um über sich hinauszuwachsen, hat z.B. das Dathe-Gymnasium (in Berlin, Friedrichshain-Kreuzberg) jetzt für jedes Klassenzimmer eine Leiter angeschafft. Damit können ein Jahr nach Pandemiebeginn jetzt endlich auch hier zum Lüften die hoch angebrachten Fenster geöffnet werden.
„CheckPoint“ vom 16.2.

Na also - da geht doch noch was!

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Es ginge noch sehr, sehr Vieles, wenn man wollte, was jedoch Entscheidungen auf der Basis einer umfassenden Strategie voraussetzen wĂĽrde, die ich bisher nicht erkenne. Vielmehr scheint mir das Pandemie-Management unserer Regierung auf der immer gleichen Denkschiene auf nur zwei Gleisen festgefahren zu sein.

Die Einen sind überzeugt, dass nur ein weitaus radikalerer Lockdown die Inzidenzen senken und eine dritte Welle mit den neuen hochansteckenden Mutanten verhindern könne.

Die Anderen kämpfen ebenso verbissen für eine möglichst schnelle Lockerung.

Dabei bedienen sich beide Fraktionen nur der Argumente jener – hauptsächlich medizinischen (!) – Experten, die ihre jeweilige eigene vorgefasste Meinung vertreten.

Das wird immer so weitergehen, solange das Ergebnis der sog. Krisengipfel daraus besteht, dass die Teilnehmer seitens des Bundes und der Länder sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner „geeinigt“ haben, die Länder anschließend aber nach eigenem Gutdünken entscheiden, welche der vereinbarten Maßnahmen sie umsetzen oder auch nicht.

Da der Bundestag in die Entscheidungsfindung nicht einmal eingebunden wird, wäre es höchste Zeit, dass er seiner Rolle als Legislative gerecht wird, denn an dieser Situation etwas ändern könnte nur er, nämlich durch die Änderung von Ausnahmesituationen betreffende Gesetze oder notwendigenfalls Erlass neuer, die den Ermessenspielraum der Ländergötter beschränken würden.

Allerdings müssten die Entwürfe dazu dann auch sorgfältigst von eigenen Juristen erarbeitet werden! Was bei der üblichen Vorgehensweise – Erarbeitung durch Lobbyisten und „Durchwinken“ seitens des Bundstags – herauskommt, haben wir allzu oft erlebt.

Manager können nur dann effizient und im Hinblick auf neue Entwicklungen angemessen handeln, wenn sie sich an einer vorausgehend festgelegten Kurz-, Mittel- bis Langfrist-Strategie orientieren können, die unter Einbeziehung aller Geschäftsbereiche bzw.-ziele und aller vom Handeln des Managements Betroffenen festgelegt wurde.

Eine Pandemie-Managementstrategie dürfte daher nicht primär auf den Bereich Gesundheitswesen ausgerichtet sein, sondern sie hätte von vornherein in gleichem Maße die möglichen Folgen der Pandemie für die Wirtschaft und die sozialen Folgen für alle Generationen der Gesellschaft berücksichtigen müssen. Mit anderen Worten, sie hätte nicht vornehmlich unter Einbeziehung von Medizinern erarbeitet werden dürfen, sondern den Berater-Teams hätten auch Volkswirtschaftler oder zumindest Finanzexperten, Vertreter von Wirtschaftsverbänden und aus dem Bildungsbereich, Arbeitsrechtler, Soziologen, Psychologen usw. angehören müssen. Hätte es eine solcherart erarbeitete umfassende Strategie gegeben, wären mit Sicherheit manche Entscheidungen anders ausgefallen.

Statt dessen haben die Politiker offenbar geglaubt, über all diese Fähigkeiten in ausreichendem Maße selbst zu verfügen. Sofern sie vorhanden waren, scheint mir ihre Anwendung rein politischen Interessen geopfert worden zu sein (im Hinblick auf die bevorstehende BTW, Signale an die demnächst Wählenden „Schaut, was wir alles für Euch tun!“ und „Schaut, wie schnell wir handeln!“ und insgesamt – inkl. Signale an die Wirtschaft und deren Lobbyisten – „Schaut, wie viel Geld Ihr uns wert seid!“)

Was aber nützen Versprechen (mit denen Menschen vorerst mal eingelullt werden), wenn es dann Monate dauert, bis sie eingelöst werden, wenn überhaupt.

Welchen Nutzen haben überhastete Entscheidungen, wenn ihre Umsetzung an fehlender Organisation scheitert, so dass Geld aufgrund übersehener Missbrauchslücken bei den falschen Empfängern ankommt und damit quasi herausgeworfen wurde

oder dadurch verschwendet wurde, dass falsch getroffene Entscheidungen (Beispiele: Fahrzeugkaufprämie, USt.-Reduzierung etc.) nicht die vorgesehene Wirkung erzielten.

Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen. Dafür, wie zu handeln wäre, damit zumindest ab jetzt alles besser läuft, hat es (in mehreren Talk-Shows erläuterte oder in den Medien berichtete/kommentierte) zahlreiche gute Vorschläge gegeben. Darüber, dass einige davon aufgegriffen werden oder werden sollen, habe ich noch nichts gehört.

Über einige, zum wiederholten Male – in diesem Fall einmal von Nichtmedizinern – vorgestellte wurde bei Markus Lanz in der Sendung vom 17.01.2021 diskutiert.

FĂĽr den Fall ausreichenden Interesses und verfĂĽgbarer Zeit: Es lohnt sich, sie aus der Mediathek aufzurufen.

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Das unterstreiche mal doppelt. Da rein schauen bringt Gewinn, Erkenntnisgewinn. Wäre als Pflichtvideo in Dauerschleife für die sog. Corona Kabinett mit MP Runde ausgezeichnet :slight_smile:

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Neue Mediathek-Empfehlung meinerseits: Maybrit Illner heute (18. Februar), dabei vor allem hören, was Rostocks Oberbürgermeister Madsen und Katharina Witt als Kleinunternehmerin zu sagen haben. Solche praxisbezogen und vernünftig denkenden Leute mit direktem Kontakt zu den Betroffenen würde ich mir im Corona-Management wünschen. Auch sie, keine Politiker, sehen durchaus praktikable Alternativen zu Total- und Überall-Lockdowns.

Soll einer sagen, die Regierung handelt nicht. Probleme bei der Impfstoffversorgung? Schwuppdiewupp wird ein Sonderbeauftragter bestellt, der Engpässe bei der Impfstoffproduktion beseitigen soll: Sonderbeauftragter

Zu diesem Artikel muss ich mich einmal selbst zitieren:

Aufgabe des Bundesfinanzministers? Oder bringt sich hier - Signal: „Jetzt nehme ich die Dinge mal selbst in die Hand.“ - ein zukünftiger (Signal: zügig handelnder) Kanzlerkandidat in Stellung? :wink:

„Der neue Beauftragte soll vor allem Ansprechpartner für die Hersteller sein und ihnen dabei helfen, ihre Produktion zu steigern.“ – „. . . dafür sorgen, dass die Unternehmen genügend Rohstoffe bekommen und die Lieferketten nicht ins Stocken geraten.“

Man darf gespannt sein, was der Beauftragte zur Lösung des Rohstoffproblems aus dem Hut zaubert. Biontec hatte beklagt, dass der Markt leer sei. Ausrede? Wenn ja, warum? Unternehmen wollen mit ihrer Produktion Geld verdienen, müssten also selbst an der Beschaffung interessiert sein und die Quellen am besten kennen. Ob sich der „Sprecher des Vorstands der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ (und langjähriger Weggefährte von Olaf Scholz - sic.) da wirklich besser auskennt?

„Zugleich soll er sich darum kümmern, wie mit staatlicher Hilfe die Kapazitäten für die Herstellung der Impfstoffdosen ausgeweitet werden können.“ Aha, wieder einmal staatliche Hilfe, tatsächlich Zuständigkeit des Finanzministers.

Überrascht hat mich, dass Rhld.-Pfalz die Tabelle der Länder mit den meisten durchgeführten Impfungen anführt. Erlebnisbericht:
Mein Mann und ich sind gestern geimpft worden, der Ablauf war ein Debakel. Mehr als eine halbe Stunde lang standen wir allein an der Rezeption zur Erledigung der BĂĽrokratie. Der gesamte Prozess dauerte eineinhalb Stunden.
Da wir – trotz per Post zugesandter Terminbestätigungen – nicht im Computer standen, sollten wir wieder nach Hause fahren und warten, bis uns ein neuer Termin zugeteilt wird. Nachdem wir uns weigerten (70 km hin und zurück), Ermittlungen, wie wir vielleicht irgendwo „dazwischen geschoben“ werden könnten.
Dann Anlage von zwei neuen Akten, wozu noch einmal alle mit dem Antragsformular beantworteten Fragen (welche Vorerkrankungen und wann, Kliniken/Ärzte, Medikamente etc. – aus dem Gedächtnis) neu zu beantworten und einzugeben waren.
Als die Dame, die allein das erledigen durfte, wieder gegangen war und die andere die Akten ausgedruckt hatte, stellte sich heraus, dass sie gravierende Fehler enthielten. Die andere Dame wurde wieder gerufen und …. konnte nicht einfach die Fehler ausbessern, sondern musste beide Akten komplett neu anlegen!
Das laut mitgeteiltem Ablauf vorgesehene 10-minütige Artgespräch fand nicht statt, was uns zwar egal war, jedoch bedeutete, dass die angeforderten und mit viel Mühe besorgten Arztberichte von niemandem beachtet wurden.

Ein Arzt ist uns unter den vielen, vielen Leuten, die dort herumliefen (Begrüßungskomittee, Security, weiteres Aufsichtspersonal, Ordner, die uns von einem Raum zum anderen führten etc.) oder gelangweilt herumstanden und mit einander plauderten (Sanitäter, Pfleger) und schließlich die Impfenden, nicht aufgefallen.

Wenn dieses Impfzentrum an erster Stelle steht, frage ich mich, wie es wohl bei anderen zugeht. Klar ist allerdings, dass für das Ganze (ein riesiges Gebäude, offenbar ehemals WalMart, renoviert und aufwändig ausgestattet, dazu enorm viel Personal) an Geld und Mühen nicht gespart wurde.
Mangehaft: Organisation und Kommunikation.

Von Impfverweigerung ĂĽbrigens keine Spur. Der Parkplatz war voll, und vor dem Eingang standen lange Schlangen.

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Zum Thema, was besser laufen könnte bzw. wobei nach neuen Erkenntnissen nicht zügig genug gehandelt wird:

Alle Wissenschaftler, die sich mit den Möglichkeiten zum Abflachen der Inzidenzkurve beschäftigen, fordern „Testen, testen, testen!“, um die Menschen, die, ohne selbst Symptome zu haben, infektiös sind, also Andere infizieren können, zu finden und anschließend deren Kontakte zu verfolgen (wozu die Gesundheitsämter allerdings möglicherweise zusätzliches Personal benötigen würden).

Dem standen lange Zeit die Kosten entgegen – teure Laboruntersuchungen, und die Tests mussten von zu bezahlenden Ärzten durchgeführt werden – die in der Regel von Testwilligen selbst zu tragen waren.

Nun gibt es einfach zu handhabende Schnelltests, die praktisch Jede*r nach kurzer Anleitung selbst durchführen kann, da das Verletzungsrisiko durch Abstriche tief in der Nase entfällt. Einfach und damit kostengünstig sind auch die Untersuchungen der Proben in den Laboren. – Warum also müssen die Entscheider seit längerer Zeit über die Zulassung diskutieren, wo liegt das Problem?

Ich weiß nicht, ob es möglicherweise noch andere Hinderungsgründe gibt. Ein Hindernis stellen jedenfalls die Labore dar. Während es anfangs nur begrenzte Kapazitäten gab, so dass die Labore überlastet waren und es oft zu lange dauerte, bis Ergebnisse zur Verfügung standen, gibt es jetzt, nach der Niederlassung vieler neuer Labore (in einem Fall mit rd. 1000 Beschäftigten!), Überkapazitäten, die durch die einfachen Schnelltests nicht im Entferntesten ausgelastet werden können.

Damit haben die Pandemie-Manager das Problem der Prioritätensetzung: Was hat Vorrang – Reduzierung der Inzidenzen oder Rettung von Unternehmen?
Dürfen sie die früher dringend benötigten zusätzlichen Labore der Selbstregulierung des Marktes überlassen, d. h. sie gegebenenfalls insolvent gehen lassen, nachdem die Gründer erhebliche Investitionen getätigt und damit Schulden aufgehäuft haben bzw. wie wären diese zu entschädigen? Und was ist mit den Menschen, die damit ihre Arbeitsplätze verlieren würden?

Bezüglich der Reduzierung der Inzidenzen kommt noch ein anderer Aspekt ins Spiel, nämlich die möglichen Todesfolgen bei Nichtreduzierung.

Eine die Vergangenheit betreffende Studie basierte auf der Zahl der 30.000 Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum (der mir nicht konkret in Erinnerung ist). Es ging dabei darum, herauszufinden, wie viele dieser Menschen tatsächlich durch Corona und wie viele (nur) mit Corona verstorben sind und wie viele Todesfälle bei effizienterem Pandemie-Management hätten vermieden werden können.

Die gleiche Frage stellt sich aber auch im Hinblick auf das Eindämmen der Weiterverbreitung des Virus, zumal der gefährlicheren Mutanten, durch zügigeres und häufigeres Testen inkl. Kontaktverfolgung, aber auch durch effizienteres Impfmanagement zur Eindämmung der Intensivpflegefälle.

Meines Erachtens müsste, so betrachtet, die Volksgesundheit Vorrang vor den wirtschaftlichen Folgen haben, und zwar selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es dabei nicht nur um wirtschaftliche Folgen für Unternehmen geht, sondern um solche für alle Menschen im weitesten Sinne, denn Corona schert sich schließlich nicht um Grenzen. Was nützt den Menschen längeres wirtschaftliches Überleben, wenn sie kurz darauf sterben oder lebenslang schwere gesundheitliche Schäden davontragen? – Ich hoffe deshalb, dass die Politiker dies auch so sehen und die Schnelltests bald zulassen.

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