Bildungsrevolution jetzt!


#1

Aufruf: Ich suche Mitstreiter*innen Expert*innen Prüfer*innen
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag / persönliche Nachricht
Inhaltliche Diskussion erwünscht?: Ja
Eine Initiative von: TK Bildung
Bearbeitungsstatus: Entwurf

Einleitung, Problembeschreibung, Forderungen:
Die Zeit der Reformen ist vorbei, dafür ist es schon zu spät.
Wir brauchen eine Bildungsrevolution!
Wie die aussehen soll und wie sie ablaufen kann, haben wir im TK Bildung zusammengestellt.
Das möchten wir hier zur Diskussion stellen, um eine Ini dazu zu erarbeiten.


Initiative: Keine ungeplanten Experimente mehr in der Bildungspolitik
#2

Bin weiterhin gerne dabei. Habe es in den letzten Monaten auch endlich mal geschafft, Prechts Buch komplett zu lesen und kämpfe mich gerade noch durch einen anderen Ansatz. Brauche aber noch ein wenig Zeit, bis ich da durch bin. Dann würde ich gerne das Dokument nochmal mit meinen Ideen vergleichen und Dir Rückmeldung dazu geben, wenn das ok ist. :grimacing:


#3

“Lernen neu denken” - vielleicht auch “alt”. Alt meint hier vor der Zeit der letzten 30, 40 Jahre. Zurück in die 70er. Da gab es noch mehr Zeit zum Lernen und die Devise hies noch (zumindest an meinem Gymnasium): Schule muß in der Lage sein, kritische reflektierende Geister hererauszubilden.

Dazu passt ganz gut dieser Artikel:
https://www.rubikon.news/artikel/lernen-braucht-zeit-2


#4

Ich habe mich in TK Bildung mehrfach gegen den weiteren parallelen Betrieb von Schule und separatem Gymnasium ausgesprochen, ich sehe hier keine Revolution solange dieses bestehende parallele System nicht beseitigt wird. Und damit die Zweiklassengesellschaft aufgebrochen wird.

Es ist schon eine Idiotie dass unser jetziges Schulsystem sich mehrgliedriges Schulsystem nennt obwohl es gar keine Glieder sind Glieder bestehen nur in Reihe aber nicht parallel das was wir haben ist ein parallel System kein gegliedertes System.

Harry in der aktuell in Abstimmung befindlichen Initiative forderst du ein Ende dessen, das Politik bestimmen soll wie Schule funktioniert und dass jene die damit zu tun haben zukünftig das Sagen haben sollen.
Wenn dem so ist dann muss auch darauf gehört werden, dass es genau diejenigen sind die ein Ende des parallelen Schulsystems anstreben und das schon seit Jahrzehnten.
Ergo gibt den Initiativen den notwendigen Wahrheitsgehalt damit auch das umgesetzt wird was angestrebt wird.


#5

Ich kann @MDK nur bestätigen, Inklusion bedeutet, dass es nur eine Schule gibt und nicht drei bzw vier (Sonder- oder Förderschule) paralell nebeneinander.

Das ist das A und O in der Bildungspolitik. Denn die Separation (Aufteilung) bedeutet nichts anderes als eine Ungleichbehandlung spätestens ab der vierten Klasse.

Dass diese Auswahl auch politisch gewollt ist, sieht man auch daran, das es kaum einen Austausch von Schülern zwischen den verschiedenen Schulformen gibt.

Die Schüler mit Behinderungen verlassen die Förderschulen in der Regel ohne Abschluss, das heißt ohne Chance auf einen Ausbildungs- geschweige denn Studienplatz.

Meiner Meinung nach ist das die größte Baustelle im aktuellen Bildungssystem.

Es braucht kleinere Klassen mit mindestens zwei Lehrkräften von denen mindestens eine*r in der Unterrichtung von Menschen mit Behinderungen Erfahrung hat.

So stelle ich mir Bildungsrevolution vor.


#6

Lief gerade aktuell im Ersten:


#7

Kommentarfunktion ist übrigens deaktiviert, daher gebe ich einfach hier einen Kommentar ab :wink:

Ich hatte heute bei einer Freundin übernachtet und am morgen mit ihrer Mutter, die Mathe und Kunstlehrerin eines Gymnasiums ist, geredet. Wir kamen auch auf das Thema Bildung und das größte Problem, das sich ihr stellt sind die Eltern. Das liegt vor allem daran, dass diese der Überzeugung sind, die besseren Pädagog*innen zu sein. Mehrfach kam es vor, dass diese vor Gericht gingen, um ihre Kinder durchzuboxen, Empfehlungen der Grundschullehrer *innen werden ignoriert oder es findet gar keine Förderung statt. Das hängt einfach mit der Vorstellung zusammen, dass ein Abitur ein Muss in der Gesellschaft ist und die normale Ausbildung keine ausreichende Anerkennung findet. Mir wurde erzählt, dass früher das Gymnasium auf eine akademische Laufbahn, also wissenschaftliches Arbeiten, vorbereitet. Dafür ist das einfach schwach, das Abitur wird einem “heutzutage hinterhergeschmissen” (Zitat eines Freundes und schließlich machen mehr als die Hälfte der Schüler ein Abitur). Die Lehrer *innen haben alle keinen Bock auf die Diskussionen mit den Eltern oder dem Gericht.

Ich verlinke mal zwei entsprechende Artikel dazu, die ich Anfang des Jahres dazu fand:

Ich denke, dass aber eine Revolution in einer bestimmten Art nötig ist: In der Schule muss eine stärkere Feedback-Kultur stattfinden und auch umgesetzt werden. Wenn nicht kommuniziert wird, warum der Unterricht nicht läuft, dann ändert sich auch nichts.


#8

Das sehe ich ebenso. Aber: Das liegt daran, dass das aktuelle System grundsätzlich Mist ist. (Zitat von Harald Lesch).

Daher soll das System grundsätzlich geändert werden, um den Druck herauszunehmen. Siehe den Artikel oben von kuki. Es muss mehr Zeit da sein, echte Erfahrungen zu machen und Dinge zu begreifen, zu durchdenken. Das geht nicht, wenn man noch mehr Fächer in noch kürzerer Zeit pauken muss, um das Abi “aufzuwerten”. 80% des Wissens sind vollkommen überflüssig. Der Grafik-Taschenrechner vollkommener Unsinn, denn niemand in der realen Welt nutzt so ein Ding.

Also weg mit dem ganzen Unfug und alles neu gedacht. Wir beginnen bei Null. Wie würde so eine Schule aussehen?


#9

Hmmm. Den Grafiktaschenrechner brauchen normale Regel- oder Realschüler*innen auch nicht (jedenfalls wurde der bei uns erst in der Oberstufe eingeführt). Allerdings spricht man beim Abitur auch von der Hochschulreife, also, dass man in der Lage sein sollte, jedes beliebige (klassische) Studium ohne weitere Vorkenntnisse zu studieren.

Ich habe vorhin mit einem “alten” Freund gezockt, der jetzt Physik studiert, mit dem Ziel später wissenschaftlicher Mitarbeiter zu werden oder eine Professur anzustreben. Er war sowohl im Vorkurs Physik als auch im Vorkurs für den Vorkurs, da das Niveau mit diesem Grafikrechner zu niedrig war :wink:

Da wir nun in zwei Richtungen argumentieren, sieht man auch das “Schöne” an der Politik. Es gibt zwei Seiten, also lassen wir es erstmal so, wie es ist.

Ich sehe halt in deinem Konzept nicht so ganz, wie Akademiker ordentlich untergebracht werden, ohne irgendwie “unnötigen” Mist lernen zu müssen. Und eine allzu frühe Spezialisierung, von Heranwachsenden könnte auch schwierig sein, ich weiß immer noch nicht, was ich studieren möchte, kann mir alles vorstellen, von Mathe, Informatik bis hin zu Kulturwissenschaften, Gender Studies und Philosophie. Aber durch meine schulische Ausbildung bin ich mir recht sicher, dass ich theoretisch jedes dieser Fächer studieren könnte.


#10

Richard David Precht schlägt diesbezüglich übrigens vor, den verpflichtenden Lehrstoff zwar zu reduzieren. Mathe ist da immer ein gutes Beispiel, da viele Inhalte von den meisten Schülern nie im späteren Leben gebraucht werden. Das soll allerdings nicht dazu führen, dass das Niveau komplett sinkt. Sondern die Schüler, die gerne Mathe machen, sollen individuell oder eben mit Gleichgesinnten deutlich mehr lernen können, als dies heute der Fall ist. Unis sollten dann nach Precht aber ggf. Eignungstests einführen, da dann tatsächlich sicher nicht mehr alle Abiturienten für ein Mathematikstudium geeignet wären. Allerdings werden Schüler, die Mathe hassen oder zumindest sehr ungern machen, wohl auch eher nicht auf die Idee kommen. :wink:


#11

Prechts Ziel ist übrigens tatsächlich auch die Gemeinschaftsschule von der 1 bis zu 10 Klasse. Für ihn ist surfistas Modell allerdings ein zwingender Zwischenschritt, da auch er die Akzeptanz in der Gesellschaft nicht für gegeben hält.


#12

Das ist es, was dir in der Schule eingeredet wird. Aber siehe dein Physiker-Freund ist das eine Illusion. Jedes Kind ab 10 macht schon heute vielen Lehrers etwas vor, wenn es um IT geht. Ab 16 sehen bis auf die echten Nerds alle sehr alt aus. Heute hat fast jeder Mensch in Deutschland die Wikipedia in der Hosentasche, aber unsere Schule erschöpft sich darin, dass man winzige Teile davon auswendig lernen soll.

Dann müssen wir das deutlicher machen. Eigentlich ist das Konzept fast zu 100% auf Akademikers ausgerichtet. Es besteht aus drei Teilen:

  • Lesen, Schreiben Rechnen (Grundschule)
  • Pubertät überleben und Kreativität entfesseln. Projekte entwickeln und daran die Welt verstehen.
  • Vorbereitung auf eine Ausbildung an einer Hochschule.

Im dritten Teil wird es ernst und dort können Menschen herausfinden, was sie studieren oder machen möchten. Dann werden sie darin unterstützt, sich ganz konkret auf eine Ausbildung oder ein Studium vorzubereiten.

Eben. Warum soll jemand wegen Latein durch das Abi fallen, wenn man Musik studieren möchte und ein begnadeter Musikerin ist? Dass diese Person nicht total weltfremd ist, haben wir mit unserer Schule schon in Teil 2 erreicht.

Richtig. @mdk und @miri fordern ja auch, dass wir diesen Schritt weglassen. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut ist. Vielleicht sollten wir ihn nennen, aber unter einem Punkt “Transformation”, der darlegt, wie wir zu unserem Modell kommen wollen?


#13

Wie man sehen kann, ist das ein schon uraltes Problem: Non scholae, sed vitae discimus. :wink: :smile:


#14

Hier gibt es aber auch wieder zwei Seiten der Medaille denn wer einmal irgendwann in den Naturwissenschaften oder zum Beispiel in der Elektrotechnik studieren möchte ist mit dem aktuellen Mathematik Lernstoff nicht ausreichend vorbereitet.

Hier wäre eine deutliche Trennung von Grund und Leistungskurs sinnvoll.


#15

Hier sollen diese Schüler tatsächlich weiterkommen können. Ob man das jetzt Grund- und Leistungskurs nennt, ist die Frage. Bei Precht geht es mehr um einen Projektteil und einen Teil, indem man individuell lernt. Aber ich denke, in der Praxis gibt es viele Wege dazwischen. :wink:


#16

Ja, ich denke, das müssen wir vielleicht noch deutlicher machen, wie das genauer aussehen soll. Auch die Projektidee müssen wir vielleicht noch genauer beschreiben. Wie ich oben schon geschrieben habe, gibt es bei Precht ja zusätzlich noch einen individuellen Lernbereich, in dem jeder nach seinem Tempo lernen kann. Kann man sich vielleicht auch schlecht vorstellen, wie das aussehen soll. :thinking:


#17

Wieso eigentlich? Es klingt für mich so, als seien Akademiker das Nonplusultra. Hirnarbeit ist aber nur die eine einseitige Seite. :wink:


#18

Ich denke, es ist sehr wichtig, im Rahmen des Unterrichts auch soziale Kompetenzen zu erwerben. Die Mitschüler*innen nicht als Konkurrent*innen sondern als Mitstreiter*innen zu sehen.

Ausserdem finde ich es sehr wichtig auf die Inklusion zu achten und diese gezielt voran zu treiben. Schüler*innen mit Behinderungen haben ein Recht darauf, gleich behandelt zu werden, es wird höchste Zeit das umzusetzen. Mir ist bewusst, dass das eine schwierige Aufgabe ist, es ist nicht damit getan, einfach Schüler*innen mit Behinderungen in die Klassen zu setzen ohne zusätzliche ausgebildete Lehrkräfte und kleinere Klassen.

DiB hat sich der Vielfalt und der Inklusion verschrieben, das müssen wir im Auge behalten.


#19

Miri das ist der zweite Schritt
der erste ist ja erst einmal der all diejenigen zu inkludieren die nicht behindert sind.


#20

Ja, also eigentlich ist es so, dass die “Nicht-Akademikers” das nicht brauchen, die schaffen das auch so. Man macht eine Ausbildung und dort lernt man, was nötig ist.

Für die Uni braucht man

:grimacing:

Und grundsätzlich denke ich, steckt in jedem Menschen ein Forschi. Es wird nur oft unterdrückt…

Das ist ja das Ziel. Wenn mehr Zeit vorhanden ist, kann auch mehr miteinander gelernt und gelebt werden.

Da würde ich nicht priorisieren. Man kann Beides zusammen machen.