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Bafög abschaffen - bedingungsloses Ausbildungsförderungsgeld


#61

Ja, aber genau das könnte man vor diesem Hintergrund verknüpfen, weil es andere Betriebe gibt, die sich dann noch zusätzlich kostenlos an den im Idealfall hervorragend ausgebildeten jungen Leuten bedienen. Genau das meinte ich letzten Endes damit.

Siehe mein letzter Eintrag zum Thema “Praktikas, die gar keine sind”.


#62

Ich finde diesen Ansatz überhaupt nicht klasse. Erklärt mir doch wieso zigtausend Betrieb, welche keinen Akademiker benötigen, dafür auch noch mit zahlen sollen. Die gute bis sehr gute Ausbildungsvergütung zahlen, und dann zähneknirschend hinnehmen müssen, dass Ihre mit viel finanziellen Aufwand ausgebildete Menschen in die Industrie/Großbetriebe abwandern, oder ein Studium dranhängen und ganz bestimmt anschließend nicht mehr in den Betrieb zurück kehren.


#63

Ich habe gar nicht näher definiert, welche Firmen sich an der Finanzierung beteiligen könnten. Ich dachte eher an eine Abgabe pro Arbeitsplatz, der einen Hochschulabschluss erfordert.


#64

Es geht auch mehr um die vielen Betriebe , welche gar nicht ausbilden , aber dann über ihre Verbände krähen , dass uns massenhaft Fachkräfte fehlen . Die sollen wenigstens bei der Finanzierung mit ins Boot geholt werden . Bafög ist ja nicht nur für Akademiker da , sondern auch für qualifizierte Berufsausbildung .


#65

Darauf hatte ich schon in Beitrag 50 hingewiesen. Eine Verpflichtung ab einer gewissen Betriebsgröße Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, könnte durchaus sinnvoll sein. Dennoch bin ablehnend gegenüber einer finanziellen Beteiligung der Privatwirtschaft bei Aus/Fortbildung, Studium usw. Für mich ist dies eine Staatliche Aufgabe, welche von der Allgemeinheit zu leisten ist. Falls die Privatwirtschaft dies mitfinanziert, ist eine Einflussnahme über die entsprechenden Verbände nicht auszuschließen, bzw. wahrscheinlich. Zudem bietet sich hier für den Staat eine elegante Möglichkeit, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Bildung ist ein Staatsauftrag.


#66

Gutes Argument und da rennst Du bei mir auch offene Türen ein ; ich sehe die Bildung auch als hoheitliche Aufgabe an und wende mich gegen jegliche Bestrebungen der Privatisierung .
Aber hier geht es nicht um die Finanzierung der Ausbildung selbst , sondern um die Sicherung des Lebensunterhalts der Studierenden und Auszubildenden ; da hat sich das Bafög als nur bedingt tauglich und als nicht gerecht erwiesen , da es als Kredit auch nur eine andere Form der Privatisierung der Bildung zeigt .


#67

Da bin ich voll bei dir. Hierzu habe ich in Beitrag 56 erste Vorschläge formuliert. Sozusagen als als Gedankenanregung für die Initiatoren. Als weiteren Punkt könnte bei einer Reform der Ausbildungsförderung auch der Erlass von Rückzahlungen vorgesehen werden, wen der Abschluss innerhalb der Regelausbildungs/Studium Zeit geschafft wird. Sozusagen als Belohnung


#68

Da hat jemand nicht gelesen und oder verstanden was mein Ansatz ist…


#69

Lieber @MDK. Sowohl gelesen als auch verstanden. Dennoch kann ich mich für deinen Vorschlag nicht erwärmen. Praktisch alle Betriebe außer den Oneman/woman Betrieben brauchen Arbeitnehmer bzw. stellen Arbeitsplätze zur Verfügung. Das Firmen ab einer bestimmten Größe Ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen sollten und entsprechend zur Ausbildung von Berufsbildern, welche in dem Unternehmen vorhanden sind, zu denen eine Ausbildung möglich ist, verpflichtet sein sollten, halte ich durchaus für sinnvoll. Auch eine entsprechende Ausgleichsabgabe für Firmen, die obwohl möglich, nicht ausbilden, kann ich mir vorstellen. wobei dies wohl für tarifgebundene Unternehmen eher Sache der Tarifpartner nach meiner Einschätzung sein dürfte. Eine generelle Beteiligung der Privatwirtschaft an weiterführender Bildung halte ich für wenig sinnvoll bzw. nicht angezeigt… Siehe hierzu auch Beitrag 64 und 50.
Natürlich profitieren Unternehmen von gut ausgebildeten Menschen. Der Staat, also wir, aber noch viel mehr.
Gut ausgebildete Menschen finden leichter einen Job, und verdienen im Durchschnitt auch mehr. Das bedeutet höhere Einnahmen sowohl durch Steuer als auch Konsum. Eine klassische Win/Win Situation. Um auf den Eingang dieser Diskussion zurück zu kommen. Ein einfacher Zugang zur Ausbildungsförderung ist doch falls ich das nicht falsch verstanden habe das Ziel dieser möglichen INI


#70

Dann bitte erkläre mir diese Differenzierung!


#71

Ich versuche das mal. Auch wenn dieser Beitrag eigentlich nichts mit der Eingangsforderung zu tun hat. Es sei denn, die Initiator*\innen wollen bei der Finanzierung auch private Beteiligung einfordern. Vorab, ich sehe Bildung/Ausbildung in all seine Schattierungen als staatliche Aufgabe an. Dementsprechend ist die ausreichende Bereitstellung von Mitteln aus dem “Staatssäckel” zu leisten. Mein Beitrag auf den du dich beziehst, betrifft die duale Berufsausbildung. In der Tat gibt es Unternehmen, prozentual sicher in der Minderheit, die, obwohl möglich, keine Ausbildungsplätze anbieten. Hier könnte ich mir ein “Ausbildungsgesetz” welches Betriebe ab einer Bestimmten Größe zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen verpflichtet, bzw. mit einer Abgabe belegt, falls Sie Ihrer Verpflichtung nicht nachkommen durchaus vorstellen. Vorbild könnte das Gesetz zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung sein. Die Einnahmen aus dieser “Abgabe” dürfen meiner Ansicht nach jedoch nicht im allgemeinen Bildungsetat versickern. Im Gegenteil, diese Gelder sollten all den Betrieben zu Gute kommen, welche Ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen und Ihren Ausbildungsauftrag erfüllen bzw. übererfüllen Eine Gestaltung, welche insbesonderes kleinere Handwerksbetriebe bevorzugt, wäre wünschenswert.
Eine generelle Ausbildungsabgabe, wie sie dir vorschwebt, die zudem ein weiteres “Bürokratiemonster” hervorbringen würde, erachte ich nicht als erstrebenswert. Die Gründe aus meiner Sicht habe im Eingangssatz und auch weiter oben schon dargelegt. Im übrigen unterstützt die Wirtschaft schon jetzt die Hochschulausbildung weit mehr als der Staat durch Bafög. Hier noch ein Artikel des iwd: https://www.iwd.de/artikel/was-den-unternehmen-die-hochschulen-wert-sind-331681/


#72

Wieso ist das kontraproduktiv, wo doch genau das ein Teil des BGE ist und Bestandteil der bereits beschlossenen Initiative von Redolfi, Baum, Kim, zur Steuerpolitik und dem BGE?

Du kannst nicht ständig nur mit Geld um dich werfen, wenn du nicht auch ehrlich sagst, wo es herkommen soll.

@Wazmann hat schon recht, wenn er oben darauf hinweist, daß daß Geld an anderer Stelle fehlen wird, wenn das Gesamtvolumen nicht erhöht wird.

Es findet eine Umverteilung statt und keine Geld- oder Wertschöpfung .


#73

Das halte ich für sehr gefährlich für eine Gesellschaft, die die Kluft zwischen Reich und Arm verringern will und nicht vergrößern.

Dein Ansatz bei der Ausbildungsfrörderung ist genauso Neoliberal, wie dein Ansatz beim BGE, wo du für eine Flat-Tax , der Geringverdienen als Kosten Vielverdiener belastet.

Siehe im TK-BGE und hier:

http://bloghaushalle.de/2017/05/31/vision-bedingungsloses-grundeinkommen-mein-bge-modell/

Die Unternehmen losgelöst von der Höhe ihrer Gewinne weiter zu belasten, bestraft die “sozialen” Arbeitgeber, die die Verantwortung für ihre MITarbeiter wahrnehmen und die es sehr wohl auch gibt und und entlastet die globalen Unternehmen, die das letzte aus ihrer Belegschaft herausholen und die Gewinne an private Investoren, Aktienfonds und Banken weiterreichen.

Auch ist es eher kontraproduktiv, weil es gerade Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und auch in Durststrecken auf betriebsbedingte Entlassungen verzichten, ins Hintertreffen bringt, während der Raubtiertierkapitalismus gefördert wird… es ist Thatcherism pur, was damit erreicht wird.

Dazu kommt, das sich gerade erst FÜR eine Wertschöpfungsabgabe entschieden würde… bei weniger als 8% Gegenstimmen - das sollte doch bitte akzeptiert werden!


#74

Könntest du bitte die Quelle angeben, oder ist das deine eigene Tabelle… wenn ja, dann sag bitte auch, woher die Zahlen sind.

Quellenkritik sollte man hier schon ermöglichen!


#75

Ich stehe der bedingungslosen Ausbildungsförderung sehr kritisch gegenüber, obwohl ich die Tücken des Bafögs kenne (als glücklicher Bafög-Empfänger kenne ich die Schwierigkeiten bei der Antragstellung, und bin mir bewusst über die Probleme für Studierende, deren Eltern nicht viel beisteuern möchten, es den Kindern aber schwer fällt sich etwas einzuklagen).
Um aber hier konstruktiv etwas beizutragen, möchte ich zwei Kritikpunkte anbringen, die mitbedacht werden sollten. (Tut mir Leid, wenn ich mich dabei eher auf Studiernede als auf Aszubildende beziehe. Da kenne ich mich einfach besser aus.)
Zum einen habe ich aus einigen Beiträgen entnommen, dass die Ausbildungsförderung länger gezahlt werden soll als z.B. das Bafög. Finde ich tendenziell gut. Regelstudienzeit sollte nicht das Maß aller Dinge sein. Aber bedeutet das, dass es unbegrenzt gezahlt wird, oder wird eine neue Höchstförderdauer festgelegt? Oder andere Anreize (z.B. durch Veränderung der Rückzahlungshöhe)?
Zum anderen möchte ich über mögliche Folgen nachdenken, die m.M. nach eintreten könnten. Ich kann mir gut vorstellen, dass nach der Einführung der Förderung für alle, einige Kinder wohlhabender Eltern weiterhin Zuschüsse bekommen werden. Was ein Gerechtigkeitsproblem darstellt, dem das aktuelle Bafög m.M. nach derzeit ganz gut Abhilfe verschafft. Das Problem sehe ich aber vor allem in der Auswirkung auf Ausbildungskosten und Mieten. Insbesondere in kleinen Uni-Städten könnten die Mieten steigen, wenn sich zukünftig mehr Menschen eine eigene Wohnung statt eines WG-Zimmers leisten können. Auch der Zulauf für private Unis könnte steigen, was zu einer stärkeren spaltung in der Studienqualität führen könnte und so weiter. Bzw. können die wohlhabenderen dann wieder die teureren Auslandssemester, unbezahlte Praktika usw. machen.
Hat da jemand Gedanken/Lösungsansätze zu?


#76

Danke für all eure Beiträge soweit. Ich versuche in den nächsten Tagen wieder mehr im Thema zu sein.
Konstruktive Kritik, Ideen, etc sind weiterhin sehr willkommen!


#77

Ich wäre für eine Höchstförderdauer, die aber unterbrochen werden kann.
Im Hinblick auf lebenslanges Lernen wäre eine Koppelung an das Alter eher hinderlich.

Das ist bei “bedingungsloser” Förderung immer das Problem.
Es ist schon interessant, dass keinesfalls die Reichen noch mehr begünstigt werden sollen und diese “ihre Steuergelder” (wenn überhaupt) nur nach Bedarf verteilt sehen möchten. Im Grunde hängen also alle an der Bedarfsprüfung, obwohl wir ohne vielleicht alle gewinnen würden?! :thinking:

Wem würde die Systemumstellung schaden?

Das ist schon mehrmals erwähnt worden. Ich habe allerdings noch nicht die Herleitung verstanden. Warum sollte das so eintreffen?


#78

Die steigende Zahl von Studis an Privatunis würde ich genau so herleiten wie steigende Mieten. Wenn wir wirklich davon ausgehen würden, dass wohlhabende Eltern ihren Kindern weiterhin etwas zuschießen, können sich mit der neuen Förderung mehr Menschen teure Privatunis leisten. Das ist für mich dann ein Problem, und damit bin ich bei deiner nächsten Frage, wenn Ausbildungsförderung Ungleichheit bekräftigt. Im aktuellen System habe ich, trotz aller Schwachstellen, das Gefühl, dass sich jemand aus ärmerem Elternhaus durch die Bafög-Förderung in etwa die gleiche Ausbildung leisten kann, wie jemand aus reichem Elternhaus. Wenn nun durch eine erweiterte Ausbildungsförderung die private Bildung so gestärkt wird, dass gute Lehrende an die Privatunis gehen, der Wohnraummangel und damit die Mieten in Bildungs-Ballungszentren steigen und durch diesen Prozess Studierende mit weniger wohlhabenden Eltern sich das Studium oder die Ausbildung (wobei ich gerne von Azubis hören würde, ob dort ähnliche Probleme auftreten könnten) dann doch nicht mehr leisten können oder der dann erreichte Abschluss weniger wert ist als der von anderen die zur Ausbildungsförderung noch einen Zuschuss der Eltern bekommen können, wäre dies für mich ein Rückschritt.


#79

Das Problem dabei ist, daß das oft Auslegungssache ist. Und wie bei all solchen Regelungen schadet es dann am Ende oft genau denjenigen, denen es helfen soll, mehr als es nützt. Denn die Stellenausschreibungen und Einstellungen werden sich dann eher auf Berufsangehörige ohne Hochschulschulabschluß konzentrieren. Gerade in Gesundheits-, Kreativ-, Technik- und Verwaltungsberufen ist es oft der Fall, daß es Ausbildungsvarianten mit und ohne Hochschulabschluß gibt. Auch oft dann noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Und diejenigen ohne Hochschulabschluß sind dabei oft nicht weniger qualifiziert als die mit Hochschulabschluß (ein Thema für den TK Bildungspolitik). Auch fehlen bei der Überlegung die Berufsfachschulen.

Insofern finde ich den Ansatz gut, aber in der Praxis sehe ich ihn kritisch.


#80

Liebe @braegeljess Jessica!
Hier ruht eine Initiative. Ich habe nicht alles gelesen. Wird diese noch eingereicht und wird an diese noch gearbeitet?
Liebe Grüße Ellen vom Moderationsteam