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Bafög abschaffen - bedingungsloses Ausbildungsförderungsgeld


#41

Das fände ich tatsächlich sehr, sehr schlecht. Ich glaube das gerade junge Menschen aus sozial schwächeren Elternhäusern Angst vor Überschuldung haben (bzw eher als, wenn die Eltern wohlhabend sind). Und das wäre dann doch eine große Hürde. So weiß man 10.000 und nicht mehr.


#42

Die Summe wird ja erst nach 5 Jahren nach Ende der Förderungshöchstdauer fällig, und ist dann in Raten möglich, die nicht all zu hoch sind.

Ich finde das schon sehr entgegenkommend geregelt. Das ist anders als die Studienkredite die sonst so noch angeboten werden.

Gegen diese Angst der Verschuldung hilft Aufklärung. Ich denke es ist sinnvoll, das Geld zu nutzen, um den Kreis der Förderberechtigten zu erweitern, so dass mehr junge Menschen davon profitieren.


#43

Die studienrate würde bei kompletter Rückzahlung stark sinken. Ich glaube ich dass wenige Leute Lust haben ihr Leben lang Bafög zurück zahlen zu müssen. Das geht komplett zu Lasten der finanzschwachen Familien, nehme ich an. Dann wird es nur schlimmer mit der segregation zwischen Arm und reich.


#44

Vielleicht kann man für die Finanzierung noch das Kindergeld (ab Eintritt in die Ausbildungsförderung) streichen bzw. über die Kinderfreibeträge diskutieren.


#45

Also das Schlimmste, was passiert, ist Folgendes:

Die Raten betragen vierteljährlich 315 Euro (mehr, bis zu 165.- €, nur dann, wenn andernfalls die BAföG-Schulden nicht innerhalb der verbleibenden Rückzahlungszeit zurückgezahlt werden könnten). Nur dann, wenn euer Nettoeinkommen knapp über dem Freibetrag liegt, fällt die monatliche Rate geringer aus (Quelle: BVA, auf der verlinkten Seite findet ihr die Information unter der Überschrift „Was geschieht, wenn mein Einkommen über dem für mich geltenden Freibetrag liegt?“). Oder anders gesagt: Wer netto weniger hat als den jeweils geltenden Freibetrag plus die rechnerische monatliche Rate von 105 Euro, zahlt nur den Betrag, der über dem Freibetrag liegt.

Wer deswegen nicht studiert, ist auch zu doof dazu, denn entweder habe ich ein Studium und anschließend auch die Möglichkeit, Geld zu verdienen, oder ich verfalle in Siechtum und brauche dann auch nichts zurückzuzahlen. Ich möchte mich auch nicht wieder um die drei Menschen unterhalten bei denen wirklich alles schief gelaufen ist und die völlig unverschuldet in eine schwierige Situation geraten sind.

Eines meiner Kinder bekommt übrigens BaföG und das Studentenwerk hat jeweils innerhalb von 10 Tagen geantwortet. Die schlafen also auch nicht alle.


#46

Nein dass wäre kontraproduktiv…


#47

Ich wiederhole es noch mal: Es geht dabei nicht um rationale Argumente. Aber aus meiner persönlichen Situation heraus, kann ich ziemlich sicher sagen, dass ich vermutlich mit der Gewissheit, das Bafög komplett zurückzahlen zu müssen, kein Studium an einer Universität aufgenommen hätte. Ich würde dich bitten, das nicht auf meine “Doofheit” zurückzuführen.

Die Gewissheit höchstens 10.000€ an Schulden anzuhäufen ist extrem wichtig für Kinder, die aus sozial schwachen Elternhäusern kommen und leider nun mal schon viel zu früh mit den Folgen von Überschuldung konfrontiert wurden. Ich halte es wirklich nicht für sinnvoll daran zu rütteln!


#48

Es war ja nur ein Vorschlag zur Finanzierung. Vlt. gibt es andere. Aber der Kostenpunkt sollte nicht vernachlässigt werden, weil davon die Umsetzbarkeit und auch die Glaubwürdigkeit der Initiative abhängt.

Wenn ich mich recht erinnere, hatte wer bei der ursprünglichen Diskussion überschlagen, dass Bedingungsloses Ausbildungsgeld etwa 40 Mrd. € mehr kostet, weil die Anzahl der Empfänger stark ansteigt.

Das schlechteste wäre also, einfach bei den Kosten zu schreiben: aus dem allgemeinen Steuertopf.

Man sollte sich nochmal vergewissern, was für ein Ziel das Bafög hat: (von deren Seite)

Ziel des BAföG ist es daher, allen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, unabhängig von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation eine Ausbildung zu absolvieren, die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht.

Daher war für mich der erste Ansatz, den Kreis der möglichen Empfänger zu steigern, in den man schaut, wo man Geld sparen kann. Ziel soll ja nicht sein, die Studienrate zu erhöhen, sondern jeden, der die Fähigkeiten mitbringt, ein Studium zu ermöglichen. Sind die Fähigkeiten gut, sollte auch genug Selbstvertrauen da sein, um ein Studium trotz noch offener Unwägbarkeiten zu versuchen.


#49

Nicht persönlich nehmen. Ich glaube, ich habe es sehr allgemein formuliert und sicher nicht Dich gemeint. Außerdem hast Du ja studiert. Trotzdem: Entschuldigung, wenn Du Dich persönlich getroffen fühltest.

Ich würde das BaföG auch anders, großzügiger gestalten wollen. Aber immer gleich Panik an die Wand zu malen (meine wieder nicht Dich), ist doch maßlos übertrieben.


#50

Um mal ein paar Daten rund um das Thema zu haben:

Eine kleine Anfrage aus dem Jahr 2016 zum Thema Bafög, Verschuldung und Rückzahlung.

Seite 4 ist recht interessant, weil man dort sieht, wie sich die Anzahl der Rückzahlungen entwickelt hat.

Zu einigen interessanten Fragen liegen leider keine Daten vor.


#51

Nun Hier könnte man ja analog zur Bereitstellung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung verfahren. Wobei das “Freikaufen” oftmals Günstiger ist.


#52

@Sabine hat es geschrieben, es geht um das Gefühl, später verschuldet zu sein. Ich habe das auch öfter von Leuten gehört. Der drang nach Unabhängigkeit ist hoch und mit 15 oder 20 tausend Euro Schulden fühlen sich viele nicht unabhängig. Da machen sie lieber ne Lehre. Was ja grundsätzlich okay ist. Aber dann studieren von den ärmeren weniger Leute.

Und ich weiß nicht mehr wer es schrieb, aber ich nehme an, dass junge Leute lieber ihre Eltern anpumpen als den Staat. Es gibt viele Leute die lieber nichts zu beißen haben als alg 2 zu beantragen. Bisschen anderer schnack, aber gleiche Lagerung.


#53

Also die Zahlen widersprechen erstmal dem Gefühl, dass viele eher eine Lehre machen:

Also generell frage ich mich bei dieser Diskussion schon, warum wir Bafög abschaffen wollen, statt die Bedingungen des Bafög zu ändern. Das oben genannte Ziel des Bafögs ist ja scheinbar das der Mehrzahl der Teilnehmer hier, nämlich jungen Menschen die Chance zu geben eine Ausbildung zu absolvieren, die ihren Fähigkeiten entspricht, unabhängig ihrer sozialer und wirtschaftlicher Situation.


#54

Meine Behauptung bezieht sich auf die vorgeschlagene Idee, das Bafög komplett zurück zahlen zu lassen. Dass die studizahlen seit jahren steigen ist klar. Genauso wie die abizahlen und die promotionszahlen.

Aktuell ist die Rückzahlung bei 10k gedeckelt, auch wenn man mehr bekommen hat. Seit 2001, wenn ich mich richtig erinnere.


#55

Das ist auch der Grund, weswegen viele, die Anspruch darauf hätten, kein HartzIV beantragen. Das ist das Traurige in diesem Land. Die Leute wollen doch studieren, arbeiten, fleißig sein. Niemand will abhängig sein. Und wer es ist, ist es in der Regel nicht freiwillig. Deshalb muß die Sicherung der Lebensgrundlage bedingungslos sein. Egal, ob in Ausbildung, Studium oder Berufsleben.


#56

Interessante Diskussion. ich hätte da einige Vorschläge an die Initiator*innen.

  1. “bedingungslose” Förderung, ja, aber dann über alle Ausbildungswege im Anschluss der schulischen Erstausbildung. Wenn man sieht, dass es in Deutschland zum Wintersemester 2017 ca. 2,8 Mio Studierende gab und in 2017 ca. 600.000 duale Ausbildungsplätze angeboten worden sind, sehe ich durchaus Bedarf der Stärkung der klassischen Ausbildung.
  2. Jedem/jeder ist mit Beginn der nachschulischen Ausbildung die Förderung zu gewähren. Es genügt lediglich der Nachweis einer begonnen Ausbildung
  3. Die Einbeziehung des Elternhauses an der Finanzierung sollte erhalten bleiben. Es ist allerdings Sache der Behörde zu prüfen, ob und in welchem Umfang hier ein Beitrag zu erheben ist.
  4. Ausbildungsvergütungen/Entgelte werden auf die Förderung angerechnet,(ggf. nur Teilweise, um klassische Ausbildungen attraktiver zu gestalten). Dies gilt ebenso für geldwerte Vorteile, wie z.B. das Wohnen bei den Eltern während der Ausbildung. Nebeneinkünfte sind bis zu einem Betrag X nicht anzurechnen.
  5. Die Verpflichtung zur finanziellen Unterstützung durch das Elternhaus endet mit dem Alter X des/der Auszubildende/n
  6. Der Anspruch auf Förderung ist auf 2 Ausbildungen begrenzt.

#57

Hier mal zum Vergleich die Entwicklung
Ausbildung : Studium

Jeweils gegenläufige Entwicklung.

Quelle: deutschlandinzahlen.de
Zahlen: Statistisches Bundesamt


#58

Ich möchte an dieser Stelle auf meinen Thread Praktikanten, Pitches etc. hinweisen. Sprechen wir über Bafög und die damit verbundenen Schulden, sollten wir nämlich auch darüber sprechen, was die jungen Leute nach dem Studium erwartet.


#59

Nein, lieber @barnie. Darum geht es jetzt und hier in unserer Initiative nicht. Der Fokus liegt auf der Umsetzung einer bedingungslosen Ausbildungsförderung. Eure Bedenken zur Verschuldung ist deutlich geworden und wir werden es bei der Ausarbeitung der Initiative berücksichtigen. Danke dafür.

Ich finde den Ansatz von @MDK interessant, dass Firmen sich an dem Ausbildungstopf beteiligen. Betriebe, die klassisch oder dual ausbilden, haben zunächst Kosten und dann keine Gewissheit, dass die Auszubildenden im Betrieb bleiben. Hochschulabsolvent*innen sind immer gefragter und kosten dem Unternehmen hinsichtlich der Qualifizierung für den Arbeitsplatz kaum etwas.


#60

Je nach Ausbildungsberuf und -betrieb zahlen die Betriebe ja eine Art Lohn an die Azubis. Sowas kriegen Studis gar nicht erst. Sie müssen sich das Studium selbst erwirtschaften und wenn sie dies (z.B. mit Hilfe der Eltern) nicht können, dann kriegen sie eventuell staatliche Untersützung.
Die Ausbildungsvergütung ist, nehme ich an, deshalb auch so gering, weil angenommen wird, dass die Azubis noch bei den Eltern wohnen. Sie könnten sich ja auch gar keine Miete leisten, wenn ich das richtig sehe. Hochschulen/Unis aber gibts ja nicht an jedem Ort, daher ist naheliegend, dass viele Studis Geld für Miete aufbringen müssen.

Also ich komme mit dem Vergleich zwischen Azubis und Studis noch nicht so ganz klar. Das ist recht komplex. Gesichertes Wissen fehlt mir dazu auch noch.

Edit: Oh, siehste, da fällt mir ein, es gibt auch Ausbildungsbafög!