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Ausbildungsverg√ľtung gerecht gestalten - Ausnutzung verhindern


#1

Aufruf: Ich suche: Mitstreiter*innen, Expert*innen, Pr√ľfer*innen.
Kontaktart: Kommentar unter Beitrag / persönliche Nachricht
Inhaltliche Diskussion erw√ľnscht?: immer gerne.
Eine Initiative von: Mir (gerne auch von weiteren Menschen mit Expertise)
Bearbeitungsstatus: Idee
Redaktionsschluss: Ende November '18

Einleitung:
Einf√ľhrung der Mindestlohnbindung an die Ausbildungsverg√ľtung / Einf√ľhrung eines Mindestlohns f√ľr Ausbildungsverg√ľtungen. Ein (nach JuSo Vorschlag im aktuellen Koalitionsvertrag) Azubi-Mindestlohn der sich bei 80% der Tarifverg√ľtungen angliedert ist v√∂llig unrealisitisch und bietet Unternehmen weitere Chancen Azubis zu Spottpreisen zu engagieren.

Problembeschreibung:
Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist bisweilen schon großartig gelungen. Dennoch fängt es ganu da an, dass man jungen Menschen beibringt, welche Berufe lukrativer und welche weniger lukrativ sind. Man entscheidet sich schon bei der Bewerbung, welcher Ausbildungsberuf sich später finanziell lohnt.
Durch die nur grob vorgegebene und branchenbezogenen Tarifl√∂hne werden Azubis in vielen Bereichen einfach als billige Arbeitskr√§fte genutzt und ‚Äúverbrannt‚ÄĚ.
Im Rahmen jeder beruflichen Ausbildung werden junge Menschen nicht drumrum kommen sich produktiv am Unternehmen zu beteiligen. Dies geschieht dann nat√ľrlich als billige Arbeitskraft.
Ich m√∂chte damit nicht pauschal alle Betriebe als ‚ÄúAusbeuter‚ÄĚ bezeichnen, jedoch ist der finanzielle Vorteil und damit einhergehende Charme offensichtlich.
Den Arbeitgebern soll der Nachwuchs im Fokus liegen. ‚ÄúIch stelle einen Azubi ein, weil ich in Zukunft Stellen mit ausgebildetem Personal besetzen muss.‚ÄĚ

Forderungen

Die Forderung spaltet sich in zwei Szenarien. Eine feste Bindung an den geltenden Mindestlohn ist nicht beabsichtigt, da diese Ini hauptsächlich gegen das Ausnutzen von Auszubildenden am Arbeitsplatz geht und nicht gegen ihre Berufliche Schulbildung. (Nur die tatsächliche Arbeitszeit soll sich am Mindestlohn koppeln)
Auch eine bessere Kontrolle der Ausbildungsplätze soll erreicht werden.

  1. Tarifverg√ľtung + Zusatzleistung

Der Ausbildungsbetrieb wird verpflichtet den Auszubildenden einen Tariflohn von 100% zu zahlen. Zus√§tzlich sollen die Auszubildenden verm√∂genswirksame Leistungen wie Beispielsweise OPNV Tickety, Wohnungszuschuss, Private Nutzung der Tankkarte etc. zur Verf√ľgung stehen, die im Brutto Wert den Mindestlohn erreichen.
In diesem Szenario gilt die Wochenarbeitszeit, da der Arbeitgeber die vwL steuerlich absetzen kann.

  1. Mindestlohnkoppelung der tatsächlichen Arbeitszeit

Da Auszubildende in gewissem Rahmen zur Berufsschule verpflichtet sind, soll der Arbeitgeber dadurch keinen Nachteil erleiden. Jedoch soll ihm der Vorteil eines Auszbildenden als ‚Äúbillige Arbeitskraft‚ÄĚ genommen werden.
Ein Mittel daf√ľr ist die Berechnung der Netto-Arbeitszeit. (J√§hrliche Arbeitstage minus Arbeitsfreie Tage und Berufsschultage gleich Netto Arbeitstage) An diesen Tagen sollen die Auszubildenden an der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit den regul√§ren Mindestlohn erhalten. An Berufsschultagen soll der regul√§re Tariflohn gezahlt werden. Die J√§hrliche Lohnsumme ergibt verteilt auf die Arbeitstage die Ausbildungsverg√ľtung.
Sonderzahlungen werden nicht in diesen Betrag eingerechnet. Ausfall in der Schule und √ľberm√§√üige √úberstunden sind jedoch p.A. oder Quartalsweise nachzuzahlen.

In beiden Szenarien soll der Staat auf Antragsbasis kleinen Unternehmen F√∂rdermittel oder steuerliche Vorteile zur Verf√ľgung stellen um diese Regeln einhalten zu k√∂nnen.
Durch gleiches Angebot fokussiert sich die Nachfrage nicht mehr nach Bekanntheit des Unternehmens sondern richtet sich nach ihrer Qualität und dem Inhalt. Jobben wird nebensächlich, da man in der Ausbildung genug verdient um sich in einem normalen Rahmen ein selbstständiges Leben aufbauen kann.

Desweiteren soll die Kontrolle der Ausbildungsbetriebe ausgebaut werden. In regelm√§√üigen Abst√§nden sollen die Ausbildungspl√§tze und -bedingungen unter die Lupe genommen werden. Bei den Kammern sollen Stellen und Gremien geschaffen werden, die √ľberpr√ľfen ob Auszubildenden ein f√∂rderndes Umfeld geboten wird, indem sie nicht als billige Arbeitskraft missbraucht werden.

Quellen


#2

Ganz kurz zum Vergleich.
In meinem aktuellen Fall w√§re das eine Steigerung um 361‚ā¨ f√ľr 3,5 Arbetistage die Woche (ohne Berufsschule) aufs Jahr gerechnet. Diese Differenz zu meiner aktuellen Ausbildungsverg√ľtung besteht bereits bei Dualen Studenten, die sogar nur 50% des Jahres anwesend sind.


#3

Danke f√ľr diesen Vorsto√ü.

Mich treibt seit einigen Jahren (derzeit eher hintergr√ľndig) ein anderes Problem um, was an dieses Problem direkt andockt: Und zwar werden ja Azubis oftmals als die zweitklassigen Menschen unter den jungen Leuten wahrgenommen oder/und f√ľhlen sich so.

Meine persönlichen Kenntnisse habe ich aus meiner Aushilfsarbeit als Studi in einem Restaurant, wo ja auch Azuis arbeiteten.

Ich fand es auf eine ungerechte Art und Weise ungerecht, dass Azubis immer irgendeine Form von Gehalt kriegen und Studis nicht immer. Ich selbst hab aber in den ersten Jahren Baf√∂g bekommen (was es ja auch irgendwie f√ľr Azubis gibt), aber dann musste ich nebenher arbeiten, um mir das Leben als Studi zu finanzieren. Die n√§chste Ungerechtigkeit empfand ich, weil ja die Azubis √ľber die Sparten hinweg unterschiedliches Geld erhalten. Und ja, viel ist es ohnehin nicht. Azubis sind wohl mehr oder weniger dazu gewzungen, auf Grund der l√§ppischen Ausbildungsverg√ľtung zu Hause zu wohnen.

Was mich aber noch viel mehr gest√∂rt hatte war das Stigma, was mir gegen√ľber auftrat: Ich sei ja von der Uni und die Studis h√∂ren sich am liebsten selber reden. Zum Gl√ľck sei ich eine Ausnahme. Die Leute am Arbeitsplatz waren alle sehr nett und wir haben uns super verstanden. Aber diese Vorurteile bestanden halt.

Ich pers√∂nlich w√ľrde mir ein System w√ľnschen, in dem Azubis und Studis gleich behandelt w√ľrden. Alle sollten das gleiche Geld kriegen, alle sollen die gleiche Wertsch√§tzung kriegen. Ich empfand und empfinde es als Ungerechtigkeit, dass ich, als Kopfarbeiter*in, im Schnitt mehr Lohn erhalte als viele Leute, die mehr mit K√∂rper arbeiten als ich. Ich pupse den ganzen Tag in meinen B√ľrostuhl, mache mir den R√ľcken kaputt (was sp√§ter mal die Allgemeinheit √ľber die Krankenkosten f√ľr mich zu sp√ľren bekommt), w√§hrend viele Leute, die einen Ausbildungsberuf erlernten, eventuell ges√ľnder leben, weil sie sich mehr bewegen.

OK, ich hab hier viel zu viele Ebenen durcheinander gewirbelt. Ich wollte eigentlich nur die Komplexit√§t erh√∂hen und fragen, ob man nicht alle Menschen zusammendenken k√∂nnte, die in jedweder Form einen Beruf erlernen (studieren ist ja auch lernen). Sorry f√ľrs Abschweifen. :flushed:


#4

Ich verstehe was du meinst. Dieses Problem sehe ich aber als Folgeziel der Ini. Ist das okay f√ľr dich?


#5

:thinking: Ich glaub schon, ja. Ich muss mal √ľberlegen, ob es dann nicht wieder einiges von deiner jetzigen Ini hinf√§llig macht. Aber wenn du glaubst, dass das l√§uft, dann mach das so! :slight_smile:


#6

An sich finde ich deine Idee super, ich sehe allerdings ein gro√ües Problem. Sollte es solche √Ąnderung geben, wird es in Zukunft immer weniger Ausbildungspl√§tze geben, da sich gerade kleinere Handwerksunternehmen sich den ‚ÄúLuxus‚ÄĚ eines Azubis nicht mehr leisten k√∂nnen. Weniger Ausbildungspl√§tze->Weniger Ausgebildete->Weniger Menschen in Arbeit->Mehr Arbeitslose.
Ich sehe hier eine massive Bedrohung kleiner Unternehmen und der Ausbildungssituation in Deutschland. Hast du da eine Lösung?

Edit: Ich sehe eine große Chance in besserer Überwachung durch IHK etc. das schafft weitere Arbeitsstellen bei den Kontrollgremien und zeigt den Unternehmen das eine Ausbeutung nicht ratsam wenn nicht sogar ausgeschlossen ist


#7

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Uberstunden-und-Druck-belasten-Azubis-article20604306.html

Habe ich gerade zufällig gelesen.


#8

Wie du selbst schreibst, ist die Wahl des Ausbildungsberufes auch davon abh√§ngig, was man sp√§ter im erlernten Beruf verdienen kann.Eine Erh√∂hung der Ausbildungsverg√ľtung, die durchaus w√ľnschenswert ist, √§ndert daran gar nichts. Das Problem ist somit nicht die ‚Äúgeringe Ausbildungsverg√ľtung‚ÄĚ sondern die Verdienstm√∂glichkeit im Anschluss.


#9

Hallo ihr Lieben,
vielen Dank f√ľr die schnellen Antworten und Anregungen!

Ich habe ja erwähnt, dass es im gleichen Zuge eine Förderung von kleinen Unternehmen geben muss, die sich Azubis in der Regel nicht leisten können.
Einen enormen Wegfall von Ausbildungspl√§tzen halte ich f√ľr sehr unwahrscheinlich. Wenn kleinere Betriebe ordentlich und gerechtfertigt gef√∂rdert werden, wird es das mimimi der Riesenkonzerne sein das zu h√∂ren ist. Diese stellen ja neben den Azubis Werksstudenten und Duale Studenten ein, die f√ľr mehr Geld weniger Anwesenheit bieten. Auch Tariferh√∂hungen und √§hnliches haben in der Vergangenheit nur zu einem verschwindend geringen Teil der gestrichenen Ausbildungspl√§tze beigetragen.
Ich denke sogar, dass es einen teils gegenteiligen Effekt haben wird. Die Interessenten werden nicht mehr nur darauf fokussiert sein einen Beruf zu erlernen der die Taschen f√ľllt, sondern einer der gl√ľcklich macht.

Das ist ein Folgethema, das stimmt. Dennoch sieht man gerade an dem Ausbildungsberuf der Erzieher, dass eine gute Ausbildungsverg√ľtung, auch wenn man nach der Lehre keine sonderliche Einkommenssteigerung erwarten kann, die Attraktivit√§t des Berufsbildes steigert.

P√ľnktlich zum Thema bin ich auf einen Artikel gesto√üen, in dem ein Hotel-CEO erkl√§rt warum er seinen Auszubildenen die Verg√ľtung verdoppelt hat.

Gute Arbeit braucht gute Leistung und auch wenn Auszubildende an sich ‚ÄúLernende‚ÄĚ sind, ist jedem bewusst, dass sie ackern und das auch gerne tun.
Ich sehe das hier ein wenig wie bei folgendem Beispiel:
Wird der Maurer nicht bezahlt schreien sie: ‚ÄúAbzocke! Gute Arbeit verdient gutes Geld! ‚Ķ‚ÄĚ
Wird der K√ľnstler nicht bezahlt sagen sie: ‚ÄúDu machst das doch eh zum Spa√ü.‚ÄĚ

√Ąhnlich sehe ich das bei den Azubis auch. Sie wollen ja Wissen und Weisheit bekommen. Was sie daf√ľr tun, ist gern √ľbersehen.


#10

Entschuldige bitte das muss ich wohl √ľberlesen haben :sweat_smile:

Was h√§lst du denn davon in die Ini die Forderung nach besseren Ausbildungskontrollen zus√§tzlich einzubringen? Da sehe ich mal ganz abgesehen von schlechter Bezahlung ein Problem. Es gibt Betriebe in denen die Auszubildenden vern√ľnftig bezahlt aber k√∂rperlich ausgebeutet werden. Arbeitszeiten die gegen Gesetzgebungen versto√üen, Ausnutzung f√ľr Aufgaben f√ľr die sie nicht eingestellt wurden, etc. . Wirkliche Kontrollen gibt es aus meiner eigenen Erfahrung n√§mlich nicht.

Ansonsten kannst du dir sicher sein das ich deine Ini unterst√ľtzen werde. Wenn du noch Mitinitiatoren suchst biete ich mich gerne an :slight_smile:


#11

Ist ergänzt.
Danke f√ľr den Beitrag :slight_smile:


#12

Mein Vorschlag wäre, die Bezahlung durch einen Ausbildungs-bafög zu verbesseren und den Schwerpunkt wirklich auf Lernen und Ausbildung zu legen, anstatt die Azubis als billige Arbeitskräfte zu "missbrauchen.


#13

Das gibt es ja schon.
Wenn der Fokus nur aufs Lernen gerichtet sein soll, kann man in vielen Bereichen eine schulische Ausbildung machen. Dann ist man nur in der Schule und lernt den theoretischen Teil des Berufes.
In den Dualen Ausbildungen ist es eben der springende Punkt, dass ein Azubi durch das Learning by Doing die Arbeit und die Prozesse eines Berufsbilds kennen lernt. Um den praktischen Teil wirklich wahrheitsgetreu zu vermitteln, gehört meiner Ansicht nach das Tagesgeschäft und der Alltagstrott des Berufes dazu.
Wichtig ist es jedoch, dass hin und wieder Mal jemand schaut ob in den Ausbildungsstellen auch wirklich der Ausbildungsinhalt im Fokus liegt.


#14

Außerdem sehe ich es irgendwie nicht ein, dass ein Azubi eines Mega-Konzerns den Staat in Form von bafög zur Hilfe zieht.


#15

Das meine ich damit, die Ausbildung unter realen Bedingungen, aber zumindest am Anfang ohne Leistungsdruck und Einsatz f√ľr artfremde T√§tigkeiten.

Das mit dem Baf√∂g ist zumindest f√ľr die kleineren Betriebe eine Erleichterung, wenn Azubi-L√∂hne teurer werden, k√∂nnten kleine Betriebe das nicht mehr leisten, wie schon beschrieben wurde.


#16

Das halte ich f√ľr sehr schwer zu realisieren.
Gerade am Anfang der Ausbildung wird von Auszubildenden gerade in kleineren Betrieben erwatet, sich schnellstmöglich in den Berufsalltag einzufinden.
Artfremde Tätigkeiten sind per se nicht schlecht, solange sie sich in einem gewissen Rahmen halten. (Beispiel: Vertreten des Unternehmens auf einer Messe, wenn Messebesuche null zum Berufsbild gehört)

Baf√∂g w√ľrde bedeuten, dass der Staat dem Azubi aushilft und dieser sich darum k√ľmmern muss alle Nachweise und Formalien daf√ľr zu erledigen. Finde ich nicht in Ordnung.

Aber eine Art Baf√∂g f√ľr kleine Betriebe die sich einen Azubi, geschweige denn einen der teuer ist, nicht leisten k√∂nnen ist ja gerade das Ziel dahinter.


#17

Das ist ja mal ne geile Idee!

Allerdings h√∂re ich Verb√§nde shcon jammern: ‚ÄúHoher b√ľrokratischer Aufwand!‚ÄĚ


#18

Wenn man was f√ľr junge Menschen tun will kostet es halt Zeit und M√ľhen :sweat_smile:


#19

Ich werde die Ini in den n√§chsten Tagen nochmal final bearbeiten und Dinge wie das ‚ÄúAusbilder-Baf√∂g‚ÄĚ einf√ľgen.

Wer wäre dann bereit also mit-initiator*in aufzutreten?
@AlexanderKleilein hatte sich ja schon bereiterklärt :heart_eyes:


#20

Wir sollten evtl. eine andere Bezeichnung f√ľr die Unterst√ľtzungsleistung finden, Baf√∂g ist mMn zu negativ belastet. Ich denke an so etwas wie Auf√ľkle (Ausbildungsf√∂rderung f√ľr Kleinunternehmen) :smiley: Man kann es auch einfach ausschreiben ^^