365 - wie steht DiB zu dieser Zahl?

2 Like

Bei uns in Baden-Württemberg heißt es „Was nix koschd, isch nix“ (sinngemäß: Was nichts kostet ist nichts wert). Daher finde ich es durchaus angemessen und sozialverträglich.

Desweiteren finde ich es gut, dass Bewegung in das Verkehrswendchen kommt. Es könnte sogar mal noch zu einer Verkehrswende auswachsen. In einem anderen Thread zum Thema Verkehr/ÖPNV haben wir schon ausführlich über „Gratis-ÖPNV“ - der ja weiterhin nicht kostenlos ist - diskutiert. Vielleicht sollte eher darüber nachgedacht werden, wie die Refinanzierung umgesetzt wird. Denn egal ob 1 €/Tag oder den Ticketpreis jährlich 20% senken, die Kosten für die Busunternehmen sind weiterhin da, wenn auch anders. Hier müssen Bund, Länder, Kreise und Kommunen an einen Tisch gebracht werden.

Aber wenn man es als Zielvorgabe macht, dass spätestens 5 Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes in jedem Landkreis solche Tickets geben muss, dann könnte das doch machbar sein. Man muss nur wollen.

5 Like

Ich denke der symbolische Ticketpreis ist eher vom Ende gedacht. Ich glaub vor drei Wochen gab es hier eine Diskussion zwischen dem Aktiv-Bus Chef (lokaler Ă–PNV Anbieter) und einem linken Bundestagsabgeordneten.

Hier in Flensburg ist zum Beispiel haushaltspolitisch bestimmt, dass der ÖPNV sich selbst finanzieren muss, das heißt ±0 in der Bilanz haben muss. Hier gleichen die Ticketverkäufe 80% der Kosten aus, 20% werden vom Land gefördert. Im Bundesschnitt ist es eher 70% zu 30%, im ländlichen Raum vermutlich weniger.

Es ist denke ich eher sinnvoll, wie im Beispiel Wien, nur schneller, massiv Geld reinzustecken und das Angebot auszubauen. Die Frage ist wo kommt es her? Kommunen werden abwinken, wenn sie den Ausbau alleine stemmen und gleichzeitig die Ticketpreise reduzieren mĂĽssten.

Wenn das Angebot dann schrittweise steigt und vlt. gar nicht voll genutzt wird, kann man sich ĂĽber VergĂĽnstigungen Gedanken machen. Ein gĂĽnstiges Ticket kann nur dort sinnvoll sein, wo das System schon gut ausgebaut ist.

2 Like

Gaaaaanz einfach…
Durch Umschichtung.
Es reicht wenn von der Förderung für den Individuellverkehr nur 10% Richtung öffentlichen Verkehrsmittel umgelagert werden.

3 Like

Also wenn die Antwort auf eine Frage mit „Ganz einfach“ beginnt, ist das schon mal ein Warnsignal…

10% von was? 30Mrd.€ fasst der Verkehrsetat des Verkehrsministerium 2019. Gerade gab die Deutsche Bahn bekannt, dass ein Loch von 3 Mrd. existiert. Zufällig auch 10%…

Desweiteren ist eine Trennung von Individualverkehr und Ă–PNV in der Stadt wesentlich schwieriger, da oft die gleichen Wege genutzt werden. StraĂźe nicht in Stand halten, damit Busse kaufen, die dann ĂĽber die kaputten StraĂźen poltern?

Zur Ursprungsfrage zurĂĽck: Wie steht DiB zu dieser Zahl (365)?

In dieser Initiative steht es:

Daraus:

„Allerdings ist zu beachten, dass die Umstellung auf fahrscheinlosen ÖPNV schrittweise erfolgen muss,…“

„Zur Finanzierung muss ein langfristiges tragfähiges Konzept entwickelt werden.“

„Der ÖPNV soll vollständig steuerfinanziert sein.“

3 Like

Also 365 … finde ich ja schon mal schön.
Das Ă–PNV- Ticked in Kassel kostet, mit VergĂĽnstigung, 700 Euro im Jahr.
Ich habe auch gerade eine Note von dem hessischen Generalsekretär der CDU gelesen, der zur Eröffnung der IAA in Frankfurt sagt, dass der ÖPNV nicht dafür ausgelegt ist, mehr Pendler als aktuell nach Frankfurt a.M. zu bringen.
Der Ă–PNV musste also total ausgebaut werden um mehr Pendler aufzunehmen. Das dabei das Ă–PNV- Ticket nicht billiger bis (sogar) kostenlos werden kann, ist irgendwie logisch.
Gleichzeitig spricht er davon, das auf der IAA erste Schritte in Richtung Elektrische Antriebe für Autos gezeigt werden. Wenn wir jetzt in 2019, „erste Schritte“ gezeigt bekommen, glaube ich nicht, das wir bis in 2030, 40% CO2 einsparen werden. Zumindest nicht mit dem Autoverkehr. Es gibt keinen „Mittelstand“ der mal eben 40.000 bis 50.000 Euro übrig hat, um Elektrofahrzeuge zu kaufen, die mit einer Ladung 150 Km weit kommen und dann wieder aufgeladen werden müssen.
Prof. Lesch hat uns in Lesch`s Kosmos gezeigt, dass die Bereitstellungsleistung zum Aufladen von 1/3 individueller Elektrofahrzeuge nach Feierabend (= so gegen 17:00 Uhr) gar nicht zur VerfĂĽgung steht.
Die Bereitstellungsleistung ist 350 GWH. 68,5 GWH hätten wir.
Oder sollen wir dafĂĽr wieder ein neueres Atomkraftwerk in Betrieb nehmen?

Link zu Prof Lesch, ab Minute; 9,30 :

3 Like

Nein, ich bin ĂĽberhaupt nicht ĂĽberrascht,

oder sonstwo hinbringen kann. Weil es sich wirtschaftlich weder für ein kommunales/landeseigenes noch für privatwirtschaftliches Unternehmen rechnen würde. Wer - außer der hochgradig gepämperten Autoindustrie - kann es sich denn noch leisten große Reserven vorzuhalten oder auf Halde zu produzieren?

Klar gibt es Zeiten, in denen die Busse, S-Bahnen, Straßenbahnen auch relativ leer unterwegs sind. Wenn das nicht so sein soll, dann müssten wir Arbeitnehmer*innen, Rentner*innen, Schüler*innen, Student*innen uns ganz konkret absprechen, damit wir schön gleichmäßig über den ganzen Tag verteilt unterwegs sind. Das wollen wir - vermute ich mal - nicht mal wirklich andenken. Die andere Variante könnte sein, dass ÖPNV-Anbieter ihre Mitarbeiter*innen nur nach Bedarf beschäftigen und nur die Fahrzeiten als Arbeitszeiten abrechnen. Ich vermute, dass das auch keine*r von uns will.

Stattdessen kommen wieder einmal Binsenweisheiten, die uns um den Mund geschmiert werden.

Und das Gratisfahrten volks- und betriebswirtschaftlich nicht kostenlos sind sollte allen einleuchten, da das Personal und die Betriebsmittel weiterhin gerechtfertigte Kosten verursachen. Das Thema hierbei ist doch „wer bezahlt die Rechnung?“ Und es gibt bereits Städte die lieber die Kosten des ÖPNV komplett übernehmen - ohne Zuschüsse geht es vermutlich kaum auf dieser Welt - und dafür mehr Platz für Lebensqualität haben, mehr Platz für Häuser, Bürogebäude etc. statt Parkplätze und tausende km Straßen. Denn wenn weniger Autos unterwegs sind, dann braucht es v.a. in den Städten deutlich weniger Fläche (Spuren). Es könnten einspurige oder gar Einbahnstraßen genügen. Denn Busse müssen nicht durch jede Straße fahren.

Ja, und wenn wir dann noch Politikers in den Parlamenten hätten, die einfach mal für mehr ÖPNV kämpfen würden statt Binsenweisheiten zum Schutz der Automobilindustrie zu verteilen, dann könnte sich sogar im Autodeutschland etwas ändern.

Ich werde auch mal etwas spinnen dĂĽrfen. :dib_spirit:

6 Like

Das lässt sich nicht ganz vermeiden. In einem gewissen Umfang kann man es durch ein Überlappen der Arbeitszeiten beim ÖPNV kompensieren. Einige Beschäftigte werden auch in Teilzeitarbeit interessiert sein. Eine andere Möglichkeit ist die Staffelung der Arbeitszeiten der ÖPNV-Kunden. So begann und endete die reguläre Arbeitszeit unseres damaligen Nachbarbetriebes eine halbe Stunde später. Allerdings hatten wir jeden Tag eine wahre Völkerwanderung von den großen Wohngebieten in Potsdam nach Teltow und zurück. Ein dritter Großbetrieb befand sich am Rande meines Heimatortes Stahnsdorf. Der Gedanke, dies mit dem heutigen MIV-Anteil zu bewältigen, wäre völlig illusorisch gewesen. Dank der eingesetzten Sonderbusse - auch „Durchläufer“ genannt - lief der Verkehr einigermaßen flüssig.

Nach dem Ende der DDR veränderten sich die Pendlerströme in Richtung Berlin. Es wird von Jahr zu Jahr chaotischer, obwohl sich Busse und Bahnen wachsender Beliebtheit erfreuen. Um so wichtiger ist daher eine Strukturpolitik, die diese Bezeichnung auch verdient. Eine gute Durchmischung, die überall ein ausgewogenes Verhältnis von arbeitsfähiger Wohnbevölkerung und Arbeitsplätzen wenigstens anstrebt.

So dass z.B. irgendwann eine ähnlich große Zahl von Berlinern in unserer Region arbeitet wie umgekehrt viele unsere Mitbürger in die Metropole hineinpendelt.

Ich denke, wir im Forum sind gegen den Aberglauben, dass der Markt alle Probleme löse, weitgehend gefeit. Die Marktwirtschaft ist ein ganz passabler Regulationsmechanismus, wenn man ihre Grenzen erkennt und durch staatliches und sonstiges gesellschaftliches Handeln ergänzt.

Die Planwirtschaft einfach durch die Planlosigkeit zu ersetzen - das funktioniert jedenfalls nicht.

3 Like

Oder noch besser: dass alle mögkichst in ihrer eigenen Region arbeiten und leben können, dann würde das Pendleraufkommen sinken bzw. die Strecken kürzer.

5 Like

Das wäre allerdings der Idealfall. Dann käme auch unsere Infrastruktur mit den paar Hansels zurecht, die (aus welchen Grünen auch immer) etwas weitere Arbeitswege zu bewältigen haben. Doch da sind nicht zuletzt auch die Brötchengeber gefordert, für Verlässlichkeit zu sorgen.

Eine Bekannte konnte noch vor ein paar Jahren ihren Arbeitsplatz auf dem Gelände unseres früheren Halbleiterwerkes bequem zu Fuß erreichen. Doch dann zog das Unternehmen nach Berlin hinein und sie ist seitdem gezwungen, ihr Auto zu benutzen. Ein 365-Euro-Ticket würde ihr vielleicht nützen, wenn wir die bis Teltow fahrende S-Bahn im Ort hätten. Das wird jedoch noch etwas dauern…

1 Like